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Schlüchtemer Zeitung

Kreis-KmtsbtatL # Myememev amtlich erKnzeiyev für Hen. Kreis Schlüchtem

Arutkunb Verlag:tz.Steinfeld Söhne* (Beschaffest:Dahnhofstv.6 * fetnspe.üte.W* Poststheekk.^rankflretaM.rdryo

Nr. 106 (1. Blatt) Samstag, den 5. September 1925

77. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 7272. Die Verordnung über den Verkehr mit Vieh und Fleisch Dom 13. Juli 1923 (Reichsgesetzblatt I. S. 715) ist durch das Reichsgesetz über den Verkehr mit Vieh und Fleisch vorn 10. August 1925 (R. G. Bl. I. S. 185/86), das am 15. August 1925 in Kraft tritt, ersetzt worden. In bem neuen Gesetz sind die Bestimmungen über die Handels- erlaubnis für den Handel mit Vieh, Frischfleisch oder Ge- frierfleisch nicht mehr enthalten, und es ist damit vom 15. August d.. der Handel mit diesen Waren wieder im Rahmen der Bestimmungen der Gewerbeordnung jedermann, ohne daß er eine besondere Handelöcrlaubnis einzuholen hätte, gestattet.

Schlüchtern, den 2. September 1925.

Der Landrat. J. V.: Rehmert.

J.-Nr. 7329. Voraussichtlich finden vom 7. bis 12. d. Mts. auf bem Landweg 41a, Soden-Romsthal, Dampf- walzarbeiten statt.

Der Verkehr ist soviel wie möglich einzuschränken. Für Lastkraftwagen ist der vorgenannte Weg vollständig gesperrt.

Schlüchtern, den 4. September 1925.

Der Landrat. I. V.: Rehmert.

J.-Nr. 7254. Die Ortspolizeibehörden zu Schlüchtern, Salmünster, Soden, Ahl, Altengronau, Breitenbach, Hinter- stcmau, Jossa, Klosterhöfe, Sannerz, Sarrod, Ulinbach, Wall- roth und Wcipcrz werden hiermit nochmals an die Erledigung meiner Verfügung vom 23. Januar d. Js., Nr. 89 (Kreis- blatt Nr. 13), betr. Bekämpfung der Blutlaus, erinnert.

Schlüchtern, den 1. September 1925.

Der Landrat. I. V.: Rehmert.

J.-Nr. 7337. In der Gemeinde Breitenbach ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. Die Gemeinde Brcikrnbach wird als Spc>rbczirk erklärt. Die hiernach-zu erlassende vollständige viehseucherlpolizeiliche Anordnung wird in der nächsten Nummer dieses Blattes veröffentlicht.

Schlüchtern, den 4. September 1925.

Der Landrat. J. V.: Rehmert.

, Kreisansschntz.

J.-Nr. 4540 K. A. Die Kreiskommunalkasse hat heute Anweisung erhalten, die Reichsanteile aus der 75. und 76. Einkommensteuer-, der 23. Körperschaftösteuer- und der 24. Umsatzstcucrvcrteilung an die Gemeinden und GutSbezirke des Kreises zu zahlen.

Schlüchtern, den 2. September 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern.

Aufruf.

Am 19. d. Mts. findet die Entlassung der letzten Semi­naristen des hiesigen Lehrerseminars statt. Damit wird diese Bildungsstätte, die nahezu ein Jahrhundert lang das kul­turelle und wirtschaftliche geben in unserer kleinen Stadt hat tragen und fördern helfen und ihren Namen über das kur- hessische Land hinaus hat rühmlich bekannt werden lassen, geschlossen. Zu bem auS diesem Anlaß für den 19. und den 20. b. Mts. vorgesehenen feierlichen Schlußakt werden zahl­reiche ehemalige Lehrer und Schüler dcö Seminars erwartet. Im Rahmen der Veranstaltungen findet auch ein geselliges Beisammensein statt, das zugleich als WiedcrschcnSfcicr der ehemaligen Angehörigen deS Seminars mit einander und mit der hiesigen Bürgerschaft gedacht ist. ES ist Ehren- und Dan­kespflicht der hiesigen Bürgerschaft, die auswärtigen Teil- nehmer gastfreundlich aufzunehmen. Die Bürgerschaft wird herzlich um Bereitstellung von Freiguartieren und GeMH- rung freie» Verpflegung am Tische des Ouartiergebers gc- beten. Die Mitglieder deS WobnungSausschusseö für die Seminarschlußfeier werben in den nächsten Tagen in den Häusern nach Quartieren usw. nachfragen. Besondere Wün­sche werben tunlichst berücksichtigt werden.

Schlüchtern, ben 4. September 1925.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Ausschreibuna

Die Dachdecker- und Spenglerarbeiten zum Neubau ci- ncs Sechs- und eines Z>vcifamilienhauicS sollen vergeben wer­ben. Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsformulare liegen >>" Stadtbauamt'zur Einsicht offen. Die Angcbotöformularc können daselbst in Empfang genommen werden.

Die Angebote sind bis spätestens Mittwoch, den 9. d. Mts. v o r m ittagS 10 Uhr dem Stadtbauamt verschlos­sen einzureichen, woselbst die Oeffnung derselben in Gcgcn- wart etwa erschienener Bewerber stattfindet.

stÄblagserteilung bleibt Vorbehalten.

Schlüchtern, den 4. September 1925.

Der Magistrat: Gaenßlcn.

Es wird darüber Klage geführt, daß von zahlrcichen Ge­schäftsleuten, insbesondere Ladeninhabern die Bestimmungen über die Sonntagsruhe nicht beachtet werben.

Die Polizeibeamten sind zu verschärfter Kontrolle ange­wiesen. Jede Uebertretung wird künftig unnachsichtlich straf­rechtlich verfolgt werden.

Schlüchtern, den 3. September 1925.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Am Samstag, den 5. d. Mts. wird von der Schäferei der Stadt Schlüchtern ein abgängiger Schafbock öffentlich incistbietend verkauft.

Zusammenkunft der Kaufliebhaber um ^9 Uhr im Rathaus Kanzlei.

Schlüchtern, den 3. September 1925.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Diejenigen Kriegsbeschädigten und Kriegohinterbliebenen, welche einen Vorschuß zur Beschaffung von Wintervorräten (Holz, Kohlen, Kartoffeln ic.) zu beziehen wünschen, werden aufgeforbert, dies im Rathaus Stadtsekretariat biö spätestens 10. September b. Js. anzumelden.

In Frage Fommen nur diejenigen Kriegsbeschädigte»» und Kriegohinterbliebenen, die Zusatzrente beziehen.

Schlüchtern, den 2. September 1925.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Die gesetzliche Miete für den Monat Septeinber 1925 beträgt 82 v. H. der reinen Friedensmiete. Sofern die Schönheitsreperaturen vom Mieter ausgeführt werden, ermä­ßigt sich dieser Prozentsatz auf 78 v. H.

Schlüchtern, den 4. September 1925.

Der Magistrat: Gaenßlcn.

Zur Gefährdung des deutsch-russischen Handelsvertrages.

Von besonderer Seite wird uns geschrieben:

Durch die Presse geht die überraschende Nachricht, daß Moskau neuerdings der dort weilenden deutschen Handels- kommission gegenüber eine Reihe notorisch unannehmbarer Forderungen erhoben habe, die die Gefahr des Abbrüche der Verhandlungen nahelegen. Diese Haltung wird in der deutsche»» Presse allgemein auf die Politik einer Pression auf Deutschland, um dieses in zwölfter Stunde vor dem AbschlußdesSicherheitspaktszurückzuhalten, zurückgeführt.

Diese Deutung scheint durchaus wahrscheinlich. Erinnert man sich doch des offenen Briefes des Herrn T s ch i t s ch e - r i n an Professor Ludwig Stein, in bem der russische Außenminister Deutschland vor dem Eintritt in ben Völker­bund warnte. Daß die Stellungnahme der Sowjetre- gierung seither trotz Radeks jüngster versöhnlicher Er­klärung im Grunde dieselbe geblieben ist, haben die Auslassungen der Sowjetpreffe wiederholt bewiesen. Der tiefste Grund dieser Stellungnahme ist der: Sowjetrußland, das sich inmitten der europäische»» Staatenwelt ohnehii» vollkommen isoliert fühlt, will nicht ben letzte»»Bundes­genossen" verlieren. Denn nicht anders deuten die Sowjet­politiker im Widerspruch mit der historischen Wahrheit den Rapallo-Vertrag, als sei durch diese»» Deutsch­land mit Sowjetrußland auf Gedeih und Verderb ver­bunden. In Widerspruch mit der historische»» Weisheit, sage»» wir, denn eine solche Deutung des Rapallo-Vertrages ist natürlich ganz einseitig und die Schöpfer dieses Vertrages suchten wohl eine Annäherung, vor allen wirt­schaftlicher Natur, an Sowjetrußland, wollte»» aber dadurch keineswegs Deutschland die Wege nach dem Westei» verbauen. In dieser Beziehung erinnert der Rapallo-Ver­trag durchaus an die Rückversicherungs-Politik Bismarcks.

Die Schwenkung in der Haltung der Sowjetregierung darf inbeffen keineswegs tragisch genommen werden. Wie gesagt, es ist ein P r e s s i o n s v e r s u ch. Und sollte es selbst zum Abbruch der Handelsvertragsverhandlungen fommen sobald die Sowjetregierung sich von Deutsch­lands Festigkeit überzeugen wird, wird sie die Verhand­lungen, binnen kurz oder lang, wieder ausnehmen. Dazu ist nicht nur die Bedeutung der deutschen Industrie 31t groß, sonder»» auch die Sowjetrußland deutscherseits be- wiesciie EcschäftsWUüw» fvüif>- M« jenes irgendwo anders gefunden hat.

Tagung deutscher Chemiker in Nürnberg.

Nürnberg, 3. Septeinber. Gestern abend wurde in Nürn­berg die Tagung des Vereins deutscher Chemiker, an der übe* LOGO Personei» teilnehmen, eröffnet^

Ein russischer Schritt zur Regelung der Schuldenfrage.

Paris, 3. September. Wie dieJournse Industrielle" mitteilt, soll der Sowjetbotschafter ant Quai d'Orsav ein Me­morandum überreicht haben, in dem die russischen Grundsatz« und einige konkrete Vorschläge für die Regelung der russischen Schulden enthalten fein sollen. Nach Prüfung burd) den Ministerrat wird es von den Sachverständigen bearbeitet werden,

Das Aeichsschulgesetz.

Zur Bekenntnisschule.

Die Berliner Presse ist in der Lage, einen Auszug aus dein Entwurf eines neuen Reichsschulgesetzes zu veröffent­lichen, der den Reichstag in der bevorstehenden Tagung be­schäftigen wird.

Im § 5 des Gesetzentwurfes wird über die Bekenntnis­schule gesagt, daß die gesamte Unterrichts- und Erziehungs­arbeit getragen sein müsse von dein Geiste des Bekenntnisses, für welches sie bestimmt sind. Die Einführung von Lehr- und Lernbüchern für den Religionsunterricht hat im Benehmen mit der betreffenden Religionsgesellschaft zu erfolgen. Auch die Zahl der Unterrichtsstunden und der Lehrplan hierfür ist im Einvernehmen mit der Religionsgesellschaft festzusetzen. Lehrern, deren Tätigkeit den Vorschriften zuwiderläuft, ist erforderlichenfalls der Unterricht an der Bekenntnisschule ab- zunehmen. Nach § 15 des Entwurfes genügt ein Antrag mit 40 Unterschriften von Eltern oder Erziehungsberechtigten schulpflichtiger Kinder zur Einrichtung einer Bekenntnis­schule. Abschnitt 3 des Entwurfes beschäftigt sich mit der. Handhabung des Religionsunterrichts in den Volksschulen. § 25 bestimmt, daß der Religionsunterricht ein ordentliches Lehrfach ist. Den Religionsgesellschaften ist ausreichennd Ge­legenheit zum Beschluß eines Religionsunterrichts zu geben. Bei Beanstandungen hat sie das Recht, die betreffenden Lan­desregierungen zur Abhilfe aufzufordern. In den örtliche»» Schulverwaltungen sollen Vertreter der in Frage kommenden Religionsgelellschasten Sitz und Stinime erhalten.

Die österreichische Anschlußsrage.

Große politische Aussprache im Nationalrat.

Bci Beginn der ersten &fung des österreichischen Budget- voranscylags für 1926 übte der sozialdemokratische Führer Dr. Otto Bauer scharfe Kritik an der Regierungspolitik und legte ein neues Bekenntnis für den Anschluß an Deutschland ab. Hinter dem System von Vorzugszöllen, das Mataja in Genf anftrebe, verberge sich der Plan jener engeren Ver­bindung Oesterreichs mit ben Nachfolgestaaten, durch den Mataja die Scheidewand zwischen Oesterreich und Deutsch­land verschärfen und verewigen wolle.

Wir glauben, erklärte Bauer weiter, daß die Regierung vor den Völkerbundsrat treten und sagen müßte: Wir Hai en genug von Beratern, Expertisen, Kontrolleuren, Wohlwollen und Hilfe. Wir brauchen das alles nicht. Wir brauchen nur eins: Gebt uns die Freiheit wieder, die man uns jetzt geraubt hat. Gebt uns, tvozu wir im Artikel 88 des Friedcnsvertrags die formelle Möglichkeit haben: das Sclbstbestimmungsrecht, damit wir uns selbst entscheiden sönnen, ob wir dieses Lebe»» der Not und Unfreiheit weiterführen oder unsere Zukunft innerhalb der großen deutschen Republik suchen sollen.

Die Masse der Christlichsozialen ist ebenso begeistert für den Anschluß an Deutschland wie die Sozialdemokratie. 9mr die Regierung ist anderer Meinung. Der großdeutsche Redner Dr. Hanipel verwies auf die schweren kulturellen und wirt­schaftlichen Bedrückungen, die sich die Deutschen in der Tschecho­slowakei, in Tirol und Jugoslawien gerade in lctzetr Zeit wieder bieten lassen mußten und ersuchte die Regierung, auf die endliche Einhaltung des vom Völkerbund konstruierten Minderheitenschutzrechts in Genf zu bringen. Letzten Endes müsse auch dem deutschen Volke so wie den ander»» Völkern fein Sclbstbestimmnngsrecht zugesprochen werden, das für uns fremde Hilfe durch den Anschluß an das Mutterland entbehrlich machen wird.

Primo oe Rivera über den Marokkokrieg.

Madrid, 3. September. In einem Artikel in der Zeitschrift der Kolonialtruppen, die in Ceuta erscheint, erklärt General Primo be Rivera:Ich bin nieinals geneigt gewesen, das ruarokkanische Wespennest anzurühren, aber Abd el Krims Vor- gehen hat mich gezwungen, der Gefahr des Boschetvismus' vor- zubeugen. Genau wie bei Waldbränden wurde auch hier das einzige wirksame Mittel, die Herstellung einer isolierten Zone, angewendet. Darin erblickt Spanien seine vorläufige ?(rbcit. Erst die kommenden Generationen haben die Aufgabe, die Le­bensbedingungen innerhalb des marokkanischen Gebietes um- zugestalten."

DieShcnandoah" zerstört!

New Aork, 3.Septcmbcr. Das LuftschiffShenandoah" wurde heute bei Cumberland im Staate Ohio Vom Sturm zu Boden geschlendert und vollständig zerschmettert. Zwei Mitglieder der Besatzung Würben getötet und sieben verletzt. Nachdem das Luftschiff bereits seit einer halben Stunde vergebens zu landen oder seine Fahrtrichtung wieder zu gewinnen suchte, wurde es Plötzlich vom Sturm buchstäblich in zwei Teile gerissen. Die eine Hälfte stürzte zu Boden, während die andere von» Orkan Weitergewebt wurde. Der Oeffeutlichkcit Amerikas bemächtigte sich nach Bckanntwcrden des Unglücksfalles, beffen Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitete, ungeheure Erregung. Das Marineministerium in Wcishingtoi» gibt den Unfall bereits in einer amtlichen Erklärung bekannt.