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Schlüchltmer Zeitung
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Nr. 70
(L Blatt)
Samstag, den 13. Juni 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 4720. Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche mit der Einsendung des Verzeichnisses über die von Privathengften abstammenden Fohlen noch im Mckstande sind, werden hiermit daran erinnert.
Schlächtern, den 10. Juni 1925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
J.-Nr. 4772. Nach § 6 der Verordnung vom 25. Mai 1887 bezw. 21. Juli 1892, betr. die Einrichtung einer ärzt- ichen Standesvertretung, findet im Monat November d. Js. eine Neuwahl der Mitglieder der Aerztekammer für die Provinz Hessen-Nassau statt.
Die Liste der wahlberechtigten Aerzte liegt im Büro des Landralsamtes in der Zeit vom 17 —30. Juni d. Je. ein- scbl. zur Einsicht der Herren Aerzte aus. Einwendungen gegen die Listen sind unter Beifügung der erforderlichen Bescheinigungen innerhalb 14 Tagen nach been
digter Auslegung der Liste bei dem Vorstände der Aerzte- w'jkammer, Marburg anzubringen.
' '! Schlüchtern, den 12. Juni 1925.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
- j J.-Nr. 4104. Die Ortspolizeibehörden des Kreises wollen die Eigentümer, Pächter und Nutznießer der an der Eisen- ^bahn liegenden Grundstücke anweisen, die Lagerung von Heu >1* unb das Aufstellen von Getreidegarben in der Nähe des Bahnkörpers möglichst einzuschränken und auf alle Fälle nicht * änger auszudehnen, als zum Trocknen unbedingt nötig ist,
damit auf diese Weise die Gefahr einer Entzündung durch stmkenauswurf der Lokomotiven oder durch Fahrlässigkeit der Reisenden tunlichst verhütt» wül.
Schlächtern, den 10. Juni I925.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Stadt Soden.
Polizeiverordnung.
• Auf Grund des § 143 des Gesetzes über die allgemeine
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Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Gesetz slg. S. 195), der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen (G. S. S. 1529) des Artikels III der Verordnung
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über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 (R. G. Bl. S. 44), sowie des § 1 Abs. 2 des Forstdiebstahlsgesetzes vom 15. April 1878 (G. S. S. 22 a) wird mit Zustimmung des Magistrats für den Bezirk der Stadt Soden nachstehende Verordnung erlassen.
§ 1.
Das Sammeln von Beeren jeder Art und von Pilzen m den städtischen Waldungen ist auf Grund eines vom Magistrat der Stadt Soden ausgefertigten Erlaubnisscheines gestattet.
§ 2.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe von 1 bis 150 Goldmark oder mit entsprechender Haft bestraft, soweit nicht nach den bestehenden Gesetzen eine höhere Strafe erwirkt ist.
Vorstehende Polizeiverordnung tritt alsbald nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt des Kreises in Kraft.
Gleichzeitig wird die Polizeiverordnung vom 27. Juni 1922 aufgehoben.
Soden, den 27. Mai 1924.
Die Polizeiverwaltung: Radke.
Wichtige Seschlüsse.
|6in neuer Titel. — Die christlichen Feiertage. — Ausnahme« zustand. — Notgemeinschast.
' Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde ein deutsch, nationaler Gesetzentwurf angenommen, der dem Reichspräsi- denten das Recht geben will, namens des Reiches einen Titel im Rahmen der Reichsverfassung zu verleihen. Ferner wurde eine Entschließung des Zentrums angenommen, worin die Reichsregierung ersucht wird, einen'Gesetzentwurf baldigst dorzulegen, wonach die großen christlichen Feiertage reichs- rechtlich als Feiertage festgclegt werden. Eine weitere vom Ausschuß angenommene Entschließung der Demokraten und Sozialdemokraten ersucht die Regierung um Vorlegung eines Ausführungsgesetzes zum Artikel 48 der Reichsverfassung, der den Ausnahmezustand betrifft. Andere Anträge, denen der Ausschuß zustimmte, verlangen Maßnahmen für die Ge. Innung eines geeigneten Beamtennachwuchses und leistungS- fähigen Nachwuchses für die wissenschaftlichen Institute. Bei dem Etatkapitel „Einmalige Ausgaben für Bildung und Schule" begründete der Berichterstatter Schreiber (Zentrum) einen fast von allen Parteien unterzeichneten Antrag, der ein Extraordinarium von 5 Millionen für die Notgemeinschast der deutschen Wissenschaft verlangt. Der Mitberichterstatter Mumm (Dn.) wies auf mehrere vorliegende Anträge hin, die bte Etatbeträge im Titel „Bildung und Schule", insbesondere für die Notgeineinschgst der deutschen Wissenschaft und die
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft erhöhen wollen. Der Reichs- minister des Innern Schiele bat bei den Beratungen über das Kapitel Bildung und Schule nicht allein die Bedeutung auf der wissenschaftlichen Seite zu sehen, vielmehr sollte man auch ai^ die zwölf Millionen Industriearbeiter denken, für deren Tätigkeit neue Wege gewiesen werden müßten. In der Debatte traten Redner aller Parteien für die geforderten Mehrbeträge für die Wissenschaft ein. Am Schluß der Aussprache be. gründete Abg. Schreiber (Zentrum) noch eine interfraktionelle Entschließung, die vom Ausschuß mit großer Mehrheit an« genommen wurde und die Reichsregierung ersucht, mit den Ländern zu verhandeln, um die wissenschaftliche Leistungs. fähigkeit der Forschungsinstitute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wiederherzustellen.
A b g e l e h n t wurde mit 14 gegen 12 Stimmen eine deutschnationale Entschließung, die Reichsregierung zu ersuchen, einen verfassungsändernden Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot sind. Angenommen wurden deutschnationale Anträge, die wirksame Schutzmaßnahmen zugunsten der gefährdeten und mißhandelten deutschen Minderheiten in den fremden Staaten, ferner eine bis zum 1. April d. I. fortgeführte Statistik über den Umfang der ostjüdischen Einwanderung seit dem 1. August 1914 Verlangen, die für die Beseitigung der bei der Schutzpolizei bestehenden Zivilkommissare in Preußen und Sachsen eintreten, und die einen Gesetzentwurf beantragen, durch den zum Gedächtnis der im Weltkrieg Gefallenen ein allgemeiner Volkstrauertag auf den Sonntag Jnvokavit festgelegt wird. Ferner gelangte zur Annahme ein deutschnationaler Antrag auf Aufhebung des Republikschutzgesetzes und ein weiterer Antrag, wonach der 18. Januar zum Nationalfeiertag erklärt wird.
Der Saatenstand im Reich.
Anfang Juni.
Für das Pflanzenwachstum war die sommerlich trockene Witterung im Monat Mai im allgemeine,' wieder günstig. In Planchen Gegenden, namentlich Nord- und PWelüeutschlands, 41 ' tjieriMmir - ' ti'«üt yr'ttr^a. Für die weitere günstige Entwicklung oer Saaten m-ri d- : durchdringender Regen sehr erwünscht.
Der Stand der W i n t e r s a a t c u ist nach wie vor recht befriedigend. Hin und wieder ist jedoch Lagerung eingetreten. Die früh einsetzende Roggenölüle wird günstig beurteilt.
Das Sommergetreide weist im Süden des Reiches, wo Regen fiel, einen günstigen Stand auf. Im übrigen Deutschland ' wurde die Entwicklung dieser Saaten durch die längere Trockenheit um die Mitte des Monats Mai stark gehemmt. Vielerorts sind die Felder stark mit Unkraut, beson« ders mit Disteln und Hederich durchsetzt.
Die Begutachtung der Hackfrüchte ist noch unvollständig, da sie bei Abgabe der Berichte teilweise noch im Auflaufen begriffen waren. üe aufgegangenen Pflanzen stehen teils gut, teils lückenhast Das Behacken der Kartoffeln und Verziehen der Rüben if /t Gange.
Bei den Futters /a n z e n und Wiesen zeigt sich dasselbe Bild wie beiw /mmeraetrcide. In den niederschlags- reichen Gegenden steh Kleefelder, Wiesen und Weiden gut und vielversprechend, tu oen anderen Gebieten haben sie durch Trockenheit gelitten. Verschiedentlich ist mit dem ersten Klee- und Wiesenschnitt bereits begonnen.
Unter Zugrundelegung der Zahlennoten: 2 = gut, 3 = Mittel, 4 = gering, ergibt sich über den Stand der Saaten im Reichsdurchschnitt folgend'' Begutachtung: Winterweizen 2,4 (im Vormonat 2,4), SomM izen 2,7, Winterspelz 2,4 (2,5), Winterroggen 2,4 (2,5), S cerroggen 2,8, Wintergerste 2,5 (2,5), Sommergerste 2,6, er 2.8, Kartoffeln 2,7, Zuckerrüben 2.7, Runkelrüben 5 Klee 2.4 (2,4), Luzerne 2,4 (2,4), Bewässerungswiesen 2,2 .). andere Wiesen 2,6 (2,6).
Der Reichspräsident in der Kunstausstellung.
Berlin II. Juni. Der Reichspräsident besuchte heute vor. mittag die'große Berliner Kunstausstellung am Lehrter Babu- Hof und besichtigte unter Führung der Professoren Lang- Hammer, Vogel und Börner, sowie der Maler Kaiser und Eich- Hera die dort ausgestellten Kunstwerke. In der von der ungarischen Regierung zusammcngestclltcn ungarischen Abteilung der Ausstellung wurde der Reichspräsident durch den ungari schen Ministerialkommissar von Dery begrüßt und geleitet.
Ein schwedischer Tampser untergegangen.
Baris 11. Juni. Auf der Höhe von Coruna stieß gestern der schwedische Dampfer „Afrikantis" mit dem englischen Dampfer ,Northsen" zusammen. Die „Afrikantis ging nach SÄ Minuten unter. Die Besatzung konnte von einem französischen Dampfer gerettet werden.
Chinesischer Boykott britischer und japanischer Waren.
London, 11. Juni. Die Streiklage in Schanghai ist zur- zeit weit ernster, als ursprünglich angenommen wurde. Die Mannschaften der im Hafen liegenden Schiffe haben sich der Streikbewegung angeschlossen. D,e chinesischen Schiffahrts- aesellschaften, sowie die britischen und japanischen Kompagnien bemühen sich, bie chinesischen Mannschaften vom Lande fern- zuhalten, indem sie die Schiffe nicht nach Schanghai, sondern nach anderen Plätzen zur Löschung beordern. Das ist der beste Beweis der Solidarität der Streikenden und ihrer Cnt- scheidung. britische und japanische Güter zu boykotlieren.
Erklärungen Saldwins.
In Beantwortung einer Anfrage im englischen Unter- Haus erklärte Ministerpräsident Bawwin, daß die Frage der Sicherheitspaktverhandlungen sobald als möglich im Unter- Hause zur Verhandlung kommen werde. Indessen könnten Einzelheiten erst später bekanntgegeben werden. Gegend Wärtig möge sich das Haus noch in Geduld fassen und die Versicherung entgegennehmen, daß kein Sicherheitspakt ohne vorherige Erörterung unterzeichnet oder abgeschlossen werden würde. Die Lage sei zur Zeit die, daß die französische und die britische Regierung nach sorgfältiger Prüfung der deutschen Vorschläge zu einer vollständigen Uebereinstimmung über gewisse grundsätzliche Punkte gekommen feien. Es sei aller Grund vorhanden für die Annahme, daß auch Belgien und Italien ihre Zustimmung geben würden.
Diese Ansichten werden von der französischen Regierung der deutschen Regierung mitgeteilt werden, und wenn die deutsche Regierung diese Ansichten teile, stünde einer Eröffnung der Verhandlungen über einen Pakt zwischen den alliierten Mächten und Deutschland auf der Grundlage der Gleichberechtigung nichts mehr im Wege. Die vorgesehene Erledigung de>- Frage habe einen durchaus zweiseitigen Charakter, nicht einen einseitigen, wie aus gewissen in der Presse verbreiteten Berichten hervorgehe. Die Auffassung beruhe offenbar auf der von der Havasagentur verbreiteten halbamtlichen französischen Meldung. Die Ansicht der französischen und der britischen Regierung sei, daß der Sicher- Heitspakt allen Signatarmächten die größtmögliche Sicher- Heit gewähren soll, auf der anderen Seite könne keine Macht, die die Vertragsbestimmungen absichtlich bräche, vor den hieraus entstehender Folgen geschützt werden.
Sobald bic Antwort der französischen Regierung nach Berlin gesandt sein würde, würde das englische Parlament von dem Schritt unterrichtet werden. Auf die Frage des Abg. Kenworthy. ob sich der Vertrag lediglich auf das Rheinland beziehe oder ob auch die östlichen Grenzen Deutschlands in das Abkommen miteingeschlossen loerden würden, erwiderte Baldwin, daß diese Frage erst nach der Rückkehr her Au nennt v ifterS nach London erörtert werden könne.
Reist, wann die b v.mung Kölns c .. st ;;- britischen Streitkräfte erfolge, mürbe, erwiderte Baldwin, daß die Alliierten die Räumung KotnS alsbald nach der Ausführung der militärischen Forderungen, die in der Note vom 4. Juni niedergelegt seien, erfolgen würde.
Vom Kriegsschauplatz in MaroNo.
Heftige Angriffe der Rifleute.
Der anttliche französische Bericht über die Vorgänge auf be:.t marokkanischen Kriegsschauplatz aus Rabat lautet:
Im Westen sind in den letzten Tagen neue Borstößc in der Richtung auf Loukkos, die auch nach Norden hin ausgedehnt wurden, gemeldet worden. Im Laufe des Dienstags ist eine fliegende Kolonne nach Süden vorgestoßen und hat Touhaher und Djebel Astir besetzt. Die feindlichen Abteilungen haben darauf ihren Vormarsch nach Süden eingestellt. In der Stadt Guestan und in der Umgebung, die durch besondere Abteilungen gedeckt ist, ist die Situation unverändert. Nur nördlich von Guestan hat der Feind einen heftigen aber erfolglosen Angriff auf Ouled Zondoula unternommen. Vorstöße der Gegner auf Mzefrouen, 20 Kilometer westlich von Guestan, wurden abgeschlagen. Im Zentrum hat der Feind einen neuen Angriff auf den 800 Meter hohen Berggipfel westlich von Tounat unternommen. Er konnte mit Hilfe von Artillerie und unter Einsetzung einer fliegenden Kolonne zurückgeschlagen werden
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Angebliche Unterstützung Abd el KrimS durch Deutsche.
Die französische Regierung hat soeben folgende Erklärung veröffentlicht:
Die deutsche Regierung hat am Quai d'Orsay mehrfach Vorstellungen gegen die in den Pariser Zeitungen verbreiteten Gerüchte erhoben, wonach Deutschland Abd el Krim unterstütze. In dem französischen Außenministerium ist dem deut- schen Botschafter darauf eine offizielle Meldung aus Marokko unterbreitet worden, daß in der Armee der Rifleute 250 deutsche Offiziere und technische Berater tätig seien. Die deutsche Botschaft erklärt dazu, daß es ihrer Regierung bekannt fei, daß deutsche Offiziere im Kriege in Marokko mitwirkten, daß die deutsche Re g i e r u n g aber keine Verantwortung dafür tragen könne, da sie die Teilnahme deutscher Staatsangehöriger in Marokko nicht unterstützt habe, sondern im Gegenteil mit allen ihr zu Gebote stchc den Mitteln zu verhindern sticht. Für das Vorgehen einzelner Privatpersonen könne sie nicht verantwortlich gemacht werden.
Keffelexploston.
Cuxhaven, 11. Juni. Durch eine Keffelerplosion auf dem Cuxhavener Fischdampfer „Senator Sthamer" im Hafen von Aberdeen wurde ein Ingenieur getötet.
Painleve beim Sultan von Marokko.
Paris, 11. Juni. Painlevo, der gestern wohlbehalten in Rabat landete, wurde heute Vormittag 10 Uhr in feierlicher Audienz vom Sultan empfangen.