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Samstag, 14 Oktober 1922

74. Jahrgang

Dss RemeGs.

Vom Reichspräsidenten ist eine Notverordnung gegen die Devisenspekulation erlassen worden, die MW Verkehr «it Devisen zu Spekulationszwecken mit Ge- ssngnis und hoher Geldstrafe bedroht.

Ernst Werner T e ch o w hat vor dem Staatsgerichtshof

Geständnis abgelegt, daß er vor dem Attentat auf Rathenau Im dem Morbplan gewußt hat.

Zn der R e p a r a t i o n s k o m in i s s i o n ist das erneute Falle« der Mark Gegenstand der Beratung gewesen.

I _ Das Vorfriedensprotokoll von Mudania ist

! Nachdem der Zustand Z a i m i s' sich gebessert hat, hat er die ihm angebotene griechische Ministerpräsident-

Mast angenommen.

er wankende Llsyd George.

Llvyd George hat als imperialistischer Diktator viel auf m Gewissen; er verstand es, von einem Standpunkt auf n andern zu wechseln, meistens auf Kosten Deutschlands, i<hIii solange Großbritannien davon keinen Nachteil erlitt, »Monierte das Unterhaus sein Vorgehen, selbst kaum er- ägliche Nachgiebigkeiten Frankreich gegenüber. Einzelne fablet schüttelte er als unbeachtliche Tropfen von Oelzeug seines Erfolges ab. Dies änderte sich, als das Staatsschiff urd) die Angora-SrurzweUe Wasser übernahm. Der Premier e offensichtlich einen starker! Mißerfolg zu verze>a>- , und wenn er auch nach bekannter englischer Manier Grie nland als ein unbrauchbar gewordenes Werkzeug seinem icksal überließ, konnte dadurch doch der Schade nicht mettae- t werden. England wurde isoliert, Frankreich und Italien .'gniigfen sich, die Zuschauer zu den englischen O' .' lwirren ab Mgebeir, begünstigten, mehr oder weniger versteckt, die An gora-Regierung, und wenn sie auch nicht zuließen, daß Das britische Heer in Tschanak ein zweites Gallipoii erlebte, misch n sie die Karten für die große Orientkonferenz ia verdacht'.

Weise.

Das brächte die Geister in England in Aufruhr. Neben Hbilügenden Preßstimmen trat der Generalrat des Gewerk Ichastskongresses auf den Plan und fühlte Lioyd George auf den Zahn. Vergeblich rühmte er sich, ftir Griechenland nicht n Penny bezahlt, es weder mit Geld noch mit Waffen un­terstützt zu haben, eine auf die Psyche der City gemünzte Be­schwichtigung, die neugierigen Gewerkschaftler wollten Aus- Härung über die Meerengen-Freiheit und die Stellung des Völkerbundes zu dieser Frage haben und forschten, ob Lloyd beorge bereit sein würde, die Russen zu begünstigen. Die von Chamberlain übernommene Antwort war unbefriedigend; k lehnte ein Eingehen auf die Sache während Der schweben- drn Verhandlungen ab. Die Aussrager hatten bamtt den wundesten Punkt berührt, die Ablehnung Des ttrauhartr rtrages durch Die Russen. England soll die Sowjet Legierung aneRennen, das ist der langen Reden kurzer Sinn, jr.aMM^MmMMi - -..................................

1!

6)

Der funke im Pulverfaß

Lo« ÜG steiler

«Nachdruck verbeten.)

,5a, Sve, bist denn ganz verrückt, nich malne A«t- wort hast, tönnte mir wahrhaftig in Gott nicht benten, wodurch dir Die Petersilie sollt verhagelt sein. - Magst nit fort ins Institut, in Die fremde Stadt ? 6ags, unb ia werd zusey», wie ich Vätern von fein Vorsatz abdring « tu und dir zum Dableiven helfen sann."

(tot aber schüttelte zu alldem nur Den Kopf, unb dann Sang'» wie halb verzweifelt unter der Schürze hervor: ^Niemand kann mir helfen, du nicht, unb ich selber nicht!" Dann aber, als habe sie schon zu viel ge­löst, setzte sie rasch hinzu: .Weiß ich doch kaum fetter, as mir fehlt"

- 3etzt war » aber mit der Geduld her Muhme zu ®*be;Ich will dir sagen, was dir fehtt. Die Arbeit, bei ö" hat mir halt sei Zeit, fe dum»'» 3*ug zu spintisieren, "D bruw, ich sag'» dir jetzt gleich: von morgen ab hat Das Hernmlunger« ein End hu» in Wald laufen ; morgen sehst hu man in der Kuchel zur Hand und lernst Vater» ** Liedlingsspeis kochen, Damit, wennft mal an Mann liegst, in der Wirtschaft Bescheid «echt. Ue setzt hallo, ^sch I Mach, daß du in Die Federn kömmst an Das ^»»««Geschnack «««schläfst; Vater« »er' ich sag'», hätt st

mbei gefühlt und dich franze'sch Gedruckt I" Dabei **t sie das nach ihrer Meinung trotzige Mädel von

^** eetjüdeHbee Aufenthalt; MC ihr breitete sich Der

^Natpilegte, famtgrüne Rasen be» Serien» au*, Welchen ben köstüchste« Blume» be

l/fj^beet» schmückten; im

unb der Schlag, den die englische Volkswirtschaft durch die Politik ihres Premiers erleidet, wird verschärft durch den Schachzug des französischen Unterhändlers H e r r i o t, der in Petersburg erfolgreich für eine russisch-französische An­näherung arbeitet im Sinne eines Handelsabkom-nens und einer Wirtschaftsgemeinschaft. Diese englische Niederlage wird weiterhin vervollständigt durch die Beteiligung der Sowjetdiplomaten an der Konferenz über die Meerengen. Die Franzosen sind dafür und nötigen dadurch Lloyd George zu Verhandlungen mit einer von ihm nicht anerkannten Re­gierung.

Unter diesen Umstünden ist die Mißstimmung gegen den Urheber der schwerwiegenden Fehlschläge in England begreif­lich; er hat in erstaunlich kurzer Zeit so viel an Kredit ver­loren, daß Das Wort Kabinettskrisis auf den Lippen der ver­schiedensten Parteien schwebt. Die Konservativen legen ihm den Verlust des englischen Ansehens zur Last, und die Ar­beiterschaft ist kriegsmüde bis auf die Knochen, während die Unionisten, die Kerntruppe des Kabinetts, in sich gespalten, Zeichen ausweisen, die einer düeutmi verzweifelt ähnlich sind. Das ist eine verhängnisvolle Einigkeit in verschiedenen Lagern, und ob der Mann, der sie heroorgerufen hat, Wider- srandskrast genug besitzt, um den von ihm und seiner ver­fehlten Politik entfachten Sturm zu bestehen, wird sich bald herausstellen. Man darf zwar die englischen Kriegsparteien und ihr.' Nationalbewußtsein nicht unterschätzen, aber das- svkbe gilt von den Gewerkschaften, diesich jedem Kriege »riter festen und den Widerstand gegen jede $otni von Krieg organisieren- wollen. Das dürste, wenn auch in anderer Tonart ausgedrückt, die Meinung breiter Schichten sein und d«m Kabinett einen hippokratischen Zug verleihen.

Das Bsrsrieöens-Proiokott unterzeichnet.

vollmächtig!, das Protokoll Der Konferenz zu unterzeichnen. Die Unterzeichnung des Abkommens durch die alliierten Generale und Jsmet Pascha wird jetzt aus London offiziell be­stätigt. Reuter meldet: Es wurde eine befriedigende Regelung der verschiedenen strittigen Punkte erzielt. Die Türken haben sowohl in der Frage der neutralen Zonen als auch in der Beschränkung der Gendarmerie nachgegeben.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Mittwoch morgen um 6 Uhr hat ein Raketenschuß verkündet, daß das Protokoll zwischen den Verbündeten und der Türkei unterzeichnet wird. 85 Minuten später setzten in Mudania Harington, Tharpy, Mombelli uno Jsmet Pascha ihre Unterschriften unter das Dorftiedensdoftunent. Vor Dem Gebäude, in dem Die Unterzeichnung stattfand, spielte eine türkische Militärkapelle nationale Lieder und Militärmärsche während eine Ehrengarde, ungeachtet der langen Nachtwache, mit lauter Stimme den Text dazu sang:Allah sei geben!,, daß Der Krieg zu Ende ist."

Nach einer Konstantinopeler Reutermeldung, hat der Finanz- kommiffar der Angora-Regierung eine Mckteilue.. veröffentlicht, in der er daran erinnert, daß alle Mumm in gen, Vertrage Kon­trakte und Dekrete, Die von der Regierung des Sultans seit dem 16. März 1920 verkündet wurden, als null und nicht! g anzufehen seien

gruppe einen hinter Fels stücken hervorlugenden Puck, der neckend dichten «Staubregen über ein in Träumerei ver­sunkenes Mädchen fallen läßt. Das gärtnerisch schöne Bild wurde begrenzt von den riesigen alten Bäumen der Parks, zwischen deren Grün die weißen M^rmorgestaiten griechischer Sattheiten hervarieuchteten.

Die breiten Glasflügettüren des im Erdgeschoß des Schlosses befindlichen Gartenjaales standen weit geöffnet und zeigten dem Blick eine mit hohem, künstlerischen Ge schmuck geschaffene Einrichtung. In einer lauschigen Ecke des Gemaches, gebildet von einer Gruppe besonders schöner Blattpflanzen, standen Baron Benno und Baroneß Elinor sich gegenüber.

Man brauchte nicht erst zu fragen, wie diese beiden Personen zueinander gehörten, denn auf den ersten Blick erkannte man, e» waren Vater und Tochter. Das war dieselbe hochaufgerichtete, elegante Gestalt des Barons, die sich in der Person der Barvneß wiedergab, Dieselben Energie verratende» (Sesichtszuge, Die blitzenden, stahl­blauen Augen, nur blickten sie nicht so kalt und harr, wie die des Vaters, sondern es schlummerte in ihren Tiefen ein warmes, echt weibliches Gerühl.

Wie oft hatte Der Baron es schon bedauert, daß Elinor nicht fein Sohn und Erbe war jonDeru Rolf, dieser weichliche Genußmensch, der nicht das geringste Interesse bewies für seinen großen Beug, noch für das Bestreben, die verlorengegangenen, ehemaligen Roden- steinschen Güter und 8än bereit» wieder in einer, feiner Hand zu Bereinigen.

Wie ganz ander» geartet war doch Diese Tochter; hier fand er Verständnis, rege Anteilnahme für den Be­trieb der Werte und ihre Vergrößerung, ür alle», was Dem Namen Rodenstett« in der Welt wieder bea alten, guten Klang gab. Nur eine» mochte ihm au der Tochter nicht recht gefallen, ihre ihm weit über Da» gebotene Maß hiaausgehende» sanitären Bestrebungen, und hierin er hatte es manchmal schon erfahren müssen zeigte sie aud) Art von feiner Art. Dieselbe eiserne Beharr- Uchteil, wie er sie bei allen Dingen hatte, und wo sie mit seiner Ganehmignng nicht ««eichen rennte, was ihr

RolvMSÄMKg gegen

Devisenspekulation.

Tas Reich^minifteri«« befaß« sich mit Maßnahme« zur Verhütung Des weitere« Sturzes bet Mark. Gs wurde vor allem die Notwendigkeit des schleunigen Er- lastes von Vorschriften, die eine Einschränkung der Spekulativ« in ausländische« Zahlungs­mitteln bezwecken, anerkannt, und es wurde einstimmig der sofortige Erlast einer Notverordnung auf Gruad des Artikels 4S beschlossen. Zm Zusammenhang hier­mit wurde die Frage der Ausgabe wertbeständi­ger Schahanweisurrge« sowie weiterer Ltühnngs- mastnahmen für die Reichsmark erwogen. Die Stoiber» orbnung hat folgenden Wortlaut:

§ 1.

Die Zahlung in ausländischen Zabrungs- Mitteln Darf bei Jnlandsgefchäften im Sinne des § 1 Absatz 3 des Gesetzes über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsnnnsla vom 2. Februar 1922 nicht gefordert, angeboten, aus­bedungen, geleistet oder angenommen werden. jn; Kleinhandelsverkauf ist auch die Preisstellung i« inländischen jüi» lungsmittel» auf der Grundlage einer ausländischen Währung verboten.

§ 2-

Der Erwerb ausländischer Zahlungsmittel ist nur nach vorheriger Genehmigung der Prüfungsstelle zulässig. Der Genehmigung bedarf es nicht, wenn der Auftrag von der Reichsbank oder von Banken oder Bankiers im Sinne des § 1 Absatz 1 des Gesetzes über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln oder von einer Person erteilt ist, die im Handels- oder Genoffenschaftsregister eingetragen ist, und der die zuständige Handelskammer eine Bescheinigung darüber erteilt hat, daß ihr Gewerbebetrieb Geschäfte regelmäßig mit sich "sr ingü, zu deren AbKickkuiP Zahlungen nach dem Ausland notwendig sind.

_ § 3.

Die in 8 1 des Gesetzes über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln vom 2. Febrimc 1922 bezeichneten Banken und Bankiers dürfen Verkaufsgeschäfte über ausländische Zahluugs- mittel nur abschließen, wenn sie sich über die Person des An­tragstellers vergewissert haben. Die Auftraggeber haben einen Beleg in 3 Stücken einzureichrn. aus dem, soweit es

'ich um Erwerb von ausländischen Zahlungsmitteln Verwendungszweck ersichtlich ist.

§ 7.

Gekchäfte, die entgegen dem Verbot des werben sind nichtig.

§ 8.

Mit Gefängnis bis zu 3 Jahren strafe in Höhe des Ein- bis Zehnfachen des

§ 1

und

hantelt, der

abgeschlossen

mir Gelb -

Werres der aus-

ländlichen Zahlungsmittel oder mit einer dieser Strafen wird bestraft:

1. Wer vorsätzlich den Vorschriften des § 1 des Gesetzes über den Verkehr mit ausländischen Zahlungsmitteln vom 2. Februar 1922 oder den Vorschriften des § 1 dieser Verord­nung Mwiüerhandelt;

Pflicht schien. Da -and sie immer noa) einen Schleich eg, auf dem sie zu Dein gewünschren Ziele tam.

Heute war es aber keine zu lösende Arbeiterfrage, die beide beschäftigte, sondern es betraf ihr Gespräch Die von feiten Des Vaters gewünschte Verbindung seines Sohnes Rolf mit Der Freifrau von Gellern.

Mißmuttg hatte Der Baron von der großen Summe berichtet, Die er, Die Ehre der Sohnes zu retten Dem Spielteufel hatte opfern müssen, jege ^uhr er mit er ebener Stimme fort: .Und es ist Darum hvye, ja höchste Heil, Dem flotten Leben Rolfs ein Ende zu machen, und das geschieht am besten durch seine Verheiratung; Karoline von Heitern scheint mir, abgesehen davon, Daß üe unserem Hamse das Gut Warrau wieder zurückvringt, ganz Die Frau zu fein, Dem jungen Herrn Die Zügel fühlen

lassen."

Elinor hatte den Vater ruhig anrsprechen lassen, jetzt aber legte sie ihre schlanke, weiße Hand auf feinen Arm unD fragte:Glauvst du aber auch, Daß Karoline Die richtige Frau ist, Rolf glücklich zu mach«» ? Ich kann s mir nicht denken!"

Glücklich zu machen?" klang es gedehnt aus des Barons Munde, Diesen Faktor hatte er bei Abfassung seiner Pläne nicht mit in Berechnung gezogen, wozu auch ? Einzugesiehen wagte er Dieses Der Tochter gegen über aber doch nichl, so sagte er Darum nur: .--»viel ich habe bemerken können, ist unser Rolf der Frau von Gellern nicht gleichgültig, und nach meinem Dafürhalten ist es i» solchem Falle nicht ausgeschlossen, daß Siebe (Segenliebe erweckt; zudem ist Karoline kein« häßliche Frau und" setzte er lachend hinzu, .wir Männer sind ja der ebten Weiblichkeit gegenüber leibet immer schwach. - Rede mir also nichts Darein, Elinor, sondern schreibe «»» paar liebenswürdige Zeilen und labe die gnädige grau für einige Zeit zu uns ein."

Aufseufzead erklärte Elinor: .Wenn Du es durchaus nicht anders willst, so foi es, aber all« Verantwortung für Die Jörge«, Die daraus entstehen, kommen auf dich."

Hurrjetzuntz folgn)