Schlöchtemer Zeitung
Kreis-Kmisblatt * Allgemeiner amtlich erAnzeiger für Ken Kreis Schlüchtem
druck und Verlag: tz.Steinfeld Söhne* SesttMsst:Vahnhofstr.6 * fernspr-.tw.i^y * Poststheikk.Pankfimta.M.2Z2vo
Nr. 41 (1. Blatt)
Samstag, den 4. April 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Betr.: Die Leberegelkrankheit.
J.-Nr. 2727. Der Staat hält zur Abwendung dringender Notstände infolge tödlichen Ausgangs der Leberegelkrankheit Darlehen unter folgenden Bedingungen bereit:
T. Die Schäden werden von örtlichen Kommissionen unter Mitwirkung des Veterinärrats festgesetzt.
2. Das Darlehen darf in keinem Falle höher sein, als der gemeine Wert des verloren gegangenen Tieres nach Abzug des Erlöses aus dem geschlachteten Tiere oder des Wertes der dem Besitzer verbliebenen verwertbaren Teile beträgt.
3. Die Darlehen dürfen nur zur Linderung der dringendsten Notstände verwandt werden. Eö kann deswegen zunächst nur solchen Geschädigten ein Darlehen gewährt werden, die verloren gegangenes Spannvieh sofort wieder beschaffen müssen, in zweiter Linie solchen, die ihre einzige Milchkuh verloren haben.
Es dürfen auch für die Neubeschaffung von Milchziegen Darlehen gewährt werden, soweit dieses zur Abstellung dringender Notstände erforderlich erscheint.
Besitzern größerer Bestände, denen nur einzelne Tiere verloren gegangen sind, für die sie in absehbarer Zeit aus eigener Zucht wieder Ersatz heranziehen können, und für die Anschaffung von Schafen sind keine Darlehen zu geben.
4. Es ist Vorsorge zu treffen, daß das ganze Darlehen und der Erlös aus den verloren gegangenen Tieren tatsächlich zur Neubeschaffung von gleichen wirtschaftlichen Zwecken dienenden Ersatztieren benutzt werden.
Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden, sowie die Herren Vorsteher der Gutsbezirke, in welchen solche entschädigungsfähige Fälle angemeldet werden, ersuche ich zwei zuverlässige Landwirte auszuwählen, die zusammen mit dem Herrn Vetexmärrat die Begutachtung der Schäden vornehme, und unverzüglich den Heyn Beterinärrnc ersuchen, die Abschätzungen bezw. Feststellungen mit der Kommission vorzunehmen. Ueber das Ergebnis ist eine Niederschrift zu fertigen und diese mir alsbald einzureichen.
Schlüchtern, den 2. 4. 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Kreisausschutz.
J.-Nr. 1685 K. A. Die Wahl deö Adam Richter zum Bürgermeister, des Friedrich Roth und Adam Böhm zu Schöffen und des Adam Schreiber zum Schöffenstellvertreter der Gemeinde Breuningö habe ich gemäß § 55 der Landgemeindeordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 bestätigt.
Schlüchtern, den 2. April 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Veredlungskursus betreffend.
J.-Nr. 1707 K. A. Die in der Bekanntmachung vom 21. März 1925 J.-Nr. 1392 K. A. (abgedruckt in der Schlucht. Ztg. Nr. 40 vorn 2. April 1925) festgesetzte Anmeldefrist wird hiermit bis 10. April einschließlich verlängert.
Schlüchtern, den 3. April 1925.
Der Vorsitzende des KreisauSschusses.
J.-Nr. 1512 K. A. Bei der am 14. März d. Is. statt- gefundenen Körung sind die Jungbullen der nachstehend auf
geführten Besitzer angekört worden:
a) Simmenthaler £
tieinzucht.
I. Gärtner, Sterbfritz
mit 77 Punkten
L. Müller, Weiperz
„ 7b5 „
L. Kreß, Weiperz
„ 70,5 //
A. Paul, Elm
„ 75
A. Gottfr. Gerlach, Elm von Kühlmannffche Gutsver
„ 73,5 „
waltung Ramholz
ZZ 70 zz
dieselbe
ZZ 76,5 ZZ
Martin Loder, Breuningö b) Simmenthaler
zz 74
Kreuzung.
Georg Hildebrand, Schlüchtern „ 72,5 „ Konrad Hartmann, Sterbfritz „ 70 „
Schlüchtern, den 2. April 1925.
Der Landrat des Kreises Schlüchtern.
Offene Lehrstellen.
Tgb. Nr. 1515. 3 Schmiedelehrlinge, 1 Bäckerlehr- ^, l Landwirtschaftsgehilfe, 1 Schneiderlehrling.
Wir ersuchen die Herren Bürgermeister um Nambaft- ^chung 'von geeigneten Bewerbern hierfür, damit die Bc- Mng dieser Lehrstellen sofort nach Ostern erfolgen w
Für eine Vermittelungsarbeit der Herren Pfarrer "nb Lehrer wären wir besonders dankbar.
Schlüchtern, den 31. März 1925.
. Der Vorsitzende deö Kreiöwohlfahrtöamtö.
J.-Nr. 1688 K. A. Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden wollen mir bis zum 20. April 1925 ein Verzeichnis der Einnahme-Rückstände aus dem abgelaufenen Rechnungsjahr 1924/25 einreichen und dabei anzeigen, was bezüglich der Einziehung der Rückstände veranlaßt ist.
Schlüchtern, den 31. März 1925.
Der Vorsitzende des KreisauSschusses.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
Der im Schafstall vorhandene Mist (Torfstreu) wird am Montag, den 5. April d. Is. vormittags 81/2 Uhr öffentlich verkauft. Zusammenkunft der Kaufliebhaber am städtischen Schafstall an der Breitenbacherstraße gegenüber der städt. Badeanstalt.
Schlüchtern, den 3. April 1925.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Die nächste Konferenz.
Chamberlain fordert Handlungsfreiheit.
Im englischen Unterhaus wurde der Außenminister Chamberlain gefragt, ob man die Absicht habe, eine Konferenz abzuhalten, zu der auch Deutschland eingeladen werden würde, auf der der Fünfmächtepakt erörtert werden solle. Chamberlain antwortete, daß die Verhandlungen noch in chren Anfängen stünden und daß er keinerlei Voraussage über die künftige Entwicklung der Dinge machen könne. Die Regierung sei bestrebt und wünsche ernstlich, daß die begonnene Erörterung eine Besserung der europäische« Lage bringen würde. Die Regierung werde alles tun, was in chrer Macht liege, um ein solches Ergebnis zu erzielen. „Ich bitte das Haus, nicht von mir zu verlangen, daß ich mich auf eine bestimmte Mechode feslwgc. Wenn ich keinerlei Handlungsfrecheck habe, haar keinen Erfolg." Chamberlain lernte es ab, sich darüber zu äußern, ob Frankreich seine Absicht dargelegt habe, sich an einer Konferenz zur Beschränkung der Rüstungen zu beteiligen.
politische Tagesschau.
^ „Den Germanen gehört die Zukunft." Die Albert Ludwig-Universität in Freiburg hatte anläßlich seines 60. Geburtstages an den schwedischen Gelehrten Sven Hedin ein Glückwuschschreiben gerichtet, das Sven Hedin mit einem Dankschreiben beantwortete, in dem er hervorhebt, daß für ihn es immer eine ganz natürliche Sache gewesen se:, auf Seiten Deutschlands zu stehen. Weiter erklärte Hedin, er erwarte mit Spannung und Sehnsucht die Morgenröte eines neuen Tages und des endlichen Sieges der Wahrheit und Gerechtigkeit. Die Germanen müßten zusammenhalten, denn ihnen gehöre die Zukunft.
-" Zum deutsch-spanischen Handelsvertrag. Angesichts der Ablehnung des deutsch-spanischen Handelsvertrages durch den handelspolitischen Ausschuß bc§ Reichsrats richtete die Industrie- und Handelskammer in Düsseldorf an die zuständigen Berliner amtlichen Stellen sowie an die Reichs- tagsabgeordnÄen ein Telegramm, in bent die Annahme des demsch-fpanischen Abkommens durch den Reichstag als unbedingt notwendig erklärt wird, da sonst Deutschland unvermeidlich eines der wichtigsten ihm gebliebenen Absatzgebiete für immer verlieren würde.
-* Der deutsch-italienische Handelsvertrag. Die amtliche italienische Agentur Volta begrüßt den Abschluß des deutsch- italienischen Handelsprovisoviums und betont, daß wegen der niedrigen italienischen Valuta die spanische Konkurrenz geschlagen werde. Auch die „Tribune" äußert sich in zu- stimmendem Sinne und tadelt zugleich den Pessimismus der italienischen Industrie. Das Blatt weist darauf hin, daß drei Viertel der Gcfamtausfuhr von Italien nach Deutschland Agrarprcdnkte seien, während umgekehrt die deutsche Einfuhr zu drei Vierteln Jndustriefabrikate darstelle.
^- Marx an den evangelischen Oberkirchenrat. Der preußische Ministerpräsident Dr. Marx richtete an den Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrats D. Kapler in Berlin folgendes Telegramm: Der heutige Tag ist für die evangelische Kirche ein bedeutsamer Abschnitt. Die Staatsumwälzung brächte es mit sich, daß das Berfassungsrecht auch der evangelischen Kirche auf eine neue Grundlage gestellt werden niußte. Diese umfangreiche Arbeit, an der sie, Herr Präsident, in ihrer früheren Stellung in hervorragendem Maße mit= gearbeitet haben, ist zu Ende geführt. Am 1. April tritt die Verfassung der evangelischen Kirche der altpreußischen Union in vollem Umfange in Kraft. Ihnen, als dem berufenen Leiter der evangelischen Kirche, drängt es mich, aus diesem Anlaß zum heutigen Tage namens des Preußischen Staatsministeriums die wärmsten Wünsche für eine stge- . x" Zukunft der evangelischen Kirche anszusprechen.
Die Eniwaffnungssrage.
Jm englischen Oberhaus ist es zu einer interessanten und für Deutschland höchst bemerkenswerten Aussprache gekommen. Lord Parmoor richtete nämlich an die Regierung die Frage, warum man die Militärkontrollkommission in Deutschland noch nicht aufgelöst und die Kontrolle, wie vorgesehen, dem Völkerbund übertragen habe.
Namens der britischen Regierung erklärte Lord Newton, ihm sei bereits 1921 in Berlin mitgeteilt worden, daß die Arbeit der interalliierten Kommission so gut wie vollendet sei. Wenn dies der Fall gewesen wäre, was sei dann in den letzien vier Jahren geschehen? Anscheinend hätten die Deutschen durch ihr eigenes Verhalten die Beibehaltung dieser Kontrolle ganz unnötig verlängert. Wenn sie vernünftig gewesen mären. den Forderungen der Kommission nachzukommen, so hätte diese schon vor zwei Jahren sich auflösen können. Der deutsche Widerstand habe der französischen und dem Teil der englischen Presse, der noch französischer sei als die französische Presse, selbst Gelegenheit geboten, zu behaupten, daß Millionen von bewaffneten Hunnen unter der Erde oder in der Luft verborgen seien, die bereit wären, jeden Augenblick sich über die Welt zu werfen und olles in Asche zu legen. Es sei von den deutschen Behörden töricht gewesen, die Bestimmungen des Vertrages zu umgehen, aber, so fuhr Lord Newton fort, würden wir schließlich nicht dasselbe getan haben? Würden wir nicht in jeder Weise Obstruktion üben und die Hoffnung nähren, eines Tages unsere frühere Stellung wieder zu erlangen?
Lord Newton erklärte weiter, es falle nicht sehr ins Gewicht, ob die Deutschen friedlich oder kriegerisch seien. Die höchsten militärischen Autoritäten erklärten, daß die Deutschen nicht in der Lage seien, irgendeine Feindseligkeit auszuführen. Dies müßte genügen und die Kontrollkommissionen müßten sobald wie möglich verschwinden. Man höre von Abrüstnng reden. Aber die einzigen, die abgerüstet hätten, seien die vormals feindlichen Staaten, während die anderen Länder oder einige von ihnen größere Heere aufrecht erhielten als vor dem Kriege. Trotzdem würden diese Kommissionen aufrecht- -< '< < .en aus Kosten dieser -m.kerotien eheurals feindlichen bs.'gier ungern Wenn diese Kommissionen von ihren eigenen Regierungen bezahlt werden müßten, wären sie von selbst schon lange verschwunden. Die Wahrheit sei, daß immer, wenn ein vormals feindliches Land Zeichen der Erholung auf- weise, seine Nachbarn, alle bis zu den Zähnen bewaffnet, erklärten, dies Land werde einen neuen Krieg beginnen und baß sie sofortige Vorsichtsmaßregeln in Gestalt von Kontrollkommissionen und militärischer Besetzung fordern. Wie werde dies alles enden? Wenn wir die französischen Auffassungen von Sicherheit vorherrschen lassen, so würden diese Kommissionen ewig sein und alle von diesen Kommissionen entdeckten technischen Vergehen würden, was noch schlimmer sei, zum Zwecke einer Verlängerung der Dauer der militärischen Besetzung verwandt werden. Diese Kontrollkommissionen täten nichts Gutes. Weit davon entfernt, den Revanchegeist zu beseitigen, verschärften sie ihn und erhielten eine Kriegsatmosphäre aufrecht, die alle vernichten wollten. Eine bessere Stimmung würde bald in ganz ^■w:^ ivieder- hergestellt sein, wenn diesen Kontrollkomm ' - ald ein Ende bereue- würde.
Aotlage des Ruhrbergbaues
Wachsende Absatzkrise.
Warb dem Mongtsbericht der Handelskammer in Essen hat sich die Lage des Ruhrkohlenbergbanes seit der Ende Januar dieses Jahres eingetretenen Absatzkrise auch weiterhin verschlechtert. Die Zahl der wegen Absatzmangels eingelegten Feierschichten beträgt vom 1. bis 27. März 510 000. Die Bestände der Zechenhalden und der Syndikatslager haben zirka 8 Millionen Tonnen erreicht. Die Krise wirkt sich am stärksten bei den weniger hochwertigen Brennstoffen aus, wofür, zum Teil überhaupt kaum noch Absatz besteht.
Die allgemeine Kohlenkrise hat in Deutschland zu einem scharfen Konkurrenzkampf der einzelnen Kohlenreviere geführt. Besonders ist es Oberjchlcsicn, das seine Kohlen zu jedem Preis abstötzt und dadurch mit der Zeit auch Gebiete erobert, die früher unbedingtes Absatzgebiet für Ruhrkohlc waren. Die Folge davon ist, daß die nicdcrschlcsischc Kohle, von ober- schlcsischcr verdrängt, sich ebenfalls in weitere Fernen verlegt. Da Niederschlcsien die Kohlcnprcisc nach einem Staffeltarif aufstellt, so stellen sich alle Preise um so niedriger, je weiter sie vom Produktionsakt erzielt werden. So wird z. B. im Magdeburger Revier nicdcrschlcsischcr Koks um 2 bis 4 Mark niedriger als Ruhrkoks angeboten.
Auch die Konkurrenz der englischen Kohle macht sich recht unangenehm bemerkbar. Wäbrend sie schon früher am Nieder- rheinund in den Nordseehäfen eine scharfe Konkurrenz war, ist sie auch in den letzten Tagen am Oberrhein in Konkurrenz mit ber Ruhrkohle getreten. Bemerkbar macht sich auch die Konkurrenz die dem Ruhrkoks durch Gaskoks bereitet wird. Der größte Teil des Bergbaues wird von der Preisherabsetzung für Lagerkohlen und kleineren Koks nicht berührt, ba sie nur 7 bis i0 Prozent des gesamten normalen Absätze? des Rubr- gebiets ausmachen. Lediglich die Logerkohlen: ’ u erhoffen hiervon eine Besserung des Absatzes.
— Aus Mexiko wird gemeldet, daß der frühere Nuterstaats- sekretär im Kriegsministerium, General Maciel, und mehrere seiner Freunde ihren politischen Gegner, den Genera' -sta, els er im Auto vorbeifuhr, erschossen hätten.