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Schlüchkerner Zeitung

IM «««<. , MuWUllin

AmMcher Anzeiger für den Kreis und die SksM Schlichtern

Nr 34

Donnerstag 22 März 1923

75. Jahrgang

ALLerlet vom Tage.

Reichskauzier Enno wird seinen»»gst verschobenen Besuch in München wahrscheinlich am Donnerstag aus­führen.

m Zürn Polnischen Geschäftsträger in Berlin ist neuer­dings Iakowski ausersehen. Iakowski ist aus Posen gebürtig und war früher Leiter der deutschen Abteilung des Auswärtigen Amtes in Warschau.

In Sachsen ist für die Regierungsbildung eine Ei­nigung zwischen den Sozialdemotraten und Kommuni­sten zustandegekommen.

In Berlin ist der ehemalige Ireikorpssührer Rotz- bach verhaftet worden. Wegen dri»lgenden Verdachts des Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutze der Repnblik ist ein polizeiliches Ermittelungsveriahren gegen ihn eingeleitet worden.

Der französische Minister für öffentliche Arbeiten Le Troquer ist ins Ruhrgebtet abgereist, um die durch das Eisenbahnregime getrosfene»» Disvositione»» zu prüfen.

In Larac bei Marazaibq in Venezuela ist eine Rie- feneröölauelle entdeckt worden. Sie täglich 120 000 Faß Petroleum liefern kann.

Ei«e neue Verordnung des Reichsfinanzministers ist in Kraft getreten, wonach die Summe der nach dem Ka­pitalfluchtgesetz erlaubten Mitnahme von Zahlungsmit­teln nach dem Ausland von bisher 200 000 MaÄ auf 600 000 Btark erhöht wird.

Z« dem Anschlag auf Smeets weidet dieV. SA Latz der Separatistenführer seit tätigerer Seit ein Atten­tat befürchtete und deshalb meist in französischer OM- ziersuniform ausging.

Das holländische AutzeuMintsterinvr teilt mit, daß die neue lOprozeutige Ausfuhrabgabe der Ruhrbesatzungs- behörden für Lieferungen aus Kontrakten vor der Be­setzung und für die deutschen Kohlenlieferungen an Hol­land nicht erhoben werden wird.

Zur Behandlung Lenins begeben sich die Professoren der Leipziger Universität Dr. r. Strümpell und Dr. Bumke aus schnellstem Wege nach Moskau.

Die frühere Königin Milepa von Montenegro ist in Nizza gestorben. Der italienische Hof hat Hoftrauer an­gelegt.

Die Losten der Ruhrbsfetzung^

«8* Die Pariser Morgenblätter veröffentliche« eine offi­ziöse Meldung, wonach der Fmauzmiuister an den Fi­nanzausschuß der Kammer eine schriftliche Mitteilung über die Kosten der Ruhrbesetzung gerichtet habe. Für die Monate Januar bis April einschließlich seien die Kosten der Besatzung auf 196 Millionen Franken zu veranschlagen. Davon wäre« 36 Millionen Franken auch ohne die Ruhraktion für den Unterhalt der betref­fenden Truppe« a«sgegebe« worden, sodaß die Mehr- koste« sich »ach der amtliche» Berechnung auf 160 Mil- lioneu Franken belaufe».

Die militärische Besetzung des Ruhrgebiets kostet demarmen" Frankreich in dem ersten Vierteljahr nach der französischen Berechnung rund,200 Millionen Fran- kem Diese Berechnung ist aber insofern unvollständig, als sie nicht die wirtschaftlichen Schäden berücksichtigt, die durch die Ruhrbesetzung entstanden sind und die nicht allein Dentschand, sondern auch Frankreich treffen. Diese

Schäden sind für Frankreich ungeheuer groß. Der fran­zösische Franken ist seit dem Ueberfall auf das Ruhrge­biet wesentlich gesunken. Frankreich »nutz daher ganz gewaltige Summen nrehr bezahlen für seine Einfuhr aus den Ländern mit hoher Valuta, die in die Hunderte Millionen monatlich gehen, ferner bekommt es von Deutschland nicht mehr die Entschädigungskohlen von etwa zwei Millionen Tonnen monatlich. Es hat fast die Hälfte seiner Hochöfen ausblasen oder abdämpfen müssen. Gegenüber diesen ungeheuren wirtfdjaftlidien Verlusten sind die reinen Besatzungskosten immerhin noch sehr gering. Deshalb sucht man in Paris die wirt- schaftlichet» Verluste zu verschleiern, wenn über Ruhrabenteuer Rechenschaft verlangt wird, oder spricht am besten überhaupt nicht davon.

das man

Die Bevölkerung Vrrers unschuldig.

Seltsame französische Widersprüche.

Oberbürgermeister Zimmerma«« von Buer und Sparküsserrdirektor Pöppinghaus, die befanntlid) festge­nommen worden waren, sind wieder freigelassen wor­den. General Laig«elot eröffnete in der Untersuchung in der Angelegenheit der Ermordung der beiden fraw höfischen Offiziere, sie hätte ergeben, daß die Stadt und die Be«ölker«ng kein Verschulde« treffe. Dre Spur führe nach der Schutzpolizei. Die mutmaßlichen Tüür feien festoestellt. Es handle sich um den Krimi nalbeam- ten Burchhoff und den Monteur Wittershage»». Beide feien auf dem Weg zum Gefängnis in Recklinghau^en in der Nähe eines kleinen Wäldchens zwischen Buer und Westerholt bei einem Fluchtversuch von den Franzosen erschossen worden. Die weiteren französischen Ermitt­lungen seien weiter dadurch sehr erschwert, wurden aber fortgesetzt.

Diese französische Darstellung ist ein Musterstück französischer Berdrehungskunst und ein Zeichen der Hilflosigkeit. Einmal sagen die Frauzoien, die Mörder feien in den Reihen der Schutzpolizei zu suchen und »nei­den in demselben Atemzüge, ein Knminalbeanrter und ein Zivilist seien die Täter. Das Alibi des Herr»» Burch- hoff ist einwandfrei festgestellt. Der Krimlnaweamte hat sich am Mordtage dauernd im Stadtteil Buer-Evle artf- pchalten, das vom Tatort mehrere Kilometer enternt liegt Nach eidlichen Feststellungen hat der Beamte von abends b uhr bis11 Mr in der Wirtschaft Forsthof in tiitorjiifcrt# mit writeftreM Herren Skat gespielt. Der

Lnvütenr Wütersyagen nar von der Mororat er« am nächsten Morgen erfahren. Wie erinnerlich wurde der Kriminalbeamte von den Franzosen festgenoonnen, weil er von landfremden Gesindel denunziert worden war, nachdem er es abends beim Verlassen der Wirtschaft zur Ruhe gewiesen hatte. Wittershagen wurde verbatet weil er das Unglück hatte, bei Bu chhoff im selben Hause zu wohnen und dieser sich bei ihm vor den Fran­zosen versteckt hatte. Es ist nicht ruMg> wenn die Fran­zosen behaupten, die beiden seien bet einem Fluchtver­such in einem Wäldchen unweit Au er erschossen worden. Tatsache ist, daß beide auf dem Platze hinter dem 8lat= Hauch durch Kolbenschläge und Gewehrschüsse in bestia­lischer Weise hingemordet worden sind. Die Anwohner des Rathausplatzes bezeugen dies entwand ren

Der GerreralsLab der Meiuarmee in £ ü tdetf.

im Havas meldet aus Düsseldorf: Die Verlegung des Generalstabes der Rheinarmee von Niainz nach Düssel­dorf ist durchgeführt worden. Die Dienststellen des Ge- tchralsiabes werden einem Stabschef unterstellt.

Der Aelchrprüpde»! in Hamm.

In einer von etwa 1500 Delegierten und Berucetern des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens des Ruhr­gebiets besuchten Versammlung in ©amm hielt der Reichspräsident eine länger? Ansprache, in der er vor allem der Bevölkerung des Ruhrgebiews den Dank und die Bewunderung des ganzen Volkes für den Adrueor- kampf aussprach, in dem die Beamten, die AngestuUen «20 die Arbeiterschaft wetteifern. Dieser Dank gelte allen denen, die an Rhein und Ruhr, in Hessen, Pfalz und Baden die Not und Last des passiven-Wide , . - ; tragen. Der Widerstand sei übrigens nicht, wie die Gegner behaupten, planmäßig organisiert worden, wn- Mrn spontan und Allerorten aus eigener polittscher und Wirtsdmftlidier Erkenntnis der Bevölkerung und ohne jede Aufforderung der Regierung entstanden. Arbeiter wie Unternehmer erkamrten sofort, daß das bemube M irt ühastsleben und die deutsche Einheit in höchster Ge­fahr standen durch den Einbruch ins Ruhrgebiet, den keichtsertigsten Bruch von Recht und Moral, den die Neuere Geschichte kenne. Der Einbruch, wirtschaftlich ein Vollkommener Wahnsinn, sei die krasse und fast mrver- hüllte Aeutzernna des politischen und wirilchaftlicheu AmperialisuntZ FrankreichL. Der NeichsprSstvent. der anut barlegte, daß Deutschland nicht vurw eigene ^m > tu diesen Kamps geraten ist und die größten Opfer sie»

Dollar

KchatzanWsismrgr«

des Deutschen Deiches

Garantiert von der Reichsdank

S^tttg de« Seid? UN :

258

Sonnabend, den 21 März 1923

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I I

ibre Mebe und Treue zum Barerlanse mit dem Leben bezahlen mußten. Die Fürsorge für die Hinterbliebenen soll eine Ehrenpflicht des ganzen, deutschen Volkes sein. Mit freudiger Befriedigung erinnerte er ferner an die imposante Opfersrende, die wie der Wille zur Abivehr vvn selbst und in allen Kreisen des deuls:en Volkes entstand. Er sprach die zuversichtliche Hoffnung ans, daß diese Opferbereitschaft nicht erlahme und verwies auf die Tatsache, daß das Reich und Preußen alles tun. um der Not zu steuern und die Erttährung in dem Einbruchs- aebiet sicher zu stellen. Wo sich aber Schumro r mm und Gewinnsucht einzelner zeichn, muß mit aller Ener- aie und Schürfe vorgegangen werden. Sodann stellte der Reichspräsident fest, daß die Gegner keine Bereit­schaft zu freier und gerechter Verständigung zeigen, zu der die deutsch« Regierung immer bereit war und bereit ist, und erklärte, daß der Mmpf, in dem Demschlaul allein steht, mit der Waffe des passiven Widerstandes unt gestützt aus das gute Recht Deutschlacids geführt werden müsse. Unterwerfe sich Deutschland den Machtgelüsten Frankreichs, dann sei es gescheiten um Bestand, Selbst­bestimmung und Zukrulft der deutschen Republik, um die wirtschaftliche und soziale Stellung der deutschen Ar­beiter und ihre Weitererttwickelung, die dem französi­schen Kapitalismus ein Dorn im Auge ist. Der Reichs­präsident schloß mit einem warmen Appell an die Män­ner von der Ruhr, auf deren tapfere und besonnene Haltung Deutschland voll vertraue. ,

Nach den mit stürmischem Beifall auf genommenen Ausführungen des Reichspräsidenten fytneben der ReichSgPbeitsmini Her Dr. Braun, sowie die Führer der Wirtschaftsorganisationen und Verbände und der Ge wernwaften des Ruhrgebiets. Aus allen Ausführungen klang der feste Wille, den Abwehrkampf mit allen Kräf­ten durchzuhalten, und die sichere Ueberzeugung, daß an diesem Willen aller Volksschißst^n des Ruhrgebiets die feindlichen Pläne scheitern werden. Nach der letzten Diebe stimmte die Versammlung begeistert in das drei Farbe Hoch auf das deutsche Vaterland ein und madünon

uurcmrauuen etc ramme des Deutschlandliedes den Saal. _ .S^'-ur Verlasien des VersammlungsHauses wurde der

^ vieltausendköpfigen Menge, ttt.ier Sie 0 öre zur Revcerkonferenz m Hamm versam- melre« Bergleute befanden, degrittzt. Der Reichspräsr

r; - .ete an die Menge Worte des Dmrkes imd der Mahnung Er erklärte, Satz die Besprechurca völlige Uebereimümviung der Meinungen ergeben baR. Heute gelte mehr S"nn te das Wort: Einer für Alle und Alle mr einen. Die Rede schloß mit einem dreifachen Hoch

Las deut ä,e Volk, auf die deutsche ReMblik und das deutsche Vaterland.

Eine Orientkün^ereuz in London.

^ Wie ans Paris gemeldet wird, ist der Beginn der Londoner Orientbesprechungen nun endgültig auf die wusle .dieser Woche festgesetzt worden. Der französische Delegierte Bomoard ist als Sachverständiger nach Lon­don abgereist. Admiral Lacazes wird an den Bespre­chungen nicht teilnehmen. Der diplomattsche Mitarber- cer derDailn News" glaubt zu wissen, daß die englische Regierurig die Absicht habe, die Verhandlungen in Kon- stantinopel wieder beginnen zu lassen, wenn bei den Londoner Besprechungen mit den übrigen Alliierten ein Einvernehmen erzielt werden würde.

Arbeitslosennnruhe« m Stet litt.

«^ In Stettin ist es zu ArbettSlosenunruhen gekom- nwn. 8tach Schluß einer Versammlung der Ardeitslo- sen zog ein Trupp zu der Privatwohnung des Oberbin gcrEAers Ackennarm. Einige Burschen drangen in die Wohnung ein und zertrünimerten Fensterscheiben und Wobei. Ein anderer Trupp Arbeitsloser zog vor die !tsffeeWnser, um sie zu plündern. Eine in das Rat-

Hans gesandte Aborditrmg der Arbeitslosen wurde als Sm-ptrüdelsführer erkannt und verhaftet Die Menge würde von der Polizei unter der Drohung, von öe

Waffe Gebrauch zu machen, auseinanderaetriebeu. gefähr zehn Personen sind verhaftet worden.

Der Streik in Oberschlesie«.

m Die Streiklage in Oberschlesien ist unverändert.

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Um

Die An? bin=

T relüon des Borsigwerkes in Beuchen hat durch schlag bekanntkegehen, daß alle Arbeiter, die nicht m.. ^^ .--^^ Müaer»vütme»c haben,

; s-s ew af u v sten ^e>- Streik ist mcaen der Entla' Rna einreliwr BetrDbsrät« entstanden, die gegen die Beüimnntugen des Betriebsrätegesetzes verstoßen hatten. Die Zahl, der feiernden Arbett»r beträgt äuge ab? 16 000. Verhandlungen zwischen Vertretern des Arbeitgeber- nerbembeb und der Gewerkschaften unter Teilnahure ei­nes Reaierrmgskommifsars sind bereits eingeleitet worden.

Stampf des Papstes gegen de« Bto»er«ism«s.

m In katholischen Kreisen Roms verlautet, der B«t- . karr werde in nächster Zeit den Stampf gegen den Moder- ' nismus in schärfster Weise wieder aufnebmen. Tue ! Geistlichkeit soll streng überwaebt werden, um zu ver- hindern, daß diese sich zu sehr mit politischen und son- stigen weltlichen Ange legen heile»» besässe. Sie solle sich nach dem Wille»» des heiligen Stuhles vornehmlich mit kirchlichen Angelegenheiten und mit der Seelsorge be­schäftigen.

Ä'lMklßissWmsöaüsnerstüalsWealers

In Wiesbaden ist bad Staatstheater, das frühere Kö­nigliche Theater, Sonntag abend aus bisher nicht aufge­klärter Ursache ein Rand der Flamme« gervorder». Wir erhalten darüber folgende Einzelheiten: Wenige Mi­nuten nachdem die letzteil Zuhörer die Vorstellung m n .WagnersRiemi" verlassen hatten, ertönte aus^dem .Hanse ein dumpfer Knall, dem lofmü ungeheure Stich­flammen aus allen Fenstern des Kulisseuraltmes folg- !en Wenige Pttnuten später lobten ymishohe Flammen in den b mit leu Nachthimmel auf und verbreiteten sich mit rasender Schnelligkeit über das Kurisietthaus, den Zuschauer raum und die Bührw. Die Verwehr sonnte sich nur auf die Rettung der Nachbargebäude beschrarr- ken über denen ein ungeheurer Funken regen mede r- ging. Krachend stürzte und) etwa 20 Minuten die grone Kuppel über dem Znschauerranm zusammen. N am knapp dreistündigem Brande warben von dem stolzen Bau nur noch kärgliche Diauerreste und rauchende ^rum- mer übrig. Den Flammen fielen die kostbaren Ans- stallunüsgegeustünde des Knlijjenvames »m Werte von vielen Milliarden zum Opfer. Gerettet konnte nur we­nig werden. Die Rettungsarbetten fanden Wmen> eine erhebliche Verzögerung, als wegen be« siWei. .ut Fernsprecktverkehrs im besetzten Gebiet die Wehren der Nachbarstädte nicht verständigt werden konnten. Die französische Besatzungsbehörde hatte ^ort m^h^rc K vM pagnien, die den Bereich in weitem Umkreis absperrten, alarmiert Die Künstler konnten ihre Garderobe größ- wntcrls retten, da diese in den K llerraumest vei wochrt war. Menschenleben swd voraus gchtllch nicht zu bekla­gen. Der Intendant, der beim Ausbruch des Feuers tu Frankfurt weilte, vermutet, daß das Feuer durch Kurz­schluß entstanden ist, oder daß an Ler Gasleitung etwaS incht in Ordnung war. Soweit es möglich ist, wird der Theaterbetrieb in dem sog.Meinen Hass", dem frühe- rett Residenztheater, forhKführt An einen Wiederauf­bau ist vorerst nicht zu denken. Ein derarttger Bau würde ungezählte Milliarderr vencklingen. Das Staatsthe^ ter wurde vor genau 30 Jahren ru der Zelt von 1892 1894 nach den Plänen von Fellner und Helmer erbant. 1901 und 1902 erhielt das Prachtgebäude, das auch thea° tertechnisch mustergültig rvar, einen von Baurat Geu^ mer im Barock gehaltenen Anbau, der iW 3V»V» AW