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Kreis-Kmtsblatt * Allgemeiner amtlicher Anzeiger für tat Kreis Schlächtern
Krutkunö Öedag: H.SteinfÜö Söhne* Gefchastsst: Bahnhofstv. 6 ★ Iernspv.^r.^^9 * Poftscherkk: drmrksuvda.M.B2N>
Nr. 64
(1 Blatt.)
Samstag, den 30. Mai 1925
77. Jahrg
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§ Amtliche Bekanntmachungen.
$ Landratsamt.
j J.-Nr. 4256. Ende Mai findet wieder wie bisher eine > zemcindeweise Anbauflächenerhebung statt. Diesmal sind je- । doch mit Genehmigung der Herren Minister des Innern und 1 für Landwirtschaft, Domänen und Forsten neben den land- । wirtschaftlich genutzten Flächen auch die übrigen Bodennutz- ! ungen wie Forsten und Holzungen, Haus- und Hofräume, Moorflächen, sonstiges Oed- und Unland sowie Wegeland, Gewässer usw., also die Gesamtflächen jeder Ortschaft nachzu- weisen. Es kann auf diese Erhebung trotz der am 16. Juni stattfindenden landwirtschaftlichen Betriebszählung nicht verzichtet werden, weil diese letztere die Feststellung der Be- trieböverhältnisse bezweckt, ihr Ergebnis, auch soweit es Angaben über die Anbauflächen enthält, nicht bis Ende Juli aufgerechnet werden kann, die Größe der Anbauflächen andererseits aber im Interesse der Landwirtschaft und Volksernährung bis zu diesem Zeitpunkt bekannt sein muß. Indes werden sich die Ergebnisse beider Erhebungen, wo sie rechtzeitig vorliegen, gegenseitig kontrollieren und ergänzen.
Die Erhebungsformulare werden den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern heute übersandt.
Eine Ausfertigung des Erhebungsbogens ist sorgfältig ausgefüllt bis zum 1 0. Sun e'b. Js. hierher einzusenden; die zweite Aufstellung verbleibt bet den Ortsbehörden und ist dort aufzubewahre^.
Ueber die Erfahrungen, die besonders bezüglich der nicht landwirtschaftlichen Flächen bei der Erhebung gemacht worden sind, ersuche ich, mir bei Einsendung des Erhebungs- formularö zu berichten. Erhebliche Aenderungen in den Anbauflächen der einzelnen Früchte sind in der Spalte „Bemerkungen" des Formulars näher zu erläutern.
Die genaue Kenntnis der Anbauflächen der einzelnen Fruchtarten ist für die gesamte deutsche Volkswirtschaft von großer Bedeutung. Die Erhebung, auch die der nicht landwirtschaftlichen Flächen, ist daher eingehend und sorgfältig vor- zunehmen. Vor allem sind folgende Richtlinien zu beachten:
In kleineren Gemeinden wird es sich empfehlen, die erforderliche Auskunft von den Betriebsinhabern selbst einzu- holen; in größeren Gemeinden wird neben der Einzelbefragung der größeren Besitzer die Schätzung durch feld- und ortskundige Sachverständige das Gegebene sein. Zur Vermeidung von Störungen und Widerständen gegen die Erhebung sind die Landwirte darüber aufzuklären, daß die Flächenan- gaben der einzelnen Gemeinden vom Statistischen Landesamt auf keinen Fall zum Zwecke von Steuerveranlagungen usw. preiSgegeben werden, wie es vielfach noch irriger Weise in landwirtschaftlichen Kreisen angenommen worden ist. Sämtliche Flächenangaben der einzelnen Ortschaften werden nur zur Zusammenstellung von Kreisergebnissen benutzt.
Schlüchtern, den 28. Mai 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
ist
J.-Nr. 4342. In der Gemeinde Volkers, Bez. Brückenau die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Schlächtern, den 26. Mai 1925.
Der Landrat.
Stadt Steinau.
Schaspferch-Berpachtung.
Samötag, den 3 o. d. Mts., abends 9 Uhr wird im Rathaus (Stadtfchreiberei) der Schafpferch der beiden Herden verpachtet.
Steinau, den 29. Mai 1925. Der Magistrat: Kisseberth.
Sicherheiten für Deutschland!
Eine englische Forderung.
Nach einer Meldung aus London schreibt der „Manchester Guardian" in einem viel bemerkten Leitartikel, daß Deutsch- land in gleicher Weise wie Frankreich Sicherheiten gegen Angriffe haben müsse und daß die V e r p f l i ch - tung gegenseitig sein müßte. Die Franzosen seien der Ansicht, daß Frankreich das Recht haben müsse, Truppen in das Rheinland zu entsenden, obwohl Deutschland dies nicht tun könne und obgleich das R h e i n l a n d deutsches Gebiet sei. Die einseitige Bestimmung des Vertrags könne nicht in die neue Sichcrhcitsgarantie hinübcrgcnommcn werden. Wie tocit das in dem neuen französischen Notcuentwurf geschehen sei, sei noch nicht genau bekannt, aber es sei augenscheinlich, daß die britische Regierung mit dem gegenwärtigen Inhalt der Note be- trächtlichc Schwierigkeiten habe. Wenn die britische Regierung nicht mit den Richtlinien der französischen Note übercinstiinnic und die Franzosen nicht gewillt seien, sie zu ändern, dann bleibe nur ein Weg für die britische Regierung: sie müsse dann auf eigene Faust eine offizielle Antwort entsenden. ES märe natürlich besser gewesen, wenn Frankreich und England in der Lage gewesen ivärcn, sich zu einigen.
Die Kontrollnote.
Räumung der Ruhr am 16. August.
Wie Reuter aus autoritativer französischer Quelle erfährt, wird Deutschland imstande sein, wenn es wolle, in wenigen Wochen auszuführen, was in der Note über die Abrüstung verlangt werde. Es wird darauf hingewiesen, daß das alliierte Kontrollkomitee zu der Schlußfolgerung gekommen ist, daß Deutschland nicht alle Abrüstungsverpflich füllt habe und daß in Uebereinstimmung mit Fachl Liste der Verfehlungen gemäß dem Versailler Bert
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Das Verzeichnis, das demnächst in Berlin überreicht werde, zeige Deutschland, ohne Raum für Mißverständnisse zu lassen, was es noch zu erfüllen habe. Im ganzen ziehe Frankreich in Betracht, daß Deutschland seine Verpflichtungen in bezug auf die Zerstörung von Kriegsmaterial erfüllt habe. Gewisse Fabriken, die ÄriegMaterial herstellen, etwa 30—40 aus einer Gesamtzahl von mehreren tausend, müssen noch umgestellt werden. Es ist bemerkenswert, daß unter dieser Zahl Krupp und die Spandauer Werke genannt werden, die nach Ansicht der Franzosen in kurzer Zeit imstande sind, große Quantitäten von Kriegsmaterial herzustelle«.
Jer Seite werden ebenfalls ernstliche Einwendungen bezüglich des zu großen Stabes der Staatspolizei und einer Anzahl untergeordneter Punkte gemacht. In bezug auf diese Angelegenheiten ist es nach französischer Ansicht möglich, daß Deutschland die in der Note gestellten Bedingungen bis Ende September erfüllen kann, was die Räumung Kölns zur Folge haben werde. Gemäß der Vereinbarung, die Herriot und Theunis mit Deutschland getroffen haben, wird das Rlchrgebiet am 16. August geräumt. Zur gleichen Zeit werden die Besatzungstruppen aus den drei Städten Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort zurückgezogen, die eine Kategorie für sich gebildet haben. Dieser Bezirk hat nichts mit der Kölner Zone zu tun und wird ae- räumt werden, da Deutschland bereits gewisse Verpflichtungen des Dawes-Planes erfüllt habe.
Um die Kölner Zone.
Wie das englische Reuterbüro mitteilt, besteht kein Grund für die Annahme, daß über den Sicherheitspakt oder die Ent- Waffnungsfrage neue Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Frankreich entstanden sind. Das Kabinett hat die französische Antwort auf seine Fragen erhalten und diese müsse geprüft werden, um Frankreich den genauen britischen Standpunkt darzulegen und es geneigt zu machen, diesem zuzustimmen. Im gegenwärtigen Stadium kommt eine formelle Konferenz kaum in Frage. Was die Entwaffnungsfrage betrifft, so haben sich England und Frankreich praktisch auf einen Plan geeinigt, der Deutschland überreicht werden soll. Ueber das Mantelschreiben besteht, obwohl es noch nicht fertiggestellt ist, allgemeine Ueber- Jm allgemeinen ist man dahin überein- iß Deutschland seine Verpflicht Grund des Dawes-Plans aus geführt hat,
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Aber es ist noch die formelle Versicherung von feiten bot Reparationskommission erforderlich, obgleich nicht viel Zweifel darüber besteht, wie die Antwort lauten wird. Wenn Deutschland seine finanziellen Verpflichtungen und auch die Ent- Waffnung ausgeführt hat, wird Köln geräumt werden.
preußischer Städtetag.
Die städtischen Werke.
Auf dem preußischen Städtetag in Köln sprachen sich die Vertreter mehrerer Städteverwaltungen, die verschiedenen Parteien ange- hörten, im Grundsatz für die Förderung kommunaler Werke in eigener Regie aus Eine Besteuerung dieser Betriebe würde zunächst die Verbraucher, letzten Endes aber die Wirtschaft, belasten, bt« heute die Fürsprecherin für eine solche Besteuerung sei. Alle Redner forderten für die gemeindlichen Betriebe eine Verwaltung nach gut kaufmännischen Grundsätzen, aber ohne Lockerung der Fessel, die die Werke mit der Gesamtverwaltung der Gemeinden verbindet. In der Abstimmung wurde ein kommunistischer Antrag abgelehnt, der die komunalen Betriebe in die des werktätigen Volkes zu stellen verlangt und eine Reihe dazu notwendiger Voraussetzungen aufzählt. Angenommen wurde eine Entschließung, die mit Unterstützung von Vertretern der Deutschnationalen Volks- Partei, der Deutschen Volkspartei, deS Zentrums, der Demokraten und der WirtschaftSpartei eingebracht worden war, aber auch die Zustimmung der Vertreter der Sozialdemokratie fand. Diese Entschließung hat folgenden Wortlaut:
„Die der Versorgung der Bevölkerung mit Gas, Wasser und Elektrizität dienenden Betriebe gehören ebenso wie die Verkehrsbetriebe in die öffentliche Hand und zwar in erster Linie in die Hand der Gemeinden. Eine Besteuerung dieser Betriebe ist ohne Rücksicht auf ihre VerwaltungSform (G. m. b. H., Aktiengesellschaft, usw.) aus sozialen, politischen und wirtschaftlichen Gründen unbedingt abzulehnen."
Ebenso wurde die folgende Entschließung, die von der sozial- demokratischen Gruppe eingebracht worden war, mit Mehrheit angenommen: „Der Preußische Städtetag ivcnbct sich mit aller Entschiedenheit gegen die bei der Neuregelung der Steuerverhalt- nisse zutage tretenden Bestrebungen, die Gemeindebetriebe und Unternehmungen über das bisherige Maß hinaus zu steuerlichen Leistungen heranzuziehen. Das Ergebnis würde lediglich eine scharfe Erhöhung der Werktarife fohüc eine weitere Belastung der werktätigen Bevölkerung und des örtlichen Wirtschaftslebens sein. Diese Tatsache aber birgt in sich eine Senkung der Kaufkraft der breitesten Masse sowie eine schwere Schädigung der sozialen und kulturellen Ausgaben, wie der Wohlfahrtsbestrebungen der Ge-
Pfingsten!
Das diesjährige Pfingfest gewinnt für uns eine besondere Bedeutung, denn zum fünfundzwanzigsten Male feiern wir es in diesem Jahrhundert. Ein solches Jubiläum gilt als glück- verheißend, und wir wollen gern diesem schönen Glauben huldigen. Als das erste Fest der Ausgießung des heiligen Geistes und der Stiftung der christlichen Kirche begangen wurde, bestand überall die Anschauung, daß das neue Jahr- hundert, als das letzte vor dem zweiten Jahrtausend der christlichen Zeitrechnung, eine Aera vor allem der geistigen, kulturellen Großtaten sein werde, die es zu einem Markstein in der Geschichte der Menschheit gestalten sollten. Der Mensch denkt, Gott lenkt. Wenn wir u^ genauer mit den verflossenen Jahren beschäftigen, fo finden wir doch, daß es unter aller rauher Zeit nicht an Werken gefehlt hat, in denen sich die Kraft der Kirche und die Macht des Geistes herrlich betätigen konnten. Und wir dürfen vertrauen, daß dieser unausgesetzte Ausbau in den kommenden Jahren seinen Fortgang nehmen wird. Das soll uns das fünfundzwanzigjährige Jubiläum der Pfingstfeier in diesem Jahrhundert bedeuten.
An dem ersten Pfingfest nach des Erlösers Himmelfahrt erfüllte der heilige Geist der christlichen Lehre die Apostel und verdrängte die alten Anschauungen ihres Zeitalters, denen auch sie unterworfen gewesen waren. Dieser neue Geist der christlichen Liebe und Duldung, der in den Jüngern deS Heilandes mächtig ward, hat in der langen Folgezeit gewaltig fortgewirkt an der Erziehung und an der Gesittung der Menschheit. Aus aller Verwilderung der Menschen und ihrer Sitten, die zeitweise einriß, ist wie ein Licht aus Himmelshöhen die Lehre von der Liebe und von der Kraft des Geistes wieder emporgestiegen, und hat die sterblichen Menschen sich auf sich selbst besinnen lassen.
Der Geist und die Gewalt haben auf Erden nicht selten mit einander gerungen, und gerade die Geschichte des deutschen Volkes, ^ durch sw ik'ti Zkmütsbbrn am ,:-rksrcn.zu den machrv.llen geistigen Wahrheiten geführt wurde, lehrt uns, wie die innere geistige Kraft immer höher steht als die Macht der Brutalität und darum schließlich "mmer den Sieg gewinnt. Kein anderes Volk der Erde übertrifft uns an Helden des Geistes, deren Werke Welteigentum und ein Schatz aller Völker geworden sind. Aus dieser Tatsache heraus ist auch das wahre Wort von der deutschen Kultur, von den deutschen Denkern und Dichtern entstanden, deren Ruhm unser unveräußerliches Eigentum ist, auf das wir heute und in aller Zukunft stolz sein können.
Weil dem so ist, so wollen wir auch dem heiligen Geist, der uns so viele Jahrhunderte von einer Großtat zur anderen geleitet hat, treu bleiben in allen Irrungen des Tages, in dem Streit um Meinungsverschiedenheiten, deren Ziele doch nur Mittel zum Zweck darstellen. Der Geist der Versöhnung ist auch der Geist der Einigkeit, die alles kann, was unS not tut. Wir wollen den deutschen Geist des gegenseitigen Verständ- nisses pflegen, der in jedem Nächsten einen Freund sehen läßt. Zu Pfingsten ist es so. Warum nicht auch sonst? Das liegt nur an uns. Stark sein im Geist der Treue, das ist Alles.
meinden. Der Preußische Städtetag hält die Auffaffung der Reichsregierung, daß durch die steuerliche Belastung gemeindlicher Betriebe der Wettbewerb angeregt und damit die Produktiviiät dieser Betriebe gesteigert wird, für falsch. Es handelt sich bei den Gemeindebetrieben in der Hauptsache um Monopolunterneh- mungen. Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke sowie Verkehrsbetriebe stoben Jn keinem Konkurrenzkampf mit anderen örtlichen linterncbmungen, bei denen dieselben wirtschaftlichen Voraus« schlingen vorliegen.
politische Tagesschao.
" Elternprotest in der Grundschulfrage. Im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats fand eine Protestversammlung gegen die preußischen Ausführungsbestimmungen über das Grund- schulgesetz statt. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der die Ansführungsbestimmungen des preußischen Kultus- ministers zum Grundschulgesetz als verfassungsmäßig und gesetzlich nichtig bezeichnet werden, weil sie Zweck unb Ziel der Grundschulgesetznovelle in das Gegenteil verkehren und den Aufstieg der leistungsfähigen Kinder hemmen. Es wird verlangt, daß jedem Kind, das das Pensum der Grundschule in drei Jahren dnrckigcmacht bat, die Möglichkeit gegeben ist, die int Grundschulgesetz vorgesehene Aufnahmeprüfung für die höhere Schule abzulcgen.
" Erledigung der Kriegsbeschädigtenfrage. Der Reichs- tagsausschuß für die KriegSbeschädigtenflirsorge trat nach • längerer Pause zum erstenmal wieder zusammen, nachdem inzwischen ein Unterausschuß gearbeitet batre. Es wurde bc- schlosscn, die ganze Kriegsbeschädigtenfrage noch vor bett Sommerferien zu erledigen. Mit dem HaushaftsauSschuß sollen diesbezügliche Verhandlungen ausgenommen werden.