Kruckun- Verlag: tz.Steinsüd Söhne * Geschäftsst:Nahnhofstr.ö * fernspmVr.giy * Postschecks: Pumkfuvta.M.rrr«> Rr. 97 (1. Blatt) Samstag, den 15. August 1925 77. Jahrg.
Amtliche Betanutmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 6692. Mit Rücksicht anf die anhaltend ungünstige Witterung ermächtige ich die OrtSpolizeibehörden, bis auf weiteres die Verrichtung von Erntearbeiten an den Sonntagen, jedoch außerhalb der Zeit des Hauptgottesdienstes, auf Antrag zu gestatten.
• Schlächtern, den 12. August 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
Kreisansfchntz.
Gemeinderechnung betreffend.
J.-Nr. 4193 K. A. Nach § 91 der Landgemeindcord- nung ist die Gemeinderechnung binnen 6 Wochen nach dem Schluß des Rechnungsjahres dem Bürgermeister einzureichen, von diesem binnen weiteren 6 Wochen der Gemeindevertretung vorzulegen, von letzterer feststellen zu lassen und sodann öffentlich 14 Tage auszulegen.
Indem ich auf die genaue Beachtung dieser Bestimmung Hinweise, ersuche ich die Herren Bürgermeister, die festgestellte und ausgelegte Gemeinderechnung für das Jahr 1924/25 bis spätestens 1. Oktober d. Js. hier vorzulegen. Ich muß nachdrücklich darauf hcstehen, daß durch pünktliche Erledigung dieser Vorschrift die gebotene Ordnung im Geineindehaushalt hergestellt wird und bemerke ausdrücklich, daß eine Verlängerung nicht erfolgen kann. Die Herausgabe der Bücher und Beläge nach auswärts bezw. an Personen die außerhalb des Kreises wohnen untersage ich.
Bis spätestens 10. September ist mir zu berichten, wie weit die Rechnungslegung gediehen ist.
Schlüchtern, den 10. August 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.
J.-Nr. 3957 K. A. Die Kreiskommunalkasse hat Ijcuu Anweisung erhalten, die Reichsanteile aus der 71-, 72., 78- und 74. Einkommensteuer-, aus der 22. Körperschaftssteuer- und der 23. Umsatzsteuerüberweisung an die Städte, Landgemeinden und Gutöbezirke des Kreises zu zahlen.
Schlüchtern, den u. August 1925.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Kreissparkafse.
Bekanntmachung.
Unsere Zweigstelle in Soden ist wieder eröffnet worden. Die Geschäftsstelle befindet sich im Lokal der Stadtkasse im Rathause.
Die Zweigstelle nimmt Spareinlagen und Depositen in jeder Höhe an.
Schlüchtern, den iz. August 1925.
Kreissparkafse.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
Die für die Zeit vom io.—12. August d. Js. ungesagte Reinigung der Schornsteine in der Hanauerstraße, Alte Bahnhofstraße, Schloßstraße, Wassergaste, Kirchgasse und Sackgasse findet in der Zeit vom 17.—19. August 1925 statt.
Schlüchtern, den 14. August 1925.
Die Polizeiverwaltung.
Bekanntmachung.
Am Montag, den 17. d. MtS. vormittags 9 Uhr verkauft die Stadt Schlüchtern im Hofe des Anwesens Fuldaer- straße 47 einen alten Sprengwagen (als Jauchefaß geeignet), der Wagen von einer alten Feuerspritze sowie ein größeres Quantum alter Dachziegel (Bieberschwänze und Pfannen).
Schlüchtern, den 14. August 1925.
Der Magistrat.
Bekanntmachung
Der von der Deutschen Turnerschaft veranstaltete Hermannslauf passiert am Sonnabend, den 15. d. Mts. abends von 7 Uhr ab die Stadt Schlüchtern.
3m Interesse einer ungehinderten Durchführung des wird die Einwohnerschaft ersucht, die Fuldaerstraße, Hanauerstraße, Graben- und Brückcnaucrstraßc von Wagen und sonstigen Hindernissen frei zu halten.
Schlüchtern, den 14. August 1925.
Die Polizeiverwaltung.
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Landwirte! Wendet täglich das frische
Getreide auf dem Speicher.
Das Londoner Abkommen.
Verständigung zwischen Briand und Chamberlain.
Nach einer längeren Besprechung zwischen Chamberlain und Briand wurde in London folgende amtliche Erklärung ausgegeben:
„Die Besprechungen zwischen Briand und Chamberlain haben zu einem vollen Einvernehmen über den Text der Antwort geführt, die die französische Regierung im Einverständnis mit den alliierten Mächten auf die letzte deutsche Garantievertrags-Note absenden wird. Die Besprechungen gaben Anlaß zu einem Meinungsaustausch über den geplanten Sichcrungspakt, der eine endgültige Form gewinnen könne, wenn hierüber Verhandlungen zwischen den Vertretern sämtlicher beteiligten Mächte eröffnet werden. Die Londoner Aussprache hat wesentlich zur Beschleunigung der weiteren Verhandlungen beigctragen, die zu einem endgültigen Ergebnis führen werden."
Der französische Außenminister wird sofort einem Kabinettsrat Bericht über den Verlauf seiner Londoner Unterredungen erstatten. Der Londoner „Temps"-Kvrrespondcnt meldet seinem Blatt ergänzend, daß außer der Einigung über die französische Antwort an Deutschland
zwei wichtige Lösungen
erzielt wurden. Auf englische Anregung sei beschlossen worden, Deutschland zu veranlassen, im September einen Antrag auf Aufnahme i n d e n V ö l k c r b u n d zu stellen und daß es auch zunächst bedingt ausgenommen werden soll. Gleichzeitig wird ein Gutachten der Interalliierten Kontroll-Kommission eingefordert, ob Deutschland die Abrüstungsklauseln erfüllt habe. Trifft dieses zu, so wird die Aufnahme endgültig erfolgen, womit bc^ Garantievertrag unmittelbar in Kraft tritt. Ueber die entmilitarisierte R h e i n l a n d z 0 n c haben Frankreich und England beschlossen, daß sie für den Fall schwerer Verstöße gegen die Bestimmungen der Artikel 42—44 be§ Friedcusvertrages oder gegen die Bestimmungen des Sicherungspaktes nach einer sofortigen Rücksprache zwischen Paris und London unmittelbar gemeinsam vorgehen werden, während bei leichteren Verstößen der Weg des Schiedsspruches beschritten
Fertier berieten auch die französischen und englischen Sachverständigen über verschiedene Einzelfragen. Briand erklärte französischen Journalisten, daß zwischen Frankreich und England über den
Text der Antwortnote an Deutschland
volles Einvernehmen erzielt sei. Eine Abschrift der Note wird Belgien und Italien zugchen. Nach der Meinungsäußerung der beiden Staaten ivird die Note um den 15. August nach Berlin abgesandt, worauf die Verhandlungen eröffnet werden könnten. Briand erklärte weiter, daß er sich am 2. September nach Genf begeben werde. Was den Garantiepakt anbelange, so werde jeder der Alliierten einen besonderen Entwurf vorbereiten, die dann zu einem endgültigen Entwurf umgearbeitet würden. Briand fügte lächelnd hinzu: Soweit sind wir jedoch noch nicht. In politischen Kreisen verlautet, daß beide Außenminister sich über eine interalliierte Konferenz geeinigt hätten, die in Brüssel stattfinden soll. Zu der Konferenz soll auch Deutschland eingetaden werden, doch hat Briand durchgesetzt, daß auch Polen und die Tschechoslowakei zugelassen werden.
Das deutsche Eigentum in Amerika.
Deutschland fordert Freigabe.
Der deutsche Botschafter in Washington, v. Maltzan, überreichte dein Staatsdepartement eine Note, in der Deutschland gegen die Verzögerung der Freigabe des deutschen Privateigentums Vorstellungen erhebt.
Nach der deutschen Auffassung sei das sequestrierte deutsche Eigentum gemäß dem Berliner Vertrage zurückzugeben, sobald Maßnahmen getroffen seien, um die Ansprüche der Vereinigten Staaten an Deutschland zu sichern. Diese Bedingung sei durch das Pariser Abkommen, das Amerika einen Anteil an den Reparationszahlungen zuweise und von beiden Seiten als allen Anforderungen genügend angesehen wurde, erfüllt.
Allerdings seien diese Vereinbarungen später durch den Londoner Vertrag, der Deutschland alle über den Rahmen des Dawes-Planes hinausgehenden Zahlungen untersagt, an- nulliert worden. Ab *r Amerika könne aus dieser Annullierung keine Folgerungen ziehen, da der damalige Vertreter Amerikas in London, der jetzige Staatssekretär Kellogg, das Recht der Vereinigten Staaten, an dem Dawes-Plan teilzunehmen, unterstrichen und damit die Deutschland auferlegten Zahlungs- beschränkungcn stillschweigend anerkannt hatte. Maltzan betonte bei Ucberrcichung der Note, daß Deutschland sich für berechtigt halte, die Rückgabe aus Gerechtigkeits- Und Billig- kcilsgründcn zu fordern.
Dem deutschen Schritt wird in politischen Kreisen große Bedeumng beigemessen, weil Deutschland im Gegensatz zu Amerika, das bie Frage bisher rein innerpolitisch und als lediglich der Jurisdiktion des Kongresses unterworfen ansah, die Auffassung vertritt, daß es üch um eine internationale Verpflichtung handle, die zwischen den beiden Regierungen ge. regelt werden müsse. Der Wert des deutschen Eigentums in den Vereinigten Staaten belauft sich auf rund 350 Millionen Dollar.
— Die Stinneszcchcn I und II Karnap und 111 uns rv Traut sollen verkauft werden. Als Käufer kommen die Rhcinstahl-Akt.- Geh und der preußische Staat in Frage. Es wird mit Betriebs- eiuschränkungcn nach dem Verkauf gerechnet.
Sie Garantiefrage.
Wie die „Tägliche Runoschau", die dem Reichsaußenminister nahesteht, mitteilt, ergibt sich nach Abschluß der Londoner Besprechung an zuständiger Stelle folgende Auffassung über, die weitere Behandlung der Garantiefrage:
Aus der Fülle von Nachrichten, die aus London über den Gang der Besprechungen zu uns herüberkommen, läßt sich wohl heute schon das eine entnehmen, daß die Antwort wahr» scheinlich nur kurz, doch in höflichem Tone gehalten sein wird und daß sie der deutschen Regierung keinen Anlaß geben dürfte, den Notaustausch fortzusetzen. Vielmehr scheint der Gang der Dinge nun auf mündliche Besprechungen loszusteuern. Füv die Form der mündlichen Besprechung sind im Laufe der Zeit drei verschiedene Möglichkeiten aufgetaucht. Die erste dieser Möglichkeiten ist eine juristische Konferenz der drei am meisten beteiligten Mächte, Deutschland, Frankreich und England. Eine derartige Konferenz hätte nicht den ganzen Fragenkomplex behandeln sollen, sondern nur die Frage des Westpoktes. Sie dürfte jedoch wohl ernstlich nicht mehr in Betracht gezogen werden.
Eine andere Möglichkeit für eine persönliche Zusammenkunft ist die einer Besprechung der Außenminister. Zweifellos wäre es nicht unvorteilhaft, wenn auf diese Weise einmal diejenigen leitenden Staatsmänner, die sonst im allgemeinen nur durch ihre Botschafter miteinander zu verkehren Pflegen, sich auch persönlich kennen gelernt hätten. Der Gedanke einer Zusammenkunft der Außenminister sollte aber offenbar in seiner Verwischung nicht nur ein gegenseitiges Kennenlernen bedeuten, sondern es sollte durch ihn eine grundsätzliche Einigung über die ganze Frage des Sicherheitspaktes erstrebt werden, so daß nachher nur noch die Kanzleien das Schlußprotokoll fertigzustellen hätten. Frankreich hat sich zunächst gegen eine große Konferenz wie die des Vorjahres in London ausge« sprachen. Es ist doch nun aber einmal nicht aus der Welt zu schaffen, daß sich bei einer kleinen Ministerkonferenz von dem hier umschriebenen Umfange ganz ähnliche Schwierigkeiten in der Verhandlung ergeben würden wie bei der juristischen Kon- serenz und wie sie sich bei den Verhandlungen von Dr. Simons in London im Gegensatz zu den vorjährigen Londoner Ver- h>. Ü,' - :.J.. 7 . ei.: ^.:ß.:u:J....... ..... 'alleinige Verantwortung im Auslande — ein Kabinett, vielleicht an einem anderen Strange ziehend, im Inlands und die in der Regierung vertretenen Parteien ohne allseitige Verantwortung. Alle diese Erwägungen weisen folgerichtigt darauf hin, daß auch diesmal die Erörterungen, die sich aus dem bisherigen Notenwechsel über den SicherheitsPakt ergeben, sogleich in einer großen Konferenz geführt werden sollten, bei der vielmehr als bei jeder anderen Besprechung in kleinerem Nahmen von vornherein die Gewähr besteht, daß nach der Konferenz bie Parlamente und Parteien der einzelnen Länder sich auch hinter die von ihren Ministern getroffenen Abmachungen stellen werden.
Die Dinge wirklich zum Erfolg zu bringen, ist ja nicht nur im Interesse des Deutschen Reiches, es liegt mindestens ebenso sehr im Interesse Frankreichs. Nur wenn endlich einmal Gewähr dafür vorhanden ist, daß Europa auf lange Zeit hinaus vor neuen kriegerischen Wirre» bewahrt bleibt, daß nicht brutale Sanktionspolitik die Böller immer wieder weiter aus- einanderreißt, statt sie znsammcnznführen, nur dann wird auch das Vertrauen in die europäische Wirtschaft zurückkehren und sich festigen, was im Hinblick auf die finanziell weltbeherr- schende Macht der Vereinigten Staaten von Amerika doch in Frankreich mindestens ebenso sehr wie in Deutschland beachtet werden muß.
Sindenburg in München.
Große Begeisterung der Bevölkerung.
Der erste Tag des Staatsbesuches des Reichspräsidenten in München fand den eindrucksvollsten Ausklang in einem Zapfenstreich der Münchener Garnison, der während des Empfanges im Palais des Ministerpräsidenten stattfand. Der weite Platz vor dem Palais war schon vor 9 Uhr von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge gefüllt. Der Reichspräsident trat mit Ministerpräsident Held, General Kreß v. Kreffenstein, Kardinal-Erzbischof v. Faulhaber und anderen Persönlichkeiten auf den Balkon des Hauses, wo er bie Meldung des Kommandeurs des Zapfenstreichs entgegennahm.
Am Schlüsse des Zapfenstreichs, der in die Nationalhymne aus- klang, brächte Ministerpräsident Held ein dreifaches Hoch auf das deutsche Vaterland und auf Hindenburg aus, zu dem ganz Deutschland mit Vertrauen und tiefer Verehrung ausblicke. Das Hoch des Ministerpräsidenten wurde von der Menge jubelnd ausgenommen. Der Reichspräsident erwiderte mit Worten des Dankes für die Ausnahme, die er in Bayern gefunden habe und brächte ein ebenfalls begeistert aufgenommenes Hurrah auf das Bayern- land aus.
Im weiteren Verlaufe mußte sich der Reichspräsident wiederholt auf dem Balkon des Palais zeigen. Er gab in einer Ansprache nochmals seiner tiefen Ergriffenheit und sei- nein Danke für die Beweise herzlicher Sympathie Ausdruck, die ihm hergebracht worden fei. Erst gegen Mitternacht, nachdem der Empfang beendet war, bei beut sich der Reichspräsident die erschienenen Herren verstellen ließ, erreichten bie jubelnden Kundgebungen ihr Ende.
— 2er Deutsche Reichstag hat sich bis zum November vertagt.
— ReichstagSabgeordnetcr Peter Spähn hat sich, wie die „Ger- lmania" mitteilt, von seiner Krankheit so weit erholt, daß er nach Wildungen zur Kur abreisen konnte.