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Amtlicher Organ für Stadt und Kreis Schlüchtern

Nr. 135

Samstag, 11. November 1922

74. Jahrgang

, ANevSei vom Tage.

Mussolini will nach derTribuna" die Vertretung Italiens auf der Laufanner Konferenz selbst übernehmen.

Graf Sforza scheidet aus dem italienischen Staats­dienst aus, ohne erst auf seinen Folien nach Paris zu- rückzukehren. Einer Meldung aus Rom zufolge werden gegen ihn disziplinarische Maßnahmen geplant.

Im Freistaat Hessen und in Bayern ist die Tech­nische Nothilse zur Einbringung der durch den frühen Frost gefährdeten Kartoffelernte eingesetzt worden.

Die Gefährdung der Brotversorgung hat in München so ernste Formen angenommen, daß aus Mangel au Brotmebl bereits mehrere Bäckereien nicht mehr im­stande waren, Markenbrot herzustellen.

An Stelle des vom Amte zurnckgetreteuen Staats­präsidenten Dr. Hummel ist der Minister des Innern Dr. Hämmerte zum badischen Staatspräsidenten gewühlt worden.

Poincaree sandte nach London eine Note, in der der Wunsch nach xnger Zusammenarbeit in der Orient- und Reparationsfrage zum Ausdruck kommt.

Die Oberkommissare der Alliierten erbaten und er­hielten die Ermächtigung den Belagerungszustand über Konstantinopel zu verhängen.

In Portugal ist eine aufständische Bewegung aus- gebrochen, doch soll es der Regierung gelungen sein, sie sn unterdrücken. _

Wochenschau.

Die sächsischen Wahlen haben, vsfengesagt, gegen all? Erwartung ein Resultat ergeben, das in eine Stärkung der sozialistischen Parteien hinausläuft. Amtliche Mel­dungen besagen, daß der neue Landtag sich aus 41 So­zialisten (bisher 40), 10 Komunisten (9), 18 Volkspar- teilern (18), 8 Demokraten (8), 19 Deistschnattonaleu r(20) zusammensetzen wird. Das Zentrum, das bisher nur mit einem Sitz vertreten war, ist sogar ganz aus dem Landtag verdrängt worden.

Die Neuwahlen waren bekanntlich durch die Deutsch­nationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei ver­ursacht worden. Es war ihnen um jedpa Preis um einen Volksentscheid zu tun. Einen solchen aber hatten bisher die Sozialdemokraten immer gefürchtet und sich deshalb in ihrer Regierungsgewalt, die allein in ihren Händen lag, doch etwas beschränkt. Jetzt aber ist eine solche Rücksichtnahme nicht mehr vonnöten. Der ge- fürchtete Volksentscheid hat ihnen sogar das Heft noch fester in die Hand gegeben, und mit der erhöhten Macht ist nunmehr auch jedwede Furcht und Rücksicht ge­schwunden. Sie können also jetzt nach der berühmten ParoleImmer feste druff" weiterregiererr. Dazu kommt noch, daL nunmehr auch in Sachsen me Kommu­nisten auf die Regierung einen nicht zu unterschatzen- den Einfluß haben werden, den sie natürlich weidlich ausnutzen werden. Aber nicht nur für Sachen ist dieser sozialistische Sieg von einschneidender Bedeutung, son- dern er wird es auch für ganz Deutschland fern., Herr Fellisch, der sächsische Wirtschaftsmmlsier, wird seinen durchaus nicht heimlich gehaltenen Plan, eme neuo re­volutionäre Bewegung '«ganz Deutschland durch zu- fetzen, nunmehr mit etwas mehr Zuversicht durchzu- führeu versuchen. . r c,

Schwierigkeiten über Schwierigkeiten x Haufen sich j«nt in der irmeren Politik Deutschlands. Immer hoher steigt der Dollar, immer tiefer sinkt die Mark, obwohl gerade ießt in Berlin au ihrer Stabklisterung verzwel- ielt^ herumgearbeitet wird. Die Berliner Verhand­lungen sind^bis jetzt, wenn auch nicht direkt negativ, so doch mindestens erfolglos verlaufen. _

An eine ausländische Goldanleihe ist letzt weniger als ÄkÄ« . und *6

einer neuen Hoffnung, die uns das vCbtuiöt ßu ^ - *J Esgeschmil bescheren fall, nämlich von der auf die siritnpTpT ^rinanLkonserenz. Wenn ivir tot Hoffnung

schon längst zugrunde gegangen, aber d.en mgM tbur Krücke aller Verzweifelten ist ja ^nm (nun der

M L^n der Weltdiplomatie, die jem nui tf^Ä^ » E Sn 8n?fs^mird mit in den Abgrund reißen wird. Herr

S&ÄSÄ-ffg ?ÄfvrÄS könnte dann eine neue der Basis der Banker ' ^^ Deutschland ein sicheres Währung ausgebaut ^r?c ^ aus eine sichere Budget ermöglichen n j ' A^ses Allheilmittel sieht SSÄÄ ®«»«W einer L»-.

eine^nach links gerichtete Regierung abermalsm d"dmm begriff^ % Bayern eine nach Hechts gerWt^ weiter in Dienst teKÄtS* L einem Platz im Reichstage strebt.

....nn »ninina ist neuer Ministervriiswexr gcwm- den und» °ls^ Art Ka»r-Ms»tz, allerMnaä für diP Männer der Mittelpartei (Deutschnationale Volk^- all ein recht untaugliches Surrogat. Man S rn t des aufsteigenden Löwen nach einem iiÄr-n^Mauu S-r fest, mit diktatorischer Gewalt, gegen »ÄÄ^SÄS ^^""»t'c NaUo»alIozi<>Iist<m werden in tiefem ®S?j!J5 »SSn«»

Dollar immer höher steigt und TOißeimjrm Mark immer tiefer sinkt.

Die endgültigen vorjHWe WerreW.

«troffen. Es Iwnteltto »« «« :« §Ä5 LK«KEMÄ «E°, b-m-r!t-nb°E

» Ä SEnS Sw stammt das erste Gutachten wie- K » das zweite von Brant.

Roch ein Hoffnungsanker.

.. Entschädigungskommission hat der Reichsreme- ü«r öfc ao»l« mne $ wrta-setzt werden sotten, SS «er "e W«?"»« Äffi noch nickt gesprochen worden ist. Man rechnet mit*dgß^die.Entschädisungskowmission entsprechend b- rer urspriinglichen Absicht, in Berlin nur Informatio­nen einziehen zu wollen, der Regierung öen Empfang der Antwortnote kurz bestätigen und dann am Freitag nach Paris zurückkehren wird. Möglich ist es aber auch, daß die Entschädiguligskvmmissivn noch eine kurze Be­ratung abhält und die Antwort an die Reichsregierung so ausfalten läßt, daß gewisse Hoffnungen auf Annahme der letzten Vorschläge der Reichsregierung bestehen.

Die Schlußsitzung.

»-«-Die Entschädigungskommission wird sich Donnerstag vormittag um 10 Uhr in einer besonderen Sitzung mit den ihr überreichten neuen deutschen Vorschlägen be­sassen. Wahrscheinlich wird dann noch im Laufe des Ta­ges eine Zusammenkunft zwischen den Mitqliedern der Entschädigungskommission und den deutschen Regje- rungsvertretern stattfinden, die aber lediglich einem for­mellen Abschluß der Verhandlungen und der Verabschie­dung der Delegierten beim Reichskanzler dienen dürste.

Das erste Gutachten.

Die Markstabtlisieruug.

Die internationalen Finanzsachverständigen haben ihre Gutachten erstattet und der Reichsregierung rnitge- teilt. Das erste von Brant, Cassel, Jenks und Keynes unterzeichnete Gutachten enthält folgende Ausfüh­rungen:

Die Gutachter sind vollkommen überzeugt von der dringenden Notwendigkeit, die Mark zn stabilisieren. Unter Voraussetzung gewisser Zugeständnisse seitens der Gläubiger sei die Stabilisierung möglich?Jn erster Linie müsse sie aber von Deutschlands eigenen Bemühungen ausgehen. Es ist hoffnungslos, im Augenblick die Sta­bilisierung von fremder Hilfe zu erhoffen, da Deutsch­land alS wichtigste Grundlage eine eigene aufbauende Politik haben muß.

Auf die Frage, ob die Stabilisternng unter den gegenwärtigen Umständen möglich ist, wird mit Nein ge­antwortet, 1. aus inneren Gründen, vornehmlich wegen der Finanzpolitik des Deutschen Reiches in der Kriegs- und Nachkriegszeit, 2. aus äußeren Gründen, insbeson­dere wegen der Lasten aus dem Versailler Vertrag. So lauge nicht Deutschland für einige Zeit von den Zah­lungen aus dem Versailler Vertrag entlastet wird, würde jeder Versuch zur Stabilisierung der Mark scheitern und nur zur «utzlosen Vergeudung der letzte» Reserve« Teutschlauds führen. Die Länge des Zeitraumes nir die Einstellung der Zahlungen ivird von der Möalrchkeit abhängen. im deutschen Haushalt einen Neberschuß zu,er­zielen. Die Zahluugeu können erst wieder ausgenom­men werden, wenn sie aus einem wirklichen Ueberfchuß stammen, nicht aus neuer Inflation. Die Gutachter glauben, daß der Zeitraum gegenwärtig auf wenigstens 2 Jahre festgesetzt werden müßte. Der Zahlungsauf­schub müsse Sachleistungen ebenso wie Barzahlungen umfassen.

Die endgültige Regelung des Reparation», ^oblems wäre sobald wie möglich zu trefsen. Die Unterstützung durch ein internationales Konsortium würde von der größten Wirkung auf die Stirmnung des Publikums sein. Es sollten daher Verhandlungen über eine der­artige Hilfsaktion eingeleitet werden. Vor einer end­gültigen Regelung des Reparatlousproblews auf ver­nünftiger Grundlage könnten Auslandskredite nur i« bescheidenem Umfange und nur durch Unterstirtzung eigener Maßnahmen Deutschlands erhalten werden. Der Erfolg der Stabilisierung hänge vom Gleichgewicht des Staatshaushaltes ab. Äußerste Sparsamkeit und äußerste Strenge in der Eintreibung der Steuern sind von ent­scheidender Bedeutung. Die Beschaffung des Kapitals für öffentliche Arbeiten darf nicht aus den laufenden Einnahmen erfolgen, sondern mnß durch innere fun­dierte Auleiheu gedeckt werden. Auf der Debetseite seiner Zahlungsbilanz hatte Deutschland das Desizit der Han­delsbilanz, seine Zahlungen aus dem Versailler Vertrag und die Kapitalflucht auszugleichem Dafür standen nur beschränkte unsichtbare Ausfuhren, Auslandskredtte und Auslandskäufe von Mark und Markwerten zu Gebote. Irgendwie hätten diese beiden Seiten der Zahltmgs- üilanz noch während des laufenden Jahres ausgeglichen fein müssen. Wäre die Handelsbilanz wirklich in dem Maße passiv, wie angenommen wird, so hätte der Auf­kauf von Markwerten durch Ausländer eine Höhe er­reicht müssen, die jede Möglichkeikt übersteigt. Daraus ist zu folgern, daß der Passivsaldo der gegenwärtige» deutschen Haudelsbilauz nicht so groß sein kann und daß, salls die Zahlungsbilanz von den Zahlungen aus dem Vertrag von Versailles und den Kohleneinfuhren zum Ersatz der Lieferung von Reparationskohle befreit wird, der Ausgleich der Zahlungsbilanz möglich sein muß.

So halten die Gutachter denn den Zustand der Han­delsbilanz nicht für ein entscheidendes Hindernis der Stabilisierung. Zur Wiederherstellung der deutschen Handelsbilanz wäre die Wiederherstellung der Gleich­berechtigung für Deutschland im mternationaleu Handel in bezug auf das Recht, Zölle von der Luruseinfuhr zu erheben nd für die Ausfuhr die Meistbegünstigung zu sordern. Die Stabilisierung wäre zu einem niedrigen Werte der Mark zu versuchen, wobei dieser Wert erheb­lich höher sein kann ars der augenvlrckltche. Fm Augen­blick dürfte ein Kurs von 3000 bis 3530 für den Dollar als Grundlage der Stabilisierung richtig sein. Aus einem derartigen Kurs wird aber eine erhebliche Steige­rung -es Notenumlaufs nach und nach in dem Maße nötig sein, wie das Geschäftsleben des Landes zu nor­malen Verhältniße» zurückkehrt. Nach vollkommener Durchführung der Stabilisierung muß eine neue Wert­einheit in Höhe eines Vielfachen der stabilisierten Paprer- mark im Interesse der Verkehrserleichterung eingeführt werden.

Als RichÜinie« für die Stabilisierung der Mark führen die Gutachter folgendes an: Gegen die Zustim­mung zum Aufschub aller Zahlungen ans dem Ver- failler Vertrag für die Dauer von zwei Jahren sollte die deutsche Regierung der Reparationskommission folgende Garantie» geben: a) In Berlin ist als besonderer xeil innerhalb der Organisation der Reichsbank eine «nab- hängige Währsgsstelle zu schaffen, der die Reichsbank einen angemessenen Teil ihrer Goldreserve zur Ver­fügung zu stellen hätte.

b) Solange ein Tetl dieses Geldes noch frei ist, hat die Währungsstelle Papiermark bei Angebot zu einem, festzusetzenden Kurse zu kaufen. .

c) Der Gesamtbetrag der schwebenden Schuld darf nicht über eine bestimmte Ziffer hinaus anwachsen.

An diesen Grundsätzen darf ohne Genehmigung der Reparationskommission nichts geändert werden. Nach Genehmigung vorstehender Vorschläge durch die Repa­rationskommission wäre ein iuterxatumaleS Fmauz: konsortium zur Mitarbeit bei der finanziellen Stützungs­aktion einznkoden. _

Weitere Vonchl^g? betreffen die Schafnms emer^ Devisenreserve und die $efett8»na. o6*|l a^ Ordnungen.

^Neue Männer auf die Kommandobrücke.^

m> Der von der Deutsch-demokratischen Partei zur

Deutschen Volkspartei üöer getretene Reichstagsabgeord­nete Dr. Heckscher richtet im Leitartikel desHaurburger Korrespondenten" einen scharfen Angriff gegen den Reichskanzler Dr. Wirth. Er schreibt u. a.: Der inzige unter den heutigen Machthabern, von dem er den Ein­druck gewinnt, daß er staatsmännisches Können mit staatsmärmischem Handeln verbindet, ist Prä üdent Ebert, der aber von seinen Gaben im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Stellung nur einen beton:denen Gebrauch machen karm. Tatsächlich liegt dre entschei­dende Macht bei Wirth. Wer ist Wirth? Unzweifelha. ein Mann von Gaben, vor allem auf rednerischem Ge biete, und unzweifelhaft ein Mann von vaterläudiscker Gesinnuna, aber auch unzwetfelhaft ein Mann des völligen Versagens. Mau weiß bisher m der Geichichte des dcutscheu Volkes außer Bethmann Hollweg feine Persöultchkeikt, die so stets von Mißerfolg zu Mißerfolg geschritten ist wie Wirth. Besitzt der Reichskanzler nicht chnen einzigen Freund, der ihn beschwört, sein Amt «ie-erzulegen. Das einzige Gebot der allerletzten Mi­nute ist: neue Mäuner auf die Kommandobrücke.

Mißerfolg zu Mißerfolg t der Reichskanzler nicht

Die Parteiführer wieder beim Reichskanzlei

»-«.Wie dieT. U." erfährt, werden die Parteiführer Donnerstag vormittag wieder vom Reichskanzler emp- fanaen werden. Es verlautet, daß Dr. Wirth weitere Aufklärungen über die Antwort an die Entschadigungs- kommission und über die Sachverstäiidlgen-Gittachtcn soeben wird.