Schlüchterner Zeitung
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Nr. 51
Donnerstag, den 30. April 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
LandraLsamL.
A nord n u n g. Auf Grund des Gesetzes vom 8. Juli 1920 (GS. S. 437) über die Aenderung des § 34 des Feld- und ForstpolizeigesetzeS vom 1. April 1880 (GS. S. 230) in Verbindung mit § 136 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (GS. S. 195) wird das Teufelöloch bei Steinau, K. Schlüchtern, im RegierungS- bezirr Cassel nebst Umgebung zum Zwecke der dauernden Erhaltung der Höhle zum Naturschutzgebiet erklärt.
Das geschätzte Gebiet wird durch folgende Linien begrenzt: Im Norden durch eine gerade Linie führend von dem nordwestlichen Grenzstein Nr. 348 bis zur Landstraße Steinau-Kressenbach, und zwar bis zu dem Punktstein zwischen Grenzstein 1 und 2 (Kilometerstein 2,6 der Landstraße), von hier an der Straße entlang in nördlicher Richtung bis zur Höhe dcö Grenzsteins 2 und von dort genau östlich bis zum östlichen Ufer des Steinaubaches; im Osten durch das Ostufer des Steinaubaches; im Süden durch die Südgrenze der Grundstücke Kartenblatt B, Parzellen Nummern 9, 7 und 6 bis zum Grenzstein an der Westgrenze der Parzelle 6, von dort in westlicher Richtung bis zum südlichsten Punkt des Grundstücks Kartenblatt E, Parzelle Nr. 17 führend; im Weste n durch die Grenze zwischen Kartenblatt D und E, zwischen Mooshecke und Tcuselskaute- Wiesen (Parzellen Numnrern 17, 16, 15, 14, 13 und 12).
Ein Kartenblatt, in das die angegebenen Grenzen eingetragen sind, ist im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung niedergelegt. Nebcnauöfertigungcn befinden sich bei der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalpflege, bei dem Regierungspräsidenten in Cassel, bei dem Landrat des Kreises Schlächtern und bet dem Magistrat der S>tadt Stein an.
Das unbefugte Betreten der Höhle, das Abschlägen von Tropfsteinen, das Abgraben der Quellen im Naturschutzgebiet und das mutwillige (vorsätzliche) Verstopfen der Wasser- schlingcr ist verboten.
Uebertretungen werden, soweit nicht weitergehende Stras- bestimmungen Platz greifen, nach Maßgabe des § 34 des Feld- und ForstpolizeigesetzeS bestraft.
Diese Anordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt des Regierungsbezirks Cassel in Kraft. (U IV. 5559.)
Berlin am 10. 3. 1924.
Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
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Wird veröffentlicht. (A. III. 5423.)
Cassel am 3. 4. 1925. Der Reg.-Präsident.
B. I. Nr. 2207. Durch unsere Verfügung vorn 24. September 1908 B. I. 2591 (Quehl, Verordnungen I. S. 9) ist angeordnet worden, daß die Vorsitzenden der Einzel- und Gesaintfchulverbände jede Nummer des Amtlichen Schulblat- tes alsbald nach dem Eingang bei bem OrtSschulinspektor und bei den Lehrpersonen des SchulverbandeS zur Kenntnis- nahme, die auf einem beizugebcnden Lauszettel zu bescheinigen ist, in Umlauf setzen. Da es Ortsschulinspektoren nicht mehr gibt und den Lehrpersonen seit kurzem ohne Ausnahme das Schulblatt in der Schule selbst zur Verfügung steht, cö sich aber als notwendig herausgestellt hat, daß auch den übrigen Mitgliedern der Schulvorstände das Blatt zugängig gemacht wird, damit sie in den Schulsachen auf dem laufenden bleiben und mit hinreichender Sachkenntnis an den Sitzungen tcilnchmcn können, bestimmen wir, daß die Vorsitzenden der Einzel- und Gesamtschulverbände in Zukunft das amtliche Schulblatt bei sämtlichen Mitgliedern des Schulvor- standes mit Ausnahme der Lehrpersonen in der in unserer Verfügung vom 24. September 1908 — B. I. 2591 — angegebenen Weise Umläufen lassen.
Cassel, den 23. März 1925.
Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, gez. Küchen.
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J.-Nr. 2702. Vorstehende Verfügung wird den Herren Vorsitzenden der Einzelschulverbände und den Herren Vorsteher der Gesamtschulvorbände zur Beachtung initgeteilt.
Schlächtern, den 24. April 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 3488. Im Ortstcil Engelsburg, Gemeinde Op- perz, Kreis Fulda, ist die Maul- und Klauenseuche ausgc- brochen.
Schlächtern, bett 27. 4. 1925. Der Landrat.
Allgemeine Ortskrankerrkaffe Schlächtern.
Bekanntmachung.
Die Einziehung der noch rückständigen Beiträge aus den Monaten Januar, Februar und März 1925 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
H e b e t e r m i n e finden statt:
1. In Seinau, am Mittwoch den 6. Mai 1925, von vormittags 10—4 Uhr nachmittags in der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst.
2. In Salmünster, am Mittwoch, den 13. Mai 1925, von vormittags 8—12 Uhr im Gasthause „Zum Engel" daselbst.
3. In Soden, ebenfalls am Mittwoch, den 13. Mai von nachmittags 1—4 Uhr im Gasthause „Zur Hoffnung" daselbst.
4. In Sterbfritz, ant Freitag, den 15. Mai 1925, von nachmittags 3—6 Uhr in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst,
und zwar wie seither auch für alle den genannten Orten naheliegenden Gemeinden.
Die dann noch verbliebenen Rückstände werden alsbald kostenpflichtig angemahnt.
Die Herren Bürgermeister bitten wir ifin Bekanntgabe in seither üblicher Weise.
Schlüchtern, am 28. April 1925.
Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse.
Stadt Schlächtern.
Bekanntmachung
Am Freitag, den 1. Mai 1925 wird das Laub von den Wegen im Stadtwald" Schlächtern öffentlich verkauft.
Zusammenkunft: vormittags 7i/g Uhr auf der Röthe beim Eingang nach dem Aciöbrmmen, nachmittags 2 Uhr in der Altestraße, Eisenbahnbrücke.
Schlächtern, den 28. April 1925.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Luther bei Hindenburg.
Erste politische Aussprache.
Reichskanzler Dr. Luther hat sich alsbald nach der Wahl Hindenburgs zu einer Besprechung mit diesem nach Hannover begeben.
Es handelt sich dabei sowohl um einen Höslichkeits- und Begrüßungsbesuch, als auch um eine vorläufige erste Aussprache über die politische Lage. Man nimmt an, daß auch diejenigen Fragen berührt wurden, die im Zusammenhang mit der Neuwahl des Präsidenten in der nächsten Zeit geregelt werden müßten, z. B. das Zeremoniell der Vereidigung, der Amtsantritt in Berlin sowie die Frage des Staatssekretärs beim Reichspräsidenten.
In Berlin rechnet man damit, daß die Amtseinführung am 9. 5. erfolgen werde, nachdem der Rcichswahlausschuß am 8. 5. in einer öffentlichen Sitzung die Wahlergebnisse geprüft und Generalfeldmarschall v. Hindenburg für gewählt erklärt haben werde.
Der Reichskanzler an den Feldmarschall.
Reichskanzler Luther sandte an den Reichspräsidenten Hindenburg in Hannover folgendes Telegramm:
„Ms Erwählten für das höchste Amt, das das deutsche Volk zu vergeben hat, Sie zu begrüßen, ist mir als Reichskanzler eine besondere Ehre. Voll Dankbarkeit und Verehrung gedenke ich alles dessen, was Ihre Person und Ihr Name für unser Vaterland in Zeiten höchster Kraft- anspannung und tiefster Not bedeutet hat. Ich gebe mich der aufrichtigen Hoffnung hin, daß unter Ihrer Reichspräsident- schaft das deutsche Volk durch wachsende Einigkeit im Innern e r st a r k e n und daß auch sein Wiederaufstieg im Kreise der anderen Völker auf den Bahnen friedlicher, gerechter Entwicklung entscheidende Fortschritte machen wird. Reichskanzler Luther."
Der Tank des Reichsblocks.
Der Vorsitzende des Reichsblocks, Staatsminister von Loebcll, veröffentlicht anläßlich der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten eine Erklärung, in der er heißt:
Der Reichsblock dankt Hindenburg für das große Opfer, das er mit der Kandidatur und der Uebernahme des höchsten Amtes des Deutschen Reiches dem deutschen Volke brächte. Mit dem Ruf „Treue um Treue" hat Feldmarschall von Hindenburg die Kandidatur angenommen. Heute können ihm alle Angehörigen des Reichsblocks nicht besser danken, als wenn sie unermüdlich in der Arbeit für die überparteiliche Einigung fortfahren und die Ziele und Gedanken, die uns leiteten, auch in den Reihen derer verbreiten, die sich im Wahlkampf noch nicht zu dem Gedanken einer allumfassenden staatspolitischen Einigung bekennen konnten. Mit Hindenburgs Sieg hat das deutsche Volk den Staatsgedanken zurückerobert. Ehrt unseren Reichspräsidenten!
Uebertreibungen.
Deutschland macht deutsche Politik; in unsere inneren Angelegenheiten hat sich ein fremder Staat nicht einzu- mischen. Immerhin ist die Stimmung des Auslandes für die Förderung oder Hemmung heimischer Bestrebungen bedeutungsvoll. Darum muß die Wahl Hindenburgs öum Reichspräsidenten auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, welches Echo sie jenseits unserer Grenzen findet.
Zuzugeben ist, daß der Stimmenzuwachs der Rechten zunächst als Ueberraschung wirkte und keineswegs als angenehme Ueberraschung. Frankreich, teilweise auch England, sahen darin den ersten Schritt zur Wiederkehr der Hohenzollern, das Ende der Verständigungspolitik, den Verzicht auf Eintritt in den Völkerbund, die Verleguna des großen Hauptquartiers in die Wilhelmstraße, eine Herausforderung an die Entente und was dergleichen Aufschreie mehr waren. Allmählich beginnt sich indes die Ausregung zu legen und einer ruhigeren Sprache Platz zu machen. Man erkennt, daß innere Notwendigkeiten zu einer Fortsetzung der bisherigen Politikführen. Von unterzeichneten Verträgen, von ausdrücklichen Vorschlägen kann Deutschland nicht zurück, ohne Treu und Glauben zu verletzen. Es ist gebunden unb würde dem Widerspruch der ganzen Welt begegnen, wenn es die Bindungen zerrisse.
Selbst wenn Hindenburg eine plötzliche Wendung durchsetzen wollte, so könnte er es nicht. Denn nicht der R e i ch s p r ä s i d e n t m a ch t die Politik, s o n - dern das Reichsrabinett, und dieses muß sich wieder mit beut Reichstag in engster Fühlung halten, wenn es nicht stürzen soll. Der Reichstag aber verläßt die Linie der Verständigung nicht; es wachst im Gegenteil die Mehrheit, die einsieht, daß nur dieser Weg ins Freie führt. Zum Glück w i l l H i n d e n b u r g den Bruch auch g a r nicht, hat vielmehr erklärt, daß er die getroffenen Vereinbarungen respektieren werde. Warum also die Besorgnis? Es ist kei n Frost auf Frühlingsblüten gefallen, die europäische Gesamtentwicklung nicht um Jahre zurückgeworfen.
Aber auch eine andere Gefahr besteht nur in der Einbildung, nicht in Wirklichkeit: eine Rückkehr zur Monarchie ist nicht zu fürchten. Hindenburg leistet den Eid auf die frristaatliche Verfassung und wird ihn halten. Für ihn handelt es sich um den Staats- inhalt, nicht um die Staatsform. Die Republik schlägt mit jedem Jahre ihres Bestehens tiefere Wurzeln im Volksbewußtsein. Sie antasten, würde heißen, neues Unglück über unser armes Vaterland heraufbeschwören. Denn es brachen Stürme aus, die alles nieberrigen, was für den Wiederaufbau der Wirtschaft, für die Festigkeit der Wüh- rung, für die Loslösung von Feßeln geleistet oder einge- leitet ist. Das weiß Hindenburg, .auch wenn er sich bisher weniger mit Politik beschäftigte; das weiß jeder, der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören. Auch hier Uebertreibungen.
An die neue Staatsform wird sich das deutsche Volk umso rascher gewöhnen, jeleistungsfähiger diese ist Hier liegt die Aufgabe. Man mag die Wahl Hindcn- burgs bedauern oder bejubeln, sie ist eine vollzogene Tatsache, und mit Tatsachen muß man sich abfinden, aus ihnen die Folgerungen ziehen. Ein Rücktritt der Reichsregierung t]t weder durch die Rechts- noch durch die Sachlage ange- zeigt. Das Kabinett Luther kann und wird mit 5rin- denburg arbeiten. Die Frage bleibt nur, ob die Opposition im Reichstag so viel politischen Verstand aufbringt. es arbeiten zu lassen.
Angesichts der Fülle dringlichster Gesetz- a n t w ü r f e wäre eine neue Krisis nicht zu verantworten. Allein neun (9) Steuervorlagen sind dem Reichstag nunmehr unterbreitet, die sämtlich keinerlei Aufschub vertragen. Handelsverträge harren der Erledigung, in erster Linie der deutsch-spanische, bei dem sich erweisen wird, ob die Regierungsparteien wirklich hinter der Regierung stehen. Das Strafgesetzbuch soll einer Modernisierung unterzogen werden. Auf allen Gebieten ist ein Drang zur Neugestaltung, wie auch die zahllosen Anträge der Parteien zeigen.- Dazu die schweren außenpolitischen Entscheidungen, denen wir entgegengehen und in denen die Schlüssel für die innere Politik liegen. Wahrlich Anlaß genug, um Diszi - p I i n zu halten und sich unbekümmert um Parteigegensätze Zu einem Arbeitsblock zusammenzuschließen.
Der Parlamentarismus käme erst dann in wirkliche Gefahr, wenn er sich unfähig zeigte, die Erfordernisse der gärenden Zeit zu erfüllen. Ist er seiner Aufgabe gewachsen, so wird ihn die Präsidentenwahl in der Entfaltung nicht stören.
Deutschlands Handelsbilanz.
Berlin, 28. April. Nach der Außcnhandelsstatistik zeigt die reine Warenellifuhr im März gegenüber bent Vormonat eine Abnahme un. 34 Millionen Reichsmark, während die reine Warenausfuhr gleichzeitig eine Zunahme um <9 Millionen Reichsmark aufweist. Die sich auf Grund des reinen Waren Verkehrs unter Ausschluß des Außenhandels mit Gold und Silber ergebende Passivität der Handelsbilanz beträgt im März 3'28Millionen Reichsmark gegen 442 Millionen Reichsmark im Februar und 585 Millionen Reichsmark int Januar. Die Einfubrvermiudcrung gegenüber dem Vormonat entfällt hauptsächlich auf Lebensrnittel und Getränke (23 Millionen Reichsmark sowie Rohstoffe und halbfertige Waren (13 Millionen Reichsmark).