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SMMtrmr Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Ullyemeinev amtlich er Knzeiger für Ken. Kreis öchlüchtem

Kcurkunb Verlag: h-StrinfeU» Söhne* Gelcyäftsst: Lahnhofstr.ü * fernsprr-tw.i-y* Poststhekkk:stz«nkst«!ta.M.rrroo

Nr. 34

Donnerstag, den 19. Mär; 1935

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 2268. Die Leberegelseuche beginnt auch unter den Schaf- und anderen Viehbeständen des hiesigen Kreises stärker an Umfang zuzunehmen. Ueber die Bekämpfung die­ser Seuche und die Abwehrmaßnahmen wird Herr Veterinär­rat Krexa am S 0 n n abe n d, dem 2 1. d. Mtö., nach­mittags 3 Uhr im Saale des GasthausesZum Stern* hier einen Vortrag halten. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Landwirte^auch Schaf- und Ziegenhirten ihrer Ge- meinden zum Erscheinen zu diesem Vortrag aufzufordern und sonstige Interessenten darauf aufmerksam zu machen. Die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden, in .denen die Leberegelseuche sich bereits bemerkbar gemacht hat, ersuche ich, ebenfalls zu diesem Vortrag zu erscheinen.

Schlüchtern, den 17. März 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 2339. Die Anmeldungen zu der Gesellenprüfung für Wagner sind bis zum 25. März d. Js. an Herrn Ober­meister Zinkhan, hier einzusenden.

Schlüchtern, den 16. März 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

Landwirtschaftliche Schale Schlüchtern.

Die diesjährige öffentliche Schlußprüfung, mit der eine Prüfung der 1. Parallelklasse für Mädchen^ verbunden ist, findet

Sonnabend, den 21. März vormittags 9 Uhr in der Aula des hiesigen Lehrerseminars statt.

Zu dieser Veranstaltung werden die Angehörigen der Schüler und Schülerinnen, die ehemaligen Schüler, sowie alle Landwirte und Landwirtöfrauen deö Kreises, ferner Freunde GoNntr der Anstalt hiermit freundlichst eingeladen.

Schlüchtern, den 18. März 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz, Vorsitzender des Ortskuratoriums.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre an die Stadt­kasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern und sonstigen Abgaben noch nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Eine Einzelmahnung erfolgt nicht.

Bei Meidung zwangsweiser Einziehung sind sofort zu zahlen:

Preußische Grundvermögenssteuer, Preutzi- sche Hauszinssteuer, Gewerbesteuer und andere Abgabe«.

Schlüchtern, den 18. März 1925.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Bekanntmachung.

Bom 19.^616 einschl. 31. März 1925 findet die Reini­gung der Schornsteine in der Brückenauerstraße, Elmer-^und Ahleröbacherlandstraße, Hospitalstraße, Elmweg, Graben-, Kaiser-, Kronprinzen-, Garten-, Dreibrüder- und,Kurfürsten­straße, Ludovika von Stummstraße, Schmieds- und Linscn- gasse, Bahnhof-, LotichiuS- und Klosterstraße, Fuldaer-, Brci- tenbacher- und Altestraße statt.

Schlüchtern, den 18 März 1925.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Deutschlands Wirtschaftslage.

Drei Meilensteine.

Nach einer Meldung aus London hielt dort der deutsche wirtschaftliche Referent an der deutschen Botschaft, Legations- sekretär Dr. Wendler, auf Einladung des City of London College einen Vortrag über die gegenwärtige Wirtschaftslage in Deutschland. Den Vorsitz führte das konservative Nuter- Hausmitglied Philipp Dawson, der selbst die dentschcn Verhält­nisse kennt und auf Grund seiner verzweigt-wirtschaftlichen und industriellen Interessen Beziehungen zu Deutschland unterhält.

Wendler bezeichnete das Jahr 1924 als ein für die deutsche Wirtschaft entscheidendes Jahr. Die drei Meilensteine an dem zurückgeklagten Wege seien: die Stabilisierung der Wäh­rung, die Londoner Konferenz und die Wiedererlangung der Handelsvertragsfreiheit. Nach zehn unglücklichen Jahren sei nun der Anfang einer Wendung znm Besseren zu erkennen. Doch stünden noch ungeheuere Schwierigkeiten bevor, die durch die starke Passivität der Handelsbilanz blitzartig beleuchtet würden. Die Schuldenlast, die hohen Steuern und die Frachten wirkten verderblich auf die Exportfähigkeit der Industrie ein.

Das Vertrauen in die Zukunft könne sich demgegenüber einst­weilen nur auf die Rationalität der Produktion, den Ausbau der deutschen Industrie und den angeborenen Fleiß des deutschen Volkes stützen. Gleichwohl seien die Gefahren der Zukunft für die Wirtschaft Europas nur dadurch zu überwinden, daß sich die europäischen Wirtschaftsnationen zu verständnis­voller Zusammenarbeit zusammenfinden.

Seuffchland und der Völkerbund.

Das hoffnungsvollste Stück Arbeit.

In einemDeutschland und der Völkerbund" über- schriebenen Leitartikel bezeichnet derManchester Guardian" die Antwortnote des Völkerbundsrates an Deutschland als das hoffnungsvollste Stück Arbeit, das der Rat in seiner letzten Tagung vollendet hat. Deutschland sei jetzt eines ständigen Sitzes 'im Rate sicher, wozu es seine internationale Stellung berechtige. Das Blatt ist hinsichtlich des Artikels 16 der Völkerbundssatzung der Meinung, daß es völlig undurchführ­bar wäre, Deutschland ungewöhnliche Vorrechte zu gewähren.

In der Antwortnote des Völkerbundsrates würden jedoch Deutschlands Schwierigkeiten anerkannt. Die Antwortnote sei augenscheinlich in einem Geiste aufrichtiger Herzlichkeit ver­faßt und von dem Wunsche eingegeben, ein neues Mitglied dem Völkerbünde zuzuführen. Da nicht viel Aussicht dafür bestehe, daß der Völkerbund irgendeiner Macht schwere Verpflichtungen auferlege, bevor ein Ersatz für das Prowkoll gefunden worden sei, kämen Deutschlands Befürchtungen zunächst nicht in Be­tracht. Deutschland werde nach Ansicht desManchester Guardian" gut daran tun, wenn es um seine Mitgliedschaft nachsuche. Deutschlands Interessen würden sicherer gefördert werden, wenn es in der Lage sei, sie in Genf zu vertreten, als wenn es außerhalb des Bundes bliebe und dadurch eine große Lücke in dem System des Friedens lasse.

, Wwdas Reutersche Büro erfährt, sei es in gutunterrichteten Kreisen immer als unvermeidlich betrachtet worden, daß Deutschland ersucht werden müsse, seine Mitgliedschaft zu beantragen, ohne Bedingungen zu stellen. Die Note des Volke, bundes sei so gehalten, daß sie in keiner Weise auf Deutschlands Haltung in der Frage des Beitritts zum Völkerbund ent­mutigend wirke.

Die Ansicht des belgischen Botschafters in Rom.

Der neue belgische Botschafter in Rom, Graf de la Faille, hat sich dem Vertreter derEpoca" gegenüber eingehend über den Völkerbundsbeitritt Deutschlands geäußert. Er glaube meist, daß der Völkerbund sich zu einem unanfechtbaren VölkerscE.eds- gericht ausbilden könne, schon weil ihm die Ausführungsmog- lichkeiten f hlen. Er könne aber einen weitgehenden mora­lischen un 'ermittelnden Einfluß ausüben. Der Sichcrhciis- vertrag 1 lgien-Frankreich-England sei ein Vorschlag und werde er immer bleiben. Die Möglichkeit des Friedens Europas liege ausschließlich im Beitritt Deutschlands. Solange Deutsch­land von der Mitarbeit mit den Sicgerstaaten abgehaltcn werde, bestehe die Besorgnis für neue Bündnisse und Gegcn- bündnisse und daher auch für neue Konflikte. Der Botschafter sagte, er sei entschieden für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund.

Vesoldungsfragen.

Die Wünsche der Kommunalbeamten.

Die in Kassel versammelten Kommunalbeamten aus Hessen-Nassau und Waldcck wenden sich aufs schärfste gegen die vom Reichsfinanzministerium angegebenen Grunde, die eine Erhöhung der Beamtenbezüge im gegenwärtigen Augenblick unmöglich machen sollen. Diese Auffassung ist unhaltbar angesichts der Entwicklung der Reichsfinanzen, der von maß­gebendsten Regierungsstellen wiederholt getroffenen Feststellung der Unzulänglichkeit der Besoldung namentlich tn den untersten Gruppen und schließlich auch angesichts der wohlwollenden Einstellung der Reichsregierung anderen Interessengruppen gegenüber. Neben einer neuen Besoldungs- aktion muß auch eine grundlegende Aenderung des Besoldungs- systems gefordert werden, die u. a. eine Verminderung der Ortsklassen und eine gerechtere Klasseneinstufung unter Berück­sichtigung der Wirtschaftsgebiete bringen muß.

In einer Entschließung heißt es:Die Kommunalbeamten ans Hessen-Nassau und Waldeck stellten sich in der Bekämpfung des'BcsoldnngssPerrgesetzeS einmütig hinter die Entschließung des deutschen Gemeindebeamtentages. Sie verurteilen die Denkschrift des Reichsfinanzministcriums, insbesondere auch im Interesse der Kommunalbeamten des besetzten Gebietes, deren Reichsfreudigkeit und Vertrauen ohnehin durch die jabre- langen Leiden und Bedrückungen schwersten Belastungsproben ausgesetzt waren. Sie wenden sich auch scharf gegen das aus den sperrgesetzlichen Maßnahmen ersichtliche Bemühen, die Beamtenstellcu in kleinen Städten und Landgemeinden trotz erhöhter Selbständigkeit und Verantwort­lichkeit unter ihrem wirklichen Werte einzu gruppieren. Die Versammelten fordern von den SPitzeuorga- nisationen unnachgiebigsten Kampf mit dem Ziele der restlosen Beseitigung dieses mit der Verfassung int Widerspruch stehenden Ausnahmegesetzes."

Aus den sonstigen Verhandlungen ist hervorzuhcbcn, daß auch im Bezirk Kassel Seminare zur Ausbildung der Kom­munalbeamten auf Betreiben des Verbandes vom Städtetag cinaerichtet worden sind.

Lhamberlain und Hemot.

Auf seiner Rückreise von Genf nach London hat der brittsche Außenminister Ehamberlain in Paris wieder eine längere Aussprache mit dem französischen Ministerpräsidenten Hcrriot gehabt. In französischen diplomatischen Kreisen zeigt man sich sehr befriedigt über das Ergebnis der Unterredung.

Halbamtlich wird dazu in Paris erklärt, daß die Sicherhetts, frage fast ausschließlich Gegenstand der Beratungen gewesen sei. Die Frage der Methoden hatte erst die Aufmerksamkeit der beiden Staatsmänner wachgerufen. Man ist tatsächlich fran- zösischerseits der Ansicht, daß, bevor man sich endgültig über diese oder jene Formel, die dazu geeignet sein solle, die Sicher- heit zu gewährleisten, ausspreche, sei es, daß man vom Protokoll von Genf oder von einem beschränktem französisch-englisch- belgischen Sicherheitspakt oder von einem auf fünf oder sieben Nationen ausgedehnten Sicherheitspakt spricht, es unerläßlich sei, nachzuprüfen, welche Probleme hierdurch gestellt werden und welche Lösungen ins Auge gefaßt werden können. Man kann also jetzt noch nicht sagen, daß diese oder jene Formel, wie beispielsweise das Protokoll von Genf, als erledigt betrachtet werden kann. Was im Gegenteil wesentlich ist, ist, daß schon jetzt bis zum Monat Dezember, zu welcher Zeit die Frage wieder auf der Hauptversammlung des Völkerbundes steht, eine Aus­gleichs- und Verständigungsformel gefunden wird. Nach dieser Richtung sind der englische und der französische Minister voll­kommen einig, und sie haben in der gleichen Auffassung gewisse Fragen besprochen, die sich direkt auf die Sicherheitsfrage be­ziehen, besonders aber die Frage der Ostgrenzen von Mittel­europa. Frankreich und England haben dadurch, daß sie den Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet haben, die Gren­zen Polens garantiert. Frankreich hat niemals die Absicht gehabt, die befreundete Nation zu irgendwelchem Verzicht zu veranlassen. Von alliierter Seite vertritt man außerdem den Standpunkt, daß selbst, wenn die Frage einer Grcnzbcrich- tigung, so klein sie auch sein möge, aufgeworfen würde, Polen aufgefordert werden müsse, vor jeder Verhandlung seinen Standpunkt geltend zu machen. Der Eintritt des Reiches in das Konzert der Völker kann nur ermöglicht werden, wenn Deutschland sich verpflichtet, alle Verbindlichkeiten des Völker­bundsstatuts und des Friedensvcrtrages von Versailles zu erfüllen. Diese Zulassung bildet übrigens nach Ansicht der französischen wie auch nach Ansicht der britischen Regierung die Vorbedingung für den Abschluß eines Sicherheitspattes an dem Deutschland teilnehmen kann. Ein solcher Sicherheitspakt würde übrigens eine Zusatzgarantie darstellen, wie es das Statut des Völkerbundes Vorsicht.

Was die Besetzung von Köln anbetrifft und ihre Beziehung zum Problem der Sicherheit und der Entwaffnung Deutsch­lands, so erklärt man in französischen Kreisen, daß die beiden BegriffeSicherheit und Entwaffnung" nicht voneinander ge­trennt werden können, und daß die Verhandlungen, die jetzt Stetsten den Regierungen fortgesetzt werden sollen, es im Augenblick nicht gestatten, irgendwelche Aufklärungen zu geben. Herriot und Chamberlain haben übrigens sich über den Vor- schlag Coolidgcs betreffend die Einberufung einer Entwaff­nungskonferenz nicht aussprechen können. Der französische Ministerpräsident bleibe auf jedem Fall der These treu, die er in Genf im September des vorigen Jahres vertreten habe: Der Verbindung der drei Begriffe: Schiedsgerichtsbarkeit, Sicher- Heit und Abrüstung.

Unmittelbar nach seiner nnterrcSulrg nöt Herriot hat Chamberlain die Vertreter der englisch-amerikanischen Presse empfangen und über seine Unterredung mit Ministerpräsident Herriot erklärt, er habe mit Herriot über die deutsche Anregung hinsichtlich des Abschlusses eines SicherheitsPaktes, die Frage der Entwaffnung und über die Frage der Veröffentlichung des Berichtes Walsh gesprochen. Auf Anfrage erklärte er, man habe den deutschen Vorschlag ernstlich geprüft und man werde durch den auf diplomatischem Wege fortzusetzenden Meinungs­austausch fcstzustellcn suchen, welche Vorteile aus diesem Vor­schlag zu ziehen seien. Was die zu beratenden Grenzen an- betreffe, erklärte er, daß die britische Regierung-keine Aus­nahme mache, jedoch gäbe es gewisse Grenzen, an deren Sicher- stcllung England mehr interessiert sei als andere.

Politische Tagesschm.

" Der amtliche Stimmzettel. Der Reichsrat hielt eine kurze öffentliche Vollsitzung ab, nm eine Novelle zur Reichs- stimmordnung zu verabschieden. Die Novelle ist eine Fol- gerung aus dem vom Reichstag verabschiedeten Gesetz Nr. 2 über die Wahl des Reichspräsidenten, bringt also unter anderem die Einführung des amtlichen Stimmzettels für die Reichs- Präsidentenwahl.

*« Deutschlandreise des Präsidentschaftskandidaten Dr. Jarrcs. Wie die Berliner Blätter melden, wird Präsident- schaftskandidat Dr. Jarres nach der Kundgebung in Berlin am 18. März noch in einer Reihe anderer Städte des Reiches sprechen, so in Hamburg, München, Stuttgart und Karlsruhe. Seine letzte Rede vor den Wählern wird Dr. Jarrcs am 27. März in Köln halten.

«-« Schwere Absatzkrise im rheinisch-westfälischen Kohlen- bergbau. Die schwere Absatzkrise, die zurzeit im rhcinisch- lvestfälischen Kohlenbergbau herrscht, hat von Woche zu Woche eine derartige Steigerung erfahren, daß sie für die Erhaltung des Bergbaus und die Existenz der Bergarbeiter zu einer schweren'Gefahr geworden ist. Aus dieser Erkenntnis heraus haben derEssener Allgemeinen Zeitung" zufolge die Reichs-