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Schlüchtemer Zutuns

Kreis-Kmtsbtatt * Myememer amtlicher Knzeiyer für toi Kreis Schlächtern

Knukun- veelLg: si. Stnnfetö Söhne* Gtscyästsff: Bahnhofstr.6 * Iernspv.Ar.Pt9 * Postscheckk: IvankflWta.M.rrryo

Nr. 132

Donnerstag, den 5. November 1925

77. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

J.-Nr. 9214. Den Herren Bürgermeistern und Guts- vorstehern geht in den nächsten Tagen die Hebeliste über die Landwirtschaflskammerbciträge mit einem Begleit­schreiben der Landwirtschaftskammer in Casscl vom 19. Ok­tober d.. Nr. 10383 zu. Unter genauer Beachtung der Ziffern 19 dieses Schreibens ist das Erforderliche sofort zu veranlassen; insbesondere ist dafür zu sorgen, daß die Beiträge, sowie die Hebelisten pünktlich an die Landwirt­schaftskammer eingesandt werden.

Schlüchtern, den 2. November 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

Auszug aus dem VolKswohlfahrtsblatt

vom 1. August 1925, Nr. 15, Seite 292.

Erlaß vom 7. Juli 1925, betr. Medizinalstatistik und Stan­desämter I. M. IV 1660/25, Ib 200 M. d. I.

Aus den Berichten mehrerer Regierungs-Präsidenten ha­ben wir ersehen, daß die Aufhebung meines Erlasses vom 28. November 1921 I. M. IV 2563/21, betreffend Zu­stellung statistischen Materials seitens der ^Standesämter an die Kreisärzte, vielfach bedauert wird, weil seine Durchfüh- rung den Kreisärzten die Möglichkeit bot, sich durch eine regelmäßige und rasche Uebermittlung eines genauen voll­ständigen medizinalstatistischen Materials ein klares Bild über Bevölkerungsvorgänge zu machen und die von ihnen verlang­ten Angaben über gesundheitliche Verhältnisse und fürsocge- rische Maßnahmen statistisch zu belegen, andererseits die Er­füllung der gesetzlichen Meldepflicht, die erfahrungsgemäß besonders bei Todesfällen an übertragbaren Krankheiten zu wünschen übrig läßt, zu kontrollieren. DaS an Stelle dieses Erlasses durch Erlaß vom 17. November 1922 I. M. IV 2341 angeordnete Verfahren befriedigt nicht, da die von*. Statistischen Landesamt den Kreisärzten zugehendeu-B teljahröübersichten nur summarisch Zusammenstellung enthal­ten, boten Einzelheiten, wie sie der Kreisarzt für die oben angeführten Zwecke benötigt, nicht zu entnehmen sind; auch gehen diese Uebersichten den Kreisärzten vielfach zu spät zu. Eine schnellere Zustellung aber seitens des Statistischen Lan- deöamts läßt sich aus begreiflichen Gründen nicht ermög­lichen.

Um den Kreisärzten die Möglichkeit zu geben, regelmäßig und möglichst schnell in den Besitz eines lückenlosen medi- zinalstatistischen Materials zu gelangen, haben die Standes­beamten, die nach den Ausführungsbestimmungen vom 6. Sept. 1920 zu dem Gesetz über den Personenstand vom 11. Juli 1920 (Min. Bl. f. d. t. Verw. 1920 S. 366) die Zählkarten in zwei Stücken ausfertigen sollen, das zweite Stück der Zählkarte es kommen hier nur die Karten A und C in Frage bis zum 15. jedes ersten Quartalsmo­nats erstmalig am 15. Oktober dS. Js. für daS voran­gegangene Vierteljahr dc^r Kreisarzt zuzustellen. Der Kreis­arzt entnimmt den Zählkarten die notwendigen Angaben für seine Statistik, die nach dem beigefügten Muster aufzustellen ist, und hat die Zählkarten innerhalb vierzehn Tagen dem Standesamt zurückzuschicken.

Ich ersuche ergebenst, das Weitere hiernach zu veran­lassen. Sollten sich hier und da anfangs Schwierigkeiten er­geben, so vertraue ich darauf, daß diese durch ein verständ­nisvolles Zusammenarbeiten der Kreisärzte mit den Standes­beamten überwunden werden. Die näheren Einzelheiten der Durchführung in Großstädten mit eigenem kommunalstatisti- schen Amt und in solchen mit mehreren Kreisarztbezirken wie auch das Bestehenlassen der etwa bisher üblichen Art der Zustellung des fraglichen Materials an die Kreisärzte auch einer monatlichen Zustellung, sofern sie nach den obigen Aus­führungen den Zweck erfüllt stelle ich dein dortigen Er- messen ergebenst anheim.

Um die Portokosten für die Zustellung der Zählkarten möglichst einzuschränken, ist darauf zu halten, daß die Be­teiligten den Gang der Zustellung, etwa durch Boten oder sonst wie bei gelegentlichen Dienstgängen, unter sich verein­baren. Sollte eine solche Portokosten vermeidende Regelung nicht möglich sein, so haben die Standesbeamten gemäß den Erlassen vom 29. Oktober 1920 (Min. Bl. f. b. t. Verw. S. 379) und vom 5. Mai 1924 (Min. Bl. f. d. i. Verw. S. 577) das Porto für die Zustellung an die Kreisärzte, diese das Porto für die Rücksendung an die Standesbeamten zu tragen.

Zugleich im Namen des Ministers des Innern.

J. A.: Dietrich.

J.-Nr. 5606 K. A. Vorstehender Ministerial-Erlaß wird den Herren Standesbeamten der Landgemeinden des Kreises M Kenntnis und Beachtung mitgeteilt. Hiernach finb fortan die zweiten Stücke der Zählkarten A und C (Geburten und Sterbefälle) dem Herrn Kreisarzt in Gelnhausen bis zum

15. jeden ersten Quartalömonatö, d. h. zum 15. April, 15. Juli, 15. Oktober und zum 15. Januar, zu übersenden.

Die Zählkarten für die Zeit vom 1. Juli bis 30. Sep- tember 1925 sind dem Herrn Kreisarzt in Gelnhausen um: gehend zu übersenden, soweit es bisher noch nicht geschehen sein sollte.

Schlüchtern, den 2. November 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses. von Trott zu Solz.

Staatl. Kreiskasse.

An die Gemeindekassen- bzw. Staatssteuer

Hebestellen des Kreises.

Betr. Grundvermögens- und Hauszinsstsner- Rückstände.

Diejenigen Gemeinden, die mit der Ablieferung der Grundvermögens- und Hauszinssteuer, gemäß unserem An- forderungözettcl vom 19. dS. MtS. noch im Rückstände sind, werden dringend ersucht, diese bis zum 12. d. M t s. zu bewirken. Es wird besonders darauf aufmerksam ge­macht, daß am 13. b. M t s. die Reste gebührenpflichtig gemacht und außerdem hohe Zuschläge berechnet werden müssen.

Schlüchtern, den 4. November 1925.

Staatl. Kreiskasse. Schade.

Sie deutschen Gräber in Irankreich.

Allgemeine und würdige Wiederherstellung.

Auf dem Pariser Fricdhof in Bagneux-Montrougc fand vor den deutschen Kriegergräbern eine Gedenkfeier statt, an der außer dem deutschen Botschafter die Mitglieder und Beamten der Botschaft sowie die Mitglieder und Beamten der deutschen Dienststellen in Paris und Vertreter der deutschen Presse teil- nahmen. Botschafter v. Hösch hielt eine Rede, in der er u. a. sagte:

Voriges Jahr konnte ich por Ihnen und mit Ihnen fest- ftellrm, daß die Sonne ffich zu entschleiern begonnen thrtt. Hinue sind wir in der Lage, festzustellen, daß die zarten Hoffnungen, die uns im vorigen Jahre zu beseelen begannen, nicht zuschan- den geworden sind. Wir atmen freier. Der Druck, der jahre­lang aus uns lastet, beginnt zu weichen, und am Horizont zeigt sich uns die Hoffnung, daß Deutschland bald den ihm gebühren­den Platz wieder einnehmen wird im friedlichen Wettbewerb und friedlichen Zusammenwirken der Nationen, zum Heile unseres eigenen Vaterlandes, unseres blutgetränkten Erdteils und überhaupt der ganzen Menschheit

Der Botschafter war ferner in der Lage, anzukündigen, daß von nun an die deutschen Soldatengräber nicht nur in Paris, sondern überhaupt in Frankreich ein möglichst würdiges Aussehen erlangen werden. Es seien Mittel und Wege gefun­den worden, die den Witterungsunbilden so stark ausgesetzten Holzkreuze auf den Soldatenfriedhöfen durch steinerne Gedenk­tafeln zu ersetzen. Er hoffe, daß im nächsten Jahre die deut­schen Gräber bereits im Schmucke der neuen Ausstattung sein werden. Auch der Zustand der großen Gräberfelder in Frank­reich sei durch Kommissionen zusammen mit französischen zuständigen Persönlichkeiten geprüft worden. Man fei bei den französischen Stellen auf Verständnis und Entgegenkommen für die deutscherseits ausgesprochenen Wünsche gestoßen. Leider werde es aber bei der großen Anzahl der Gräber nicht möglich sein, alle so zu gestalten, wie man es wünschen müsse. Aber er hege die Zuversicht, daß unter Mith-lfe der für den Zustand der Gräber verantwortlichen französischen Regierung ein Zu­stand geschaffen werden könne, der, wenn er auch nicht als befriedigend, so doch als würdig bezeichnet werden könne.

^ Eine Rede Dr. Wirths in Chicago. Der frühere Reichskanzler Dr. Wirth erklärte in einer Rede vor der Handelsvereinigung in Chicago, Amerika könne für die Ver- bollkommnung'der Pläne für den Weltfrieden noch viel tun, besonders wenn es den europäischen Ländern entgegen­kommende Bedingungen für ihre Schuldenregelung zugestehe. Die amerikanischen Geschäftsleute forderte Dr. Wirth auf, Europa gegenüber eine großzügigere Haltung einzunehmen.

** Bayern und Locarno. DieBayerische Staatszeitung" teilt mit, daß der bayerische Ministerpräsident Dr. Held sowohl den Führern der Kvnlitionsparteicn wie auch den Führern der Sozialdemokratie, Demokratie und der völkischen Fraktion ausführlich über die Haltung der bayerischen Regierung zu den Locarnoer Verträgen berichtet habe. Das Blatt fügt hinzu, daß aus dieser Darlegung ganz bestimmt zu erkennen sei, welche Stellung der bayerische Ministerpräsident Dr. Held bei der letzten Konferenz der Ministerpräsidenten in Berlin zu den Abmachungen von Locarno eingenommen habe. Zu irgendwelchen Beschlüssen für oder gegen die Abmachungen von Locarno hätte bei dieser Ministcrpräsidentcnzusammen- kunft gar keine Veranlassung bestanden. Sie sei auch von keiner Seite erfolgt. Die bayerische Regierung habe durch den Ministerpräsidenten ihre Ansicht dahin zum Ausdruck bringen lassen, daß eine Stellungnahme zu den Abmachungen erst dann möglich sei, wenn die Rückwirkungen zu erkennen seien und die Zusagen der Alliierten verwirklicht werden. Bis dahin sei die einzig mögliche Haltung: abwarten. Das sei übrigens auch die Meinung der Rcichsrcgierung und fast aller Parteien, vielleicht von der Sozialdemokratie abgesehen.

Painleves Programm.

Im letzten französischen Kabinettsrat haben die Minister die Erklärung über das Finanzprogramm einstimmig geneh­migt. Wie verlautet, wird sie eine ziemlich ausführliche Dar­stellung der Finanzpläne des Kabinetts geben. Der Stelle scheint besondere Bedeutung beigemessen zu werden, in der die Regierung ihre Absicht zum Ausdruck bringt, eineerträgliche" Steuer zu erheben. Die Einzelheiten selbst sind in der Regie­rungserklärung nicht angegeben. Nach dem Kabinettsrat er­klärten verschiedene Minister, daß die sozialistische Parteigruppe höchstwahrscheinlich dem Finanzprogramm der Regierung zu­stimmen wird.

Weiter befaßt sich die Regierungserklärung natürlich sehr eingehend mit den Vorgängen in Marokko und Syrien. Es heißt darin, die kriegerischen Handlungen in Marokko seien so gut wie zu Ende geführt. Die gesamte französische Zone werde von den Truppen beherrscht. Die Sicherung der Grenzen erfordere die Aufrechterhaltung von nur geringen Truppen- abteilungen. Die Entlassung der Soldaten erfolge zu dem vor­geschriebenen Datum. Auf dem Wege der Regierungserklärung wird erneut ein Friedensangebot an Abd el Krim gerichtet. Im übrigen werde der Rifführer die Versicherung erhalten, daß dieses Angebot in keiner Weise durch künftige kriegerische Ereignisse und Erfolge der französischen Waffen beeinflußt tvird. Painlevö hat der sozialistischen Abordnung den Namen des französischen Verbindungsagenten bekanntgegcbcn, der be­auftragt war, sich für den Fall zur Verfügung Abd el Krims zu halten, daß dieser die französischen Vorschläge entgegen­genommen hätte. Die Anregung der Sozialisten, vorher einen neuen Versuch zu wagen, lehnte Painlevö mit dem Hinweis ab, daß ein solcher Schritt der französischen Regierung als Schwäche gedeutet würde und der Feind sich möglicherweise veranlaßt sehe, den Krieg mit neuem Mute fortzusetzen.

In der syrischen Frage wird die Regierungserklärung die Notwendigkeit einer Einschränkung der miliätrischen Besatzung betonen und hervorheben, daß die Selbstverwaltung des Lan­des in weitgehendstem Maße durchgeführt werden foll. Die Regierung werde feststellen, daß es die französische Regierung der einheimischen Bevölkerung überlasse, auf dem Wege der Abstimmung sich zu der Regierungsform zu äußern. Bainlevö fv e -inMngen das Versprechen gegeben, oaß über die letzten Vorgänge eine parlamentarische Untersuchung eingeleitet werde.

Das Primat der Außenpolitik.

Dr. Moldenhauer über Locarno.

Auf einer großen Versammlung der Deutschen Volks Partei in Köln sprach Reichstagsabgeordneter Dr. Moldeu- Hauer über das Abkommen von Locarno. Der Redner betonte dabei mit besonderem Nachdruck:

Ob der Schritt, den wir vorwärts getan, die Opfer lohnt, wird erst dann zu entscheiden fein, wenn wir die Rückwirkungen der Abmachungen von Locarno auf das besetzte Gebiet über­blicken. Bei dieser Frage können wir uns nicht mit leeren Ver­sprechungen begnügen. Wir müssen, ehe wir unsere Entschlüsse fassen, positive Erklärungen von der Gegenseite erhalten. Der Redner betonte, es sei notwendig, etwas mehr Vertrauen zu unserer Delegation zu haben, die aus Gründ vicrzchntägigcr Verhandlungen am ersten in der Lage sei, eine authentische Interpretation zu geben, die für uns wertvoller ist als die ge­hässigen Auslassungen desTc ups". Man spottet über den Geist von Locarno. Wir sind weit davon entfernt, Hetzreden zur Grundlage politischer Arbeit zu machen, aber dieser Stim­mung liegt doch etwas Reales zugrunde, nämlich die gemein­same Not Europas, die die ehe» als feindlichen Staaten zwingt, sich nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet, sondern auch aus Politischem Gebiet zu verständigen, wenn sie nicht gemeinsam dem Wettbewerb des Auslandes und einer neuen sozialen Revo­lution unterliegen wollen.

Wir müssen aber verlangen, daß das Ausland den ver­änderten Verhältnissen mehr Rechnung trägt. Wenn etwa die Verurteilung deutscher Offiziere auf leere Denunziationen hin fortgesetzt wird, so müssen wir darin einen solchen Verstoß gegen das Friedenswerk erblicken, daß die Annahme des Ver­trages uns unmöglich erscheint. Wir bedauern den voreiligen Schritt der Deutschnationalen Volkspartei, der uns außen­politisch schabet und innenpolitisch die mühsame Arbeit der Deutschen Volkspartei zur Zusammenfassung des deutschen Bürgertums zerschlägt. Wir verurteilen es, wenn die Sozialdemokratische Partei ihre Zustimmung zu dem Vertrag von Locarno von der Haltung einer anderen Fraktion ab­hängig macht, trotzdem sie früher bedingungslos Hals über Kopf dem Völkerbund beitreten wollte. Das Primat gehört der Außenpolitik. Die Deutsche Volkspartei wird ihre Stellung­nahme zu dem Vertrag von Locarno nicht abhängig machen von inuerpolitischen Rücksichten, sondern allein von der 7 -t, ob die Annahme bem Vaterland dient.

*< Für die evangelische Bekenntnisschule. In dem Plenarsitzungssaal des früheren Herrenhauses in Berlin wurde von dem Evangelischen Gcjamteltcrnbund und dem Verein der evangelischen Lehrer und Lehrerinnen Groß- Berlins eine Versammlung veranstaltet, die sich mit dem Reichsschulgesetz beschäftigte. Es wurde eine Entschließung angenommen, in welcher jedem Reichsschulgesetzentwurs schärfster Kampf angesagt wird, der nicht der evangelischen Schule vollste Cnlfaltungssreihcit sichert.

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