Nr. 59
Dienstag, den 19. Mai 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Sprechstunden
beim Landratsamt Dienstags u
Freitags, vormitt. von 9—12 Uhr.
Sonnabend, den 18. Juli und Sonntag, den 19. Inli findet in Steinau eine
Kreisviehausstellung
unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammer Cassel und aller landwirtschaftlichen Organisationen des Kreises Schlächtern statt. Es sind bereits hohe Beträge zu Prämiierungen von der Landwirtschaftskammer, vom Kreise und von Privaten zugesagt.
Ausgestellt werden: Pferde, Rindvieh (alle im Kreise vertretenen Raffen), Schafe, Rhönziegen, Schweine, Hühner, Enten und Gäuse, Kaninchen und landwirtschaftliche Maschinen aller Art.
An die Tierbesitzcr des Kreises ergeht die Aufforderung alle auszustellenden Tiere, bis s p ä t e st e n S 2 5. M a t, bei dem Bürgermeister ihres Ortes anzumelden, der in Gemeinschaft mit Vertretern der örtlichen landwirtschaftlichen Organisation eine Vorbesichtigung der angemeldeten Tiere alsbald vornehmen wird. Um den Viehbesitzern des östlichen Kreisteiles die Beteiligung an der Ausstellung zu erleichtern, ist geplant am 18. Juli einen Extragüterzug von Jossa über Sterbfritz und Elm nach Steinau und zurück laufen zu lassen. Anmeldungen von Maschinen und Geräten sind bis zum 1. Juni bei dem Direktor der landwirtschaftlichen Schule, Herrn Müller in Schlächtern, direkt einzureichen. Daö Programm der Veranstaltung wird noch bekannt gegeben. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, obigen Aufruf mehrmals ortsüblich bekannt zu geben und mit den örtlichen landwirtschaftlichen Organisationen in Verbindung zu treten.
Schlüchtern, den 16. Mai 1925.
Der Landrat: v. Trott zu Solz.
Polizeiverordnung.
Auf Grund des § 5 der Verordnung über die Polizei' Verwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (G. S. S. 1529) und des § 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) wird mit Zustimmung des Kreis- ausschuffes für den Umfang des Kreises Schlüchtern nachstehende Polizeiverordnung erlassen:
§ i. Der feste oder flüssige Inhalt der Abtrittanlagen, Dungstätten, Jauche- und Kotgruben, sowie andere Schmutz- und Spülwasser dürfen weder auf Straßen und Wege (einschließlich Fußwege) oder Plätze, noch nach offenen Straßen- und Wegegräben, oder Rinncsteinen abgeleitet oder auögeschüttet werden.
§ 2. Zuwiderhandlungen gegen diese am 1. Oktober d. Js. in Kraft tretende Verordnungfwerden mit Geldbuße bis zu 30 R.-M., im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft.
Schlüchtern, den 22. Juli 1909. Der Landrat.
J.-Nr. 4049. In der Gemeinde Ahl ist die Schafräude festgestellt worden.
Schlüchtern, den 15. Mai 1925. Der Landrat.
J.-Nr. 4084. Der Landweg Marjoß-Joffa wird wegen Vornahme von Walzarbeiten vom 22. bis einschl. 29. d. Ms. für Fuhrwerke jeder Art gesperrt.
Der Verkehr ist über Miesbrücke-Barackcn zu leiten.
Uebertretungen werden nach der Polizeiverordnung vom 6. April 1877 (Amtsblatt S. 137) bestraft.
Schlüchtern, den 16. Mai 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheiö.
Kreisausschutz.
Tgb. Nr. 2689. Ich ersuche die Herren Bürgermeister um Namhaftmachung sämtlicher in den einzelnen Gemeinden ansässigen U n f a l l b e s ch ä d i g t e n mit einer Erwerbsbeschränkung von mindestens 50 v. H. bis spätestens zum 5. Juni 25.
A u s g c n 0 m m e n von der Meldung sind die landwirtschaftlichen Unfallbcschädigten, über die ein Verzeichnis hier vorliegt,
Fehlanzeige ist erforderlich.
Schlüchtern, den 15. Mai 1925.
Der Vorsitzende des Kreiswohlfahrtsamts.
J.-Nr. 2411 K.-A. Die Kreiskommunalkaffe hat heute Anweisung erhalten, die Reichsanteile aus der 58., 59., 61. und 62. Einkommensteuer-, aus der 18. Körperschaftssteuer- und aus der 20. Umsatzsteuerverteilung an die Gemeinden und tZutöbezirke zu zahlen. Die Anteile sind für das Rechnungsjahr 1925; eine Ueberweisung von Anteilen für das Rechnungsjahr 1924 steht noch in Aussicht.
Schlüchtern, den 14. Mai 1925.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschuffes.
Stadt Schlüchtern.
Die Zettel über das zur Verteilung kommende Los Holz werden am Mittwoch, den 2 o. M a i 1925 in der Turnhalle ausgegeben und zwar: von vormittags 8 bis 9 Uhr Buchstabe A—C
„ ,, 9 „ 10 „ „ D—F „ , 10 „ 11 „ „ G—H , „ 11 , 12 „ „ I—K „ nachmittags 2 „ 3 „ „ L—P „ - 3 » 4 „ „ R—S 4 , 5 „ , T-Z Schlüchtern, den 18. Mai 1925. Der Magistrat: Gaenßlen.
Die Konirollnoie.
Ueberreichung in dieser Woche.
Nach einer Meldung aus London soll die Abrüstungsnote an Deutschland nunmehr in Kürze abgeschickt werden.
Wie des Büro Reuter dazu erfährt, wird die Note der Alliierten an Deutschland über die Abrüstung eint Tabelle der technischen Feststellungen enthalten, der ein erklärendes Schreiben beigefügt werden wird. Das erstere Schriftstück wird eine einfache Aufzählung der Tatfachen enthalten und gänzlich frei von Kommentaren sein. Es werde durch einen Bericht des Versailler Komitees begründet, der klare Angaben darüber enthalte, was seitens Deutschlands in der Abriistnngs- angelegenheit noch zu tun sei.
Uebereinstimmung sei in dieser Angelegenheit bereits erzielt. Es sei keine Schwierigkeit entstanden, aber es werde wahrscheinlich notwendig sein, dieses rein technische Dokument an die Versailler Sachverständigenkommission zurückzuver- weisen. Es bestehe kein Grund zu der Annahme, daß alles dies nicht im Laufe der nächsten Woche geschehen könne und daß die Note der Alliierten innerhalb dieses Zeitraums in Berlin überreicht und veröffentlicht werden könne. In der Zwischenzeit müsse ein Ausgleich zwischen den verschiedenen Entwürfen des Begleitschreibens gefunden werden, welche bereits in den allgemeinen Richtlinien miteinander übereinstim- men. Mit bezug auf die französische Note über den deutschen Sicherheitspaktvorschlag werde in gewissen Kreisen angenommen, daß Frankreich den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund für wesentlich halte.
Eine berechtigte Warnung.
Der „Manchester Guardian" betont in seinem Leitartikel, daß über vier Monate vergangen seien, seitdem die Alliierten Deutschland mitteilten, daß die Nichterfüllung der Abrüstungs- bestimmungcn zu einer Verlängerung der Besetzung Kölns führen werde, daß sie aber Deutschland die Beschuldigungen noch nicht mitgeteilt hätten. Reichskanzler Dr. Luther sei im Recht, wenn er erkläre, daß es nicht zu verteidigen sei, ein Land Vergeltungsmaßnahmen für angebliche Veftragsbrüche zu unterwerfen und zugleich diesem Lande die Möglichkeit zu nehmen, sich gegen die Beschuldigungen zu verteidigen. Zwischen der deutschen und französischen Auffassung von dem Sicherheits- Pakt liege jedoch ein himmelweiter Unterschied. Während die deutsche Auffassung auf eine freiwillige Wiederunterzeichnung einiger der wichtigsten Teile des Versailler Vertrages Hinauslaufe, sei für Frankreich der Pakt ein gegen Deutschland gerichtetes Militärbündnis. Es würde nach Ansicht des „Manchester Guardian" mit bem deutschen Angebot vereinbar sein, das Rheinland zu einem neutralen Gebiet zu machen, das weder von französischen noch von deutschen Gruppen besetzt werden dürfe. Aber zu sagen, daß eine deutsche Provinz von deutschen Truppen nicht besetzt werden dürfe, daß jedoch die französischen Truppen unter dem geringsten Vorivand in sie einbringen dürften, würde den Wahnsinn von Versailles noch weiter treiben.
„Das ernsteste Hindernis. . ."
Die angesehene englische Wochenschrift „New Statesman" schreibt, da der deutsche Reichspräsident v. Hindenburg vollkommen aufrichtig in seinem Willen sei, eine Politik des Friedens und der Versöhnung zu verfolgen, sei es klar, daß keine Wahrscheinlichkeit für eine Aenderung in der deutschen Außenpolitik bestehe. Hiudcuburgs Wahl müsse Dr. S t r e sc in a u n eherstärken als abschwächen und es den Nationalisten schwer machen, einen weiteren Widerstand gegen seinen Borschlag für einen Westpakt ausznüben. Das ernsteste Hindernis, dem sich die Anhänger einer Versöhnungspolitik in Deutschland gegenübersahen, sei zweifellos die dilatorische Diplomatie in Paris und London. Wie lang« noch beabsichtige die englische Regierung, dieser Politik gefährlicher und schädlicher Verzögerung zuzustimmen?
Die Antwort aus Paris.
Die französische Regierung hat vor einigen Tagen endlich den Entwurf einer Antwortnote auf die deutschen Sicherheitsborschläge fertiggestellt und nach London weitergegeben. Bei dieser Gelegenheit hatte der französische Botschafter in London eine längere Aussprache mit dem englischen Außenminister Chamberlain.
Zu dieser Unterredung schreibt nun der „Temps", diese bedeute wahrscheinlich den Beginn einer Reihe von Verhandlungen, die, wie man hoffe, zu einem Vorgehen aller interessierten Mächte führen werden und zur Lösung des Sicherheitsproblems. Im Augenblick sei nicht die Rede davon, daß Briand und Chamberlain zusammentreffen würden, da eine Unterredung bei dem augenblicklichen Stand der Dinge ohne Bedeutung wäre. Beide Regierungen hätten ihren Standpunkt definiert, Chamberlain, als er mit Herriot eine Unterredung. hatte, und Briand und Chamberlain zusammen im Verlaufe der letzten Tagung des Völkerbundsrates in Genf. Es sei also ganz natürlich, daß jetzt die Verhandlungen auf dem begonnenen diplomatischen Wege fortgesetzt würden. Frankreich wolle die deutschen Vorschläge in einem aufrichtigen Geiste der Verständigung diskutieren. Aber es wolle Vorsichtsmaßregeln ergreifen, um unangenehme Ueberraschungen zu verhüten und sich zu versichern, daß Deutschland keine Hintergedanken habe, roemt es sein Angebot vorbringe und auch darüber zu wachen, daß der abzuschließende Pakt sich nach allen Richtungen mit den Verträgen decke, die Frankreich mit linderen Mächten verbinde. Ehe man Berlin antworte, müsse sich Frankreich mit der britischen Regierung verständigen, weil der, moralische und politische Wert eines Sicherheitspaktes besonders von der Unterschrift Englands abhänge. Wenn dann eine grundsätzliche Verständigung zwischen London und Paris erzielt sei, müsse man mit Belgien und Italien verhandeln, die an dem Vertrage zu Fünfen teilnehmen würden. Auch sei es logisch, daß Warschau und Prag über den Gang der Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten würd«. Del „Temps" glaubt auch, versichern zu können, daß der Noten- entwurf Briands in London einen günstigen Eindruck hervorgerufen habe. Sogar die „Times" stelle fest, daß er die Tür für eine Hoffnung auf eine Lösung geöffnet habe. Das bedeute bei bem augenblicklichen Staub der Dinge viel, denn bet Beweis guten Willens, den Frankreich heute gebe, lasse alle Möglichkeiten für die Zukunft, wenn Deutschland loyale Absichten habe, offen.
Eine neue Grubenkataffrophe. Sprengstoffexplosion auf Grube Dorstfeld bei Dortmund.
Im Westfeld der Grube Dorstfeld Schacht 5 bei Dortmund ist am Sonnabend nachmittag das Sprengstoffmagazin auf der Wettersohle aus unbekannten Gründen explodiert. Fn dem Magazin lagerten angeblich 2000 Kilogramm Dynamit. Die giftigen Explosionsgase sind zum Teil in belegte Baue eingedrungen und haben dort Opfer gefordert. Erfreulicherweise scheint das Unglück nicht den Umfang angenommen zn haben, wie die letzte furchtbare Katastrophe auf der Zeche „Minister Stein". Immerhin ist es wieder ein schweres Unglück, das den Ruhrbergbau betroffen hat. Sieben bis acht Knappen haben nach den bisherigen Feststellungen ihr Leben gelassen. 24 Bergleute sind mehr oder minder stark verletzt.
Außerdem werden noch 16 Bergleute von den insgesamt eingefahrenen 527 Knappen nach der Mar- kenkontrolle vermißt. Es ist aber anzunehmen, daß sich unter den Vermißten zahlreiche Mannschaften befinden, die sich sogleich am Rettungswerk beteiligt haben oder auch nach Hause gegangen sind.
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Die Zeche Dorstfeld gehört zu den Essener Steinkohlenbergwerken A.-G. und stand während der Besetzung unter Verwaltung der französischen Regie. Die Zeche „Dorstfeld" ist die erste Zeche gewesen, die das Gesteinstaubverfahren in vollem Umfange eingeführt hat. Die Belegschaft ist sämtlich mit elektrischen Grubenlampen ausgerüstet. Das Unglück ist das erste auf dieser Schachtanlage. Zur Aufklärung der Ursache des Unglücks sind bereits alle zuständigen Dienststellen, unter ihnen auch die Oberstaatsanwaltschaft, von Dortmund eingetroffen. An dem Rettungswerk beteiligten sich Hilfsmannschaften von allen umliegenden Zechen.
Das Beileid des Reichskanzlers.
Dr. Luther hat sofort, nachdem ihm die Meldung von dem Grubenunglück auf der Zeche Dorstfeld bekannt wurde, von Köln aus den Angehörigen der Opfer durch die Bergbaubehörden seine innigste Teilnahme übermitteln lassen.
Ernste Lage in Marokko.
Paris, 17. Mai. ?lus Rabat wird gemeldet, daß die Riff- kabylen in der Gegend von Kiffane und Sakka große Verstärkungen zusannncngezogen haben. Die Marokkaner drangen bei Oulet und Amrane in die französischen Stellungen ein und gingen weiter auf Amaatouf vor. Die Lage scheint erap zu sein.