SchlWemerFMW
Kreis-Kmtsbtatt * Myememev amtlich erKrrzeiyer für tot Kreis Ächtüchtem
tauft unt vertag: Y. SttüftÄd Söhne* SesthöstsfkNahnhofstr.S * ftrnspr.lllr.W * poststh«kk:PmnkftwtaM.r)ryo
Rr. 130 (1. Blatt) Samstag, den 31. Oktober 1925
77. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 8716. In letzter Zeit ist es häufiger vorgekon» inen, daß Papierdrachen sich in den elektrischen Hochspannungsleitungen verfangen und dadurch Unterbrechungen in der Elektrizitätsversorgung hervorgerufen haben.
Die Herren Bürgermeister und die Herren Lehrer ersuche ich, besonders die Schuljugend darauf hinzuweisen, daß das Berühren der Hochspannungsleitungen mit Drachen nicht allein Betriebsstörungen verursacht, sondern auch mit Lebensgefahr verbunden ist.
Schlüchtern, den 26. Oktober 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 8770. Für die bevorstehende Unterrichtsperiode der ländlichen Fortbildungsschulen bestimme ich den 16. Nov. d. Js. als Anfangs- und den 20. März 1926 alö Endtermin. Die Zahl der gesamten Unterrichtsstunden wird sonach in den Schulen mit 6 wöchentlichen Unterrichtsstunden 96 und in den Schulen mit 4 wöchentlichen Unterrichtsstunden 64 betragen. Diese Stundenzahl ist möglichst einzuhalten. Die Herren Bürgermeister werden auf Veranlassung des Herrn Regierungspräsidenten erneut darauf aufmerksam gemacht, daß die Gemeindebehörden nicht befugt sind, ohne Genehmigung der Aufsichtsbehörde den Unterricht in der Fortbildungsschule auszusetzcn oder zeitweise ausfallen zu lassen.
Schlüchtern, den 26. Oktober 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 8988. Die Ortspolizeibehörden werden ersucht, die Eltern der im Jahre 1924 geborenen und noch nicht geimpften Kinder, nochmals darauf aufmerksam zu machen, daß alle Kinder vor dem Abläufe des auf das Geburtsjahr folgenden Kalenderjahres geimpft werden müssen.
Alljährlich wird die Unterlassung der Impfung ei^ immer größeren Anzahl Kinder damit entschuldigt, daß die Kinder zur Zeit der Impfung krank gewesen seien, ohne daß ärztliche Zeugnisse darüber vorgelegt werden können. Solche mündlichen Entschuldigungen sind aber nach den gesetzlichen Bestimmungen kein ausreichender Grund für die Unterlassung der Impfung und es müssen deshalb in Zukunft in allen solchen Fällen die Strafvorschriften des Jmpfgesetzes zur Anwendung kommen.
Schlüchtern, den 26. Oktober 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 8717. Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 29. Juli ds. Js. Nr. 6161 — Schlücht. Ztg. Nr.-91 mache ich darauf aufmerksam, daß die dem Reichsverband für Waisenfürsorge in Magdeburg unter dem 6. April ds. Js. K. W. 380 erteilte Erlaubnis zur Sammlung von Geld- und Sachspenden sowie zur Werbung von Mitgliedern Und Helfern in vollem Umfange mit sofortiger Wirkung widerrufen worden ist.
Schlüchtern, den 27. Okt. 1925. __Der Landrat. I. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
J.-Nr. 5560 K. A. Gemäß § 104 Ziffer 1 der Wahlordnung für die Kreistagswahlen vom 14. Okt. 1925 sind von mir in den Wahlausschuß für die Wahl zum Kreistag des Kreises Schlüchtern berufen worden:
a) als Mitglieder:
1. Steuerinspektor Crull in Schlüchtern,
2. Oberstraßenmeister a. D. Lüders in Schlüchtern,
3. Gerichtsvollzieher a. D. Monzel in Schlüchtern,
4. Schreiner Martin Größer in Schlüchtern,
b) als Stellvertreter:
1. Bautechniker Chr. Herm. Philipp!, Schlüchtern,
2. Sattlermeister Philipp Denhard in Schlüchtern,
3. Gastwirt Gustav Ebcrt in Schlüchtern,
4. Installateur Karl Schleicher in Schlüchtern.
Schlüchtern, den 27. Oktober 1925.
Namens des Kreiöausschusscs. Der Vorsitzende, von Trott zu Solz.
SemeinbercAnung betreffend.
J.-Nr. 5615 K. A. Diejenigen Herren Bürgermeister der Landgemeinden, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 10. August 1925 — J.-Nr. 4193 K. A. (Kreisblatt Nr. 97) betreffend: Einreichung der Gemcinde- rechnung für 1924/25 im Rückstände sind, werden hieran nochmals mit 8tägiger Frist erinnert.
Schlüchtern, den 29. Okt. 1925. ____Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
Stadt Schlüchtern^
Polizeiverordnung.
Auf Grund des $ 143 Abs. 1 des Gesetzes über die Allgemeine LandeSverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S.
S. 195), der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiver- walrung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. Sept. i!867 (G. S. S. 1529), des § 3 23 der Verordnung über Kraftfahrzeugverkehr voiu 15. März 1923 und 18. April 1924 (R. G. Bl. S. 175 ü. 413) sowie des Artikels III der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 (R. G. Bl. S. 44) wird mit Zustimmung des Magistrats für den Bezirk der Stadt Schlüchtern folgendes verordnet:
§ 1. Das Fahren mit Wagen (auch Handwagen), Kraftfahrzeugen einfchl. Motorräder, Schlitten und Fahrrädern sowie das Reiten ist verboten:
auf den mit Warnungstafeln versehenen Fußwegen zum Bahnhof und zum AeiSbrunnen, sowie auf dem AciSbrunnen selbst.
$ 2. Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 150 M., im Unvermögensfalle mit entsprechender Haftstrafe bestraft.
§ 3. Diese Verordnung tritt init dem Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft.
Schlüchtern, den 25. Juni 1925.
Die Polizeiverwaltung, gez. Gaenßlen.
Wird veröffentlicht.
Schlüchtern, den 28. Oktober 1925.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Oeffentliche Mahnung.
An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Oktober 1925 an die Stadtkasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern noch nicht gezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.
Eine Einzelmahnung erfolgt nicht.
Bei Meidung zwangsweiser Einziehung sind sofort folgende Steuern zu zahlen:
GrundvermögenSsteuer mit Stadtzuschlag, , Hauszins- steuer, Gewerbesteuer (nach Ertrag), Gewerbesteuer (Vorauszahlung nach Kapital).
Die einzelnen Steuerzettel sind zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vorzu- legen.
Schlüchtern, den 28. Oktober 1925.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Bekanntmachung
Auf Grund des Artikel 1 der Verordnung über Sonntagsruhe im Handelsgewerbe vom 5. 2. 1919 wird am Sonntag, den 1. und 8. November d. Js. die Offenhaltung der Ladengeschäfte von vormittags 111/2 Uhr biö nachmittags 11/2 Uhr gestattet.
Schlüchtern, den 28. Oktober 1925.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Die Rot der Landwirtschaft.
Eine Erklärung des Reichsernährungsministers.
Auf der Vertreterversammlung des Reichslandbundes begrüßte der Reichsernährungsminister und Landwirtschafts- mimster Graf Kanitz die Versammelten mit einer Ansprache, in der er betonte, der Landwirtschaft sei mit Krediten allein nicht zu helfen.
Es sei anzuerkennen, daß die in den zwei Notjahren von der Landwirtschaft kontrahierten Schuldvcrbindlichkciten nicht aus dem Ertrag einer Ernte abgedeckt werden könnten. Abgesehen von der Rückzahlung der ersten Rate der Rentenbank- Wechsel zum 15. November, die nicht prolongiert werden kann, würden die Fälligkeitstermine für die übrigen Verbindlichkeiten elastischer gestaltet und prolongiert. Teilzahlungen müßten aber geleistet werden. Der Minister betonte weiter, die Landwirtschaft werde auch weiterhin schweren Zeiten ent- gegengehen. Aber die Reichsregierung werde nicht versagen im Kampf um die Ernährungsbasis des deutschen Volkes.
In seiner Erwiderung erklärte der Präsident, Graf bon1 Kalkreuth, unter lebhafter Zustimmung der Versammlung, die Landwirtschaft würde es lieber sehen, wenn die Regierung weniger Resignation und mehr aktiv" Hilfsbereitschaft zeigen würde. Die Landwirtschaft, der -m Interesse der Volks- ernährung Hemmungen in der fßrex Gattung von oben auferlegt werde, habe ein Recht auf R^gwruugshilfe in Zeiten der Not.
Das neue französische Kabinett.
Paris, 29. Oktober. Die Ministerliste des neuen Pain- levs-Kabinetts zeigt folgende Zusammensetzung: Painlevö: -Ministerpräsident und Finanzen; Briand: Auswärtiges; Chau- temps: Justiz; Schrämet: Inneres; Daladier: Krieg; tu Monzie: öffentliche Arbeiten; Borel: Marine; Durand: Acker- bau; Chaumet: Handel; Delbossc: Unterricht; Morel: Kalo, nien; Anteriou: Pensionen.
Die Bedeutung von Locarno.
Eine große Rede des Kanzlers in Essen.
Im großen Saalbau in Essen hat Reichskanzler Dr. Luther eine große programmatische Rede über die Bedeutung des Abkommens von Locarno gehalten. Er hob darin mit besonderem Nachdruck) hervor:
Das oberste Ziel von Locarno sei aber die Schaffung von Sicherungen für den Frieden. Zu diesem Zweck diene in erster Linie der in Locarno weitestgehend verwirklichte Gedanke des Schiedsverfahrens. Der Reichskanzler gab anschließend eine eingehende Darlegung des Sichcrhcitspaktcs unter besonderer Betonung einzelner, die Ocffentlichkeit besonders interessierender Probleme. Das Schicdsgcrichtsshstcm habe sich in den Erörterungen in London und in Locarno als geeignetes und wirksamstes Mittel zur Sicherung des Friedens bewährt.
Der Kanzler ging dann die einzelnen Artikel des Ab- kommens durch und tarn zu dem Ergebnis, daß ein Erfolg nicht deswegen abgelehnt werden dürfe, weil er nicht alle gehegten Wünsche erfülle.
Der Reichskanzler setzte sich alsdann mit den Einwendungen und Bemängelungen auseinander, welche gegen das Werk von Locarno laut geworden seien, und wies abschließend auf die großen allgemeinen Gesichtspunkte hin, die bei Betrachtung des Werkes von Locarno im Rahmen der Parteipolitik und der Weltwirtschaft in Betracht gezogen werden müßten. Zur Frage der Rückwirkungen unterstrich der Kanzler mit besonderem Nachdruck die Notwendigkeit der Schaffung einer Grundlage, auf der dem schwergeprüften deutschen Volke Vertrauen in die gemachten Zusicherungen und Glauben an den Frieden der Zukunft erwachsen könne. Es bestehe kein Zweifel daran, daß, wenn die Rückwirkungen, insonderheit hinsichtlich der Rheinlandfrage, in dem Sinne behandelt würden, der die logische Auswirkung der Verhandlungen in Locarno darstelle, daß dann eine große Mehrheit des deutschen Volkes dem Vertrag von Locarno zustimmen werde. Zum Schluß rief der Kanzler allen deutschen Parteien zu, daß es sich jetzt nicht ' . ' . "i handele, Polnil im gewöhnlichen Zinne des Wertes zu machen, sondern daß das deutsche Volk jetzt vor geschichtlichen Aufgaben stehe.
Beilegung des Balkankonfliktes.
Wiederherstellung des Friedens zwischen Griechenland und Bulgarien.
In der letzten Sitzung des Völkerbundsrates in Paris gaben der griechische und der bulgarische Vertreter die endgültige Versicherung ab, daß ihre-TruPPen bereits die nötigen Befehle erhalten hatten, sich hinter die Grenze zurückzuzichen.
Der Präsident des Völkerbundsrates, Briand, nahm mit größter Befriedigung zur Kenntnis, daß Bulgarien und Griechenland nunmehr den ersten Teil der Ratsinstruktion ausgeführt hatten. Briand gab der Hoffnung Ausdruck, daß innerhalb der vom Völkerbundsrat festgesetzten Räumungsfrist von 60 Stunden die Truppen tatsächlich zurückgezogen werden würden und er erinnerte an seine Warnung, daß bei einer Nichtbefolgung der Ratsinstruktion bei der Wiederaufnahme des Kampfes strenge Strafen über die beteiligten Staaten verhängt werden müßten.
Kein Mitglu. oes Völkerbundes habe das Recht zu kriegerischen Maßnahmen, selbst, wenn es glaube, im Recht zu sein. Wenn eine Nation bei einem Zwischenfall sich gleich darauf besinnen würde, daß sie Mitglied des Völkerbundes wäre, so könnte die Maschinerie des Völkerbundes sofort in Bewegung gesetzt werden und der sofort berufene Völkerbundsrat könnte unverzüglich beide Teile hören und eine friedliche Lösung ihres Streites suchen. Chamberlain und die anderen Ratsmitglieder begrüßten Briands Erklärung aufs herzlichste. Der Völker- buudsrat vertagte sich darauf.
London und die deutsche Krise.
Allgemeine Enttäuschung.
Die Londoner Beurteilung der deutschen Krise und deren Einfluß auf das Schicksal des Paktes von Locarno wird sowohl an maßgebender Stelle, als auch in Kreisen der Cirv trotz aller Enttäuschung noch nicht für hoffnungslos angesehen. In Regierungskreisen ist man natürlich etwas erbittert. Es hat hier in der Tat die Absicht bestanden, und diese Absicht besteht heute noch, mit der Konferenz von Locarno ein neues Kapitel in der Nachkriegspolitik beginnen zu lassen. Sollte in deutschen Politischen Parteien die Meinung maßgebend gewesen sein, man könne durch eine Gefährdung des Paktes die sogenannten Erleichterunngen beschleunigen oder verbessern, so ocruht dies, wie die englischen Blätter hervorheben, auf einer Verkennung der tatsächlichen politischen Lage. In der Londoner City neigt man ebenfalls zu einem gewissen Pessimismus. Man glaubt indessen/ daß es dem deutschen Kabinett gelingen werde, den Pakt von Locarno trotz aller Schwierigkeiten durchzubringen.
Eine Auszeichnung Ehamberlains.
London, 29. Oktober. Chamberlain hat in Würdigung seiner Verdienste um das Werk von Locarno vom König den Hosenbandorden verliehen erhalten.