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Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. 10175. Zufolge Ermächtigung des Herrn Req'«- rungspräsldenten zu Cassel, wird an den beiden letzten Sonntagen vor Weihnachten ds. Js. und zwar am 13. und 20. Dezember der Gewerbebetrieb in offenen Ver­kaufsstellen bis zu 8 Stunden jedoch nicht über 6 Uhr nachmittags hinaus freigegeben und gleichzeitig die Be­schäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern mit der Maßgabe zugelassen, daß die für den Hauptgottesdienst fest­gesetzten Pause einzuhalten ist.

Schlüchtern, den 2. Dezember 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 4781. Den Ortöpolizstbehörden wi d der ihnen im Mai 1914 von hier übersandte Erlaß des Herrn Mini­sters des Innern vom 23. April 1914 II e 354 betr. Revisionen der Maße und Gewichte in Erinnerung gebracht und dessen genauere Beachtung für die Folge zur Pflicht gemacht.

Schlüchtern, den 3. De-ember 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 10135. Im Monat November. Js. sind nach­

folgenden Personen Jagdscheine erseht worden:

a) Jahresjagdscheine:

Uffelmann, Kasvar, Leinweber, Bellmgs Löffert, Nikolaus. Gastwirt. Gundhelm

Rudzok, Karl, Maschinenschlostw. Schlüchtern Hadermann, Ludwig. Müblenbesitzer. Schlüchtern

Sade, Amtsgerichtsrat. Schwarzmfels

Pössel, Robert, Oberlandmaer, Utt"ichsbausen

Jockel, Kan^ebngestel'ter. Schwarrenfe's

von Trott zu Lolr, Lindrat. Schlüchtem

Dehler, Karl, Landwirt, Schlüchtern

Neumann, Ernst, Oberingenieur, Schlüchtern

Weber, Jakob, Rendant, Romsthal

Günther, Wilbelm, Fabrikbe'itzer, Frankfurt a.M.

Hofmann, Wendelin. Gärtner, Steinau

Bolender, Georg. Kaufmann. Schlüchtern Kohlhepp, Karl, Müller und Landwirt, Oberzell

b) Tagesjagdscheine:

Dr. Strube, prakt. Arzt, Uttrichshausen

Heil, Ludwig, Kaufmann, Uttrichsbausen

Jäckel, Karl, Landwirt, Uttrichsbausen

Schlüchtern, den 1. Dezember 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Stt-eisausschust.

J.-Nr. 6380 K. &

«ekanntmachnnq

aemäß § 117 der Wahlordnung für die Wahlen zu den K^mmunallandtaaen und Kreistagen vom 14. Oktober 1925 (Min -Bl. für die preuß. t. Verwaltung 1925 Nr. 44).

DaS Wahlergebnis für den Kreistag des Kreises Schlüchtern wrirde durch den K^eisausschuß in der, am 5. Dezember d. Js. stattaefundenen Sitzung festgestellt wie folgt: Abgegeben wurden insgesamt 9204 gültige Stimmen und zwar auf:

Wahlvorschlag 11 Sozialdemokr. Parte^Deutschlands: 2088 , 111 Zentrumspartei: 3262 V Kommunistische Partei: 25S , VIII Hessische Arbeitsgemeinschaft: 2572 IX Vereinigte bürgerliche Liste: 1027 Die 21 KreistagSsitze verteilen sich hiernach wie folgt: Sozialdemokratische Partei (Liste 2) - 5 Zentrumo-Vartei (Liste - 7 Kommunistische Partei (Liste * Hess. Arbeitsgemeinschaft (Liste 8) « 6 Vereinigte bürgerliche Liste (Liste 9) «

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Als KrcistagSabgeordncte für den Kreis Schlüchtern sind sonach gewählt:

Dom Wabloorschlag II:

1- Ludwig Flemmig, Schuhmachermeister und Landwirt in Schlüchtern,

2- Heinrich Linkcrödörfcr, Schuhmachermeister unb Landwirt m Sternari,

3. Nikolaus Ocbs, Rangieraufseber in Hütten,

4. NikolmrS Härter, Lagerist in Hohenzell,

5. Christian Krack, Schmiedemeister in Altengronau.

Voni Wahlvorschlag III:

1. Georg Kind, Kuratus in Marborn,

2. Eduard Heil, Land- und Gastwirt m Ulurbach,

3. Gerhard Radke, Bürgermeister in eobcn,

4. Anton Blum, Bürgermeister in Salmünster,

5. Josef Müller, Landwirt und Wagner in Herolz,

6. Johann Weißbecker, Maurer in Romsthal,

7. August Herber II, Arbeiter in Ulmbach.

Vom Wahlvorschlag V:

Karl Hohmann, Steinarbeiter in Schlüchtern.

Vom Wahlvorschlag VIII:

1. Wilhelm Ackermann, Rendant in Schlüchtern,

2. Johannes Müller, Landwirt in Hütten,

3. Kaspar Lang, Landwirt in Niederzell,

4. Richard Wegmann, Landwirt zu Röhrigshof Gemeinde Klosterhöfe,

5. Joh. Gg. Maienschein, Landwirt und Bürgermeister in Schwarzenfels,

6. Nikolaus Vögler, Landwirt in Heubach.

Vom Wahlvorschlag IX:

1. Eduard Gaensilen, Bürgermeister in Schlüchtern,

2. Philipp Romeiser, Wagenfabrikant in Steinau.

Gegen die Gültigkeit der Wahl kann jeder Wahlberech­tigte binnen zwei Wochen vom Tage dieser Bekanntmachung an Einspruch beim Kreisausschuß gemäß § 117 Abs. 2 der Wahlordnung erheben.

Schlüchtern, den 7. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von Trott zu Solz.

Rückzahlung vor Saatgutkredit».

J.-Nr. 6357 K. A. Die Empfänger von Saatgut auf Notstandskredit werden nochmals darauf hingewiesen, daß die Rückzahlung des Betrages unbedingt bis zum 1 5. Dezember 1 9 2 5 bei der Kreissparkasse hier erfolgt sein muß. Ueber den Rest ist ein Wechsel aus- zustellen, der int Februar -mindest ,s zur Hälfte zu bezahlen ist. Der dann verbleibende Rest kann auf Antrag bis zum Herbst 1926 gestundet werden.

Da der Kreis für den richtigen und pünktlichen Ein­gang der Beträge verantwottlich ist, muß gegen alle Schuld­ner von Saalgtitkredit sofort zwangsweise vorge­gangen werden, die bis zum 15. Dezember d. Js. Ab­deckung und Regelung in obiger Weise nicht bewirkt haben.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, diese Auf­forderung in den Gemeinden sofort öffentlich bekannt ma­chen zu lassen.

Schlüchtern, den 5. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Sie letzten Kabinett-beschlüsse.

Fortführung der Preisabbaupolitik.

Bevor das Kabinett am Sonnabend den formellen Rücktrittsbeschluß faßte, erledigte es noch eine Reihe Wirtschafts- und sozialpolitischer Angelegenheiten. In erster Linie wurde ein Gesetzentwurf zur Förde­rung des Preisabbaues verabschiedet, der nun­mehr sofort dem Reichsrat vorgelegt werden wird. Der Gesetzentwurf enthält:

1. V " -mungen über einen Vergleich zur Abwen­dung des Konkurses unter Aufhebung ver Verordnung über die Geschäftsaufsicht;

2. Vorschriften gegen die Ausbeutung bei der Vergebung von Aufträgen im Wege der Ausschreibung:

3. Beseitigung der Ausnahmestellung der Zwangs- organisationen, die bisher nach der Kartellverordnung den Einwirkungsmöglichkeiten der Reichsregierung und des Kar' llgerichts nicht unterliegen;

4. Bestimmungen, die hinsichtlich der Einwirkungs- möglich^tten des Staates die Innungen und Jnnungs- verbände den Kartellen in gewissem Umfange gleich­stellen;

5. Vorschriften über das Feilhalten von «rot zu festem Gewicht.

Wie außerdem verlautet, haben die Bestrebungen der Reichsregierung auf Herabsetzung der Zinssätze für öffentliche Gelder zu dem weiteren Ergebnis ge­führt, daß sich den Vereinbarungen zur Zinsherab- senung der öffentlichen Gelder nicht nur die über­wiegende Zahl der Länder vorbehaltlos angeschlossen hat, sondern auch die kommunalen Spitzenverbände, der Deutsche Städtetag, der ReichSstädtebund und der Deut­sche Landkrcistag, sowie das Geldinstitut deS deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, die deutsche Girozen­trale, ihnen vorbehaltlos beigetreten sind.

Schweres Grubenunglück in Oberbayern.

München, 7. Dezbr. Auf der staatlichen Kohlen­grube Peisenberg kamen mehrere Bergarbeiter bei der Bohrarbeit im Gestein auf einen nicht losgegangenen Schuß, der noch im Gestein steckte und dadurch zur Explosion gebracht wurde. Drei Bergleute wurden furchtbar verstümmelt tot aufgefunden.

Luther- Rücktritt angenommen.

Wetterführung der Geschäfte.

Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Reichspräsi­dent die Demission der Reichsregierung angenommen und den Reichskanzler und die Reichsminister ersucht, bis zur Neubildung der Regierung die Geschäfte weiter» zuführen.

Eine sofortige Beauftragung des bisherigen Reichs­kanzlers Dr. Luther mit der Bildung des neuen Kabi­netts ist danach also nicht erfolgt. Der Reichspräsident wird vielmehr zuvor den Reichstag und die Par­teien hören. Am Sonntag hatte der Reichspräsident zunächst den Reichstagspräsidenten L ö b e zu sich ge­beten: am heutigen Montag wird er die Führer der Reichstagsfraktionen, mit Ausnahme der völkischen und der kommunistischen, in Einzelbespre­chungen empfangen. Erst danach dürfte der Reichspräsi­dent dem Reichskanzler Dr. Luther den Auftrag geben, die Bildung einer neuen Regierung zu versuchen.

Nach Rückkehr der deutschen Delegation.

Reichskanzler Dr. Luther und Reichsaußenminister Dr. Stresemann sind am Freitag nachmittag wieder in Berlin eingetroffen. Reichskanzler Dr. Luther hielt sofort nach seiner Ankunft dem Reichspräsidenten von Hindenburg Vortrag über den Londoner Aufenthalt. Abends empfingen der Reichskanzler und Reichsaußen­minister die Presse. Die Mitteilungen, die sie hier machten, waren aber recht spärlich; man erfuhr nicht mehr, als man bereits vorher wußte.

Es ist bekannt, daß unsere Delegierten die Gelegenheit der Zusammenkunft der Staatsmänner Englands, Frank­reichs und Belgiens benutzt haben, um in Fortführung der in Locarno angebahnten Politik alle die Fragen weiter zu diskutieren, die noch einer Lösung harren. Es stand aber von vornherein fest, daß in diesen wenigen Tagen positive (Ergebnisse nicht erzielt werden konnten. Das hat auch »'is-maud erwartet. Auch tuest Zusammenkunft war ja nur ein Glied in der Kette der persönlichen Fühlungnahme, die mit Locarno ihren Anfang genommen hatte. Locarno hat uns, wie der Reichskanzler es ausdrückt, die Geschäfts- grundlage gebracht, auf der nun zäh und unermüdlich weiter gearbeitet wird, um die Ziele zu erreichen, die allen am Vertrag beteiligten Nationen vorschweben.

In zahlreichen Privatbesprechungen haben unsere Dele­gierten die schwebenden noch ungeklärten Fragen erörtert, und sie sind mit dem bestimmten und zuversicht­lichen Eindruck nach Berlin zurückgekommen, daß wiederum ein Schritt vorwärts getan worden ist.

Es ist eine Utopie zu glauben, daß nun in wenigen Monaten all das wieder aufgebaut werden kann, was in Jahrzehnten vernichtet worden ist. Um den Schutz und die Trümmer in Deutschland und ganz Europa wieder auf- zuräumen, die der unselige Krieg und der noch unseligere Friedensschluß hinterlassen haben, bedarf es langer mühe­voller Arbeit. Deutschland wird aber wiederauferstehen, wenn die Beziehungen der westeuropäischen Staaten von dem Geiste der Verständigung und des guten WiIens durchdrungen bleiben, der jetzt zum ersten Male seit langen Jahren in die Kabinette der Großmächte Ein­gang gefunden hat. Daß dieser Geist sich nicht sofort durch­setzt und noch Rückschläge kommen, liegt gewiß im Bereich der Möglichkeit. Das deutsche Volk ist seit den Tagen Wil- sons so oft und vielfach so schmählich enttäuscht worden, daß es verständlich ist, wenn weite Kreise unseres Volkes sich jetzt noch nicht von einem lief eingewurzelten und berechtig­ten Pessimismus frei machen können.

In fortgesetzter und unermüdlicher Verhandlungsarbeit gilt es jetzt, das bisher Erreichte a u s z u b a u e n. Die nächsten Wochen und Monate werden ausgefüllt sein mit Verhandlungen und Besprechungen, die sowohl in Berlin mit den ausländischen Missionen, als auch in Paris, London und Brüssel zwischen den dortigen Regierungen und unseren Botschaftern stattfinden werden. In Koblenz, dem Sitz des Reichskommissars und der Rheinlandkommission, wird der Schwerpunkt der Verhandlungen liegen, sobald der Reichskommissar seine Geschäfte dort endgültig ausgenommen hat. Denn in der Frage der Rückwir­kungen für das besetzte Gebiet ist insbesondere noch sehr viel zu tun. Es muß übrigens bemerkt werden, daß die Ordonnanz 308 der Rheinlandkommission durchaus noch nicht den ganzen Komplex der Rückwirkungen aus­gelöst hat, die in der letzten Note der Botschafterkonferenz formuliert worden sind.

Von authentischer Seit« erfahren wir, daß die in fran­zösischen Blättern aufgetauchte Meldung, der Reichsaußen- minister Dr. Stresemann werde nach Paris fahren, des aktuellen Charakters entbehrt. Selbstver­ständlich hält es der Außenminister keinesfalls für un­möglich, daß er einmal zu Besprechungen nach Paris reisen werde. In politischen Kreisen verspricht man sich von einer solchen Zusammenkunft deutscher und französischer Staats­männer auf französischem Boden eine weitere Förderung der eingeleiteten deutsch-französischen Entspannung.

Gedenkt der hungernden Vögel l