Schlüchtemer Heilung
Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlich er Anzeiger fm? Ken Kreis Schlüchtem
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Nr. 93
Donnerstag, den 6. August 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
KreisauSschutz.
J.-Nr. 4043 K.-A. Die unbewohnten Grundstücksparzellen Kartenblatt F Nr. 213/150 = 8, 50 Ar und Nr. 214/150 — 1, 42 Ar sind durch rechtskräftigen Beschluß des KreiS- ausschuffes vom 12. Juni 1925 aus dem Gutebezirk Oberförsterei Marjoß ausgemeindet und dem Gemeindebezirk Marjoß einverleibt worden.
Schlüchtern, den 3. August 1925.
Der Vorsitzende des Krcisausfchuffes.
J. V.: Hengsberger.
Allgemeine Ortskrankenkaffe Schlüchtern.
Verdingung.
Zum Neubau eines Verwaltungsgebäudes der Allgemeinen Ortskrankcnkaffe Schlüchtern sollen die Rohbauarbeiten getrennt in 6 Losen vergeben werden und zwar:
Los 1 Erd-, Maurer- und Staakerarbeiten
, 2 Steinmetzarbeiten
„ 3 Zimmerarbeiten
„ 4 Trägerlieferung
„ 5 Spenglerarbeiten
„ 6 Dachdeckerarbeiten
Die Verdingungsunterlagen können gegen Erstattung der Abschreibekosten, welche r,oo Mk. für Loos 1 und für die übrigen Lose je 0,30 Mk. betragen, von der unterzeichneten Verwaltung oder von den Architekten Schmitt - Breuer, Gelnhausen bezogen werden.
Diese Zeichnungen liegen an diesen beiden Stellen auch zur Einsichtnahme aus.
Verschlossene, mit entsprechender Aufschrift versehene, Angebote sind bis zum Samstag, den 8. August 1925, vor- Ät&W> ^^1hhL,arr uns .in^meichen^ vM»^«—»- ^
Die Eröffnung der Angebote erfolgt um die vorgenannte Zeit in unserem Dienstzimmer, Kreishaus Zimmer Nr. 5/6 tm Beisein der etwa erschienenen Anbieter.
Schlüchtern, den 1. August 1925.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Die zum n. November d. Js. pachtfrei gewordenen städtischen Grundstücke auf dem Neidhof und in der Ahl- Hecke sollen auf weitere 6 Jahre öffentlich verpachtet werden.
Termin hierzu wird anberaumt:
1. für die Grundstücke auf dem Neidhof:
auf M 0 n t a g, den 10. August 1925 nachmittags 3 Uhr
2. für die Grundstücke in der Ahlhecke: auf Dienstag, den n. August 1925 nachmittags 5 Uhr.
Die Verpachtung erfolgt an Ort und Stelle. Auswärtige Bieter werden vorerst nicht zugelassen.
Schlüchtern, den 28. Juli 1925.
Der Magistrat: Gacnßlen.
Bekanntmachung.
Die am 1. August d. Js. fällig gewordenen Nutzholzraten sind sofort bei der Stadtkasse Schlüchtern zur Einzahlung zu bringen.
Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß die am 15. August d. Js. fällig werdenden Holzgeld-Raten bei der Stadtkasse pünktlich entrichtet werden müssen.
Schlüchtern, den 1. August 1925.
Der Magistrat: Gacnßlen.
Deutsche Gegenmaßnahmen im OptanLenlrieg
Berlin, 4. August (Eig. Meldg.).
Die deutschen Behörden nehmen, wie wir erfahren, hinsichtlich der Gegenmaßnahmen gegen Polen in der Optantcu- frage immer noch den Standpunkt des Abwartens ein. Deutschland läßt der polnischen Regierung bei allen Maßnahmen den Vortritt. Zwar sind mehrere Züge mit polnischen Optanten bereits aus Deutschland herausgegangen, doch haben sich die deutschen Behörden in dieser Abwanderung bisher nicht eingemischt. Sobald genaue Mittei- lungen über polnische Zwangsmaßregeln vorliegen, werden die deutschen Behörden in gleicher Weise mit polnischen Optanten auf deutschem Gebiet verfahren. Die Zahl der aus Deutschland jetzt abgewanderten Polen belauft sich bereits auf 5000. Es handelt sich größtenteils um Bergarbeiter, so z B. 1360 Personen aus Düsseldorf, über 1100 aus Arnsberg, über 600 aus Münster usw. Die Regierungspräsidenten stellen zurzeit fest, wieviel polnische Optanten, die die Aufforderung zur Abwanderung erhalten haben, noch hier sind. Sobald dieses Ergebnis vorliegt, wird die Regierung sich über die zu treffenden Maßnahmen entscheiden.
Ein Gang durch das Schneidemühler Qptantenlager.
(Von unserem Sonderberichterstatter.)
Schneidemühl, 4. August.
Lastautos der Schutzpolizei, Möbel- und Transportwagen der verschiedensten Gattungen nehmen ihren Weg nach den vom Schneidemühler Bahnhof etwa eine halbe Stunde entfernten früheren Albatrosflugzeug- werken, beladen mit Hausgerät, Kisten und Koffern, auf ihnen aber, dicht gedrängt, Kopf an Kopf, Männer, Frauen und Kinder. Sie spüren erst heute fünf Jahre nach dem sogenannten Friedensvertrag von Versailles, die Auswirkungen dieses Friedens in der schrecklichsten Form. Deutsche Optanten sind es, die in ihr Vaterland zurückkehren müssen, deutsche Optanten, die sich nun eine neue Heimat, einen neuen Lebensberuf suchen sollen.
So rollen denn die verschiedensten Fahrzeuge durch die Straßen, hin zu den Albatrosflugzeugwerken, wo man ein Optanten-Sammellager errichtet hat. Roch im Frühjahr dieses Jahres fand dort in den früheren großen Flugzeughallen eine große Erenzmarkausstellung statt, wo grenz- märkischer Geist Zeugnis von deutscher Kraft und deutschem Fleiß ablegte. Damals ahnte man kaum, daß die großen Hallen in so kurzer Zeit einen anderen Zwecke dienen würden; der Aufnahme der aus Polen ausgewiesenen deutschen Optanten.
Heute wie damals ein ständiges Kommen und Gehen, heute wie damals ein Massenverkehr — aber nicht das Bild deutschen Eewerbefleisses, sondern ein erschütterndes Bild deutscher Ohnmacht und deutschen Elends. Polnischer Uebermut wirkt sich aus, polnischer Haß gegen alles, was deutsch ist und sich zu seinem Vaterlande bekennt. Sie ziehen zu Tausenden ein, all die Bedauerns- und Beklagenswerten, die einem Machtgebot folgend Haus und Hof verlassen mußten, stehen geduldig wartend vor dem Verwaltungsgebäude, um ein Plätzchen WÄ^.äJLfetelUBeiVMW iki^ wildes H-upt zw Rache legen können. ,
Auf 9000 ist die Zahl der im Lager angekommenen Optanten inzwischen angestiegen. Welch em Apparat ist erforderlich, um hier wenigstens der größten Not und dem größten Elend zu steuern! Ueber 300 Kabinen hat man in den großen Hallen eingerichtet und sie mit den notwendigsten Einrichtungen versehen. 10—15 Personen müssen sich damit vertraut machen, gemeinsam in einer Kabine zu hausen. Geduldig nehmen sie all die Unbequemlichkeiten in Kauf, hoffend, daß sie recht bald eine neue, schönere Heimat finden werden.
Ein mustergültiger (?) Verwaltungsapparat arbeitet Tag und Nacht, um die Ordnung aufrecht zu erhalten und alle ankommenden Transporte so schnell als möglich abzu- fertigen. Immer neue Unterkunftsmöglichkeiten werden geschaffen, Bettgestelle gezimmert und Srohlager errichtet. Schon ist das große Lager überfüllt, da müssen denn die Schulgebäude mit herangezogen werden. Der Fernsprecher arbeitet ununterbrochen, um Stroh, Strohsäcke, Bettgestelle und Decken heranzubekommen. Küchen werden erbaut, große Kochkessel eingemauert und Bäcker und Fleischer, Landwirte und Kaufleute zur Lebensmittellieferung verpflichtet. Fast scheint es, als wenn hier eine Stockung einsetzen wollte, doch wird auch diese Krise überwunden. Trotz der Hochkonjunktur der Ernte bringen Landwirte die Lieferungen heran, richten Fleischer und Bäcker sich auf die- Massenlieferungen ein und sorgen so gemeinsam für das leibliche Wohl.
Heute herrscht ein besonders bewegtes Leben im Lager: der preußische Innenminister S e v e r i n g hat sein Erscheinen angesagt. Mit dem Oberpräsidenten von Vülow, dem Lagerkommissar Oberst a. D. Engelin und anderen Herren besichtigt er das Lager. Die Optanten kommen heraus aus ihren Kabinen, stehen in großen Masten auf dem Werkplatze und stimmen das Deufchlandlied an. Photographen postieren sich auf Wagen, Trittbrettern und Gerüsten, um dieses erfreuliche Bild inmitten des Elends fest- zuhalten.
So wird es denn in den nächsten Tagen und Wochen ein ständiges Kommen und Gehen sein, bis das große Heer der deutschen Optanten von rund 35 000 Personen eine neue Heimat gefunden hat.
Polen darf aber dann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, an Niedertracht und Eehäßigkeit sich würdig an die Seite seines verbündeten Frankreich gestellt zu haben. Wir aber wollen dafür sorgen, daß die ganze Welt von dieser Kulturschande erfährt.
Polnische Einfuhrverbote.
Warschau, 4. August. Blättermeldungen zufolge beabsichtigt die polnische Regierung in den nächsten Tagen zum Schutze der polnischen Handelsbilanz umfangreiche Einfuhrverbote von sogenannten nicht unumgänglich notwendigen Waren zu erlassen. Die Verbotsliste wird sich auf alle Staaten beziehen und soll ausschließlich Erzeugnisse umfassen, die bis zum deutsch polnischen Zollkrieg aus Deutschland eingeführt wurden. Es wird hinzugefügt, die polnisckw Regierung werde nur dann EinzelerlaubmS zur Einfuhr solcher Waren erteilen, wenn in dem betreffenden Staate die Möglichkeit vorhanden sei, eine dem Werte nach entsprechende Menge polnischer Waren abmsetzen.
Verbreiterung -er Regierungsbasis.
(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)
Berlin, 4. August.
Es hat den Anschein, daß, bevor die diesjährige Par- lamentssession zu Ende geht, innerhalb des Reichskabinetts noch eine wichtige politische Veränderung vorgenommen wird. In parlamentarischen Kreisen wird nämlich seit gestern wieder davon gesprochen, daß das Kabinett durch Wiederbesetzung des Ministeriums für die besetzten Gebiete um einen Ministersitz erweitert werden soll. Wir haben bereits vor wenigen Wochen uns mit diesem Plan beschäftigt und dargelegt, daß Reichskanzler Dr. Luther tatsächlich die Absicht hat, dieses Ministerium, das augenblicklich in Personalunion mit dem Reichsjustizministerium durch den Reichsjustizminster Dr. Frenken mtverwaltet wird, neu zu besetzen. Der Haus- haltsausschuß des Reichstages hat dem Reichskanzler diese Bemühungen dadurch erleichtert, daß er einen Beschluß faßte, der durchaus in der Linie der vom Kanzler verfolgten Bestrebungen lag.
In parlamentarischen Kreisen beurteilt man die sachliche Seite der Angelegenheit verschieden. Eine Zeit lang glaubte man, daß das Ministerium wieder in ein Staatssekretariat verwandelt würde, was es ja in den ersten Jahren seines Bestehens auch war. Mit ähnlichen Absichten hat sich auch die Reichsregierung eine Zeit lang getragen; denn in dem Haushaltsplan für das Rechnungsjahr wird das Ministerium ausdrücklich als „künftig wegfallend" bezeichnet. Wenn man sich jetzt anders entschlossen hat, so dürfte hierfür unter anderem auch die Erwägung maßgebend gewesen sein, daß der Aufgabenkreis des Ministeriums trotz der inzwischen erfolgten teilweisen Räumung der besetzten Gebiete nicht kleiner geworden ist. Der tiefste Grund sind aber rein politische Erwägungen.
Reichskanzler Luther verfolgt seit langem das Ziel, die jetzt bestehende lose Verbindung der hinter der Regierung stehenden Parteien zu einer festen parlamentarischen RMerunsskoalition zu erweitern. Augenblicklich ist die Regierungskonstellation so, daß Teutschnationale, Deutsche Volkspartei und Zentrum im Kabinett Luther nur durch je einen parlamentarischen Vertrauensmann vertreten sind. Die übrigen Sitze im Kabinett sind mit Beamten besetzt, die den genannten Parteien zwar nahe stehen, aber nicht als Parteiminister anzusprechen sind. Es hat sich nun bei den verschiedensten Gelegenheiten herausgestcllt, daß in entscheidenden Momenten die hinter der Regierung stehenden Parteien sich an das Kabinett Luther nicht gebunden fühlten, ein für die Führung der Geschäfte natürlich sehr unerwünschter Zustand. Sehr zurückhaltend verhielt sich bisher insbesondere das Zentrum, das im Kabinett durch den Reichsarbeitsminister Dr. Brauns vertreten ist. Es ist noch in guter Erinnerung, daß beim ersten Auftreten des Kabinetts im Reichstag das Zentrum eine Erklärung abgab, die durch ihren frostigen Ton allgemein auffiel und die deutlich ein gewisses Mißtrauen gegenüber dem Kabinett Luther zum Ausdruck brächte. Seitdem hat sich der Reichskanzler nun unentwegt bemüht, das Zentrum zu veranlassen, aus seiner Gewehr bei Fuß-Stellung her- auszutreten und seine neutrale Haltung aufzugeben. Es hat den Anschein, daß dieser Versuch, der in den letzten Monaten verschiedentlich gescheitert ist, jetzt mehr Aussicht auf Erfolg hat. Die Bemühungen Luthers sind dadurch sehr erleichtert worden, daß das Zentrum in der letzten Zeit bei allen zur Erledigung stehenden großen Kesetzes- aufgaben geschlossen mit den Rechtsparteien abstimmtc. Das Ziel des Reichskanzlers soll nun dadurch erreicht werden, daß das Ministerium für die besetzten Gebiete mit einem Zentrumsabgeordneten besetzt werden soll. Als Anwärter für diesen Ministerposten wird augenblicklich am meisten der auf dem rechten Flügel des Zentrums stehende rheinische Abgeordnete Geheimer Regierungsrat v. Guörard genannt. Wie man hört, hat der Vorstand der Zentrumsfraktion sich bereits mit dem Plan einverstanden erklärt. Die Fraktion des Zentrums dagegen hat entgegen allen anders lautenden Meldungen sich mit der Angelegenheit noch nicht befaßt. Man muß auch damit rechnen, daß der linke Flügel des Zentrums heftig opponieren wird, wobei allerdings dem rechten Flügel zustaitcn kommt, daß der frühere Reichskanzler Wirth augenblicklich sich von den parlamentarischen Arbeiten zurückgezogen hat. Sollte der Plan Wirklichkeit werden, dann wird er politische Rückwirkungen haben, die noch gar nicht zu übersetzen sind.
Ins italienische Heer gepreßt.
Wien, 4. August. Der Andreas Hofer-Bund teilt mit, daß >. in Südtirol geborene 20jährige österreichische Bundes- dü^ ; .Hans Pfeifhofer bei einem Besuche seiner alten Heimatstadt Sexten verhaftet und zur zwangstvcisen Erfüllung seiner Wehrpflicht im italienischen Heere in die Festung Orient ein- gclicfcrt wurde. Der Hofer Bund hat beim österreichischen Außenminister Schritte unternommen, damit auf diplomatischem Wege der Genannte aus der Festung entlassen werde.
— Zur Tichcrhcilssragc wird an zuständiger Pariser Stelle bemerkt, daß die Prüfung der deutschen Note durch die Pariser und Londoner Regierung fortgesetzt wird und daß die Beantwortung der Note in acht bis zehn Tagen zu erwarten ist.
— Die Neuwahlen zum badischen Landtag finden am Sonntag, den 25. Oktober, statt.