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Schlöchtemer Zeitung

Krels-Kmtsbtatt * Myememev amtlicherDozeitzerfür 6m Kreis Schlüchtem

-Mlkun- Verlag: H.Steinfetd Söhne * Sephastsst-.Vahllhofstr.S * fevnsperNr.^ * Poststhelkk:^ankstwtLM.rsroo

Nr. 95

Dienstag, den 11 August 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 6357. Auf Antrag der zuständigen Forftver- waltungsbehörde habe ich die Mitwirkung bei der Ausübung der Jagdpolizei übertragen:

1. dem Hilfsförfter Grunert zu Joffa in den Gemar­kungen Altengronau, Joffa, Marjoß und Neuengronau;

2. dem Forstgehilfen Bauer zu Marjoß in den Gemar­kungen Altengronau, Steinau, Bellinge, Joffa, Marjoß, Neuengronau und Seidenroth.

Schlüchtern, den 5. August 1925.

Der Landrat. J. V.: Schulthns.

J.-Rr. 6373. Der Straßenmeister-Anwärter Hofmeister zu Sterbfritz ist anstelle des Straßenmeisters Ebcrt zum Ver- sicherungs- und stellvertretenden Brandfchadenfchätzcr für die Hessische BrandversicherungS-Anstalt zu Casscl bestellt worden.

Schlüchtern, den ;. August 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 6494. Die Herren Lehrer des Kreises, soweit sie Inhaber von Dienstwohnungen oder fiskalischen Mietwoh­nungen sind, mache ich auf Anordnung der Regierung, Ab­teilung für Kirchen- und Schulwesen zu Cassel darauf auf­merksam, daß nach einem Beschlusse des Staatsministeriums Inhaber von Dienstwohnungen, oder von' fiskalischen Miet­wohnungen grundsätzlich an ihren Wohnungen nur dann flaggen dürfen, wenn das Dienstgebäude selbst beflaggt wird, und dann nur in den verfassungsmäßigen Farben des Reichs, des Landes, der Provinz oder der Gemeinde.

Schlüchtern, den 8. August 1925.

Der Landrat. I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 6497. Der Kreiemedizinalrat wird am Donners­tag, den 13. d. Mte. von vormittags 8 Uhr ab m der *' zu Romsthal und am gleichen Tage von vormittags 10 Uhr ab in der Schule zu Eckardroth Sprechstunden halten.

Schlüchtern, den 8. August 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 6515. Die Herren Bürgermeister und die Her­ren Schulverbandsvorsteher mache ich auf den unter Ziffer 103 des Amtlichen Schulblattes Nr. 8 von 1925 veröffent­lichten Ministerial-Erlaß vom 13. Juli d. Js. über die Bei­träge der Schulverbände zur Landfchulklaffe und das staat­liche BeschulungSgeld aufmerksam.

Schlüchtern, den 7. August 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Voraussichtlich finden vom 10. bis 13. August d. J. auf dem Landweg 44 Ortsausgang Steinau nach Domäne Hundsrück und vom 13. bis 17. August d. J. auf dem Landweg 41 UlmbachUerzell (seitlich der Wannhöfe) Dampf- walzarberten statt.

Der Verkehr auf den beiden Landwegen ist soviel wie möglich einzuschränken.

Schlüchtern, den 10. August 192;.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Stadt Schlüchtern.

Verfassungsfeier.

In der Aula des Lehrerseminars in Schlüchtern findet am Dienstag, den 11. August 1925, vormittags 11 Uhr, eine öffentliche Feier der Wieder­kehr des Verfafsungstages statt.

Vortragsfolge:

1. Streichquartett: Adagio von Beethoven.

2. Chorlied: Dir möcht' ich diese Lieder weihen.

3. Festrede: (Seminaroberlehrer Groß.)

4. (Gemeinsamer Gesang: Deutschlandlied.

Die Herren Vorsteher, Beamten und Mitglieder der hie­sigen Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden, die Bürger­schaft und die Vorstände und Angehörigen der Kirchen- und Schulgemeindr, der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände, Innungen, Beamten- und Angestellten-Organisationen wer­den zu dieser Feier eingeladen.

Schlüchtern, den 6. August 1925.

Der Landrat: Der Bürgermeister: von Trott zu Solz._________________Gaenßlcn.

Stadt Steinau.

Pferch-Verpachtung.

Der Pferch von der Herde guter soll Mittwoch, den 12. d. Mto., abends 9 Uhr im Rathaus weiter ver­pachtet werden.

Steinau, den 8. August 1925.

Der Magistrat. I. V.: Traudt.

driand und Shamberlain in London.

Eine offiziöse Havasmeldung plaudert bereits Ein­zelheiten über die am Montag beginnende 'Zusammen­kunft zwischen Briand und Chamberlain in London aus. So sagt diese offiziöse Meldung u. a.:

Die Antwortnote wird sehr kurz sein und sich darauf beschränken, gewisse Punkte der deutschen Note vom 20. Juli zu berichtigen und im übrigen die Reichs- regterung davon in Kenntnis zu setzen, daß die Aus­sprache auf diplomatischem Wege durch die Kanzleien beendet sei und direkte Verhandlungen beginnen wer­den. Dementsprechend wird Deutschland eingeladen wer­den, zu einem bestimmten Datum Verhandlungen mit den Alliierten aufzunehmen.

Sicherheitspakt. Von französischer und englischer Seite wird je ein Projekt des Sicherheitspaktes aus­gearbeitet und miteinander verglichen. Der französisch« Entwurf befindet sich zurzeit in London, doch besteht Grund zu der Annahme, daß Briand ein umgearbeitetes Projekt nach London mitbringen wird, das dann Gegen­stand der Besprechungen neben dem englischen Gegen- entwurf werden dürfte. Beide Projekte sollen zu einem einzigen Dokument umgearbeitet werden, das den Ver- Handlungen mit Deutschland zu Grunde gelegt wird

Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Das Foreign Office" pflichtet noch immer voll und ganz der französischen Note vom 16. Juli bei, in der festge- stellt wurde,- daß Deutschland nur auf dem vorgeschrie­benen Wege in den Völkerbund eintreten darf und daß namentlich eine Befreiung von den militärischen Verpflichtungen des Artikels 16 nicht in Frage kommt

Sie Schuldenverhanblungen.

Zusammenkunft der Sachverständigen in London.

DerPariser Soir" hält es für möglich, daß Finanz­minister Caillaux sich in etwa 14 Tagen in Begleitung von Finanzsachverständigen nach London begeben werde, um mit Schatzsekretär Churchill über die Schuldenfrage zu sprechen.

Während derTemps" in seinem Leitartikel erklärt, es könne in der kommenden Woche während der Verhandlungchi, die Briand und Chamberlain führen werden, nicht davon die Rede sein, daß weitgehende Besprechungen über alle Fragen der französischen Politik geführt werden und daß man niemals die Absicht habe, das Problem des Sicherheitspaktes mit dem der Schuldenregelung zu verbinden, vertritt der radikaleParis Soir" eine gegenteilige Ansicht. Das Blatt schreibt, es werde während des Aufenthalts Briands in London auch die Schul­denfrage diskutiert werden. Briand beabsichtige, nachdem er mit Chamberlain verhandelt habe, sich auch mit Schatzsekretär Churchill auszusprechen. Es scheine, daß nach der Rückkehr der französischen Finanzsachverständigen aus London das Schulden- Problem an die zweite Stelle gerückt und daß es im Augenblick mehr ein politisches als ein finanzielles Problem geworden sei.

Deshalb werde Caillaux vorerst Briand Platz machen. Man hoffe, daß es Briand gelingen werde, Konzessionen zu erzielen, damit alsdann der Finanzminister im einzelnen die Verhandlungen mit dem britischen Schatzkanzler aufnehmen könne.

Herabsetzung der ümsatzfieuer.

Am 1. Oktober auf 1 Prozent.

Das Plenum des Reichstags hat bei der dritten Lesung der Steuervorlagen den sozialdemokratischen Antrag auf Herab­setzung der Umsatzsteuer von IX Prozent auf 1 Prozent ab- gelehnt. Daniit ist jedoch diese Frage noch nicht endgültig erledigt, denn es haben neue Verhandlungen der Regierungsparteien mit der Regierung stattgefunden, deren Ergebnis war, daß durch einen Initiativantrag der Regierungsparteien die Umsatzsteuer vom 1. Oktober 1925 für alle Waren, nicht nur für die Lebens­mittel, auf 1 Prozent bemessen werden soll. Die erhöht Umsatzsteuer, die sogenannte L u x u s st e u e r, soll bestehen bleiben, wie sie in dritter Lesung beschlossen wurde. Ueber die Herabsetzung, der die Regierung bereits zugestimmt hat, soll jedoch erst nach Verabschiedung der Zollvorlage vom Reichstag abgestimmt werden.

*- Appell Lloyd Georges an Amerika. Der frühere cng- llsche Ministerpräsident Lloyd George sagte in einer Rede vor amerikanischen Zuhörern, er blicke sehr erwartungsvoll der Zukunft entgegen, >vo die Vereinigten Staaten sich der bürger­lichen Gemeinschaft der Rationen anschließen würden, um den streitsüchtigen Nationen der Welt den Frieden aufzuzwingen. Solange es Amerika nicht für nötig halte, sich an einer solchen Gemeinschaft zu beteiligen, die den Frieden und guten Willen unter den Menschen sichern werde, setze er kein Vertrauen in die künftige Sicherheit der Zivilisation. Wenn nicht die Bürger eines Kontinents, der große Vorteile gegenüber Europa habe, der Zivilisation zu Hilfe kämen, dann sehe er der Zukunft mit schwerer Sorge entgegen. Die Amerikaner dürften Europa nicht im Stich lassen. Sie dürften nicht'den eisernen Vorhang fallen lassen, um sich vor den Flammen zu schützen.

Außenpolitische Ltmschau.

Die Nachrichten der letzten Tage über die bevorstehende Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Briand bestär­ken immer mehr die vor kurzem ausgesprochene Befürch­tung, daß die Frage des Sicherheitspaktes zu einem großen Schacher zwischen England und Frankreich auf Kosten Deutschlands die Handhabe bieten werde. Wird doch jetzt schon ganz offen zugegeben, daß der Sicherheits­pakt nicht mehr ausschließlicher oder hauptsächlicher Gegen­stand der Beratungen sein werde, sondern daß die gesamte Weltpolitik Frankreichs und Englands und die diploma­tische Zusammenarbeit der beiden Länder in dieser Hinsicht aufgerollt werden wird.

Das Bedürfnis zu einem solchen Zusammengehen ist unstreitig auf beiden Seiten vorhanden. Europa, das sich im Weltkrieg und in der Nachkriegszeit zerfleischte und in dem das lächerliche Mißtrauen Frankreichs gegen die Friedensbereitschaft des deutschen Volkes den Nährboden zu tausend Reibungs- und Konfliktflächen abgibt, hat an seinem Prestige in der ganzen Welt außerordentlich ein­gebüßt. All die Völker der Erde, die von der Macht der weißen Rasse mehr oder minder niedergehalten werden, haben in den Jahren seit Kriegsbeginn eine unübertreff­liche Anschauung von den Methoden der Europäer erhal­ten und erkannt, daß vielfach unter dem Mantel der Lehre des Nazareners nur egoistische wirtschaftliche und politische Jnteresien einherschreiten. Hinzu kam die Parole von dem S e l b st b e st i m m u n g s r e ch t der Völker, mit dem Wilson dem deutschen Volke die Waffen aus der Hand lockte, die aber überall unter den unterdrückten Völkern der Erde als eine Verheißung ausgenommen wurde. Es ist nicht verwunderlich, daß diese Ideen, in den letzten Jahren vor allem bestärkt durch eine geschickte Propaganda von Moskau, an allen Enden und Ecken der Welt zu bewaffneten Aufständen gegen die weiße Rasse geführt haben. Hier Aegypten, dort Marokko und China! Besonders unruhig zeigt sich vor allem die ara­bische Rasse. Wenn auch die lokalen Erhebungen der letzten Zeit einen Zusammenhang nicht erkennen lassen, so sind sie dock alle aus der gleichen Idee geboren. Frankreich, las sich vergeblich die größte Mühe gibt, mit Abd el Krim fertig zu werden, sieht sich jetzt gezwungen, in Syrien einen bewaffneten Aufstand der Drusen zu bekämpfen. Diese haben sich bereits vor 2 Jahren gegen die französische Ge­walt aufgelehnt und konnten auch damals nur nach müh­seligen sechsmonatigen Kämpfen zur Botmäßigkeit ge­zwungen werden.

Wie gespannt die Lage in Europa selbst ist, ergibt sich aus einer von gutunterichteter Seite stammenden Infor­mation des Berliner Lokal-Anzeigers über die russisch- polnischen Verhältnisse. Danach werden in den näch« sten Wochen starke russische Streitkräfte an der polnischen Grenze Manöver abhalten. Die Polen werden anderer­seits mit etwa gleich starken Kräften kaum einen Tages­marsch von den Russen entfernt üben. Angeblich zu Ilebungszwecken führen beide Parteien volle Kriegsaus­rüstung mit scharfer Munition ins Manöver. An und für sich ist schon die Spannung an der polnisch-russischen Grenze groß. Tägliche Schießereien, neulich sogar unter Einsatz von Artillerie, sind die Regel. Wie leicht kann hier ein bewußter Zwischenfall herbeigeführt werden. Auf dem Balkan setzen die Bolschewisten inzwischen ihre Agitation unvermindert fort. In Rumänien und Bulgarien gärt es von neuem. In Bulgarien werden die Truppen immer unzuverlässiger, und der allgemeine Widerstand gegen das harte Regime Zankoffs nimmt zu. Hier fehlt nur noch der zündende Funke, um den Brand von neuem ausflammen zu lassen.

Alle diese Schwierigkeiten erfordern ein Zusammen­arbeiten der großen europäischen Mächte, wenn sie mit Erfolg beseitigt werden sollen. Daß die Einigung dabei wieder auf Kosten Deutschlands erfolgen soll, ist eine Mög­lichkeit, wie sie unter dem Regime des Herrn Poincars besonders üblich war. Wir glauben, daß Deutschland diesmal zu einem solchen Spiel sich nicht hergeben wird. Es hat ja in der Frage des Sicherheitspaktes freie Hand und ist nicht in der unangenehmen Lage, sich wie bisher einem Diktat der Gegner gegenüber zu sehen. Trotz alle- dem wird es der größten Vorsicht und Aufmerksamkeit bedürfen, um es nicht in London zu einer Festlegung zwi­schen Briand und Chamberlain kommen zu lassen, an der Deutschland nicht mehr viel ändern könnte.

Anstatt darüber zu beratschlagen, wie man sich auf Kosten Deutschlands in all den Fragen, die Frankreich und England bewegen, aus der Klemme ziehen soll, wäre es angebrachter, darüber nachzudcnkcn, erst einmal in Europa selbst Ruhe und Frieden zu schaffen, nicht durch Diktat, sondern auf dem Wege freier vertrauensvoller Verständi­gung. Ein Schacher in der Frage des Sicherheitspaktes darf nicht stattfinden. England und Frankreich und auch das ganze Europa seien davor dringend gewarnt.

x Regierungsparteien und Lohnsteuer. Im Reichstag ist in Form eines Initiativantrags folgender Gesetzentwurf ein- gegangen, der von den Teutschuatioualen, der Deutschen Volks- partei" und dem Zentrum unterzeichnet ist:Ueberfteigt das Aufkommen aus der Lohnsteuer in der Zeit vom 1. Oktober 1925 bis 81. März 1926 oder später in einem Zeitraum von zwei aufeinanderfolgenden Kalender-Vierteljahren den Betrag von 600 Millionen,^ so hat die Reichsrcgicrung einen Gesetz- entwurf vorzulegen, der eine Erhöhung der Abzüge der linder- reichen Familien und der steuerfreien Beträge herbeiführt."