Schlüchterner Zeitung
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Kreisblatt
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Amtl iches Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern
Nr 51
Samstag, 29. April 1922
74. Jahrgang
Absnnement» aas die Schlüchterner Zeitung jül die Monate Mai mit Jrmi nehmen säkKLltchs ManstaUm ' nud Briefboitn, sowie amere ZeituKZS» Mgrr entgegen.
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SchtüchLerner Zeitung.
Wedel svM Ts^s.
Kerschievene« Garnisonen in Maß-Lot-ir;«M sind wm Kriegsministerium Befehle zugegaugen, die eine Erganzmlg der militärischen Bestände fordern, die für den Fall einer Mobilisation vorgesehn sind.
Am 1. Mai wird in Polen die mitÄlenroMische Zeit M#Bezirkslandesamt in Posen hat beschlossen, eine Aeihe deutscher Besitzungen zwangsweise nufiuctutfen. i^S handelt sich um mehr als zehn Güter mu insgesamt von 28500 Hektar Landbesitz, darunter auch die BeWun gen Bethmann Hollwcqs, dem Bruder des hcrfwtVcnei' Reichskanzlers, im Kreise Wirsitz.
»«als wieder den Alliierten gegenüber Wk günstigen Bedingungen vorschlagen, wie sie es in Genua getan hätten.
Was ist der Zweck -es deutsch-russischen Vertrages?
^ Riga. (F. G. A.) An Moskau fand eine Sitzung des Zentralrates der Sowjets statt, der stets mit dem tu Genua abgeschlossenen deutsch-russischen Vertrag beschäftigte. Mehrere Mitglieder drückten Zweifel darüber aus, ob der Vertrag nicht Rußland zu schwere Auf- gaben auferlege und im Satte eines Zusammenstoßes der Entente mit Deutschland eine neue Blockade oder bewaffnete Einmischung drohe. Sinowjew erklärte diesen Zweifeln gegenüber, daß der Abschluß des deutsch-russischen Vertrages im gegenwärtigen Augenblick wichtig sei, wo Rußland gegen einen Angriff Polens und Rumäniens nicht gesichert sei. Der Abschluß des Vertrags zwinge diese Staaten. chre Angriffspolitil zu ändern. An dem Satte jedoch, so erklärte Sinowjew weiter, daß die Entente keinerlei Versuche der militärischen Eiumi- fchuna unternehme und Rußland somit gegen einen Ueberfall der baltischen Staaten, Polens und Rumäniens gesichert sei, könne der deutsch-russische Vertrag leicht widerrufen werden, da man den Vertrag nicht mit dem deutschen Volke, sondern mit der deutschen Regierung abgeschlossen habe und der Abschluß durch äußere Notwendigkeiten veranlaßt worden sei.
(Wenn diese Meldung den Tatsachen entspricht, wird die deutsche Regierung sofort Aufklärung darüber zu verlangen haben.)
Die WiederaufuahMe der Beziehungen M Rußland.
tung, Satz der britische Borschlag als ein Borschrag angesehen werden könne, der ausdrückliche Bedingung, daß auf der Konferenz von Genua die Revarationssrag? nicht aufgeworfen werden dürfe, durchkreuzt. Man zwei? seit sehr, daß Poincaree den britischen Borschlag anneh? me» wird.
♦* Paris.
Washington: An den
Amerika als Schiedsrichter?
Die „Chicago Tribune"
meldet auL
________ amerikanischen Kreisen
man sich, in irgendwelcher Weise in den europär- Konslikt einzugreifen. Es herrscht die Aufsassunc,
vor, Satz Amerika später als Schiedsrichter über die Be schwsse in Genua auaerufen werde.
Späterer Zusammentritt des Reichstags?
«* Berlin. (B. T.) Der Aelteskenrat des Reichstags ist zum Sonnabend einberufen worden, um über den Termin des WiederzusammentrittS des Reichstags Beschluß zu fassen. Wie das .B. T." erfährt, handelt es sich um die Frage, ob es nickt angesichts der gesamten
deutschen Delegation
a au verschieben.
Bei der Betriebsratswahl in der Commerz- und Privatbank Berlin hat der Allgemeine Verband der BantangesteWen einen starken Wahlersolg zu verzeichnen.
Der Reichselterub««- hält am 2. und 3. Mai in Berlin eine Führertagung ab, auf der zu den schwebenden schulpolitischen Aragen Stellung geriommen werden N>ll. (
Die nächste Ple«arsitz«»g des Preußna-en Land- iaqcd ist auf Mittuuich, den 3. Mai, einbermen worden.
Der pr«rMch< *e»t#fN*iHier h^ * * Wi mt 'tandöhilssüktivn für Oberfchlesieu eiliges eitel
Der Ministerialrar im Reichsarbeitsministermm Dr. von Olshause» ist zum Präsidenten des Direkto- unms der Reichsversimerungsanstalt ftir Angestellte er - nanur morden.
Siue Ciseubahukoufereuz wird in den nächsten Ta- aru ht Eyötluhnen eröffnet werden, an der Deutschland. Ätcruen unb Lettland teilnehmen werden.
Die Liuksparteie« -es sächsischen Landtages wollen der von den Bürgerlicher« Parteien beantragten Auflö- dl«a des Landtages schärfsten Widerstand entgegensetzen.
Der -«rch -e« Pvlizeiskaudal in Brannschweiq kom-' pwmittierte Austizminster August Aunke lUnabh.) hat Mit Landtagsmandat tu -ie Hände seiner Partei zurück- «geben.
Der Bra»-e«b«rgische Lau-bun- hat in einer Vor- Mdsfiyung eine Entschließunq gegen Umlage und ^lAmgswirtschast angenommen.
Der Leipziger Professor -er Theologie Dr. D. Ahnes ist zum sächsischen Landesbischof gewählt worden.
«-^ Berlin. (S. G. A.) Aus Moskau wird über die zwischen Rußland und Deutschland ar sgenommenen Verhandlungen zur Auswertung des Vertrages von Ravallo berichtet, daß der deutsche diplomatische Vertreter in Moskau, Wieöenfeldt, mit Sem Stellvertreter Tschitscherins, Karackan, Sie sofortige Wrederausuaüme der früheren Siplomatischen Beziehungen in vollem Um- . fange beschlossen hat. Es wurde eine arunösätzlichs Einigung herSeigeftihrt über die Wieöeryerstelluna der beiderseitigen konsularischen BezieSunaev., wie sie vor dem Kriege bestanden haben. An Berliner unterrich- ^ten .^veifev wird dies- Meldung als zutreffend ve» zeickuel. Es M n «zunehmen, bau loi oemeun als deutscher Geschäftsträger oder Botschafter in Moskau bleibt und daß Krassin für den russischen Botschc-fter- voften in Berlin in Aussicht genommen ist.
w Berlin
Dw neue« Gehaltssordermtge« der Beamte«.
«-^Berli«. (F. G. A.) Am 1. Mai beginnen bekanntlich die neuen Besprechungen zwischen der Regierung und den Vertretern der Beamten und Arbeiter über die neue Teuerungsaktion. Am Mittwoch haben in Berlin sVesprechungen der einzelnen Beamtenorqanisaiionen und Arbeitergewerkschaften tzattgesunden, in denen die Festlegung gemeinsamer Foröerirngen beschloen worden ist. Ein endgültiges Ergebnis wurde allerdings rwck nicht erzielt, da man zunächst das Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Finanzministern der Länder abwarten will. Es wird sich jedoch in der Hauptsache darum handeln, daß Zuschläge zu den bestehenden Teue
Tschitscherin gibt nicht nach.
»»Genua. (& A.) Tschitscherin erklärt, MB eine Ei- mgung über die Aorderuna der Alliierten, die nationalisierten Güter zu ersetzen, nicht zu erzielen sein werde, da diese Bedingnrlg die Existenz der Sowjets selbst an- taste. Falls man in Genua zu keiner Einigung komme, würden, wie Tschitscherin weiter erklärte, die Rirsien nie
Spannung in Genua.
»»Geuna. Das Duell Lloyd Georae-Voinearee wird hier mit verhaltenem Atem verfolgt. Der englische Ministerpräsident hat die Oeffentlichkeit auf seiner Seite.
Poincarees Sprengnugsversuche.
»» Zürich. Den «Basier Nachrichten" wird aus Genua gedrahtet, daß man in den maßgebenden Kreisen immer mehr die Ueberzeugung gewinne, daß Frankreich immer größere Anstrengungen mache, um die Konferenz von Genua z« sprerrge« und die Bersöhnungspolitik Ata lieus mtt> Lloyd Georges zu hintertreiben. Der von dem schweizerischen Delegierten Motta und dem Schweden Branting angeregte Zusammenschluß der Neutralen, um praktische Arbeiten zu leisten, findet bei der italienischen und englischen Delegation volle Zustimmung.
Eine Aeußerung -er fra«zose«freundlichen „Times".
^London Eine Meldung der „Times" aus London besagt: Der britische Vorschlag, eine Zusammenkunft der Signatammchte des Ariedensvertrages von Verfall les nach Genua einzuberufen, zur Erörterung der Frag«, bei Reparationen, die durch die Reparationskomwissiol' in Paris aufgeworfen worden sei. Habe in ®emta beträchtliche Erregung verursacht. Mo«? öea: n? ^--^^j-.
Aitz««gsöericht der Akademie der Missenschasten zu Werli«.
Ueber des H-Hxn Rssigsische Wörterbuch schreibt Hr. Werbe in Marburg:
Im Jahre 1921 hat die Wörterbocharbeit ohae Untere brechuug rüstig gefördert werden sönnen, weil in glücklicher Weise die notwendigen Mftiel zur Berfögnog standen. Haben doch die eigentlichen Unternehmer des Wörterbvchs, neben der Akademie die Bezirk-oer-ände Gaffel vnd Wiesbaden, ihre bikherigen ZuschÜffe vrrdovpR. Ferner hu der Verein für die Geschichte und Volkskunde Wiltgensteiur ansehnliche Beträge, die ihm für heimatliche Dialektforschung zugefloffen waren, an unser Wörterbuch weitergegeben; sie ftammien von Sr. Durchlaucht dem gälten August zu Scyn-W ttges» steiU'Hoheustein, von Sr. Durchlaucht dem Fürsten Richard zu Sayrr-Witigensteiu-Berleburg und von dem Kreise Wilt- genftetn durch tatkräftige Vermittlung seines LandratS, des Herrn Dr. Kretzschmar in Berleburg. Dazu kamen mdlich hochherzige Zuwendungen des Herrn Geheimen Kommerzkeu» rats Dr. Jn§. Henschel in Gaffel und des Herrn M tt«l- schallehrtl Kappus in Wiesbaden. Allen Genannten sei auch an dieser Stelle aufrichtiger Dank für chre uu«ige»nützige Unterstützung des großen HeimatwerkeS ausgesprochen.
Nicht minder verpflichtet sind, mit allen deck treuen Helfern
■WMIHWMM^MWgg"!»»^^
Der Liebe ewiges Licht.
Roman von Erich »tiefe*. |
tot sNachdruck verböte»-
Wie dieser blutgierige« Meute entrinnen?
Gilbst fühlt, wie ihre Kräfte erlahme». Wohin? Wohin? Barmherzigkeit!
Da sieht sie neben sich Kreuze exschimmer«.
Der Friedhof! Der Friedhof, wo der Vater ruht!:
Und eine heiße Sehnsucht nach dem guten alten t Man« befällt sie.
Zu ihm! Zu ihmlt Zu seinem Gxabe!!
Mit Aufbielen ihrer letzten Kraft reißt sie den in !>ie Knie gesunkenen Hjalmar hoch, drückt Luzifer fest an sich und schlüpft durchs angelehnte Tor, hinein ins Drmkel des Friedhofs — ein armes, unglückliches, ntübe gehetztes Weib.
we« er auch nach der Entschwundene» fragt — niemand gibt ihm Antwort. Ueherall nur stummes Achselzuckem £»et scheue Blicke. Es ist, als ob am hellen lichte« La«e die Leute sich ihrer gestrigen Hetze einer schutzlose« Ära« schämten.
Nn- immer ' ‘
er.
»Eine große Lmu« mit einem kleine» buckeligen Burschen und einer schwarzen Katze, mein Herr? Ja, die habe ich gesehen!" ruft ein alter Bettler, det ge- ; rode vorbeihumpelt, als Gunnar einigen Schiffer» Eine junge .feine n wie Bergitzmetn-
Nacht ist es, als der brave Dorfschullehrer Sophus Allmers und seine treue Ehegattin durch heftiges Glockenziehen aus tiefem Schlaf geweckt werden.
Erschrocken steckt Frau Ging den Kopf zum Fenster hinaus.
«Wer da?"
-Gunnar."
„Gunnar? Du? . . . Was ist los?"
Ast Ebba bei euch?"
«Nein. Wieso?"
«Sie ist fort von Schloß Askö. Entflohen."
«Großer Gott! Wart, ich mach die Tür auf! Einen Angenblick!"
Eine Viertelstunde später sitzen die drei um den funden Familientisch herum und beraten. Gunnar wv die Nacht über hier bleiben und morgen gang früh 'eine Nachforschungen beginnen.
Kaum rötet sich am nächsten Morgen der östliche Himmel - da ist Gunnar auch schon mtterwegr. Doch
aufs neue seine Frage vorlegt. „I
Frauensperson war eS, mit Augen .... _____ nicht so blau «nd Haar wie Gold. Sie rannte, rannte wie besessen. Eine Horde wütender Menschen hinter ihr her. De« Mantel hatte man ihr schon halb vom Leib gerissen. In Fetzen hing er um sie herum. DaS schrvarze Katzenvieh hielt sie an sich gedrückt wie ein kleines Kind. Und der Bucklige humpelte blutüberströmt mit einem Handkoffer neben ihr her. Das wer> den wohl Ihre Leute gewesen sein, mein Herr, was?"
Gunnar, der vergebens den Wortschwall des Alten zu unterbrechen suchte, packt ihn jetzt erregt beim Arm.
«Ja, ja. Und was weiter? Wohin haben sie sich gewendet? Wo sind sie jetzt?"
Verlegen kraut sich der Bettler am Kopf.
»Hm — das web
„Besinnen Sie si<„
Sie eine Silberkrone! Wenn Sie mir auf die rick tige Spur verhelfen, erhalten Sie das Doppelte, dat Dreifache!" ' r
Mit blöden Augen stiert der Bettler auf die bmi sende Münze. Dann verzieht sich sein auSgebunger^
ich nicht."
i, Mann! Sehen Sie e! Wenn Sie mir
; Hier haben auf die rick
tes Gesicht zu breitem Grinsen.
„Dank auch schönstens! Lohne es Ahnen unser Ueber Herrgott! . . . Wo sie sich Jingewenbet hat, die
Er legt den Finger an seine dicke Naje und i av- legt, während Gunnar 1h« in fiebernder Erwartung deob achtet.
»Wo war eS -och, als ich sie rennen fao - . . Ack ja! Die breite Landstraße da hinauf Nicht weit von: Gottesacker. Und auf einmal — da war sie ver-chwun- den. Mitsamt ihrer Katze und dem kleinen Buckelkerl Ach dachte noch bei mir: Wenn sie doch in den Fried- Hof hineingeschlüpft wäre! Da täte man sie wohl in Ruhe lassen. Sie tat mir so leid, die schöne Dame mit den Bergißmeinntchtaugen und dem —*
Doch Gunnar hört nichts mehr. Hastig wirst er drei weitere Silberkronen in die ausgestreckten zitterigen Hände des Alten und eilt davon *- in der Richtung nach dem Friedhof.
Ja, nirgendwo anders kann sie sein, als auf dem Friedhof! Am Grabe ihres Vaters! Den Bettler hat ihm die Vorsehung in den Weg geführt!
Stürmisch pocht GunuarS Herz, als er die Reihen der schmucklosen, grasuberwucherten Gräber entlang eilt.
Alles ruhig. Kein Laut ringsum
Die heilige Totenstille.
Jetzt biegt er in den schmalen Pfad ein, der zu den frischen Gräbern führt.
Schon von weitem gewahrt er an dem letzten, frisch aufgeworfenen. Hügel eine zusammengeduckte, dunkle Gestalt.
Behutsam tritt er näher.
Sie rühr« sich nicht, die stille Gestatt.
Eine mgbnfinnige Angst durchzuckt ihn Wenn sie
tet wäre! Barmherzigkeit!
Da ;' hinter dem Grabhügel eine bucklige Gnomenngnr cm mit einer Katze auf dem Arm. Leise u Gunnar hin und legt, mit einem lall den
Da
er St
schöne große Dame mit den Vergißmeinnichtaugen Bliö! mts die und dem Goldhaar? Warten Sie mal!" . . „ Singer ant ö
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wöugesunkene Frauen
«md. (Fortsetzn
ügt.)