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Schlöchtemer Leitung

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Nr. 63

Donnerstag, den 28. Mai 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Sprechstunden

beim Landratsamt Dienstags u.

Freitags, vormitt. von 912 Uhr.

I.-Nr. 4351. Der Herr Regierungspräsident zu Cassel hat angeordnet, daß Beihilfen zur kostenlosen Beschaffung der Arzneimittel für an der Leberegelseuche erkrankte Tiere, sowie zinsfreie Darlehen zur Beschaffung von Ersatztieren in Zukunft, jedenfalls nach dem 15. Juni d. Js. nur noch an solche geschädigte Viehbesitzer gegeben werden dürfen, deren Tiere rechtzeitig in tierärztliche Behandlung genommen wur­den.

Schlüchtern, den 26. Mai 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

I.-Nr. 4881. Vom 2. Juni d. Js. ab wird im Kreise Schlüchtern eine Revision der Quittungskarten durch einen Kontrollbeamten der Landesversicherungsanstalt Hessen- Nassau zu Cassel vorgenommen werden.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Arbeitgeber nochmals hierauf aufmerksam zu machen, damit sie die Quittungskarten bereit halten.

Schlüchtern, den 25. Mai 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Gemäß Anordnung des Landesgestüts in Dillenburg muß von allen in der Zeit vom 2. Februar bis zum 20. Mai d. Js. gedeckten Stuten das Deck gelb und jöon den in der gleichen Zeit geborenen und 21 Tage alt gewordenen Fohlen das Fohlengeld von 10 R. M. bis zum 15. Juni d. Js. an die hiesige Deckstellenkasse eingezahlt werden.

Die Deckstation wird am 31. Juli d. Js. aufgehoben.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, Vorstehendes ortsüblich bekannt zu machen.

Schlüchtern, den 25. Mai 1925.

Der Landrat. Z. V.: Schultheis.

I.-Nr. 4332. Die durch meine Verfügung vom 16. d. Mts. I.-Nr. 4084 Kreisamtsblatt Nr! 59/25 für den Landweg MarjoßJossa angeordnete Verkehrssperre wird für Lastfuhrwerke und Autos bis zum 13. Juni d. Js. einschl. verlängert.

Schlüchtern, den 26. Mai 1925.

Der Landrat. I. V.: Schultheis.

Kreisausschuß.

Betr. Sprechtag des Kreisarztes.

I.-Nr. 2984. Der nächste «Sprechtag des Kreisarztes findet am Mittwoch, den 3. Juni d. Js. von vormittags 9 Uhr ab in Schlüchtern im Kreishause statt.

Von 11 Uhr ab ist der Herr Kreismedizinalrat in Voll­merz zur Untersuchung der Schüler von Vollmerz, Ramholz und Hinkelhof.

Schlüchtern, den 25. Mai 1925.

Der Vorsitzende des Kreisjugendömts.

Vaterländischer Frauenverein Schlüchtern.

Jeden ersten Mittwoch iin Monat findet zum ersten Male am 3. Juni d. Js. in den Räumen der Handelsschule des Herrn Oberlehrer Walther hier unter Leitung des Kreis­arztes Medizinalrat Dr. Kersten eine Mütterberatungsstunde statt.

Was ist eine Mütterberatungsstelle?

Eine Sprechstunde, in der sich Mütter und Pflegemütter von Kindern bis ginn vollendeten 2. Jahr kostenlos Rat über Pflege und Ernährung ihrer Kinder holen können.

Was geschieht in der M ü tte rbcratu n g ö stellc?

Das Kind wird auf einer Kinderwage gewogen, damit von Sprechstunde zu Sprechstunde die Zu- oder Abnahme des Kindes festgestellt werden kann. Es wird untersucht, um das gesundheitliche Befinden, den Ernährungszustand und die Pflege festzustellen. Es wird ferner ermittelt, ob die Mutter gesund und kräftig genug ist, ihr Kind zu stillen, damit beide, Mutter und Kind, gesund bleiben.

W c l ch e r Nutzen c r m ä ch st d c r M u t t c r aus d c in

Besuch der Mütterberatungsstelle?

Sie ist imstande, an Hand der erhaltenen Angaben, so­wie der Ergebnisse des jedesmaligen Wiegens das Gedeihen ihres Kindes selbst zu verfolgen. Durch die Beobachtung des gesunden Säuglings- und Kleinkindes zwecks Vorbeugung voir Krankheiten und durch frühzeitige Erkennung von Er- krankungen kann rechtzeitige ärztliche Behandlung bei Bc- bandlungübedürftigcn eingelestet und somit manchem gesund­heitlichen Schaden vorgebeugt werben. Mit größerer Sicher­

heit und Freude wird die Mutter die schwierige Aufgabe, ein Kind gesund über die ersten Lebensjahre zu bringen, durch- führen.

Allen Müttern, denen das Wohl ihrer Kinder am Her­zen liegt, wird die Inanspruchnahme der Mütterberatungs­stelle sehr empfohlen und werden hiermit alle herzlich einge­laden, dieselbe zu besuchen.

Schlüchtern, den 26. Mai 1925.

Die Vorsitzende: Frau v. Trott zu Solz.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

Die Zahlung der rückständigen Wassergeldcr, Schulgelder und sonstigen Abgaben hat sofort bei der Stadtkasse Schlüchtern zu erfolgen.

Eine Einzelmahnung erfolgt nicht.

Nach Ablauf von 3 Tagen wird die kostenpflichtige Bei­treibung eingeleitet.

Schlüchtern, den 25. Mai 1925.

Der Magistrat. Gaenßlen. *

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Mai 1925 an die Stadtkasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern noch nicht gezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Eine Einzelmahnung erfolgt nicht.

Bei Meidung zwangsweiser Einziehung sind so- fort folgende Steuern, unbeschadet einer anderweitigen Fest­setzung derselben, zu zahlen:

Grundvermögens st euer, Hauszinssteusr, Gewerbesteuer mit Verzugszuschlägen.

Bis zur Zustellung der neuen Steuerzettel sind die alten Sieuerguiu o-wzulegen.

Schlüchtern, den 25. Mai 1925.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Aenderung von Verbrauchssteuern.

Berlin, 26. Mai (Eig. Meld.).

Dem Reichsrat ist soeben der Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung von Verbrauchs steuern zuge­gangen. Der Entwurf faßt, wie es in der Begründung heißt, für die in ihm behandelten Verbrauchssteuern die Aenderungen zusammen, die sich im Laufe der Entwicklung aus wirtschaftlichen oder steuertechnischen Gründen als not­wendig oder zweckmäßig erwiesen haben. Eine E i - höhung der Steuern bringt der Entwurf nicht. Er behandelt die W e i n st e u e r, die Z ll n d - waren st euer, die Salz st euer, die Zucker- und die S p i e l k a r t e n st e u e r.

Weinsteuer. Das geltende Weinsteuergesetz tritt mit dem 30. Juni 1925 außer Kraft. Verschiedene seiner Vor­schriften haben sich aus wirtschaftlichen und steuertechnischen Gründen als abänderungsbedürftig Herausgestellt. Der neue Entwurf schließt sich im wesentlichen dem geltenden Weinsteuergesetz und einem Entwurf vom Jahre 1923, der damals nicht verabschiedet worden ist, an. Eine Aende­rung des Steuergesetzes und der bisherigen Steuerform ist nicht beabsichtigt. Auch in Zukunft soll die Steuer vom Werte des Weines beim Uebergang auf den letzten Verbraucher erhoben werden. Für die kl ei­ne n W i r t e bringt der Entwurf insofern eine wichtige R e u e r u n g, als er den Unterschied zwischen Verbraucher- wirten und Händlerwirten beseitigt. Die Verbraucherwirte versteuern augenblicklich den Wein nicht zum Verkaufspreis, wie die Händlerwirte, sondern zum Einkaufspreis. Diese steuerliche Sonderstellung der Verbraucherwirte soll jetzt fallen. Zu einer Herabsetzung der Weinsteuer hat sich das Reichsfinanzministerium nicht entschließen können.

Zündwarcnstcner. Bezüglich der Zündwaren-, Salz- und Zuckersteuer sieht der Entwurf eine Aenderung der gelten­den Best euer u.ngsfor m vor. Augenblicklich erfolgt die Besteuerung nach dem Werte der steuerbaren Gegen­stände; diese Wcrtbesteucruug ist in der Zeit des Mark- sturzes eingeführt worden. Aus steuertechnischen und wirt­schaftlichen Gründen hat man sich wieder zu der M e n - g c n b e st e u c r u n g entschlossen. Man rechnet bei der Zündwarensteuer mit einem Jahresaufkommen von 10,8 Millionen Reichsmark. In der Vorkriegszeit hat die Jahreseinnahme durchschnittlich 21,4 Millionen Mark be­tragen. Die Steuerbelastung betrügt 60 Prozent des Herstellerpreises gegenüber 166,66 Prozent in der Vor­kriegszeit. Die A n m e l d u n g und Entrichtung der Steuer soll in Zukunft nicht Mehr zweimal monatlich, son­dern nur einmal erfolgen.

Salzsteuer. Hier bringt der Entwurf eine wichtige Neuerung insofern, als das Gewerbesalz und das Salz zu landwirtschaftlichen Zwecken wieder steuerfrei werden soll. Die Steuerfreiheit für Gewerbesalz ist im Jahre 1923 aufgehoben worden. Um durch die Wie­dereinführung der Steuerfreiheit beim Gewerbesalz das Aufkommen aus der Salzsteuer nicht erheblich zu schmälern, soll der bisher auf das Gewerbesalz entfallende Steueran­teil auf das Speisesalr mit umaelcat werden. Die Steuer

soll 3, Reichsmark betragen. Das Reichsfinanzministe­rium errechnet, daß der Satz von 3, Reichsmark einer Be­lastung von 24 Prozent des Großhandelspreises entspricht, während bei dem in der Vorkriegszeit geltenden Steuersatz von 12, Mark für einen Doppelzentner die Belastung des Großhandelspreises 2000 Prozent betragen habe. Der Jahresertrag an Salzsteuer wird auf rund 17,5 Millionen Reichsmark veranschlagt gegenüber 60 Millionen Mark in der Vorkriegszeit.

Zuckersteuer. Die vorgeschlagenen Steuersätze sind die zur Zeit geltenden. Auch bei der Zuckersteuer soll die An­meldung und Entrichtung der Steuer künftig nur einmal im Monat erfolgen.

Spielkartensteuer. Die einzige Aenderung, die hier vor­gesehen ist, betrifft die Fälligkeit der Steuer, die gleichfalls nunmehr einmal im Monat eintreten soll.

Der Entwurf sieht zum Schluß noch vor, daß der Reichs- finanzminister den Zeitpunkt des Inkrafttretens des Ge­setzes bestimmen soll.

Das Ende -es Sicherheitspakies.

Berlin, 26. Mai (Eig. Meld.).

Die aus London und Paris eintreffenden Nachrichten befestigen in den hiesigen maßgebenden Kreisen immer mehr die Ueberzeugung, daß jedes weitere Hoffen auf das Zustandekommen des Cicherheitspaktes zwecklos ist, da Frankreich ganz offensichtlich kein positives Ergebnis will. Die ablehnende Haltung Frankreichs kommt in der gestern übergebenen Note Briands deutlich zum Ausdruck. Die Note wird zwar von der englischen Regierung noch offiziell geheimgehalten, doch scheint ihr Inhalt schon den Weg in die Presse gesunden zu haben. So schreibt der gut unterrichtete parlamentarische Mitarbeiter derWest- m i n st e r Gazette", in der Note werde gesagt, daß die Franzosen es ablehnten, daß Deutschland als Mitglied des Völkerbundes das Recht haben sollte, entsprechend den Be- T ' »,igen der Satzungen an eil - Revision der Ost- grenzen zu appellieren. Ferner bestehe Frankreich darauf, daß Deutschland dem Völkerbund gegenüber feine Verpflichtungen anerkennen müsse, Truppen im Kriegsfall freien Durchzug durch deutsches Gebiet zu gewähren.Es braucht wohl nicht weiter betont zu werden, daß diese For­derungen für Deutschland unannehmbar sind." Aber auch die englische Regierung scheint entschlossen, die französischen Wünsche nicht zu unterstützen.Großbritannien", so er­klärtWestminster Gazette",sei nicht geneigt, Verpflich­tungen für die starre Aufrechterhaltung der polnischen Grenzen für alle Zeiten einzugehen."

Nach den neuesten Pariser Meldungen ist man sich auch in Frankreich über die Folgen der französischen Halsstarrig­keit völlig im klaren. So erklärtEcho d e Paris ", es habe keine Hoffnung mehr, daß das britische Kabinett eine Stellung einnehmen wird, die es ermöglicht, den Sicher- hcitspakt, den Deutschland vorgeschlagen hat, abzuschließen. Der Außenpolitiker des Blattes schreibt, die Verhandlungen zwischen London und Paris würden fortgesetzt, aber nur wenn der Quai d'Orsay schwach werde, scheine ein Einverständnis möglich.

Daraus geht hervor, daß die französische Presse geradezu einen Druck auf Briand ausübt, nicht nachzugeben und die Verhandlungen versacken zu lassen. Einen besseren Beweis für die französischen Sabotageabsichten gibt es kaum. Es ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß diese Absichten so gut wie geglückt sind. Der Sicherheitspakt ist tot, und Frankreich hat ihn getötet.

Die Lage der Landwirtschaft.

Sicdlungsfragen.

Im Hauptausschuß des Preußischen Landtags erklärte Landwirtschaftsminister Steiger u. a.: Wir müssen die Erträge der Landwirtschaft steigern. Im Jähre 1924 wurden 2609 neue Sicdlerstcllcn geschaffen. Bis zum 1. Mai wurden 20,9 Millionen Mark an 350 öffentlich-rechtliche Gesellschaften für Meliorationen usw. gegeben. Durch die Kultivierung der Heide wurden von 1919 bis 1924 im Regierungsbezirk Lüne. bürg 8772 Hektar urbar gemacht. Die Landwirtschaftsschulen sollen zu Realschulen oder landwirtschaftlichen Aufbauschulen mit einer Fremdsprache unigetvandelt werden. Die Zahl der Fortbildungsschulen habe sich verdreifacht. Der Verbrauch von Stickstoff habe sich im vergangenen Winter gegenüber 1913 um 130 000 Tonnen, der Verbrauch von Kali um 113 000 Tonnen gesteigert. Dagegen seien um 16 000 Tonnen Superphosphate weniger verbraucht worden. Der Viehbestand habe noch nicht die Borkriegshöhe erreicht. Nur der Pferdebestand sei um 2,37 Prozent höher. Sehr drückend sei die Kreditnot der Landwirffchaft. Im kommenden Herbst seien von der preußischen Landwirffchaft rund 800 Millionen Mark Kredite zurückzuzahlen.

Landwirte. BS S gangszeit mit etwas Stroh!