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Krmkunb vertag: tz.Steinfeld Söhne« SesthästsstrVahnhlMr.S * sernspv.Nr.n^« Postsch«KK.I«mkftwrLM.rrsso 91t. 14 (1. Blatt) Samstag, den 31. Januar 1925 77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Betrifft: Krieger-Ehrungen.

J.-Nr. 748. Ich habe Veranlassung, erneut auf den Erlaß des Ministers der geistlichen und Unterrichtsangelegen­heiten vom 2. Dezember 1916 hinzuweisen, in welchem ver­langt wird, daß die bei dem Oberpräsidium eingerichtete Beratungsstelle für Krieger-Ehrungen (Caffel-Landesmuseum) von den einschlägigen Planungen und Entwürfen in Kennt­nis zu setzen sind, damit die Entstehung unschöner Krieger­denkmäler oder von sonstigen das Auge verletzenden Bau­lichkeiten verhütet werde.

Es ist davon auszugehen, daß jedes zu errichtende Denkmal, soweit es sich nicht um die durch die jeweilige Bauordnung als nicht genehmigungspflichtig bezeichneten Bauten oder etwa um die auf Friedhöfen üblichen einfachen Grabzeichen handelt, einer baupolizeilichen Ge­nehmigung bedarf. Ferner wird bei der Errichtung von Denkmälern auf öffentlichen Straßen und Plätzen die Wegepolizeibehörde eine Genehmigung zu erteilen haben. Nach Maßgabe der bestehenden Vorschriften sind endlich bei der Anlegung oder Veränderung von Begräbnisplätzen, wie bei dem Erlaß von Friedhoföordnungen die für die Fried­hofspolizei zuständigen Behörden beteiligt.

Die Ortspolizeibehörden weise ich hiernach an, die Be­teiligten darauf aufmerksam zu machen, daß sie in allen Fällen verpflichtet sind, von den geplanten Denkmälern unter Vorlage der Entwürfe rechtzeitig, vor Erteilung des Auf­trages an die ausführende Firma, die Beratungsstelle in Kenntnis zu setzen und weise sie ferner an, die Vorlage der Entwürfe zur etwaigen baupolizeilichen Prüfung zu verlangen. Die Entwürfe sind mir sodann zur weiteren Veranlassung vorzulegen und dabei zu berichten, ob die Beratungsstelle in Cassel dazu gehört worden ist.

Schlüchtern, den 27. 1. 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Kreisausschutz.

Grundstücksverkaus.

J.-Nr. 427 K. A. Der Kreis Schlüchtern ist geneigt, das ihm gehörige Grundstück der früheren Krcisbaumscbule, an der Straße Schlüchtern-Herolz gelegen, ca. 6 Morgen groß ganz oder geteilt als Ackerland oder zu Bauzwecken zu verkaufen. Kauffiebhaber wollen sich an den Kreisaus­schuß wenden. Für den Fall, daß genügend Bauluftige sich melden sollten, würde die Besiedelung durch Vermittlung der Hessischen Heimstätte in Cassel inS Auge gefaßt werden.

Schlüchtern, den 28. 1. 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Gefunden: eine Damenuhr.

Schlüchtern, den 29. Januar 1925.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung

Wegen den schweren Wetterschäden des Jahres 1924 wird der Gemeindezuschlag zur Grundvermögenssteuer für die landwirtschaftlichen Betriebe für die Monate Oktober 1924 bis einschl. Januar 1925 gestundet.

Steinau (Kreis Schlüchtern), den 27. 1. 1925.

Der Magistrat. Kisseberth.

Der Kampf um Die Auswertung.

Wirtschafts- und wLhrungSpolitische Wirkungen.

8m ReichStvirtschaftSmi niste rium sind die SpitzerrverbändS Landwirtschaft, der Industrie, des Großhandels, des Kleinhandels, der Schiffahrt, der Handels- und der Bankwelt dorftellia geworden, um die Aufmerksamkeit des Ministeriums ®>f die Wirkungen zu lenken, die sich auS einer über die Dritte ^teuernotveroronung hinausgehenden Aufwertung von Hhpo« thekrn, Jndustrieobligationen und sonstigen Privaten For^ Gerungen sowie aus einer uferlosen Erweiterung des Kreises aufwertungSfähigen Pvivatsorderungen ergeben müssen.

Unter Zustimmung deS Vertreters des ReichSbankdirektoriumS «urde von allen Verbänden betont, daß eine Erweiterung der Huf« Artung die Grundlagen der WährnngSstabilisicrung sowie die in Goldbilanzen vorhandenen Unterlagen der Kreditwirtschaft im und Ausland ernstlich gefährden müsse, und daß im weiteren ^"solg solcher Maßnahmen die Stenerkrast der Bevölkerung vor "»erfüllbare Ansprüche gestellt würde.

®6 wurde dargelegt, daß die AufwertungSmöglichkeit für die Achten hier in Betracht kommenden Rechtsverhältnisse an der sür Schuldner bestehenden rechtlichen, wirtschaftlichen und techni» Unmöglichkeit scheitern muß, von seinen privatrechtlichen oder

öffentlich-rechtlichen Schuldnern Aufwertung zu erlangen. Die Verbände stellen die Forderung, daß dieser Gegenstand ausschließ­lich vom Standpunkt der Interessen der Gesamtbevölkerung und Gesamtwirtschast behandelt wird.

Die Verbände forderten weiter die schnellste Herbeiführung einer ganz klaren, jeden Zweifel ausschließenden Rechtslage, die diese Angelegenheit den Zufälligkeiten des richterlichen Er­messens im Einzelfall entzieht und namentlich davon absieht, durch rückwirkendes Eingreifen in erledigte und abgewickelte Schuldverhältnisse Verwirrung und Unordnung in das gesamte Wirtschaftsleben zu tragen. Bei einer solchen Regelung muß nach der Ueberzeugung der vertretenen Verbände an der Grundlage der Dritten Steuernotverordnung unte allen Um­ständen festgehalten werden. Die Verbände richteten an den Reichswirtschaftsminister die Bitte, dem Reichstag ihren Wunsch zu übermitteln, zur Vertretung ihrer Auffassung vor dem Aufwertungsausschuß des Reichstags Gelegenheit zu er­halten.

Englische Sichethettswönsche.

Französisch-englische Lösungsversuche.

Wie in unterrichteten Londoner Kreisen mit Bestimmtheit verlautet, ist bereits seit einigen Wochen zwischen London, Paris und Brüssel ein Meinungsaustausch über die Lösung der Sicherheitsfrage im Gange.

Eine Kommission militärischer Sachverständiger, die Gelegen­heit hatte, nicht nur den englischen, sondern auch den französischen und den belgischen Standpunkt lernten zu lernen, wies darauf hin, daß der Besitz der Scheidelinie seitens einer befreundeten Macht und ein eutmilitarisiertes Rheinland wesentlich im englischen Interesse liege. Die cngilschen militärischen Sachverständigen seien überzeugt, daß Deutschland weder die Absicht habe noch zur Zeit imstande sei, einen Krieg gegen England oder gegen diese von England für seine Sicherung als lebensnotwendig gehaltene Posi- tion zu entfachen.

Da man jedoch ^- so wird in London weiter versichert nicht voraussehen könne, wie stark die militärischen Einflüsse in Deutschland in 10 oder 20 Jahren werden konnten, halte man es auf englischer Seite für zweckmäßig, Deutschland auf diplomatischem Wege von denjenigen mitttarischen Abmachun­gen Kenntnis zu geben, die England mit Frankreich und Belgien abschließen werde, um die Rhein-Schelde-Linie gegen militärische Angriffspläne vom Osten her zu sichern.

politische Messchau.

" Das Saarland für Einführung der Markwährung. Die Handelskammer Saarbrücken hat sich in ihrer Vollsitzung entschieden gegen die vom französischen Finanzminister Clemen- tel geplante Einführung einer neuen Saarwährung aus­gesprochen. Es kam dabei übereinstimmend zum Ausdruck, daß die erneute Umstellung auf den Saarfranken zu schweren wirtschaftlichen Erschütterungen im Saargebiet führen müßte. Sie sei in keiner Weise durch den Versailler Vertrag begrün­det. Für das Saargebiet komme bei seinen Währungs- und Kreditnöten, in die es seit Einführung des französischen Fran­ken als gesetzliches Zahlungsmittel geraten sei, lediglich die Wiederherstellung des früheren Zustandes, das heißt die Rück­kehr zur Mark in Frage.

k Das hessisch: Zentrum für eine Rechtskoalition. Zwischen dem Zentrum, der Deutschen Volkspartei und dem Bauern- bund des Hessischen Landtags fanden Besprechungen über die Regierungsbildung mit Rücksicht auf die von den Sozialdemo- kraten und Demokraten gefaßten Beschlüsse statt. Man erfährt hierzu, daß eine grundsätzliche Verständigung zwischen den drei Fraktionen erzielt wurde. Definitive Beschlüsse sollen noch

8 faßt werden. Das Zentrum steht, wie von maßgebender eits verlautet, auf dem Standpunkt, daß eine Erweiterung der Koalition nach rechts unbedingt stattfinden muß, im Gegensatz zu dem bekannten Beschluß der demokratischen Fraktion.

" Rücktritt Ludendorffs auS dem politischen Leben? Nach einer Meldung aus München soll General Ludendorff beabsich­tigen, sich aus dem aktiven politischen Leben zurückzuzichen, um Hitler bei einem neuen Aufbau der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung nicht im Wege zu sein. Ob eine Nieder- legung deS ReichStagSmandatS durch General Subenborff bereits ins Auge gefaßt wurde, ist noch nicht bekannt geworden.

** Disziplinarverfahren gegen Professor v. Bieberstein. Nachdem so wird amtlich aus Stuttgart mitgeteilt durch Berichte der Tagespressc, durch Ohrenzeugen und durch ein Schreiben des akademischen Senats an die Unterrichtsverwal- tuug offenkundig geworden ist, daß die Rede des ordentlichen Professors Freiherr» Marschall von Bieberstein bei der Reichs- gründungSfeier der Universität schwere Ausfälle gegen den heutigen Staat und einzelne seiner Repräsentanten enthalten hatte, hat das Unterrichtsministerium von dem Redner das Manuskript der Rede eingefordert. Professor Freiherr Mar­schall von Bieberstein hat es abgelehnt, dieser Forderung nach- zukommen. Hierauf ist gegen" ihn ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

"> Attentat auf Hortht). Auf der Eisenbahnstation Verses bei Budapest wurde gegen den Salonwagen des Reichs- perweserS Horthy ein Revolver-Attentat verübt. Beim Halten des Zuges fiel auS einem in der Nähe befindlichen Bauern- Haus ein Revolverschuß, der den zweiten Salonwagen HorthyS traf. Horthy wurde nicht verletzt. Er ist inzwischen in Budapest emgetroffen. Die sofort vorgenommenen polizei­lichen Ermittlungen konnten den Täter nicht feststellen.

Hem'vlS Abwehr.

Die französische Kammer ist immer noch mit der Be­sprechung des Haushaltes für die auswärtigen Angelegen­heiten beschäftigt, wobei auch fast täglich wieder das Ruhr­problem auftaucht. Die Opposition macht dabei dem Mlrnfte»-

Äten Herriot ständig den Vorwurf/daß er durch Aufgabe ntik Poincarss wichtige Vorteile preisgegeben habe. Herriot hätte unbedingt an der weiteren Ruhrbesetzung feft- halten müssen. Nach einer Havasmeldung gab das schließlich dem Ministerpräsidenten Herriot Anlaß zu folgender E»- klärungr

Sie loben immer nur die Ruhrbesetzung. Gewiß, ich erkenne au, daß unsere Soldaten und JngenEure trotz der Schwierigkeiten, die man ihnen bereitet hat, i^e Pflicht getan haben. Aber es ist leicht zu beweisen, daß die Ruhr^esetzus- uns weniger eingebracht hat, als die Sachlreferungen, die zu unserer Verfügung gewesen wären und die wir anzunehmen. uns geweigert haben. Wenn unsere Industriellen K-ohlen und Koks bestellt haben, dann sind die Beftelluimen auch ausgefichrt worden. Ich will gewiß mcht den guten Willen der deutsch» Regierung verteidigen, aber wenn man etwas erhalten will, dann muß man auch etwas bestellen. Warum hat man nicht für 800 Millionen Goldmark Sachlieserungen angenommen?. Man kann die Ruhrbesetzung vom Repavationsstandpunkt und vom Sicherheitsstandpunkt aus betrachten. Was den ersteren anbetrifft, so frage ich Sie, wie man ohne Einschränkung und ohne Hintergedanken den Dawes-Plan hätte auuehnwn könne« und zu gleicher Zeit die Ruhrbesetzung fortsühren. Der Abg. Poncet erflärt, beides sei möglich gewesen, ich abar sagt nein! Man hätte wählen müssen zwischen dem einen und dem an­deren. Das französische Parlament ist es gewesen, das gewählt hat. Als ich nach London gegangen bin, war der Dawes-Plan angenommen. Meine Regierung hat eine schwere Erbschaft an getreten, und deshalb muß ein für allemal mit der Legerche gebrochen werden, daß die Ruhrbesetzung außer den Repara­tionen auch noch die Regelung der interalliierten Schulden- frage hätte einbringen können. Was die Frage der Sicherheit anbetrifft, so erkläre ich, daß sie nicht durch die Ruhrbesetzung yernährleistet werden kann. Die Frage der Sicherheit liegt für Frankreich auf dem linken Rheinufer, was ich beweisen weri^."

Weiter ging Herriot dann auch auf die Frage der Nicht- räumung der Kölner Zone ein. Er sagte, ivas die Kontrolle der Entwaffnung Deutschlands anlange, so müßte daran erinnert werden, daß die Kontrolloperationen eine Zeitlang unterbrochen gewesen seien. Herriot verliest zahlreiche Doku­mente über die Arbeitsmethoden der Kontrollkommissionen und fährt fort: Er wolle hier vor allen Dingen feststellen, was die Besetzung des Rheinlandes für Frankreich beoeute.Wenn wir erklären, daß wir den Rhein nicht verlassen wollen, wollen wir damit etwa sagen, daß wir immer dort bleiben und Imperia­lismus betreiben wollen? Nein und tausendmal nein! Aber vielleicht rubt dort die letzte Bedingung für die Sicherheit Frankreichs."

Herriot untersucht darauf die Stipulierungen des Vertrages von Versailfts und setzte ihnen die angeblich deutschen Der- fehlungen gegenüber. Er spricht von der Ausbildung junger Rekruten und Reservisten. Ein deutsches demokratische» Blatt habe erklärt, daß auch die Studenten militärisch ausgebildet werden. Die Ausgaben hierfür seien als Auslagen für Fourogc verbucht worden. Die Studenten seien entlassen worden, als die Kontrollkommission angekommen fei. Andere ähnliche Tat­sachen seien festgestellt worden. Ein deutscher Minister hab« in einer Rede erklärt, er bedauere, an den Kundgebungen der militärischen Organisationen nicht teilnehmen zu können. Eine der ersten Fragen sei die Frage der deutschen Polizei. 1913 sei die deutsche Polizei rein lokal gewesen, sie habe 50 000 Mann Komnmnalpolizisteil und 27 000 Mann StaatS- Polizisten umfaßt. Der einzige Unterschied sei gewesen, daß die ersteren von den Gemeinden, die letzteren vom Staate bezahst wurden seien.

Berlin, 29. Jan. Das Zentrum hat den Landeshauptmann der Rheinprovinz Horion für den Posten des preußischen Ministerpräsidenten in Aussicht genommen.

Stresemann und die Ausländsdeutschen.

Berlin, 29. Jan. Der Reichsminister des ArMvärtigen empfing Vertreter des Bundes der Ausländsdeutschen im Anschluß an die kürzlich- Besprechung de» Bundespräsideuten beini Reichspräsidenten. Nach Ausführungen von Geheimrat Grosse begrüßte Dr. Stresemann grundsätzlich den Gedanke« einer Tagung der Reichsangehörigen des Auslandsdeutschtum» in der Heimat im Laufe des kommenden Sommers und meinte, daß durch eine Aussprache auf einer solchen Tagung die Anteilnahme der Reichsdeutschen Kolonien im Auslande an der Entwicklung der Dinge in der Heimat sich ft^gern lassen könne.

Baldwin für den Völkerbund.

London, 29. Fan. Premierminister Baldwin erklärte in einer Ansprache, man müsse bei dem augenblicklichen Zustand der Welt an dem Ideal des Völkerbundes ftsthalten und alles tun, um ihn zu einer wirksamen Realität zu machen. Ohne die Dominion könne England seine Rolle nicht spiele«. Ebamberlaiu lege großen Wert darauf, wenn irgendwelche wichtigen Fragen dem Völkerbünde vorliegen, die britische Regierung persönlich zu vertreten. Baldwin schloß mit der Hoffnung, daß der Völkerbund einst alle grob- ""Kueu umfasse.