Einzelbild herunterladen
 

Schlüchtemer Leitung

Kreis-Kmtsblatt * Myememev amtlicher Knzeiyev für Kar Kreis Ächlüchtem

druck und Vevtag: tz.Steinfetd Söhne* SesthästsftrVahnhofstr.ö * sernsprrtw.t^y * Postschecks: ^rankstwtaM.rLroo

Rr. 54 (1. Blatt )

Donnerstag, den 7. Mai 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 3801. Der Landweg NeuengronauAltengronau wird wegen Vornahme von Walzarbeitei: bis einschl. 19. d. Mts. für Lastfuhrwerke jeder Art gesperrt.

Uebertretungen werden nach der Polizeiverordnung vom 6. April 1877 (Amtsblatt S. 137) bestraft.

Schlüchtern, den 6. Mai 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 3685. In der Gemeinde Herolz ist die Schaf­räude wieder erloschen.

Schlächtern, den 4. 5. 1925. Der Landrat.

Europas Wiederausbau.

Der amerikanische Botschafter in Berlin, Houghton, hat dort bei einem geladenen Publikum eine bemerkenswerte Rede gehalten, worin er sich mit dem ProblemAmerika und der Wiederaufbau Europas" befaßte. Er vertrat darin die Ansicht, der grundlegenden Notwendigkeit, daß die Völker Europas in den Stand gesetzt werden müßten, ihre Arbe.i wieder aufzunehmen, sei Genüge geschehen. Das Kapital, ohnö welches eine Produktion nicht nwglich fei, sei geliefert worden. Die Wechselkurse seien in weitem Umfange stabilisiert worden. Englands Bemühungen, zum Goldstandard zurückzukehren, seien von Erfolg gekrönt und die Ordnung wieder hergestellt worden. Wenn auch die Desorganisation des internationalen Handels und der internationalen Märkte, die eine natürliche Folge des Krieges sei, noch immer bestehe, so habe sich doch auch hier eine entschiedene Besserung gezeigt. Die mühseligste Arbeit sei getan, und die Grundlage zu neuer Wohlfahrt fei gelegt worden.

Vor allen: gehöre dazu eine Aenderung der Geistesver­fassung. Vertrauen sei das Bindemittel, das die Zivilisation iptjtHtniiv.Hf-Hx:. aX«, Friede« U*m t«ich« L«» u4»uv, " t^äfte von innen kommen. Amerika kenne aus eigener Erfahrung die Folgen, die ein großer Krieg mit sich bringe. Diese Erfahrung habe gelehrt, über die Folgen des Krieges in Europa Betrach­tungen auzustellen und zwar mit dem ehrlichen Wunsche, zu helfen. Die Amerikaner feien aber auch gleichzeitig praktische Leute. Als sie durch Hingabe ihrer Ersparnisse den Völkern Mitteleuropas die Möglichkeit gegeben hätten, die Arbeit wieder aufzunehmen, hätten sie dies getan, weil sie gewußt hätten, daß die wirtschaftliche Tätigkeit Europas nur auf diese Weise wieder hergestellt werden könne. Ihre Ersparnisse für Darlehen zum Wiederaufbau der zerstörten Märkte seien gegeben worden, weil sie gewußt hätten, daß diese Märkte auf eine andere Weise nicht wieder hergestellt werden könnten.

Der Botschafter fuhr fort: Aber wir haben niemals ver­gessen, daß es Grenzen gibt, über die mir nicht hinausgehen können. Das volle Maß der amerikanischen Hilfe kann nur ver­langt werden, wenn das amerikanische Volk sicher ist, daß die Zeit der zerstörenden Methoden in der Politik vorüber ist, und daß die Zeit für einen friedlichen Aufbau gekommen ist. Das amerikanische Volk fragt sich, ob diese Zeit tatsächlich gekommen ist. Diese Frage kann es heute nicht beantworten. Die Antwort muß von den Völkern Europas kommen, die allein die Entscheidung treffen können. Wenn die Antwort aus Frieden lautet, dann können sie sicher sein, daß Amerika mit äußerster Großzügigkeit helfen wird. Wenn aber diese Antwort weiterhin unklar und zweideutig ist, dann befürchte ich, daß die jetzt erfolgenden Hilfsmaßnahmen unvermeidlich aufhören müssen. Wir können nur denen Hilfe gewähren, die sich selbst zu helfen wissen. Indem wir so sprechen, denken wir nicht an eine bestimmte Nation, sondern an die Lage, an welcher alle in gleicher Weise beteiligt sind. Das amerikanische Volk hat nicht den Willen oder Wunsch, sich int einzelnen in diese Frage ein- zumischen. Das amerikanische Volk erkennt an, daß hierbei Umstände mitwirken, die Amerika nur indirekt berühren. Seine geographische Lage befreit es davon, Erwägungen anziistellen, mit denen sich die anderen Nationen zu befassen haben. Amerika bietet irgendwelche Ratschläge nicht an. Aber ich kann sagen, daß das amerikanische Volk hofft und inbrünstig betet, daß halb ein Friede erreicht werden nichte, der die moralische Unter­stützung der Menschheit verdient, und der von Bestand sein wird, weil er gerecht ist. Das amerikanische Volk glaubt, daß ein solcher Frieden sich auf der Annahme aufbauen müsse, daß alle, die an ihm teilnehmen, es ehrlich meinen. Frieden schließen heißt Vertrauen haben! Der amerikanische Botschafter schloß: Dem Leben, das ich in Ihrer Mitte führen werde, sehe ich mit freudiger Erwartung entgegen. Ich nehme meine Arbeit in dem vollen Vertrauen darauf auf, daß irgendwelche Meinungsverschiedenheiten, die zwischen unseren Regierungen entstehen könnten, im Geiste der Gerechtigkeit und Freimütigkeit behandelt werden, der ihren Verkehr in der Vergangenheit kennzeichnet und der, wie ich glaube, lediglich der Ausdruck des Wunsches der beiden Völker ist, als Nachbarn mit Selbst­achtung ihr Tagewerk zu erledigen, und zwar mit einem Mindestmaß von Hader und mit dem größten Maße von gutem Willen.

Dem Reichstage ging jetzt die angekündigte Denkschrift über die Verhandlungen zur Herbeiführung der deutschen Einhcits- kurzschrist z». Die Denkschrift gibt einen ausführlichen Nederblick über die im Reichsinnenministerium von 1907 bis 1924 stattgcsun- dencn Verhandlungen.

Rentenbank-Kreditanstalt.

Der Regierungsentwmf.

Dein Reichstag ist soeben der Gesetzentwurf über die Er­richtung der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt zugegangen.

Die Rentenbank-Kreditanstalt hat die Ausgabe, die Landwirt­schaft mit Realkredit, mit Meliorations-, Siedlungskredit und mit Personcnkrcdit zu versorgen, mit letzterem für eine bestimmte Übergangszeit, die bis Ende 1931 bemessen ist. Zur Kredit­gewährung dienen Eigenmittel der Rentenbank-Kreditanstalt, die erstmalig den hierzu verfügbaren, aus Grundschuldzinscn und Darlehuszinsen erwachsenen Mittel« der deutschen Rentenbank (200 Mill. Mark) dotiert wird und der laufend der den Betrag von ß60 Mill. Mark überschiebende Teil der jährlichen Rentenbank- Grundschuldzinsen bis zu dem Betrage von 25 Mill. jährlich für die auf etwa sieben Jahre bemessene Dauer der Liquidation der Rcntcnbenkscheine zufließen soll.

Dieses Eigenkapital der Rentenbank-Kreditanstalt soll gleich­zeitig als Unterlage dafür dienen, durch Ausgabe von Schuld­verschreibungen im Ausland langfristigen Auslandskredit zwecks Gewährung von Realkredit heranzuziehen. Eine Inanspruch­nahme des offenen Geldmarktes durch die Aufnahme kurz­fristiger Gelder soll nicht erfolgen. Die Rentenbank-Kreditanstalt soll nicht unmittelbar mit den kreditnehmenden Landwirten in Verbindung treten, sondern lediglich die die Landwirtschaft ver­sorgenden Kreditinstitute mit Kreditmitteln speisen. Die Weiter- lertung der Realkredite pflegenden Institute öffentlich recht­licher und privatrechtlicher Natur, wie die Landschaften, öffent­liche Kreditanstalten, öffentliche Sparkassen und Hypotheken­banken. Der Verwaltungsrat so in Anlehnung an den Verwaltungsrat der Deutschen Rentenbank gebildet werden. Wie bei den letzteren sollen 11 Vertreter der landwirtschaftlichen Spitzenorganisationen Mitglieder des Vevwaltungsrates sein. Diesen Mitgliedern soll eine bestimmte Anzahl vom Reichsrat bestellter Personen hinzutreten. Während der Reichsrat be­schloß, den vom Reichsrat zu bestellenden Personen ebensovicle Sitze im Verwaltungsrat einzuräumen wie den landwirt­schaftlichen Mitgliedern, sieht ein Gegenvorschlag der Reichs­regierung vor, die Zahl der vom Reichsrat bestellten Personen aus nur acht zu bemessen, damit der Charakter eines von der Landwirtschaft getragenen uuo «i w WUlscha-ft selbst ver­walteten Kreditinstituts gewahrt bleibt. Der Reingewinn soll nach den Beschlüssen des Reichsrats an das Reich zur Weiter- leitung an die Länder zwecks Finanzierung landwirtschaftlicher Zwecke fließen, während die Vorlage der Reichsregierung Vor­sicht, daß über die Verwendung des Reingewinns die Anftalts- versammlung der Rentenbank-Kreditanstalt mit Genehmigung der Reichsregierung zu beschließen hat

Für die Landwirtschaft.

Schutzmaßregeln.

Im Haushaltsausschuß des Reichstags wurde eine Ent­schließung angenommen, die die Reichsregierung ersucht, in Anbetracht der sich immer schwieriger gestaltenden Lage der Landwirtschaft, die ganz besonders empfindlich die Vieh produ­zierende Landwirtschaft trifft, die auf dem Gebiet des Zoll­schutzes und des Veterinärpolizeiivcscus erforderlichen Maß­nahmen schleunigst zu treffen. Ebenso fand Annahme ein Antrag des Abg. Gerauer (Bayer. Vp.), bei allen Maßnahmen der Regierung zur Förderung der landwirtschaftlichen Pro­duktion darauf zu achten, daß die kleinbäuerlichen Betriebe besondere Beachtung finden.

Im weiteren Verlaufe wurde eine Entschließung ange­nommen, in der die Regierung ersucht wird, einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach dem die unter Abänderung der durch das Gesetz vom 13. Juli und 14. Juli 1923 getroffenen Vorschriften über die Anlegung der Vermögcnsbcstände von Versicherungs­anstalten und Vcrsichcrungsuntcrnehmungen die Anlegung eines angemessenen Teiles dieser Bestände in goldgesichertcn langfristigen Anlagen vorgeschrieben wird. Der Ausschuß nahm dann noch eine große Anzahl von Entschließungen an, in denen die Regierung u. a. ersucht wird, daß die für die Land- w i r t s ch a f t bestimmten Kredite in Zukunft keinen höheren Zinssatz als drei Prozent über den Reichs- diskontsatz haben sollen. Annahme fand auch eine Entschließung, die die Reichsregierung ersucht, bei der Reichsbahngesellschaft dahin zu Wirkens daß für landwirtschaftliche Betriebsmittel, die ausschließlich für kleine Bauern, Pächter und Siedler bestimmt sind, erhebliche F ra ch t c r m ä ß i g u n gc n bewilligt werden. D-r Ausschuß stimmte auch einer Entschließung zu, die die Reichsregierung ersucht, die Ausfuhr von Mehl und Rohzucker sofort fwizugebeu. Auch die Entschließung nahn: der Ausschuß an, die sich gegen die Wiedereinführung der Sommerzeit ausspricht.

Die Lage in Bulgarien.

Eine neue Verschwörung entdeckt.

Nach einer Drahtung aus Sofia hat die bulgarische Krimiualpolizei eine neue kommunistische Organisation in Gcbedjc bei Warna entdeckt. An der Spitze stand der ehemalige Bürgermeister von Gebedje unter der Regierung Stambu- linski. Ein Munitionslager wurde beschlagnahmt, außerdem in den Archiven eine Liste mit ungefähr 50 Rainen von Personen gefunden, die beim Gelingen der Revolution erschos­

sen werden sollten. Die Kommunistenführer Matrow, Misch- kow und Teodor Smokow wurden verhaftet.

Nach einem Beschluß der bulgarischen Regierung sind alle Privatunternehmen, Gesellschaften, Banken usw. aufgefordert worden, ihre kommunistisch gesinnten Angestellten zu ent­lassen.

Wie endlich noch aus Sofia gemeldet wird, Hot die bul­garische Regierung an die Staaten der Kleinen (Entente ein Memorandum gerichtet, in dem sie ausführlich die Gründe darlegt, aus denen zur Niederwerfung der kommunistischen Bewegung die militärische Dienstpflicht wieder eingeführt werden müßte. Eines der wichtigsten Argumente ist, daß durch die Wiedereinführung der Militärdienstpflicht eine jährli^e Ersparnis von 1 Milliarde erzielt werden wird.

Kämpfe in Marokko.

Gegenoffensive der Franzosen.

Aus Marokko liegen alarmierende Nachrichten über Offen- sivbewegungen der Rifleute vor. Das französische Ober­kommando hat eine Frontverlängerung vorgenommen.

Marschall Liautey ist zur Uebernahme des Oberkommandos an der Front eingetroffen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß der französische Oberkommandicrende in die Neutralitätszone ein­dringen wird, die bereits an verschiedenen Stellen von den Stäm­men der marokkanischen Freiheitskämpfer besetzt worden ist.

Der Ministerpräsiden: Painlevö hat tm Namen der Regie­rung folgendes Telegramm an Marschall Liautey gesandt:In dem Augenblick, wo Sie erneut einer schweren Situation gegen- übertreten, wünscht die Regierung, Ihnen den Ausdruck ihres absoluten Vertrauens zu übermitteln. Sie grüßt das Andrucken der für Frankreich Gefallenen und beauftragt Sie, Ihren tapferen Truppen Glück zu ihrer Ausdauer und ihrem Mut zu wünschen" Ein erster Vorstoß der französischen Truppen gegen die vor und in der Neutralitätszone gelagerten Stämme scheint laut offiziellem Kommunique von Erfolg gekrönt zu sein. Die Stellung bet Alldur wurde nach heftigem Kamps von den Kabylen gesäubert, die 50 Tote, jahlreiche Gefangene und Waffen und Munition hinterließen. Die Kämpfe dauern fort.

politische Tagesschau.

^ Untersuchungsausschuß Dr. Höfle. Im Ausschuß des Preußischen Landtages zur Untersuchung des Todes des ehe­maligen Reichsministers Dr. Höfle wurde das Obduktions­protokoll verlesen, das zu folgendem vorläufigen Gutachten kommt: Die Leichenöffnung hat eine bestimmte Todesursache nicht ergeben. Der Leichenbefund widerspricht nicht der An- nähme, daß der Tod durch die Einnahme eines narkotischen Mittels erfolgt ist. Um dieses festzustcllen, wurden verschiedene Leichenteile zur chemischen Untersuchung zurückgestellt. Der Inhalt des Berdauungsapparates macht die ausgesprochene Möglichkeit einer Vergiftung ivahrscheinlich. Die Befunde in den inneren Organen, insbesondere der Lunge, soweit sie bisher zu beurteilen sind, geben eine ausreichende Erklärung des Todes nicht. In dem Protokoll der chemischen Untersuchung heißt es: Es kann vorläufig nur gesagt werden, daß wahrscheinlich beide Stoffe Luminal und Morvin zusammengewirkt und den Tod herbeigeführt haben. Sicher kann diese Frage nur beant- Wurlet werden nach Kenntnisnahme der Krankheitserscheinun­gen, die der Verstorbene vom Zeitpunkt der Erkrankung bis 51I seinem Tode gehabt Hot. '

+* Der deutsch-rumänische Konflikt. Wie aus Bukarest ge­meldet wird, beschloß der rumänische Ministerrat, den deut­schen Vorschlag, den Schiedsspruch der englischen Regierung anzurufen, abzulehnen. Die rumänische Regierung werde eine Note nach Berlin absenden, in der vorgcschlagen loerdcn soll, eine deutsch-rumänische Konferenz jur Erledigung der Differen­zen cinzubcrufen.

*« Landtagsauflösung in Preußen? Im Preußischen Land­tag hielt der interfraktionelle Ausschuß der Volksblockparteien eine Sitzung ab, an der auch Ministerpräsidcitt Braun teil» nahm. Es herrschte die Meinung vor, daß.zur Auflösung des Landtags geschritten werden müßte, wenn das Kobineit Braun am Freitag wieder eine Niederlage erleiden sollte. Minister- Präsident Braun soll dieser Meinung bcigctrctcn fein. Die Sozialdemokraten gaben die Erklärung ab, daß sie mit den Koinnlunistcn keine Abmachungen irgendwelcher Art über die Frcitogsabstinimung im Landtag getroffen hätten. Der Auf- losungsausschuß, der aus dem Ministerpräsidenten, dein Land- tagspräsidenten Bartels und dein PräsidcMen des Staatsrates Dr. Adenauer-Köln besteht, tritt am Freitag zu einer Sitzung zusammen, in der gegebenenfalls die Auflösung des Landtages beschleffen werden loird.

Das Reichskabinett hat die Zollvorlage in ihren wesentlichen Teilen dnrchberaten. Die Beschlutzfasiung über die Borlage des Gesetzentwurfs au den Reichsrat ist demnächst zu erwarte«.

Nach einer Meldung aus Berlin wird der in diesem Jahr fällige Kongreß der Freien Gewerkschaften im August in Breslau abgehalten werden, und zwar entweder vor der Breslauer Herbst­messe oder im Anschluß daran.

Der französische Ministerpräsident Pamlevö ist an einer leichten Erkältung erkrankt.