Schlüchterner Heilung
Kreis-Kmisbiatt * Myememev amtlicher stetiger firr tat Kreis Schlächtern
Kriukunb Sevtag: Q.gtrinfelb Söhnen Sesthästsst: Vahnhofstr.ö * Jernfpy.Nr.r^y ck Postph«kk:Pm»kstwtL.M.r2r«>
Nr. 101 Dienstag, den 25. Angnst 1925 77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachnngen.
Landratsamt.
J.-Nr. 6917. Voraussichtlich finden vom 26. bis 28. b. Mts. auf dem Landweg 43 Ortsausgang Romsthal nach Marborn und vom 29. d. Mts. bis zum 4. n. tMs. auf dem Landweg 41 a, Romsthal-Soden, Dampfwalzarbeiten statt.
Der Verkehr ist auf beiden Landwegen so viel wie mögs hch einzuschränken. Für Lastkraftwagen sind die vorgenannten Wege vollständig gesperrt.
Schlüchtern, den 22. August 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 6891. Diejenigen Ortspolizeibehörden, die mit der Erledigung meiner Verfügung vom 23. Januar d. Js. Nr. 89 (Kreisblatt Nr. 13) betr. Bekämpfung der Blutlaus noch im Rückstände sind, werden hiermit nochmals daran erinnert.
Schlüchtern, den 21. August 1925.
Der Landrat. J. V.: Rehmert.
J.-Nr. 6947. In der Gemeinde Wallroth ist die Schafräude festgestellt worden.
Schlüchtern, den 22. August 1925. Der Landrat.
Finanzamt.
BekanntmaHuug.
Steuer Überleitung der Einkommen- und Körperschaftssteuer.
Für die Feststellung des Ablösungsbetrages der Einkommen- und Körperschaftssteuer 1924 sowie für die Veranlagung 1925 ist das Wirtschaftsjahr von besonderer Bedeutung.
Gemäß § 9 der Durchführungsbestimmungen zum Steuerüberleitungsgesetz vom 30. Juli 1925 sind folgende Steuerpflichtige verpflichtet, bis zum 31. August 1925 dem Finanzamt das künftig maßgebende Wirtschaftsjahr an- zumelden:
1. Steuerpflichtige, die Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau oder sonstige nicht gewerbliche Bodenbewirtschaftung betreiben, wenn sie für ein andere.s Wirtschaftsjahr als den Zeitraum vom 1. Juli bis 30. Juni regelmäßige Abschlüsse machen.
2. Steuerpflichtige, die ein Gewerbe einschließlich des Bergbaues betreiben sowie körperschaftssteuerpflichtige Erwerbsgesellscbaften, auch soweit sie kein Gewerbe betreiben, wenn sie für ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr regelmäßige Abschlüsse machen.
3. Offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften und andere Unternehmungen ohne Rechtspersönlichkeit, wenn sie für ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr regelmäßige Abschlüsse machen.
Wird die Anmeldung nicht abgegeben, so wird für die Ablösung 1924 und für die Veranlagung 1925 angenommen, daß sich das Wirtschaftsjahr bei den unter, 1. genannten Steuerpflichtigen mit dem normalen Wirtschaftsjahr vom 1. Juli bis 30. Juni, bei den unter 2. und 3. genannten Steuerpflichtigen mit dem Kalenderjahr deckt.
Vordrucke für die Anmeldung sind beim Finanzamt erhältlich.
Schlüchtern, den 21. August 1925.
Finanzamt.
Stadt Steinau.
Obst-Berkauf
Der Verkauf des städtischen Obstes findet gegen Barzahlung statt:
1. Mittwoch, den 2 6. d. Mts., Beginn vormittags 7 Uhr an der Gemarkungsgrenze Ahl;
2. Donnerstag, den 2 7. d. Mts., Beginn nachmittags 1 Uhr hinter dem Schloß (Viehhof), anschließend auf der Schiefer (mit Zwets ch e n);
3. Freitag, den 28. d. Mts., Beginn nachmittags 7 Uhr an der Bahnhofstraße, nach Sarrod und auf der Bur- gelshceg, anschließend auf dein Gänseberg.
Steinau, am 22. August 1925.
' Der Magistrat. Kisseberth.
Tagung des Deutschen Richterbundes.
Augsburg, 23. August. In der Zeit bom 12. bis 15. Scp- ^mber findet in Augsburg die sechste Tagung des Deutschen Richterbundes statt
Ungehinderter Durchgangsverkehr von Ostpreußen nach dem Reich.
. . Danzig, 23. Angnst. Das Schiedsgericht für den Danzig- P°tnischen Durchgangsverkehr durch den Korridor hat auf mund der mündlichen Verhandlungen vom 20. Angnst gestern Danziger Wunsch auf ungehinderten Durchgangsverkehr 011 Ostpreußen nach dem Reich und umgekehrt stattgegeben.
England und der Pakt.
Das ganze englische Volk hat einen unüberwindlichen Abscheu vor Verpflichtungen jeglicher Art, die ihm, im Falle eines bewaffneten Konfliktes auf dem Festlands, auf. erlegen, auf der einen oder anderen Seite in den Kampf einzutreten. Daher der erhebliche Widerstand der englischen Regierung, die französischen Thesen für einen Sicherheits- Pakt am Rheine aufzunehmen. Denn selbstverständlich gehen die französischen Absichten darauf aus, England einseitig nur für Frankreich -u o er p s l i ch t e n. Vorerst sucht der englische Außenminister der Schwierigkeit dadurch M begegnen, daß er hartnäckig die These der Zweiseitigkeit der englischen Verpflichtung verficht. Was natürlich den Absichten Frankreichs straks »uwiderläuft, das auf leben Fall die Front Frankreich- England—Belgien gegen Deutschland aufrecht erhalten will.
Einen interessanten Einblick in das englische Denken gewährt eine Aeußerung des Vertreters der liberalen Partei im Parlamentsausschuß für Außenpolitik Profestor Maurice Eerothwohl's dem Londoner Korrespondent ten des schwedischen Rechtsorgans „Svenska Dagbladet" gegenüber. Der englische Politiker begründet seine Gegner, schaft gegen die erste Lösung der sogenannten Sicherheits- frage, wie sie das GenferProtokoll versuchte, damit, baß es den Völkerbund aus einer Friedensmaschine in eine Kriegsmaschine verwandeln würde, die von den Militaristen des Kontinents geschickt als „automatische Sanktionen" maskiert worden sei. Den Kern des Selbstbestimmungsrechtes bilde aber vor allem das Recht eines Volkes, nicht in den Krieg zu ziehen. Kein Voll könne das Recht einer fremden Macht abtreten, selbst über Leben und Tod zu bestimmen. Sowohl das Protokoll als als auch der Pakt wollen die Völker verpflichten, in den Krieg zu ziehen und in einigen Fällen so gar automatisch in den Krieg zu ziehen. An allem könne man, sowohl bei dem Protokoll als wie bei den Paktthesen ohne Schwierigkeiten bemerken, daß ein gewisser kontinen^ taler Militarist seine Ha«Ä im Spiele habe.
Diese letzte Feststellung des lib^eaLen Engländers sollten sich besonders unsere Friedensfreunde nicht entgehen lasten. Schon eine oberflächliche Durchsicht der militärischen Denk- schriften bei den Pariser Verhandlungen, aus denen das Versailler Diktat hervorging, wird uns manche Punkte in den Vorschlägen Frankreichs in einem weniger harmlosen Lichte erscheinen und uns auch den „kontinentalen Milita. risten", den Eerothwohl meint, näher erkennen lasten. Sollen die deutschen Freunde des Völkerbundes nach solchen Hinweisen nicht doppelt vorsichtig sein?
In klarer Erkenntnis des Grundgedankens, der einen Sicherheitspakt erst zu einer politischen Notwendigkeit macht, führt der Engländer dann aus, daß Deutschland sein Angebot nicht deshalb gemacht habe, um als Gegenleistung von der anderen Seite nur eine neue Festlegung der Erem zen des Versailler Diktats zu erlangen, sondern in der Hoffnung, eine Erleichterung oder Kompensation im Osten zu erlangen. Eerothwohl sieht diese Absicht und Hoffnung Deutschlands als ganz natürlich an und meint mit Recht, daß ohne ein solches Bestreben Deutschlands Anschluß an einen solchen Pakt der notwendigen Begründung seiner Aufrichtigkeit entbehre. Unserer Meinung nach hätte der Engländer ruhig darauf Hinweisen können, daß die Versailler Bestimmungen ja selbst Deutschland die Möglichkeiten geben, eine Aenderung unhaltbarer und gefährlicher Festlegungen herbeizuführen. Offener und ehrlicher könnte Deutschland niemals vorgehen, um zunächst einmal die erste Vorbedingung für eine Aenderung unhaltbarer Zustände zu schaffen, als durch feinen Vorschlag, eine gegenseitige friedliche Gesinnung durch den Pakt zu dokumentieren.
Mit gleichem Recht weist Eerothwohl jedoch darauf hin, daß Frankreich in dem Paktvorschlag nur immer eine Angelegenheit sieht, die Friedensbedingungen von Versailles endgültig fest zunageln, also jede Aenderung dieser Bestimmungen auszuschließen, sie für Deutschland also noch drückender zu machen. Sollte der Pakt die Erfüllung solcher Sehnsucht nicht in Aussicht stellen, so ermangele, nach Ansicht des Engländers, der Anschluß der Franzosen an den Pakt der Aufrichtigkeit.
Sicher sehen wir hier den deutschen und französischen Untergrund des Paktgedankens scharf herausgestellt. Deutschland will den Pakt, um die Vorbedingungen zu schaffen, um — übrigens ganz im Rahmen der Versailler Bestimmungen — eine Erleichterung für Zustände zu schaffen, die ein Aufkommen aufrichtiger friedlicher Gesinnung zurzeit noch verhindern. Frankreich will diese Erleichterungen verhindern, ganz ohne Rücksicht auf die europäische Sehnsucht nach einem wirklichen Frieden, ohne den alle Welt weiterhin in Rot und Qual bleibt. Die Stellung Englands glaubt Eerothwohl so fixieren zu dürfen: England soll so gebunden werden, daß es automatisch oder quasi automatisch auf die französische oder deutsche Seite treten muß, wenn es zu Verwicklungen kommen sollte. Eerothwohl glaubt nicht, daß in absehbarer Zeit das englische Volk sich mobilisieren lasten werde, um auf deutscher Seite zu fechten, nachdem 900 000 Engländer von deutschen Waffen den Tod gefunden hatten. Ebensowenig aber könne er sich vorstellen, daß das englische Volk noch einmal zur Verteidigung eines Alliierten antrete, der nach Vollendung des Opfers nicht die geringste Wertschätzung des Opfers gezeigt habe. Der in der Verfolgung seiner Außenpolitik nicht die geringste Rücksicht auf etwas anderes als seine eigenen Wünsche genommen habe und
der sogar soweit gegangen sei, daß er alle moralischen Schulden leugne, von anderen Schulden gar nicht zu reden.
Genau wie der Liberale urteilt auch die Wochenschrift der britischen Arbeiterpartei „The New Leader".
Das Blatt macht besonders darauf aufmerksam, daß man Deutschland verpflichten will, sein Land den bewaffneten Kräften des Nachbarn zu öffnen, wenn sie sogenannte Kriegshandlungen des Völkerbundes vornehmen wollen, während die Alliierten ihre Abrüstung auf ungewisse Zeit verschieben wollten. Niemand werde auch nur den Wunsch äußern, britisches, französisches oder italienisches Land für einen solchen Zweck zu gebrauchen. Nur Deutschland solle dieses Risiko laufen und dabei waffenlos bleiben. Demnach seien die Verpflichtungen nicht gleichmäßig verteilt. Selbst wenn auch die anderen ihr Land zu solchen Kriegshandlungen hergeben würden, so wäre unserer deutschen Ansicht nach noch immer das Urteil der Wochenschrift berechtigt, daß die Verpflichtungen ungleich sind. Es ist etwas anderes, ob ein Land, das bewaffnet ist, eine fremde Heeresmacht einläßt, oder ein waffenloses, das niemals sich gegen Uebergriffe der fremden Heeresmacht verteidigen könnte. Auch Völkerbundskriege werden doch wohl mit kriegerischem Geiste geführt von Militärs. Auch bei einem Völkerbundsheer regiert Mars die Stunde.
Den entscheidenden Punkt in den ganzen Verhandlungen sieht das Arbeiterblatt darin, ob Chamberlain den Pakt als Vorbereitung für eine gemeinsame Aktion gegen Rußland betreibe. Das ist auch für uns Deutsche die entscheidende Frage. Das zu verhindern, muß die Aufgabe unserer ganzen Politik und Diplomaten sein. Denn wäre das mit dem Pakt beabsichtigt, dann ginge tatsächlich unsere Verpflichtung darauf hinaus, daß unser deutsches Gebiet Aufmarschgebiet und Kampfplatz sämtlicher europäischer Heere werden würde.
Sie preissenkungsaktion der Reichsregierung.
Berlin, 23- August (Eig. Mldg.).
Die Reichsregierung erachtet, wie wir zuverlässig er« fahren, ihre Maßnahmen zur Herbeiführung einer Preis- snkung auf dem Gebiete des Lebensmittel- und Warenmarktes mit der gestrigen Verhandlung zwischen Industrie und Arbeitgeberorganisationen und Vertretern von Reichs- und Länderregierungen nicht für abgeschlosten. Sie ist vielmehr gewillt, unabhängig von dem Vorgehen des Reichs- verbandes der Deutschen Industrie und der Arbeitgeber- verbände ihre vorgesehenen Maßnahmen weiter zu verfolgen, wenn sich nicht bereits in den allernächsten Tagen durch die Tatsachen erweist, daß die erwähnten Verbände ihrerseits energisch gegen die Teuerung Vorkehrungen treffen. An unterrichteter Stelle ist man der Auffastung, daß die gestrigen Beschlüsse der Industrie- und Arbeitgebervertreter nur dann einen praktischen dem erstrebten Ziel dienenden Zweck haben, wenn es nicht in das Belieben der einzelnen Unternehmer und Geschäftsinhaber gestellt wird, sich an einer Preis- senkungsaktion zu beteiligen, sondern wenn die erwähnten Verbände mit bestimmten formulierten Bedingungen an ihre Mitglieder herantreten und entsprechende Konventionalstrafen vorsehen, falls diesen Bedingungen nicht entsprochen wird. Zu dieser Auffassung ist die Reichsregierung umso mehr gekommen, als sich bei den bisherigen unverbindlichen Besprechungen zwischen Vertretern der Industrie und des Handels und Regierungsvertretern die Tatsache ergeben hatte, daß die erwähnten Verbände offenbar keine Neigung haben, dem überspannten Kartell- wesen mit seiner preisverteuernden Tendenz ein Ziel zu setzen. Industrie-, Handels- und Bankkonzerne fühlen sich offenbar stark genug, um sich von den lästigen Verordnungen über Preisbildungswesen und Wirtschaftsgestaltung freizuhalten. Wie weit diese Industrie- und Handelsorganisationen einen gewissen Einfluß innerhalb des Kabinetts zu erstreben suchen oder erstrebt haben, läßt sich nicht ohne weiteres feststellen, doch soll, wie man erfährt, dieser Einfluß das erreicht haben, daß die Reichsregierung erst mit gesetzlichen Maßnahmen gegen die Teuerung vorgeht, wenn sich die Unwirksamkeit der vom Reichsverband der Deutschen Industrie und dem Arbeitgcberocrbändcn gestern zugesagten freiwilligen Maßnahmen erweisen sollte.
Die Reichsregierung befindet sich heute bereits iw Besitz der Unterlagen, aus denen sich ergibt, daß die Verteuerung der Lebensmittel beispielsweise nicht vornchmlick bei der Landwirtschaft, sondern fast ausschließlich in Zwischenhandel liegt, ebenso daß die Verteucruno lebenswichtiger Bedarfsartikel nicht so sehr mit der Ver teuerung des Produktionsprozesses als mit der unberech tigten Preisbildungspolitik der Kartelle im Zusammcnhanc steht. Reichskanzler Dr. Luther und Staatssekretär Iren delenburg haben den in Frage kommenden Organisationen klar gemacht, daß die Reichsregierung im Interesse bei Volkswirtschaft und vor allem der breiten Mäste nicht gc> willt ist, diese Zustände weiter treiben zu lassen. Auf jeden Fall wird die Reichsregierung ihre Maßnahmen so treffen daß spätestens mit dem 1. Oktober die erstrebte Preissenkung durchgeführt ist.
Attentat auf den Gouverneur von Martinique.
Port dc France, 23. August. Auf den Gouverneur von Martinique wurden mehrere Schüsse abgegeben, als er sich an Bord eines Dampfers bcgeben wollte. Der Gouverneur wurde schwer verletzt.