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Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Polizeiverordmmg

Über die Reinhaltung der öffentlichen Wege in den Landgemeinden des Kreises

Schlächter«.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. Sept. 1867 (G. S. S. 1529) und des § 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) wird unter Zustimmung des Kreis-Ausschusses folgende Polizeiverordnung für die Land­gemeinden des Kreises Schlüchtern erlassen:

§ 1. Die innerhalb der geschlossenen Ortölage liegenden öffentlichen Wege sind jeden Mittwoch und Sonnabend in den Nachmittagsstunden vor Eintritt der Dunkelheit zu reinigen. Fällt auf einen Mittwoch oder Sonnabend ein öffentlicher Feiertag, so hat die Reinigung am vorhergehenden Werktage zu erfolgen.

§ 2. Bei trockenen: frostfreien Wetter sind die Wege unmittelbar vor der Reinigung genügend mit Wasser zu be- sprmgen, sodaß sich kein Staub entwickeln kann.

§ 3. In den Gemeinden, in denen die Verpflichtung zur Reinigung durch Ortsstatut den Anliegern auferlegt worden ist, haben diese die Reinigung bis zur Wegemitte, bei Wege- kreuzungen bis zu den Schnittpunkten der Mittellinien der sich kreuzenden Wege auszuführen.

In den anderen Gemeinden ist die Gemeinde selbst zm Reinigung verpflichtet.

§ 4. Hat für den zm Reinigung Verpflichteten ein an­derer der Ortöpolizeibehörde gegenüber mit deren jederzeit uuderruflichen Zustimmung die Ausführung der Reinigung wm^flTOtt, kst n anstelle wvrfitii zur-Mnngung ver­pflichtet.

Der zuerst Verpflichtete bleibt straffrei, wenn der an­dere seine Verpflichtung nicht erfüllt; dagegen ist dieser strafbar.

Ebenso bleibt straffrei ein zur Reinigung Verpflichteter, der die Ausführung der Reinigung durch Privatvertrag einer tauglichen Persönlichkeit übertragen hat, wenn diese ihre Ver­pflichtung nicht erfüllt.

§ 5. Bei eintretender Glätte hat der zur Reinigung Ver­pflichtete in dem im § 3 angegebenen Umfang den Weg alsbald mit Asche, Sand oder anderen genügend abstumpfen- den Stoffen zu bestreuen.

§ 6. Die Ortspolizeibebörde ist berechtigt aus besonderen Gründen außerordentliche Reinigungen der öffentliche Wege anzuordnen.

Ebenso kann sie in besonderen Fällen die Wegräumung des Schnees und Eises anordnen. , ,

Diese Anordnungen sind für die zur Reinigung Ver­pflichteten verbindlich, wenn sie entweder in ortsüblicher Weise öffentlich bekannt gemacht oder den Verpflichteten besonders mitgeteilt worden sind.

§ 7. Die öffentlichen Wege Dürfen nicht durcb Kueben- und Wirtschaftöabwässer, Jauche und andere schmutzige sigkeiten verunreinigt werden.

Ebenso ist die Verunreinigung dmch feste Gegenstände verboten.

§ 8. Uebertretungcn dieser Polrzcwcrordnniig werden nach § 366 Nr. 10 des Strafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu vierzehn Tagen bestraft.

§ 9. Diese Polizewerordnung tritt am Tage der Ver­öffentlichung in Kraft.

Schlüchtern, den 28. Juni 1915.

Der Köm'gl. Landrat. I. V.: Hebel.

J.-Nr. 383 W. A. In Abänderung meiner Anordnung vom 4. September 1925, - J.-Nr. 257 W. A, Schlucb- terner Zeitung vom 10. 9. 1925 Nr. 108 wird folgendes bestimmt: die gesctzlicbe Miete beträgt vom 1- Januar ab bis auf weiteres 84 v. H. der reinen Fnedenörmete.

Schlüchtern, den 28. Dezember 1925^ $ $ ^

J.-rN. 10891. In Mittelstcllbecg, Gemeinde SteUbe^, Kreis Geröfeld, ist die Maul- und Klauenseuche jcstgcjtetit worden. _ . .

Schlüchtern, den 28. Dez. 1925. 'anbMt

J.-Nr. 10757. Die Flenchbeschaue und Tricchnenschmier werden an die pünktlicl-e Einsendung der Jterteliahre.i Weisungen erinnert. , . .. .

Die Karten sind an den Herrn Vetermarrat, > ,

Schlüchtern, den 28. Dez. 1925. Der Lanorat.

Ä.-Nr. 10750. Der Herr Medizinalrat (Kreisarzt) wird an: Mittwoch, den 6. Jaimar n. Js. von vormittags 9 Uhr ab im hiesigen Kreishause Sprechstunden halten. Schlüchtern, den 28. Dezember 1925.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

Durchschnittspreise für Häute nach dem Bericht des Wirtschaftsverbandes deutscher Ab deckereiunternehmer in Hamburg für November 1925.

Roßhäute 220/ Ctm. . . . , 200/219 . . .

/i99 - > - .

Fohlenfelle.......

Rindhäute.......

Frefserfelle....... Kalbfelle ....... Schaf- und Lammfelle . . . Ziegenfelle, getrocknete . . . Zickelfelle, getrocknete . . . (A III. 3335.)

Cassel, am 11. Dezember 1925

Der

R.-M. 15,85 pro Stck.

» I2Z » »

7,So

» 4/7 5 n »

,/31 pro Pfd.

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1,90 pro Stck.

RegierungS-Präsident.

J.-Nr. 6780 K.-A. Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 23. Dezember 1925.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Dezem­ber 1925 an die Stadtkasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern noch nicht gezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

^42£-£iB3dlü!^ £t'MM nicht

Bei Meldung zwaugsweiser Einzi^'ung sm: sofort fol­gende Steuern zu zahlen:

Grundvermögenssteuer mit Stadtzuschlag, Hauszins­steuer, Gewerbesteuer (nach Ertrag), Gewerbesteuer (Voraus­zahlung nach Kapital).

Die einzelnen Steuerzettel sind zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vorzu- legen. 1

Schlüchtern, den 29. Dezember 1925.

Der Magistrat. Gaenßlen.

Oeffenlliche Mahnung.

Die am 15. d. M. fällig gewordenen Holzgelder-Raten, sowie die Holzgelder-Rückstände aus verschiedenen Terminen sind, soweit nicht Stundungogesuche vorliegen, innerhalb 3 Tagen bei der Stadtkasse einzuzahlen.

Weiter angemahnt werden mit einer Frist von 8 Tagen: Hundesteuern, Wassergelder, Schulgelder und andere Abgaben.

Wiederholt wird darauf hingewiesen, daß Einzelmah­nungen nicht erfolgen. Die Reste werden nach Ablauf der Frist zwangsweise beigetrieben.

Schlüchtern, den 29. Dezember 1925.

Der Magistrat: Gaenßlen.

Die Avt her deutschen Städte.

Stetiges Anwachsen der sozialen Lasten durch die Arbcits» losigkeit.

Der Vorsitzende des Deutschen Städictages, Oberbürger- meister B 0 c ß - Berlin, äußerte sich in einer Unterredung über die augenblicklich im Vordergrund des Interesses stehen­den kommunal-politischen Fragen.

Die deutschen Städte werden nach Ansicht des Ober- biiracrnicistcrs zur Behebung der sozialen Röte m diesem Winter nur wenige Notstandsmaßnahmen durchsulne» können. Das, was notwendig ist, werden sie bei der von Tag m ^aq wachsenden ungeheuren Arbeitslosigkeit nicht bewalä- aen^nnen/ weil ihnen die erforderlichen Mittel durch bic Finanzansaleichspolitik des Reiches und der Lander entzogen wordensind. Die stete Zuweisung neuer, insbesondere soz.aler Ausgaben seitens des Reiches an die Gemeinden ohne gleich- rcitige »ergäbe von Mitteln hat die deutschen Gemeinden in eine überaus schivicriae Lage gebracht, die sie zwingen wird, ihren Bürgern neue Lasten auszucrlcgcm ^.as sind ^apei, die mittelbar durch das Reich hcrbcigcsuhrt worden sind.

Die Finanzpolitik der deutschen Gemeinden wird im kom- wenden Jahr davon ausgehen muffen, daß im Reich und in den Ländern endlich eine sparsame Verwaltung erreicht wird, die es ermöglicht, den Interessen der Gemeinden cuigcgeu- uikommen Die Gemeinden selbst werden höchste Sparsamkeit anwenden müssen, um bestehen zu können. Ihre Maßnahmen werden besonders dahin zu richten sein, daß sie dazu be.tragen, W die Wirtschaft in Deutschland wieder in Gang kommt, die' Volkskraft wieder ausgebant und im Endziel die Wett­bewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmarkt wieder hergestellt wird.

Das Weltbild an der Jahreswende.

Das Weltbild, das sich dem Betrachter gegenwärtig dar- stellt, trägt sehr ernste Züge. So viel über den Geist von Locarno gesprochen worden ist, er kann das Ringen um die Macht nicht hindern. In Europa gärt es, weil die durch den Siegesrausch geschaffene Staatengesellschaft in ihren Grenzen und Völkermischungen ein zu natürliches Gebilde ist, als daß es die Ruhelage gewinnen könnte.

Deutschland, von Frankreich und seinen Gefolgsländern wie mit eisernen Klammern umfaßt, kann die seinem in­nersten Wesen gemäße Entwicklung nicht nehmen. Berlin ist von den Polen in einer Flugstunde, Wien von den Tschechen in einer halben zu erreichen. England und Frank­reich sind Rivalen; denn beide streben nach der Weltherr- St. Stoßen sie nach Lösung der Entente zusammen, so reiten sich die Flammen aus dem aufgehäuften Zünd­stoff über ganz Europa, vielleicht über die ganze Erde. Frankreich bereitet die Militarisierung Nord-Afrikas vor, ohne zu bedenken, daß sich die Waffen der Farbigen gegen Weiße kehren könnten. Schon jetzt hat es 220 000 Farbige in seiner etwa 700 000 Köpfe zählenden Armee. Seine Luftflotte will es in naher Zeit verdoppeln. Daß England den Franzosen überdies noch den Weg zum Rhein frei machte, konnte, wie Major Schmidt in einem guten Buch überDas neue Deutschland" treffend bemerkt, nur in einem Anfall weltgeschichtlicher Zerstreutheit geschehen. Im Süden ist seitens Griechenland und Jugoslawien der Hafen von Salonika umstritten. Zwischen England und der Türkei bildet Mosiul den Zankapfel. Auch eine großasiatische und eine großafrikanische Bewegung kündigt sich an. Die Um­gestaltung Singapores zu einer mächtigen Flottenbasis deutet auf ganz bestimmte Verwickelungen hin. Amerika und Japan sind verfeindet und die amerikanischen Stellun­gen auf den Philippinen leicht zu überrennen. So gehen über die Weiten des Erdenraumes Zuckungen, die die Be­wohner nicht zur Ruhe kommen lassen.

Aber auch wirtschaftlich sehen wir Kräfte am Werk, die nicht der gegenseitigen Annäherung, sondern der Entfremdung dienen. Europa ist zurückgedrängt, Amerika

so viel Eisen und Stahl als Großbritannien, ihr nächst größter Produzent. Auf Kupfer haben sie das Monopol. An Zink und Aluminium entfällt aus sie die Hälfte der Weltproduktion. In der Technik überflügeln sie die alte Welt. Der Dollar beherrscht den Weltmarkt, und bittend strecken sich viele europäische Hände nach dem New Parker Banken aus. Drüben ein einheitliches Riesengebiet, hüben ein in mehr als dreißig Staaten zerrissenes Erdteil und ein Kampf Aller gegen Alle. Jeder dieser Staaten schließt sich zollpolitisch gegen den anderen ab, so daß es schwer fällt, Handelsvertragsoerhandlungen zu einem glücklichen Ende zu führen. Selbst England gibt dem Egoisnrus feiner Produzenten nach und geht von seiner freihändlerischen Ueberlieferung mit starken Schritten ab. Am schwersten leidet Deutschland unter der grotektionistischen Strömung. Es soll beinahe den zehnten Teil seines jährlichen Volks­einkommens an die Siegerstaaten abführen und sieht sich im Ausfuhrhandel, der allein es zu solchen Leistungen be­fähigen würde, auf das äußerste beschränkt.

Unnatur und Unvernunft, wohin man blickt, politisch wie wirtschaftlich? Kann die Welt das vertragen? Muß nicht auf eine D e m 0 b i l i s i e r r u n g der Geister hingearbeitet werden? Die führenden Persönlichkeiten in allen Kraftzentren der Welt sind berufen, die drohende Gefahr zu bannen und die Schrecken eines zweiten Welt­kriegs fernzuhalten. Die Völker müssen einander wieder verstehen lernen; dann wird die Verständigung leichter.

Zwei Konferenzen im Jahre 1926 sollen diesem Zweck dienen, die A b r ü st u n g s - und die Wirtschaft s- konferenz. Bei der einen wie bei der anderen sind die Schwierigkeiten ungeheuer. Noch zittert die Rachsucht nach, noch erschweren falsch verstandene nationale Eigeninteresien das Erkennen der Gemeinschaftszwecke. Aber der Anfang muß gemacht, die Bahn gebrochen werden. Das Flotten- a b k ö m m e n , worin den fünf Seemächten eine obere Grenze ihrer Schiffsbestände vorgeschrieben wurde, ist ja schon gelungen, im Februar 1922 in Washington. Vielleicht läßt sich auch für das Landheer und die Luftfahrzeuge eine gewisse Beschränkung vereinbaren. Die Finanzlage in fast allen Staaten drängt darauf hin, und die Vorschriften der Völkerbundssatzung nötigen dazu.

Der Wirtschaftskonferenz Hütte der Gedanke der inter­nationalen Arbeitsteilung die Richtung zu geben. Private Verträge auf den verschiedensten Gebieten haben vorge­arbeitet. Jetzt kommt es darauf an, mit staatlichen Mitteln nachzuhelfen. Vielleicht gelangt man dazu, den einzelnen Produktionsgebieten bestimmte Einfuhrkontingente zuzu- weisen. Das einstweilen freilich noch ferne Ziel bleibt eine gewssie Einheit des europäischen Wirtschaftsgebiets, wie sie auch von dem Reichsbankpräsident Dr. Schacht ins Auge gefaßt wurde. In Etappen kann man sich dem Ziele nähern.

So zeichnen sich am Horizont doch Entwicklungsmöglich- keiten ab, die Hoffnungen auf eine erfreulichere Zukunft erwecken Möge die Einsicht und die Tatkraft der Führenden ausreichen, um diese Hoffnungen wenigstens annähernd zu erfüllen!

Der französische Ministerrat für Tonmer.

Paris, 29. Dezember. Wir verlautet, hat sich der Minister- rat einstimmig für dP Fipanzprojekte Domners custschieden.