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Schlüchtemer Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Mgememev amtlicherKazeigev für Kar Kreis Schlächtern

Kyukunb Verlag: HSteinfetd Söhne* GesthastsstrVahnhofstr.ö * sernspr-.Nr.x^y * Poststheckk: Pankstwta.M.rrroo

Nr. 52

(1. Blatt) Samstag, den 2. Mai 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

A. III Nr. 1147. Veterinärrat Wenderhold in Kirch- Hain ist der Ansicht, daß durch eine systematische Durchbe- Handlung der von Lebercgel befallenen Bestände mit den von der Firma E. Merck in Darmstadt hergestellten Heilmittel K 27 Merck" noch sehr viele Tiere gerettet werden könn­ten, für die jetzt kaum mehr als der Hautpreis zu erlösen sein wird.

Eine Durchbehandlung erscheint in erster Linie dringend notwendig, um zu verhüten, daß beim Weidegang wieder große Mengen Leberegeleier zur Weiterentwickelung gelangen. Es liegt deswegen ein großes öffentliches Interesse vor, weil durch die Brut auch andere Viehbestände und das Wild ge­fährdet werden. Auch eine Behandlung der erkrankten Rin­der zum Zwecke ihrer Wiederherstellung erscheint trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit nicht aussichtslos, da aus den bis­herigen Feststellungen doch anzunehmen ist, daß lebensfähige Brut auch noch mit Heu und Grummet aufgenommen wer­den kann, und daß die jetzt noch eintretenden Erkrankungen durch Aufnahme frischer Brut veranlaßt und durch Abtöten dieser Brut noch heilbar sind.

Ich ersuche deswegen, auf eine möglichst weitgehende Anwendung des Mittels bet den von Leberegeln befallenen Viehbeständen hinzuwirken, und füge einige Abdrücke der Gebrauchsanweisung zur Verteilung an die in den fraglichen Orten praktizierenden Tierärzte bei. Mehrabdrücke können bei der Firma E. Merck angefordert werden.

Cassel, den 12. April 1925.

Der Regierungspräsident. J. V.: gez. Unterschrift.

J.-Nr. 3230. Vorstehende Verfügung wird den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern zur alsbaldigen weiteren Bekanntgabe mitgeteilt.

Schlächtern, den 27. April 1925.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Kreisausschutz.

Kreis-Pferde- und Viehversicherungsverein Schlüchtern.

J.-Nr. 2278 K. A.

1. Mitgliederversammlung Freitag, den 8. Maid. Js., n a ch m itt a g s 2i/2 Uhr im Kreishaus-

Sitzungssaal dahier.

Tagesordnung:

1. Bekanntgabe der Beitrittserklärungen und der Versiche­rungsanträge.

2. Wahl des Vorstandes, § 8 und 9 der Satzung.

3. Betätigung der Wahl der Ortsvertreter und Stellver­treter und Wahlen weiterer Vertrauensmänner, § 10.

4. Geschäftstätigkeit des Vorstandes, der Ortsvertreter usw.

Alle Mitglieder werden zu dieser Versammlung einge­laden. Pferde-, Ziegen- und Schweine-Versicherung kann vor­erst nicht ins Leben treten, wegen zu geringer Beteiligung.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, ben ihnen bekann­ten Ortsvertretern besonders Mitteilung zu machen und sie zur Teilnahme an der Versammlung aufzufordern. Auch die Beteiligung der Herren Bürgermeister ist mir wegen der Wichtigkeit der Vorstandswahl erwünscht.

Schlüchtern, den 30. April 1925.

Namens des Vorstandes.

- Der Landrat. von Trott zu Solz.

Sprechstunden des Kreisarztes.

Tgb. Nr. 2256. Der nächste Sprechtag des Kreisarztes findet am 6. Mai d.. in Schlüchtern von vormit­tags 9 Uhr ab im hiesigen Kreishause statt.

Bei dieser Gelegenheit sollen die Schüler aus Steinau untersucht werden.

Schlüchtern den 28. April 1925.

Der Vorsitzende des Kreiswohlfahrtsamts.

J.-rN. 2225 K. A. Nach Mitteilung der Landwirtschafts- kammcr zu Cassel ist die Frist zur Anmeldung des Bedarfs an Saatgutkredit auf den 15. Mai d.. festgesetzt worden. Bis zu diesem Termin müssen sämtliche Anmeldungen, die noch Berücksichtigung finden sollen, erfolgt sein.

Schlüchtern, ben 1. Mai 1925.

Der Vorsitzende dcö KreisauSschusseö.

J.-Nr. 2277 K. A. Die Gemeindepflegerinnen (Ge­meindeschwester) lade ich hiermit zur Besprechung in Für- sovgeangelegenheiten auf M i t t w o ch, d c n 1 3. M a > d. . n a ch m. 3 U h r hierher (Kreistagssaal) ein. Der neue Herr Kreiömedizinalrat wird anwesend sein. Auch die Vor­sitzende des Vaterländischen Fraucnvcreinö, Frau Landrat von Trott zu Solz, möchte die Schwestern sprechen und bittet sie, nach der Sitzung eine Tasse Kaffee bei ihr zu trinken.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Gemeinde­schwestern auf die Einladung aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 28. April 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J.-Nr. 2257 K. A. Die Herren Standesbeamten des Kreises mache ich unter Bezugnahme auf den in der Zeit­schrift für Standesamtswesen von 1925 Seite 21 abgedruck- tcn Erlaß des preußischen Ministeriums des Innern vom 16. 1. 1925 I e 1063 darauf aufmerksam, daß die Formulare für die preußischen Ehefähigkeitszeugnisse beim Verlag des Reichsbundcs der Standesbeamten Deutschlands in Berlin SW. 68, Markgrafenstr. 77 erhältlich sind. Ich gebe anheim, Bestellungen an den Verlag zu richten.

Schlüchtern, den 28. April 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Marx an Wwttrs.

Ein Schreiben an den Feldmarschall.

Der Präsidentschaftskandidat des Volksblocks, Reichskanzler a. D. Marx, hat von Sigmaringen aus an Gcneralseldmarschall von Hindenburg folgendes Schreiben gerichtet:

Das deutsche Volk hat Ew. Exzellenz zum Reichspräsidenten gewählt. Es entspricht dem Geiste echter Demokratie, daß nunmehr jeder, der sich zu ihr bekennt, zur Entscheidung der verfassungs­mäßigen Mehrheit des Volkes steht. Darum ist es mir ein Be- dürsnis, Ew. Exzellenz meinen aufrichtigen Wunsch und die Hoff­nung auszusprechen, daß unter Ihrer Präsidentschaft das deutsche Volk seine innere Ruhe und seinen äußeren Frieden finden möge, wonach unser aller Streben geht. Möge der cingelditete wirt­schaftliche Gesundungsprozeß zum Segen von Volk und Reich ungestört fortschreiten, und möge die Durchdringung des ganzen öffentlichen Lebens mit wahrhaft demokratischem sozialem Geiste jene Krankhcitserscheinnngcn heilen, die der Krieg und Deutsch­lands Zusammenbruch hinterlassen haben, und somit die sittliche Reinigung und Erneuerung unseres Volkes beschleunigen Möge es unserem deutschen Volke vergönnt sein, auf dem eingeschlagenen Wege der internationalen Verständigung in Frieden und Wohl­fahrt recht bald wieder die Stellung in der Welt einzunehmen, auf die es dank seiner Fähigkeiten und seiner Leistungen Anspruch hat.

An feine Wähler hat Dr. Marx ferner einen Aufruf gerichtet, in dem es u. a. heißt:Weil uns der Dienst am Vaterlande über alles geht, werden wir uns in echt demo­kratischer Gesinnung der getroffenen Entscheidung der Mehr­heit des Volkes willig fügen. Wir, als die Schützer der Ver­fassung, haben die heilige Pflicht, in bent verfassungsmäßig ge­wählten Reichspräsidenten den Repräsentanten des deutschen Volkes und der deutschen Republik zu achten. Wir dürfen nicht in den Fehler unserer Gegner verfallen, die ehedem vor keiner Verunglimpfung und Verdächtigung seines Vorgängers zurückschreckten und sich damit gegen die Gebote der Staats­autorität schwer versündigt haben."

Eine sozialdemokratische Interpellation.

Die socialdemokratische Reichstagsfraktion hat eine Inter­pellation eingebracht, in der es heißt: Die Wahlagitation eines Teiles der Partei, die die Kandidatur des Gencralfeldmarschalls v. Hindenburg aufgestellt hat, richtete sich gegen die rspubli- kanische Staarsform und mit besonderer Heftigkeit gegen die bisherige Linie der deutschen Außenpolitik. Wir richten deshalb an die Reichsregiernng die Frage, ob sie glaubt, unter den geänderten Verhältnissen an der bisherigen Außenpolitik fest­halten zu können.

Sie deutsche Landwirtschaft.

Zeichen der Besserung.

Im Haushaltungsausschuß des Reichstages, der in die Be­ratung des Etats des Reichsministeriums fair Ernährung und Landwirtschaft eintrat, führte Reichscrnährungsmiuistcr Graf Kanitz in einem kurzen Neberblick über die Lage der Landwirt­schaft u. a. auS, die Getreideernte biete, soweit man dies bis jetzt übersetzen könne, gute Aussichten.

Die Viehzucht habe sich wesentlich gehoben und die Einfuhr von ausländischem, insbesondere von Sefrierfleijch, sei stark zurück- gegangen. Die Milchversorgung habe sich in erstaunlichem Maße gehoben, so daß man den letzten Rest der Zwangswirtschaft wohl bald werde beseitigen können. Deutschland könne seinen Milch- und Butterbedarf aus eigener Produktion decken. Kartoffeln seien gut überwintert. Die Zuckerprodnkti- habe im vergangenen Jahre schon wieder eine Ausfuhr von 3,8 Millionen Tonnen gegenüber 8 Millionen im Frieden erreicht. Der deutsche Wein-, Obst- und Gemüsebau bedürften eines genügenden Zollschutzes. Der deutsche Waldbesitz habe durch Forlcnlcnfrvß außerordentlich gelitten. Die Regierung bemühe sich, hier zu helfen.

Der Minister dankte sodann dem amerikanischen General Man für seine tatkräftige Hilfe bei der Kinderfürsorge, die, soweit Auslandshilfe in Frage komme, im laufenden Jahre abgeschlossen sei. Die Kreditnot der Landwirtschaft erfordere, wie der Minicstr weiter anSführte, dringende Abhilfemaß- nahmcn. Erst wenn die deutschen Laudwirtfchaftszöllc fest- ständcn, werde man beträchtliche Zölle für die Industrie erhandeln können. Der Minister beantragte Bereitstellung von fünf Millionen Mark für eine tatkräftige Intensivierung der deutschen Landwirtschaft, deren Erzeugung um ein Drittel gehoben werden könnte.

Wünsche der Wirtschaft.

Der Deutsche Industrie- und Handelstag hat sich in seiner Berliner Bolltagung eingehend mit der wirtschaftlichen Lage Deutschlands befaßt, die bekanntlich augenblicklich noch als wenig rosig anzusehen ist. Wir sind eben leider aus einem Gläubigerland ein Schuldnerland geworden, eine Tatsache, mit der wir noch auf lange Jahre hinaus zu rechnen haben.

Diesem Umstand Rechnung tragend, hat nu. der In­dustrie- und Handelstag eine Entschließung gefaßt, in der außer schnellem, endgültigem Abbau der völlig überholten und nutz­losen Zwangs- und Volkswirtschaftsgesetze u. a. ferner verlangt wird, daß in der gegenwärtigen Krisenlage auch im Lohnwesen und in der Arbeitszeit die Erfordernisse billiger Produktion besonders beachtet werden, um durch Preissenkung die Kaufkraft und den Reallohn zu steigern. Von neuen sozialpolitischen Belastungen wird so lange abgesehen werden müßen, als nicht durch den Fortgang der Wirtschaft die Beschäftigung der Arbeiterschaft gesichert ist.

In der Frage der Aufwertung ist vor allem darauf zu sehen, was der Produktion an wiedererstehenden Schuldenlasten ohne Gefahr einer allgemeinen Preissteigerung, der Einbuße notwendigen Substanz und einer wirtschaftlähmcnden Kredit- krise auferlegt werden kann. Hiernach kann, wenn eine ergän­zende Regelung unabweisbar ist, über die Vorschläge der Re­gierung ohne ernste Gefährdung der Wirtschaft nicht hinaus­gegangen werden. Die Vorschläge des Reichsrats auf Verein- fachung der Hhpothekenaufwertung erscheinen zweckmäßig. Es ist so schnell als irgend tunlich Rechtssicherheit zu schaffen, daß die Aufwertungsfrage damit endgültig erledigt ist.

Der Kreditnot der Wirtschaft wird von der Reichsbank soweit entgegengekommen werden müssen, als der Schutz der Währung es zuläßt, deren Erhaltung unbedingt notwendig und gesichert ist. Bei der Reichsbahn ist durch strenge kaufmännische Geschäftsführung auf eine alsbaldige allgemeine Senkung des Gütertarifs hinzuwirken. Zur Abdeckung der notwendigen Einfuhr, wie zur Abtragung der Reparationslasten ist für Deutschland eine starke Ausfuhr notwendiger als je. Gleich­zeitig mit der Pflege des inneren Marktes muß sich Deutsch­land daher bemühen, durch Handelsverträge auf dem Boden der Meistbegünstigung seinen Erzeugnissen, besonders denen hochwertiger Arbeit, Aufnahme im Auslande zu erschließen.

Deshalb nmß ein für die Berhandlungszmcckc geeigneter Zolltarif endlich verabschiedet und zum endgültigen Zolltarif beschleunigt weitergearbeitet werden. In der Frage der Getreidezolle wird der.Landwirtschaft einzuräumen sein, was sie braucht, um die im allgemeinen vor dem Kriege erlangte Intensität wiederzugewinnen, auch zu steigern, um den Ein­fuhrbedarf zu verringern.

Darauf wurde von der Versammlung eine weitere Ent- schlicßun zur Steuerfrage angenommen, in der die Ent­schließungen des Steuerausschusses und des Houptausschusses zu den neuen Finanzgesetzen gebilligt und die Regierung und der Reichstag aufgefordert werden, die D^rchberatung und Verabschiedung dieser Gesetzesgruppen zu beschleunigen.

Das Hartnäckige Polen.

Ablehnung jeder Grenzrcgulierung.

Der polnische Ministerpräsident Grabsti nahin im polnischen Landtag zu längeren Ausführungen das Wort, um die Wirt- schaftspolitischen Ziele der Regierung zu erörtern, über die die Budgetberatung im Landtage Unklarheit gelassen hatte. Wir werden, so erklärte der Ministerpräsidctü, wegen der Passiven Handelsbilanz zu einer Revision des Zolltarifs schrei­ten müssen. Ganze Arbeitsstätten sind nicht in Betrieb, weil Polen mit den Ländern nicht konkurrieren kann, die niedrigere Produktionskosten haben. Da wir nicht einseitig die polnischen Arbeitslöhne herabsetzen können, müssen wir unseren inneren Markt vor der Konkurrenz dieser Länder schützen. Eine solche Politik würde auch die Arbeiter schützen, da sie ihre Werk­stätten erhält.

Auf die Außenpolitik übergchend, betonte der Minister­präsident, daß auf diesem Gebiete der Regierung große Auf­gaben harren, um so mehr, als sich die ganze Ration vor einem großen Warnungszeichen sehe. Dieses Warnungszeichen ist am letzten Sonntag auf internationalem Gebiet erschienen. Die Teutschen stellen unsere Grenzen in Frage, obgleich sie sie unterschrieben haben. Sie sagen aber, daß sie nicht an eine Auseinandersetzung mit dem Schwerte denken. Woran denken sie also? Gab es jemals auf der Welt ein Beispiel hierfür, daß die Grenzen entgegen dem Willen des betreffenden Staates anders als mit dem Schwerte abgeändert wurden?

Gibt es irgend jemand, der behauptet, daß Polen einer Grenzänderung aus freien Stücken zu stimmen würde? Nein! Dieses zu glauben, haben weder die ein Recht, die darüber sprechen, noch die, die zuhören. Es muß also in dieser Formel Ohne Schwert" etwas Irreales erblickt Werben. Auch die FormelMit dem Schwert", wäre irreal, denn der Ausspruch des PortesSchwert" würde in der Welt eine derartige Auf- nah le erfahren, daß der Gedanke irreal werden muß. Wir können das Problem nicht als real ansehen, sondern nur als ein Symptom, das uns viel Stoff zum Nachdenken geben muß.

Nach einer Meldung aus London ist man dort einem kommunistischen Komplott gegen Stuften Ehamberlain auf die Spur gekommen. Die Verschwörer planten die Ermordung des englischen Außenministers. Die Vereitelung des Anschlags gelang »ach de Warnung der englischen Behörden durch eine auswärtige tzKsandtschakt.