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örmkunb Verlag: ssSteinfetd Söhne* SesthästsskNahnhofstr.S* frrnspv.Nr.r49* p»ststh«KU.Pankst>i>rLM.r)z«> : Nr. 96 Donnerstag, den 13. August 1925 77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Polizeiverordnung,

betreffend Ergänzung der Polizeiverordnung über die Entrin- ; dung von Nadelholz vom 22. April 1924 (Amtobl. S. 102).

Auf Grund des § 34 des Feld- und Forstpolizeigesetzes I vom 1. April 1880 in der Fassung des Gesetzes vom 8. Juli 1920 (GS. S. 437)/ der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (GS. S. 1529), der §§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (GS. S. 195) und des Artikels 111 der Ver­ordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 (RGBl. S. 44) wird mit Zustimmung des Bezirks­ausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel folgende Polizeiverordnung erlassen:

Art. 1.

§ 1 der Polizeiverordnung vom 22. April 1924 (Amts­blatt S. 102) wird, wie folgt, ergänzt:

Gefälltes Nadelholz, das zum Käferfang dienen soll, darf mit zuvoriger schriftlicher Genehmigung des Landrate vorübergehend unentrindet liegen bleiben. Die spätere Ent­rindung und das Verbrennen der Rinde hat auf Anordnung des Landrats binnen 2 Tagen zu erfolgen.

Art. 11.

Hinter dem § 1 der Polizeiverordnung vom 22. April 1924 (Amtsblatt S. 102) wird folgender Paragraph einge­schoben :

Wird durch forstsachvcrftändigcs Gutachten das Auf­treten von Borkenkäfern (Bostrichus typographus und verwandte Arten) oder von Kiefernbastkäfern (Hylesinus piniperda) an stehenden Stämmen festgestellt, so sind die Eigentümer und Nutzungsberechtigten verpflichtet, auf Er­fordern des Regierungspräsidenten binnen der von diesem gestellten Frist die befallenen Stämme schlagen und entrinden zu lassen.

Art. 111.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver- kündung in Kraft. (A II. 2730 a/25.)

Cassel am 18. 7. 1925. Der Reg.-Präsidcnt.

J.-Nr. 6299. Der Reichsminister der Finianzen hat die Finanzämter angewiesen, den Gemeinden die Wohnungs- listen nach der Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober 1924, sobald sie zur Fortschreibung der Namenskartei, der Steuerlisten usw. bei den Finanzämtern nicht mehr benötigt werden, auf Verlangen gegen Empfangsbescheinigung auö- zuhändigen.

Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 21. Januar d. Je. J.-Nr. 706 Kreisblatt Nr. 12/25 werden die Herren Bürgermeister nochmals ersucht, für eine ordnungsmäßige Aufbewahrung der Wohnungslisten Sorge zu tragen, damit im Bedarfsfälle auf sie zurückgegriffen werden kann.

Schlüchtern, den 5. August 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 4085. K. A. Den.Herren Bürgermeistern des Kreises gehen in nächsten Tagen Plakate über die für den Kreis Schlüchtern ausgewählten Obstsortimente zu. Ich er­suche, diese Plakate nach Möglichkeit in den Schulen aus- händigen zu lassen.

Schlüchtern, den 6. August 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J.-Nr. 4049 K. A. Anstelle des aus der Kreishebam- mcnstelle als Vertreter der Träger der öffentlichen Krankenver­sicherung ausgeschiedenen Mitgliedes, Weber Karl Schäfer, Herolz ist das Ausschußmitglied der Allgemeinen Ortskran- kcnkasse Adam Schmidt Steinau getreten.

Schlüchtern, den 10. August 192$.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

J.-Nr. 222 W. A. In Abänderung meiner Anordnung vom 12. Juli 1925,Schlüchterner Zeitung vom 4. Juli 1925 Nr. 79 wird folgendes bestimmt: Die gesetzliche Miete für den Monat August d. Js. beträgt 82% der rei- ven Friedensmiete.

Schlüchtern, den 10. August 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern

Bekanntmachung.

Am Donnerstag, den 13. d. Mts., vormittags S'/a Uhr wird auf dem Rathaus Kanzlei der Sclafpferch öffentlich verpachtet.

Schlüchtern, den 11. August 1925.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Briand in London.

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Berlin, 11. August.

Der französische Außenminister B r i a n d ist, Londoner Meldungen zufolge, am Montag abend in Begleitung des politischen Direktors am Quai d'Orsay, Philippe Ber­thelot, und des juristischen Sachverständigen Fr 0 ma - g e 0 t, in London eingetroffen. Zu ihrer Begrüßung hatte sich Chamberlain selbst an den Bahnhof begeben. Nach einigen Begrüßungsworten trennten sich die Herren wieder. Die offiziellen Besprechungen sind am Dienstag vormittag ausgenommen worden.

In maßgebenden politischen Kreisen sieht man der be­ginnenden Aussprache zwischen dem französischen und dem englischen Außenminister mit großem Interesse entgegen. Nach Beendigung dieser Aussprache wird, so urteilt man hier, der Notenverkehr über die Sicherheitsfrage abge­schlossen und der Weg für mündliche Verhandlungen zwischen den Staatschefs aller am Sicherheitspakt inte­ressierten Staaten frei sein. Wann diese Konferenz zu­stande kommt, hängt natürlich von dem Ergebnis der jetzt begonnenen Besprechungen zwischen Briand und Chamber- lain ab.

Es hat keinen Zweck, in diesem Stadium zu den verschie­denen Kombinationen der französischen und englischen Presse über den Ausgang dieser Besprechungen Stellung zu neh­men. Meist handelt es sich hier um Presseäußerungen, die nur dem Zweck dienen, die Verhandlungsatmosphäre zu­gunsten dieses oder jenes Verhandlungesfaktors zu beein- flußen. Für die Besprechung sind vorläufig zwei Tage vor­gesehen. In der englischen Presse werden aber bereits Zweifel geäußert, ob es möglich sein wird, den vorliegenden Beratungsstoff in den wenigen Stunden zu erledigen. Es handelt sich insbesondere um folgende drei Punkte:

1. Kann eine dritte Macht in einen bewaffneten Kon­flikt zwischen Deutschland und einem seiner Nachbarn eingreifen, ohne vom Völkerbund dazu ermächtigt zu fein?

2. Können Sanktionen gegen Deutschland von einet oder mehreren Mächte» ergriffen werden, ohne daß der Völkerbund befragt wird?

3. Wie wird die Garantie gehandhabt, die Frankreich bei den zwischen Deutschland einerseits und Polen und der Tschechoslowakei andererseits abzuschließenden Schicds- gerichtsverträgen übernehmen will?

Selbstverständlich wird auch die Völkerbunds­frage im Vordergrund der Besprechungen stehen. Es hat den Anschein, daß sogar in diese Frage England und Frankreich denselben Standpunkt vertreten, nämlich den, daß Deutschland ohne irgendwelche Vorbehalte bedingungslos seinen Eintritt vollziehen muß, ehe der Sicherheitspakt unterzeichnet werden kann. In den drei andern genannten Fragen scheinen die Meinungen allerdings noch auseinanderzugehen. England will zwar theoretisch Frankreich einen gewissen Anspruch auf Sonder- aktionen zugestehen, aber auch nur dann, wenn diese Son- deraktionen ebenfalls unter die Völkerbundskon­trolle gestellt werden. In diesen Punkten scheint der englische Standpunkt mit dem Belgiens übereinzustimmen Der belgische Außenminister ist nicht zu der Londoner Konferenz eingeladen worden, was von mehreren englischen Blättern sehr bedauert wird, da man sich eine Unterstützung des englischen Standpunktes durch Belgien versprochen hätte

Mit großer Vorsicht muß man die Nachricht ausnehmend daß die Besprechungen zwischen Chamberlain und Briand schon recht bald zu einem solchen Ergebnis führen würden, daß die französische Antwort auf die letzte deutsche Note schon in der zweiten Hälfte dieser Woche nach Berlin ab- gehen könnte. In maßgebenden politischen Kreisen glaubt man nicht, daß die französische Note noch vor der Vertagung des Reichstages eintreffen wird.

Attentatsversuch aus König Alfons.

Beunruhigung in Spanien.

Von der spanischen Grenze wird gemeldet, daß die Behör­den sich feit einiger Zeit infolge häufiger Attentatsversuche gegen den König von Spanien ziemlich beunruhigt zeigten.

Die militärischen Behörden hätten jüngst der Presse mit­geteilt, daß an der Küste von Garraf bereits ein Attentats- Versuch unternommen worden sei. Vor einigen Tagen habe der König den Kursaal von St. Sebastian besucht, und es habe sich ein neuer Zwischenfall ereignet, der zu der Verhaftung eines Anarchisten geführt habe. Der Verhaftete sei nach Madrid transportiert worden, und es seien im ganzen'Land weitere Verhaftungen borgenommen worden. Obwohl man erkläre, es handele sich um einen Geistesgestörten, tverdc die Aufmerk­samkeit der Staatsbehörden durch diese Verfolgungen, denen der Staatschef ansgcscht sei, in Anspruch genommen, die, nach­dem sie einige Zeit auSgesetzt wurden, nunmehr fe-t gewisser Zeit sich wieder bemerkbar machten.

" v* Organisation bot Auswanderung. Die steigenden Aus- Wanderungsziffern als Folge der Wirtschaftslage Deutschlands haben den Reichsverl>and deutscher Auswanderer Hamburg veranlaßt, eine Eingabe an den Reichstag zu richten, in der eine bessere Organisation der Auswanderung und die Schaf­fung eines neuen zeitgemäßen Auswanderungsgesetzes verlangt wird. Kein Deutscher dürfe im Ausland dem Mutterland ocr- loten gehen.

Die Verfassungsfeier der Reichsregjeruns (Stimmungsbild.)

Der Sitzungssaal des Reichstages ist anläßlich bei Verfassungsfeier auf Anordnung des Präsidenten in bei schlichtesten, aber vornehmsten Weise ausgeschmückt worden. Wenn man den Saal betritt, schlägt einem eine Wolke würzigen Tannenduftes entgegen. Die gesamten Tribünen- ränder sind mit Tannenguirlanden geschmückt, an denen in gleichmäßigen Abständen dieWappender Länder der deutschen Republik angebracht sind. Die mittler« Publikumstribüne mit ihrer zum Präsidententisch gekehr­ten Seite ist vollkommen mit Tannengrün bedeckt. Da­hinter sieht man an den vier Säulen zunächst eine unge­heuer große Dolde goldgelber Blumen und dann einige Lorbeerbäume. Auch die Rednertribüne versinkt in goldgelben Blütenkelchen und Tannengrün. Der Tisch des Präsidenten ist ganz von Tannen umgeben, so daß kein Eckchen des gelben Holzes mehr sichtbar ist. An den Säulen vor den dunkelblauen Portieren rankt sich eben­falls das Grün empor, um ein breites schwarz-rot- goldenes Fahnentuch einzuschließen, über dem sich bei Adler der deutschen Republik erhebt.

Um Zwischenfällen bei der An- und Abfahrt des Reichs­präsidenten, wie überhaupt Störungsversuchen von links- radikaler Seite zu begegnen, waren umfangreiche polizei­liche Absperrungen vorgenommen worden, die bereits um 11 Uhr in Kraft traten. Der Andrang des Publikums im Reichstage, vor dem Reichstage und auf dem Königs­platz war indessen nicht so stark, wie das bei ähnlichen Anlässen der Fall zu sein pflegte. Die große Hitze und das drohende Gewitter schienen manchen, der sonst immer dabei war, davon abgehalten zu haben, diesmal als Zu­schauer daran teilzunehmen. Gegen 11.45 Uhr marschierte mit klingendem Spiele die Ehrenkompagnie auf, die vor dem Hauptportal des Reichstagsgebäudes am Bismarckdenkmal Aufstellung nahm.

Inzwischen hatten sich auch der Plenarsitzungssaal und die Tribünen zu füllen begonnen. In der Ehrenloge sah man u. a. Gerhart Hauptmann. Unter den gela- be -en Gästen fiel allgemein auf, daß nur wenige in einem zeremoniellen Anzüge erschienen waren. Vielfach sah man unter den männlichen Teilnehmern sogar solche im Sport­hemd. Von der kommunistischen Fraktion, die bekanntlich zu der Feier nicht eingeladen war, war niemand erschienen.

Reichstagspräsident L 0 e b e begab sich um 11.45 Uhr zum Portal 4 des Reichstagsgebäudes an der Friedrich- Ebert-Straße, um den Reichspräsidenten v. Hinden - bürg zu erwarten. Dieser traf wenige Minuten später im offenen Auto, begleitet vom Reichskanzler, ein, wo beide vom Reichstagspräsidenten Loebe begrüßt und in das Empfangszimmer der Minister geleitet wurden.

Kurz nach 12 Uhr betrat Reichspräsident von Hin - denburg in Begleitung des Reichstagspräsidenten die für ihn reservierte Loge. Kurz vorher war Reichskanzler Dr. L u t h e r im Reichstag an der Ministerbank erschienen, mit ihm der größte Teil der übrigen Kabinettsmitglicder. Auch die preußische Staatsregierung war durch den Mi­nisterpräsidenten Braun und durch den Minister S c v e - ring und anderen vertreten. Nachdem die Festteilnehmer, die sich beim Eintreffen des Reichspräsidenten von ihren Plätzen erhoben, wieder Platz genommen hatten, leitete das Berliner Philharmonische Orchester unter Leitung des Prof. Prüwe die Verfassungsfeier mit dem Vortrag des ersten Satzes der 1. Symphonie Johannes Brahms stim­mungsvoll ein. Es folgte dann die feinabgestimmte Fest­rede des Bonner Honorarprofessors Dr. Platz, dessen Ausführungen von den Versammelten mit großer Aufmerk­samkeit entgegengenommen wurden.

Die Worte des Kanzlers, der im Anschluß daran eine ganz kurze Ansprache hielt, klangen aus in ein Hoch auf das deutsche Vaterland, das von der Versammlung be­geistert ausgenommen wurde. Stehend wurde hierauf die erste und dritte Strophe des Deutschland-Liedes aefunaen. womit der offizielle Festakt seinen Abschluß fand.

Die offiziellen Teilnehmer begaben sich hierauf unter Vorantritt des Reichspräsidenten von H i n d e n b u r g auf die große Rampe des Portals I des Reichstages, vor der eine Ehrenkompagnie mit Musik Paradeaufstellung genom­men hatte. Als der Reichspräsident das Portal des Reichs­tages verließ erklang der Präsentiermarsch. Nach der Er­stattung der militärischen Meldung an den Reichspräsiden­ten begab sich dieser auf den rechten Flügel der Ehren­kompagnie, um diese nach Prüfung der Richtung abzu- schreiten. Hierauf bestieg der Reichspräsident mit dem Reichskanzler das Auto, um nach dem Reichspräsidenten- palais abzufahren.

Inzwischen hatte sich die Zahl der Teilnehmer auf dem Königsplatz und vor dem Brandenburger Tor stark ver­mehrt und begeisterte Hochrufe begleiteten das Auto des Reichspräsidenten. Im Palais des Reichspräsidenten fand dann anschließend ein Essen statt, an welchem die Reichs- regierung vollzählig, ferner das Reichstagspräsidium, sowie Vertreter des Reichsrats, der preußischen Staatsregierung und der politischen Parteien teilnahmen.

" Aus italienischer Haft entkommen. Wie aus Wien ge. meldet wird, ist der von den Italienern in Sixten verhaftete Ocsterrcichcr Hans Pfeifhofer nach einer abenteuerlichen Furcht mit der Bahn und zu Fuß in Wien angekommen. Er war vor zehn Tagen, obwohl er int Besitz der Optionsurkunde war, ge­legentlich eines Besuches seiner Heimat in Sexten als fahnen­flüchtig von den Italienern verhaftet worden.