Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
Z.-Nr. 1266 V. Auf Grund des § 160 R. V. O. wird soni 1. Snnuarl926 ber Wert der Sachbezüge für volle Verpflegung und Wohnung einschl. Heizung und Beleuchtung für den Tag für sämtliche Versicherte gleichmäßig auf 1.50 RM. festgesetzt.
Hiervon entfallen auf: freie Wohnung ohne Naturalbezüge ein Zehntel, das erste und zweite Frühstück ein Fünftel, das Mittagessen zwei Fünftel, das Abendessen drei Zehntel. Hat auch die Familie des Arbeitnehmers freie Woh- nung und Verpflegung, so erhöht sich der Wert der Sach- bezüge für die Ehefrau und jedes Kind über 16 Jahre um zwei Drittel, für jedes Kind unter 16 Jahren um ein Drittel.
Diese Festsetzung ist für den ganzen Bereich der Reichs- versicheruttgsordnung (Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherung) und der Angestelltenversicherung bis auf jveitcres maßgebend.
Da, wo der wirkliche Wert der Sachbezüge von den vorstehenden Sätzen erheblich abweicht, bleibt eine besondere Festsetzung durch das Versicherungsamt Vorbehalten. Ebenso bleibt eine besondere Festsetzung Vorbehalten für die Fälle, die durch vorstehende Festsetzung nicht geregelt sind.
Die Bekanntmachung vom 2. Februar 1925 — J.-Nr. 116 V — Schlüchterner Zeitung Nr. 16 — tritt mit dem 31. Dezember ds. Js. außer Kraft.
Schlüchtern, den 16. Dezember 1925.
Der Vorsitzende des Versichcrungsamts. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 10687. Zur Durchführung des § 10 Abs. 2 Preuß. Ausf. Ges. zum Finanzausgleichgesetz in Fassung des Gesetzes vom 27. November 1925 (G. S. S. 162) ist es notwendig, die Z ah l d er Kinder im s chulp fli chtig e n Ächteren ach demGtand vom 1. Fe-br ua c 1925 fefi- zustellen. Die Erhebung erfolgt mit je einem besonderen Fragebogen für die Gemeinden und Gutsbezirke, in denen Schulen öffentlicher oder privater Art bestehen, und für diejenigen, in denen keine Schulen vorhanden sind. Auch die Kinder im schulpflichtigen Alter, die keine Schule besuchen, sind mitzu- zählen. Die Richtigkeit der A«.gaben auf den Fragebogen ist von dem Bürgermeister bczw. Gutövorstehcr zu bescheinigen.
Die Formulare zu den Fragebogen habe ich den Herren Bürgermeistern der Landgemeinden und den Herren Gutsvor- stehern bereits zugehen lassen. Ich ersuche der Erhebung im Interesse der Gemeinden und Guts bezirke größte Aufmerksamkeit zu widmen und die sorgfältig auszu- füllenden Fragebogen bis spätestens 28. Dezember ds. Js. an mich einzusenden. Gehen die Fragebogen zu diesem Zeitpunkt nicht ein, so erfolgt deren Abholung ohne weitere Mahnung auf Kosten der betreffenden Gemeinden bczw. Gutsbezirke.
Die Herren Bürgermeister der Städte, denen die Formulare direkt aus Berlin zugegangen sind, ersuche ich, mir die ausgefüllten Fragebogen ebenfalls bis zum 2 8. ds. Mich einzusenden.
Schlüchtern, den 19. Dezember 1925.
Der Landrat. von Trott zu Solz.
J.-Nr. 10694. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Leiter und Leiterinnen von Jugendvereinen auf das in der Schlüchterner Zeitung Nr. 152 von 1924 enthaltene Schreiben der Reichsbahndirektion zu Frankfurt a. M. vom 21. November v. Js., betr. Anträge auf Erlangung von Fahrpreisermäßigungen zugunsten der Jugendpflege, aufmerksam zu machen.
Schlüchtern, den 17. Dezember 1925.
Der Landrat. J. B.: SchulthciS.
— Das türkische Kabinett hat beschlossen, der Nationalversammlung eine Entschließung vorzulegen, in der die Völker- bundsentscheidung in der Mossulfrage abgelehnt wird.
— Nach einer Meldung aus Beirut ist der Oberkomman. dierende der Drusen gefallen.
Urteil im DiebstahlSprozes; Hartmann und Genossen.
Lei«,rin 21 Dezbr. In dem DicbstahlSprozeß gegen Hartmann und Genossen wurden E gemeinsamen Scböffenaericht Hartmann zu 3 M^ren J -(0 nuten 4i> Willst ru 4 Jahren 9 Monaten und Dreßner zu 3 cv3L. ., '»sonnten Zuchthaus, sämtliche Angeklagte säM»S®1S SS i?s«^
£Ä& scitigfn und die politischen Gefangenen befreien wollte.
Die Frucht der tschechischen Terrorregierung
Der Freiheitskampf der Sudetendeutschen.
Die Tschechoslowakei ist bekanntlich ein Staatsgebilde, das seine Existenz dem Frieden von Versailles verdankt. Das Diktat von Versailles und die Diktate von St. Eermain usw. haben rund 4 Millonen Sudetendeutsche, rund 1 Million Ungarn und eine größere Anzahl von Jugoslawen dem tschechischen Staat einverleibt. So entstand nicht ein tschechischer Nationalstaat, sondern ein Nationalitätenstaat, in welchem die Tschechen nicht die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen. Die tschechoslowakische Regierung versuchte jedoch, aus diesem Nationalitätenstaat einen Nationalstaat zu schaffen durch Eewaltmaßnah- men, die auf eine Tschechisierung der nichttschechischen Nationalitäten hinauslief. Mit besonderer Rücksichtslosigkeit ist dieser Tschechisierungskampf gegen die 4 Millionen Sudetendeutschen geführt worden, obwohl die wirtschaftliche Lebensfähigkeit des Staates in erster Linie sich auf die Arbeit der Sudetendeutschen Bevölkerung aufbaut.
Da sich die Tschechisierungsmaßnahmen der Regierung besonders hinsichtlich der Sprache auch auf den slowenischen und ungarischen Volksteil beziehen, so ist die Entrüstung in den nichttschechischen Teilen der Bevölkerung allgemein. Sie erreichte einen besonders sichtbaren Ausdruck in den letzten Tagen in der tschechoslowakischen Kammer, wo die neue Regierung Svehla sich dem Parlament vorstellte. Bei der Besprechung der Regierungserklärung kam es zu tumul - tuarischenSzenen,die teilweise sogar in ein hitziges Handgemenge ausarteten. Am Freitag wurde der Tumult eingeleitet, als der slowenische Volksparteiler Matik nach den ersten Worten des Ministers ein Aktenbündel gegen die Ministerbank schleuderte, das eine ganze Reihe von lügnerischen Wahlplakaten enthalten haben soll, wie sie von der tschechischen Regierung veranlaßt worden sind. Als der Ministerpräsident trotzdem versuchte, seine Rede fortzusetzen, traten die Deutschnationalen auf die Seite der Slowaken, um den Ministerpräsidenten am Weiterreden zu verhindern.
Schließlich stimmten die Abgeordneten der slowakischen * Volkspartei das Lied „ Hej Slovaci" an, während die singen begannen. Die slowakischen Volksparteiler klatschten begeistert Beifall. Kaum war das Lied, das von den übrigen deutschen Parteien zum großen Teil mitgesungen wurde, verklungen, hob das Pfeiff- und Lärmkonzert von neuem an.
In der Aussprache über die Regierungserklärung gab Der deutschnationale Abgeordnete Keibel namens seiner Partei eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Wir werden niemals Tschechen als Herren aller kennen. Unrecht kann auch durch tausendjährige Uebung niemals Recht werden. Wir verkünden feierlichst, daß wir niemals a u f h ö r e n werden, die Selbstbestimmung unseres Volkes zu fordern.
Abgeordneter Professor Dr. Spina, Bunh der deutschen Landwirte, führte u. a. aus: Als gewählte Vertreter des sudetendeutschen Volkes erneuern wir im Namen des Bundes der Landwirte, der Deutschen Christlich-sozialen Volkspartei, der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei und der Deutschen Gewerbepartei bei Beginn der zweiten Session in feierlicher Weise die Erklärung, die wir am 3. und 4. Juni 1925 im Parlament abgegeben haben. Gleichzeitig erstrecken wir den Protest gegen die Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes des deutschen Volkes auf das Hultschiner Ländchen, Ostoberschlesien und die ehemals niederösterreichischen Gebiete (Beifall). Wir entbieten unseren Volksgenossen dieser Gebiete unsere brüderlichen Grüße (Heilrufe). Wir erklären neuerlich, die Friedensverträge von Versailles, St. Eermain und Trianon nicht anzuerkennen.
Die pariser Luslfchriverhandlungen.
„Normaler" Verlauf.
Die Pariser Verhandlungen über die deutsch-französische Luftfahrt nehmen einen normalen Verlauf, der weder zu besonderen Befürchtungen, noch aber zu großen Hoffnungen Anlaß gibt. Es haben bisher Besprechungen zweierlei Art stattgefunden: einmal mit dem Versailler Militärkomitee der Alliierten im Hotel des Invalides über Bestimmungen der letzten Botschafternote, dann mit dem französischen Unterstaatssekretariat für Luftfahrt über die rein deutsch- französischen Luftverkehrsfragen, Ueberflugsrecht und dergleichen. , , , „ . m
Die deutsche Abordnung hat keinen Augenblick einen Zweifel darüber anskommen lassen, daß die jüngste Botschafternote eine Verhandlungsbasis für uns nicht bilden kann. ..
Ueber Weihnachten werden die Verhandlungen unterbrochen werden, und die deutsche Delegation wird nach Berlin zurückkehren. In den ersten Tagen des Januar sollen die Besprechungen von neuem beginnen. Die Unterbrechung hat keinerlei sachliche Bedeutung. __________
Explosion in einer englischen Kohlengrube.
London, 20. Dezember. In einer Kohlengrube in Birchenwood in Staffordshire, in der eine Belegschaft von 60U Arbeitern arbeitete, ereignete sich eine schwere Explosion, an großer Teil der Grube stürzte ein. Ueber 100 Arbeiter wurden cingcschlosscn, konnten jedoch in kurzer Zeit befreit werden. Sieben Arbeiter werden noch vermißt; einer der Vermißten ist inzwischen als Leiche geborgen worden.
Die Abrüstungskonferenz.
Am 15. Februar 1926 soll in Genf der Vorbereitende Ausschuß für die Abrüstungskonferenz tagen. Deutschland sist dazu eingeladen und wird sich an den Verhandlungen beteiligen. Es hat, nachdem es selbst wehrlos gemacht ist, ein dringendes Interesse daran, daß die anderen Staaten gleichfalls wenigstens einen Teil ihrer Rüstungen ablegen. Aber werden sie es tun? Wird nicht der alte Drang zur Macht, die gegenseitige Eifersucht alle Friedensregungen überwiegen? Der Geist von Locarno soll die Welt durchdringen; wir werden jetzt die Probe darauf sehen.
Wie schwierig das Problem ist, zeigen schon die Fragen, über die man sich geeinigt hat. Was bedeutet eigentlich Bewaffnung? Gehören dazu nur das Landheer, die Flotte und die Luftfahrzeuge? Müssen nicht auch die Einwohnerzahl, das Eisenbahnnetz, die Entfernung der Landeszentren, die Dauer der Dienstzeit, die Wirtschaftskraft und vieles andere mit berücksichtigt werden? Ferner bleibt festzustellen, ob sich eventuelle Einschränkungen nur auf die Friedenszeit beziehen sollen, wie die Handelsflotte militärisch zu bewerten, wie eine Unterscheidung zwischen Zivil- und Militärluftschiffen durchzuführen ist, wie die Ersatzteile von Flugzeugen und Motoren zu behandeln sind.
Dazu treten die Schwierigkeiten der Kontrolle. Soll sie sich auf die Kasernen und Materialdepots beschränken, soll sie von ständigen Kommissionen oder von den den Gesandtschaften beizugebenden militärischen Attaches aus- geübt werden? Und welche Formen nimmt sie an, sobald ein Einigungs- oder Schiedsverfahren im Gange ist, das die daran Beteiligten zu besonderer Eile drängt? Schon diese Zweifelsfragen zeigen, wie verwickelt diese ganze Angelegenheit ist und wieviel Möglichkeiten des Mißlin- gens sich bieten.
Der Hauptgrund dafür, daß trotzdem ein Versuch gemacht werden muß, ist ein finanzieller. In allen größeren Staaten haben sich die Ausgaben für die Wehrmacht stark gesteigert. In Frankreich, das eine Armee von ungefähr 700 000 Köpfen unterhält und auch noch Kolonialtruppen in weitem Umfange heranzieht, ist der Franc derart entwertet, daß er statt SO Pfennig augenblicklich nur nach 15 Pfennig gilt. Polen, das sich gleichfalls militärisch übernommen hat, muß mit immer weiterer Entwertung des Zloty rechnen. England müht sich seit Jahren mit einer Arbeitslosenziffer von durchschnittlich 1,25 Millionen ab. Der Eeldstand der ganzen Welt ist um etwa 40 Prozent herabgesunken. Diese finanziellen Nöte legen unbedingt eine Verständigung auf militärischem Gebiete nahe.
Erschwerend wirkt nur, daß damit ein Verzicht aus Ziele verknüpft ist, die in den betreffenden Ländern bisher als selbstverständlich galten. Frankreich ist die stärkste Militärmacht auf dem Kontinent und will es auch bleiben. England sucht sein nicht mehr ganz wetterfestes Imperium zu stützen und richtet sich für den Kriegsfall auf eine Blockade Japans ein, wofür ihm Singapore einen Stützpunkt bilden soll. Rußland wühlt den Osten auf und schiebt sich dorthin immer weiter vor. Kurz, Rivalitäten überall, wohin das Auge blickt, machtpolitische Tendenzen, die bisher juristischen Bindungen noch immer widerstrebten. Kein Land, außer Dänemark, hat denn auch wirklich abgerüstet. Alle waren vielmehr bestrebt .ihre Position zu verstärken. In England haben kürzlich der Kriegsminister und der Erste Seelord eine Verminderung der Wehrmacht ausdrücklich abgelehnt.
Es wird ein interessantes Schauspiel werden, wie sich die Großmächte unter dem D r u ck A m e r i k a s drehen und winden, wie einer dem anderen die Schuld daran zuschiebt, daß die Verhandlungen nicht vom Fleck kommen. Amerika ist sonst nicht geneigt, die Finger in die europäische Pastete zu stecken; die Abrüstung in den Schulder- ländern aber will es wirklich, schon weil es andernfalls befürchten muß, nicht zu seinem Gelde zu kommen. Es wird also dahin drängen, daß sich die Verhandlungstermine nicht verschieben, sondern ernsthafte Erörterungen so bald rote möglich beainnen.
Deutschlands Stellung in der Konferenz ist ge- geben: Einen Krieg kann es in absehbarer Zeit nicht fuhren' es würde von Frankreich überrannt, und englische Hilfe käme zu spät. Es darf nur die anderen Staaten auffordern, die ihnen vertragsmäßig obliegende PerpsUch- tung, ihrerseits abzurüsten, zu erfüllen. Ob mit Erfolg, das steht dahin.
Aufhebung des Alloholverbotes fn Amerika?
Mch einer Meldung aus New York hat der Kongreß die Aufhebung des Gesetzes über das Alkoholverbot beschlossen.
In gut unterrichteten amerikanischen Kreisen in Berlin erscheint eine Aufhebung des Alkoholverbotes in Amerika zu diesem Zeitpunkt wenig wahrscheinlich. Das Prohibitions. aeieh ist während des Krieges als verfassungsanderndeS Gesetz mit Zweidrittelmehrheit angenommen worden. Die Aufhebung des Gesetzes bedarf gleichfalls einer Zweidrittelmehr- Heu sowohl im Kongreß wie im Senat. Es ist nicht wahr- scheinlich, daß diese Mehrheit schon jetzt zustande gekommen ist. Airträgc aus Aufhebung deS Alkoholgefetzes sind bereits mehr- fad, eingebracht worden. Eine Bestätigung der Meldung deS Pariser'Blattes aus New York direkt liegt zudem auch nicht vor.