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Schlöchtemer Zeitung Kreis-KmtsblM * Myememev amtlicherKnzeiyevfirr Kar Kreis Schlüchtem druck und Verlag: g. Steinfrtd Söhne * ScsthöstsfkBahlchofstr.ö * sernspertitr.^ * ZYoststheckk: ^mnkpwtaM-rrsyo

Nr 120

Donnerstag, den 8. Oktober 1925

77. Aahrg.

Gefährliche französisch-englische Stimmungsmache.

Kaum hat die Konferenz von Locarno begonnen, so macht sich auch schon die alliierte Presseregie mit all ihrer Geschicklichkeit und Gefährlichkeit bemerkbar. Der heitere Auftakt am Montag ist tüchtig zur Stimmungsmache für die Konferenz ausgenutzt worden. Die Londoner und die Pariser Blätter betonen mit geradezu auffallendem Eifer den guten Willen Briands, zu einer Verständigung mit Deutschland zu kommen. In einigen Blättern kommt aber der Standpunkt der Alliierten mit einer Schärfe zum Ausdruck, die im Hinblick auf die starke Betonung des Friedenswillens in Locarno geradezu frappiert. Der Sonderberichterstatter desMatin" also eines Blattes, das wiederholt die Meinung der amtlichen französischen Kreise wiedergibt meldet aus Locarno, daß die Frage des Artikels 16 des Völkerbundsstatuts, ebenso wie die der französischen Garantie in den östlichen Schiedsverträgen, eine ernste Diskussion herbeiführen würden. Im ersten Punkt will der Berichterstatter schon die Symptome einer Annäherung sehen. Die deutschen Vorbehalte in dieser Frage könnten zum Gegenstand von Verhandlungen zwi­schen dem Völkerbund und Deutschland gemacht werden. Das bedeutet nichts anderes, als daß diese Frage in Locarno nicht geregelt werden, sondern erst nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund aufgerollt werden soll. Hinsichtlich der von Frankreich geforderten Garantie für die östlichen Schiedsverträge stellt der Berichterstatter es so hin, als ob darin der französische Standpunkt ganz unabänderlich sei. Die französische Garantie soll sogar die gleiche Gestalt wie bei dem Schiedsvertrag zwischen Deutsch­land und Belgien erhalten, d. h. Frankreich soll das Recht haben, bei einer Verletzung der östlichen Schiedsverträge sofort gegen Deutschland zu marschieren. Zu den erwarteten Rückwirkungen hinsichtlich des Saargebietes und des Be- fatzungsregimes erklärt der Berichterstatter, daß hier große Schwierigkeiten beständen. Das Saargebiet werde nämlich vom Völkerbund Verwaltet unb eine Anbänderung HM Rheinlandregimes hänge ganz von der Entwaffnungsfrage ab. Die französischen Minister könnten nur sagen, bag der Sicherheitspakt einen außerordentlichen moralischen Wert habe und den Anfang einer neuen Aera bedeute, welche zwangsläufig zu einer Entspannung führen müsse. Deutschland soll also die schweren Opfer, die der Sichcr- Heitspakt mit sich bringt, ohne reale Gegenleistung auf sich nehmen und mit Vertröstungen auf die Zukunft ab­gespeist werden.

In die gleiche Richtung dieser Stimmungsmache fallen auch Berichte des Sonderkorrespondenten der Londoner Morningpost". Auch er schreibt, daß Briand zu bedeut­samen Zugeständnissen bereit sei. Hiernach soll Briand den Deutschen versprochen haben, daß Frankreich den icßi- gen Charakter der Rheinlandbesatzung abändern, die Zahl der Beamten im Saargebiet bedeutend vermindern, der Räumung Kölns zustimmen und sogar mA der Abstimmung im Saargebiet und einer Herabsetzung der dortigen Poli­zeikräfte sich einverstanden erklären werde. Auf der ande­ren Seite und nun kommt die Kehrseite der Medaille fordere Frankreich, daß Deutschland einen Schiedsgerichts­vertrag mit Polen abschließt, daß die Grenzen nicht gewaltsam abgeändert werden dürfen und man höre und staune daß Deutschland den Danziger Kornloc garantiert. Auch mit der Tschechoslowakei solle Deutsch nd einen solchen Vertrag abschließcn, während Frankrercv un Recht auf Unterstützung der östlichen Vasallen behalt ich dies bedeutet nichts anderes, als daß Frankreich all wine Forderungen durchdrückt und Deutschland hinsichtlich des Danziger Korridors noch über das bisher Verlangte hu aus verpflichtet, während Deutschland gewisse Erleichtern. >m im Saargebiet und am Rhein versprochen werden, die man bei einem Sicherheitspakt geradezu als selbstvcrstanbllchn Folgerungen bezeichnen muß. Diese Methode alliierte Verhandlungspolitik ist man leider seit der Rachkmegs- politik zu sehr gewohnt. Es muß von vornherein mit aller Klarheit und Bestimmtheit festgestellt werden:

Was man durch die französische Propaganda als fran- lösische Zugeständnisse an Rhein und Saar hinzustellen versucht, sind keine Zugeständnisse, Ändern vertraglich festgclcgte Selb st»erst andlich- feiten. Was man von französischer Seite ?" Oegen- fordcrungen aufzählt, sind Dinge, die mit den letzt begon­nenen Westtpaltverhandlungen nichts sutunhabenund im Übrigen für Deutschland ganz außerhalb des Verhand lungsbereiches liegen. Deutsch!and w -d Frank- reich als Garant etwa abzufch!i ßen -r Osts ch i e d s v e r t r äge mein al 5 anet k c n n e n , und es wird sich niemals " lassen ben Korridor als eine fllr alie Ze i te n fcst st ehende T a ts a che zu b e trächten. Sollte Frankreich tatsächlich mit derartigen Forde­rungen auf der Konferenz.auftreten, so wird es auch d^c Verantwortung für das Scheitern der Konferenz auf sich zu nehmen haben.

Sturm im Feldlager der Krimflieger.

Theobofin ß Oktober. Das Feldlager der Krimflieger ist dnrch^Stiir>n'fast vollständig zerstört worden. N^ Zelt und die deutschen Flugzeuge sowie ein Esche» ^ * ; fünf Flunreuaeii blieben unversehrt. Alle übrigen russtscyen SScÄ DeL Wettbewerb güt weiter.

Am den Sicherheitspakt.

Günstige Stimmung in Locarno.

Die Arbeitsmethode, die die Staatsniänner bei ihren Be­ratungen in Locarno einzuschlagen beabsichtigen, darf als recht glücklich bezeichnet werden. Das Fortschreiten von leichteren zu den schwierigeren Problemen ist geeignet, von vornherein eine Atmosphäre der V e r st ä n d i g u n g zu schaffen, die sonst nur schwer erreichbar wäre, wenn sofort mit den schwierigsten Problemen begonnen worden wäre, über die eine Einigung erst langsam erzielt werden kann.

Es war ein guter Gedanke, die Sachverständigen bereits am ersten Tage zu einer Besprechung zusammenkommen zu lassen und ihnen als leicht zu losende Aufgaben diejenigen Paragraphen des Londoner Sachvcrständigenprotokolls zu einer neuen Beratung zu überweisen, bei denen es sich nur um formale Fragen und um neue Fassungen handelt. So ist es denn zu begrüßen, daß der Konferenz am Dienstag bereits eine Einigung der Juristen über die erste ihnen zugewiesene Auf­gabe vorliegen wird. Der nächste Schritt wird bereits etwas schwieriger sein, denn es handelt sich hierbei schon um Gegen­stände politischer Natur, die aber keinen grundsätzlichen Charakter tragen.

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Presseempfang bei Chamberlain.

Der englische Außenminister Austen Chamberlain empfing die in Locarno anwesenden Pressevertreier des Aus­landes. Der Minister wies zunächst auf die starke Beteiligung der Presse hin, durch die das große Interesse der gesamten Ocffentlichkcit an der Konferenz gekennzeichnet werde. Die Vertreter von mehreren Nationen seien in Locarno zusammen­gekommen, um die Versöhnung der G e i st c r in ge­meinsamer Arbeit herbeizuführen. Der Presse falle hierbei eine erhebliche Mitarbeit zu. Die Konferenz zeichnet sich durch eine Atmosphäre guten Willens aus.

Aus den gestrige» Erklärungen der deutschen Vertreter hätte er denselben guten Willen herausgelesen, der ihn selbst beseelt. Er begrüße es, daß nach den gestrigen Erklärungen des Herrn Stresemann die Berliner Verhandlungen mit Tschitschcrin keinesfalls diese Konferenz belasten. Er stimme der deutschen Regierung zu, die die Pflicht gehabt habe den russischen Außen­minister zu empfangen, zumal dadurch die Entwicklung der Ostfragen gefördert worden sei.

Chamberlain unterstrich ferner die Bedeutung der Tat­sache, daß so kurz nach dem Abschluß eines Völkerringens die führenden beiderseitigen Staatsmänner sich zu einer freund

Kicken Besprechung zusammenfänden. Zweck und Aufgabe

Differenz sei es, die Bitternis des Krieges unter den Böltern zu beseitigen, die durch den Krieg hervorgerufenen Leiden zu beheben und die Versöhnung unter den Nationen anzubahnen.

Verschiebung der Vormittagssitzung in Locarno.

Die für Dienstagvormittag angesetzte Sitzung der Konfe­renz ist verschoben worden. Von zuständiger Stelle wird dazu folgende Mitteilung ausgegeben: Die Verschiebung der Tums- tags-Sitzung von vormittags auf nachmittags ist wegen einer leichten Indisposition des Ministers Dr. Stresemann erfolgt, die auf die Auswirkung des Klimawechsels zurückzusuhren sein dürfte und voraussichtlich am Dienstag behoben sein wird.

Der Gang der Verhandlungen.

Die juristischen Sachverständigen sind erneut wieder zu- sammcngetrcten, um die Beratungen über die in der ersten Vollkonferenz von verschiedenen Seiten eingereichten Vorschläge fortzusetzen. Ueber den genaueren Inhalt dieser Beratungen wird Stillschweigen bewahrt.

Neben der Juristcnbciprcchung wurden auch noch interne Beratungen innerhalb der deutschen Delegation abgchallen. Namentlich hatte der Reichskanzler eine längere Besprechung mit dem Außenminister. Eine Verzögerung des Verlaufes der Konferenz wäre also durch die Erkrankung Dr. Sircsc- manns nicht cingctrctcn, da man die Zusammenkünfte der Experten und der Hauptdelcgicrtcn zeitlich umgekehrt hat. Es ist also anzunehmen, daß man sehr schnell in die Materie selbst hineinkommt. Schon die Beratungen der Juristen haben bereits harte Realitäten berührt.

Die juristischen Sachverständigen erzielten am Dienstag vormittag in ihrcnBesprcchungcn eine so weitgehende Einigung in allen ihnen zur Beratung vorgelegten Fragen, daß der Kon­ferenz der Minister nur noch übrig bleibt, diese Einigung feft- 'nstcllcn^

Daily Telegraph" über den Gang der Konferenz.

Der Sonderberichterstatter desDaily Telegraph" sagt, aus Gesprächen, die er mit verschiedenen Außenministern geführt habe, ersehe er, daß es an gutem Willen nicht fehle. Zur Frage von Deutschlands Ostgrcnzeu, mit anderen Worten Polen, könne eil positiv erklären, daß der britische Außenminister fest auf seinem Standpunkt verharre, keinerlei neue Garantien bezüglich Polens außer den in dem Artikel 16 der Völkerbundssatzung enthaltenen zu geben, die auf alle Alitglieder des Völkerbundes Anwendung finden. Man hoffe, daß eine Vereinbarung über den westlichen Pakt erreicht und ein klarer Fortschritt in der Richtung auf Her­stellung von Schiedsverträgen zwischen Deutschland und seinen Nachbarn Polen und der Tschechoslowakei erzielt werden würde.

14 Mitglieder der französischen Abgeordnetenkammer iverocn aus Einladung des polnischen Sejm am 9. Oktober eine Studien­reise nach Polen unternehmen.

Die Kapitalssrage.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht äußerte sich in Karls­ruhe vor den Mitgliedern der Regierung und Vertretern der Wirtschaft, der Kommunen u. a. über Wirtschaftsfragen.

Einleitend betonte der Redner, daß an ein Wiederaufleben der Inflation schon wegen der bestehenden währungs- politischen Gesetze nicht zu denken sei, die genau das Maß der Deckung vorschreiben. Die gegenwärtige Teuerung sei eine allgemeine Erscheinung in der ganzen Welt. Der Redner unterstrich nachdrücklich, daß die Goldwährung in Deutschland absolut gesichert sei. Heute handle es sich in erster Linie um die K a p i t a IS f r a g c.

Die erforderlichen Mengen an Gold und Devisen könnten der Reichsbank nur aus der effektiven Produktion zugeführt werden.

Die gegenwärtige Lage charakterisiere sich folgendermaßen: Wir haben in Deutschland einen riesenhaften P r 0 d uk - tio nsappa rat, dem es aber an dem nötigen Cei fehlt, um ihn in Betrieb zu erhalten. Wir werden uns von bent Ge­danken freimachen müssen, als ob das Ausland ein weit­gehendes Interesse daran hätte, die deutsche Wirtschaft wieder aufzubauen, und daß es uns schrankenlos Mittel zur Ver­fügung stellt.

Der Redner zerstreute dann die Befürchtungen vor einer Ueberfremdung der deutschen Wirtschaft. Wünschens­wert sei das Hereinbringcn ausländischen Geldes in Form der Kapitalbeteiligung. Die Agrar- und Exportwirt- schoft werde der ausländischen Kredite vorerst nicht entraten können. Aber darüber hinaus müsse man sich in der Inan­spruchnahme von ausländischen Krediten im Interesse unserer Währung die größte Selbstbeschränkung anferlegen. Dr. Schacht erklärte in diesem Zusammenhang, daß er dasPum­pen" der Kommunen tm Auslande aufs schärfste mißbilligen müsse. Wenn jemand berechtigt sei, zu ausländischen Krediten zu greifen, dann sei das eben die Wirtschaft. Reich, Länder und Kommunen könnten nicht bestehen ohne eine eristcnzfäbige Wirtschaft.

Der Redner verteidigte dann die in allen Wirtschaftskreisen M'V entpfutibene rigorose Halmng der Rcichslurnk und tagte, ine Reichsbank scheide als Kapitalquelle vollständig aus. Es sei ganz ausgeschlossen, daß man die Notenpresse in Bewegung setzt, um der Wirtschaft für den Augenblick zu helfen. Dr. Schacht erklärte, daß er sich unter allen Umständen weigere, zu einem solchen Mittel zu greifen, da dadurch das Vertrauen des Auslandes verloren ginge und die angebahnte Wiedercin- fügung in die internationale Wirtschaft in Frage gestellt würde.

Dr. Schacht befaßte sich dann mit der Organisation der Verteilung der Jnlandsgelder. Die Neuregelung der Verwendung der öffentlichen Mittel sei zu begrüßen. Man sollte sich jetzt envlich entschließen, die Gelder langfristig ans- zuleihen, da dadurch die Lage am Kreditmarkt ungemein er­leichtert werde. Der Redner bezeichnet die Tatsache als schäd­lich, daß die deutsche Industrie sich mit außerordentlich großen Beständen an Rohmaterial, Halb- und Fcrtigfabrikatcn cin- gedcckt habe, während man selbst in Amerika nur Vorräte für höchstens acht Tage auf Lager lege.

Nach Behandlung allgemeiner Wirtschaftssrageit stellte dann Dr. Schacht zusammenfassend folgende Richtlinien auf: Auslandskredite für die notwendigsten produktiven Zwecke, Nutzbarmachung der vorhandenen Jnlandskraft in vernünf­tigerer Weise als bisher und größte Sparsamkeit auf allen Gebieten, um die Kapitalansammlung zu steigern, enblidt von Staats- und Verwaltungsseite stärkste Schonung der Wirt- «und Beschränkung "der öffentlichen Ausgaben. Nur da- werde es Deutschland möglich sein, auf dem vorhandenen Kulturniveau weiterzuarbeiten.

Der Reichsbankpräsident begrüßte es, daß in den letzten Monaten an die Stelle der Gewalt die vernünftige Ueber» legung getreten sei. Ein Volk von der Bedeutung Deutschlands könne nicht auf ein niedriges Kulturniveau zurückgeschranbt werden. Die Ereignisse hatten die Welt davon übezeugt daß eine friedliche Zusammenarbeit unter allen Um­ständen notwendig ist.

Der Redner beschäftigte sich dann mit dem Dawes-Plan und erklärte, es sei ganz falsch, wenn man erkläre, die Dawes-Zahlungen könirten nicht geleistet werden. Sie können geleistet iverben, wenn man uns die Märkte der Welt wieder öffnet und nicht verschließt. Es müsse dahin kommen, daß aus Europa ein einziges Wirtschaftsgebiet ge- macht wird- Verkehrt seien die Wege der Oststaaten, eigene Wirtschaftsgebiete zu schaffen und sich mit hohen Zollschranken zu umgeben. Wir müssen den Gedanken der europäischen Wirtschaftsunion aus uns heraus in die Welt tragen. Er ivirb nicht erfolglos bleiben. Eine breitere Voraussetzung für die Durchführung des Dawes-Planes ist die Wiedererlangung von Kolonien ziveckS Besä-affung von Rohstoffen.

Recchstagung des Zentrums.

Paderborn, 6. Oktober. Der Rdichsparteivorstand der deutschen Zentrum°partei, der unter dem Vorsitz des Reichs- kanzlerS a. D. Marx hier zusammengetreten ist, beschloß, den Reichsparteitag des Zentrums am 16. und 17. November dieses Jahres in Kassel stattfinden zu lassen.

Die Tragödie in der Bottnischen Bucht.

Berlin, 6. Oktober. Wie der Lokalanzeiger aus Kopen­hagen meldet, steht jetzt fest, daß das finnische Torpedoboot S. 2" mit seiner 53 Mann zählenden Besatzung in der Bott- nischen Bucht mit Mann und Maus untergegangen ist. Die Lotsen von Raessö beobachteten den Untergang vonS. 2". Eines der Rettungsboote vonS. 2" wurde hei Björneborg anactrieben.