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Schlüchlemer Zeitung

Krels-Kmtsblatt * Myememee amtlicher Knzeiger für Kar Kreis Schlüchtem

Vrutkunö Verlag: tz.Steillfeld Söhne * Gescdäftssk Bahrchofstr.6 * sernspv:Nr.r<>9 ^ Postschel^fl«mkstwtaM.rrrso

Rr. 5

Dienstag, den 13. Januar 19X6

78. Jahrg.

: Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags: -und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr.;

Amtliche Betanntmachnngen.

Landratsamt.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden ersucht, sich am Donnerstag, den 14. d s. M t s. 0 0 r m. 9*/2 Uhr zu einer Besprechung in dem hiesigen Kreishauösaal pünktlich einzufinden.

Tagesordnung.

1. Die Erwerbslosenfürsorge und Notstandsarbeiten;

2. Die neue Baupolizeiordnung;

3. Verschiedenes. -

Schlüchtern, den 7. Januar 1926.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 214. Nach Mitteilung der Landwirtschaftskam- mer in Cassel sind die Stadt Steinau und die Gemeinden Ahlersbach, Altengronau, Kerbersdorf, Kressenbach, Marborn, Sterbfritz, Ulmbach und Uttrichshausen mit der Ablieferung der 2. Beitragsrate für 1925, die bis zum 1. Dezember 1925 erfolgen sollte und mit der Rücksendung der Hebeliste noch im Rückstände.

Die Herren Bügermeister der betreffenden Gemeinden ersuche ich, bis zum 25. d. Mls. darüber zu berichten, daß die Beiträge inzwischen abgeliefert sind und die Hebeliste an die Landwirtschaftökammer zurückgesandt worden ist.

Schlüchtern, den 8. Januar 1926.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 15. Da die ObstbüUMpflege im Kreise immer noch nicht überall das richtige Verständnis findet, sehe ich mich genötigt, die Ortspolizeibehörden abermals darauf aufmerksam zu machen, daß ihnen die RegierungS- polizerbehörde.; vom 22. Ap.il 1892 - Amtsblatt £»>', S. 109 § 15 ff. das Recht einränmt, das zum Schutze des Obstbaues und zur Vernichtung schädlicher Tiere Erfor­derliche zu veranlassen. Ich ersuche, zunächst sämtliche Obst- baumbesitzer durch eine allgemein gehaltene Bekanntmachung aufzufordern, die zur Förderung der Obstbaumpflege erfor­derlichen Arbeiten innerhalb 4 Wochen auszuführen.

Hierher gehört vor allem Folgendes:

1. Alle Bäume, ob wild oder edel, müssen von dürrem abgestorbenem und zu dicht stehendem Holze befreit werden, da sich hier Schädlinge und Krankheitserreger mit Vorliebe ansiedeln und im Frühjahr beim Eintritt warmer Witterung auf die gesunden Teile des Baumes übergehen und sich hier weiter verbreiten;

2. Misteln, Hexenbesen, Baumschwamme müssen ent­fernt werden. Dabei ist besonders darauf zu achten, daß die Mistel nicht einfach abgestoßen wird, sondern daß der Zweig oder Ast an dem sie wächst, abgesägt werden muß. Bleibt der betreffende Ast stehen, so kommt die Mistel um so stärker oder an mehreren Stellen wieder zum Vorschein;

3. Alle Wurzelausschläge besonders bei Aepfeln müssen ausgerottet werden, da die gefährliche Blutlaus sich hier mit Vorliebe über Winter aufhält. Die von der Blutlaus be­fallenen Bäume sind zu zeichnen, damit man die Blutlaus im Frühjahr bei beginnender Vermehrung bekämpfen kann;

4- Alle Rindenschuppen müssen abgekratzt und die Bäume gekalkt werden, damit die Larven der Obstmade, Rüsselkäfer und andere schädliche Insekten vertilgt werden. (Dem Kalk ist etwas Baumkarbolineum oder Rinderblut zuzusetzen);

5. Stark vom Krebs befallene Bäume sind abzuholzen. Einzelne Krebowunden heilt man, indem man die Wunden sauber auskratzt, mit Steinkohlenteer streicht oder mit soge­nannten: Baummörtel (Kuhfladen mit Lehm), breiartig aufs getragen, verbindet;

6. Unbekannte Krankheiten sind dem Kreisgärtner zu melden.

Nach Ablauf der Frist wird durch eine von einem Sach­verständigen vorzunehmende Kontrolle der Erfolg der An­ordnung festzustellen und nötigenfalls das Weitere zu ver­anlassen sein.

Ich bemerke wiederholt, daß dem Kreisgärtner gestattet ist, in den Gemeinden praktische Kurse (nicht nur Vorträge) nn Ort und Stelle, sowohl in der Obstbaumpflege, wie in her Ausführung der Pflanzung, im Wurzel- und Kronen- schnitt und in der Behandlung junger Stämmchen zu halten. Ich kann nur empfehlen, hiervon recht fleißigen Gebrauch zu machen.

Schlüchtern, den 5. Januar 1926.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

J.-Nr. 239. In der Gemeinde Dippert, Kreis Fulda, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen.

Schlüchtern, den 8. Januar 1926. Der Landrat.

Kreisausschutz.

Betr. Gewährung von I Hypotheken auf Woh- nnngsbanten durch dieLandesversichernngsanstalt Hessen-Nassau in Cassel an einzelne Versicherte.

J.-Nr. 32. B. Ich weise daraufhin, daß sämtliche An­träge bei dem Unterzeichneten einzureichen sind. Direkte Ein­gaben an die Versicherungsanstalt sind zwecklos. Ich ersuche die Herrn Bürgermeister, das Vorstehende alle Besitzern von Neubauten bekannt zu geben, die bei der Landesversicherungs­anstalt regelmäßig versichert sind.

Schlüchtern, den 2. Januar 1926. Der Landrat.

J.-Nr. 173 K. A.

Rückzahlung der Notstandskredite für Saatgut.

Die Empfänger von Notstandssaatgut werden darauf aufmerksam gemacht, daß der Rest der schuldigen Beträge, mindestens aber weitere 30 Prozent der Gesamtschuld als 2. Rate bis spätestens 1. Februar ds. Js. an die Kreissparkasse hier einzuzahlen sind.

Da der Kreis die Beträge unbedingt selbst abdecken muß, kann eine Verlängerung des Zieles auf keinen Fall erfolgen.

Schuldner, die noch aus der Dezemberrate im Rückstände sind, haben die Beträge bis spätestens 20. Januar zu zahlen, andernfalls der gesamte schuldige Be­trag ohne weitere nochmalige Mahnung zwangsweise ein­gezogen wird. Auch werden für alle nicht rechtzeitig bezahlten Beträge vom Tage des Verfalles ab Bankzinsen (z. Zt. 18. Prozent) berechnet.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, diese Auffor­derung umgehend in den Gemeinden öffentlich bekannt machen zu lassen.

Schlüchtern, den 11. Januar 1926.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

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B-tr» LrussudunZ der KaffevprLsrurgsrrsrhartd- langen für die Monate Okt. bis Dez. 1925.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche noch mit der Einsendung der Kassenprüfungsverhandlungen für die Monate Oktober bis Dezember 1925 im Rückstände sind, werden hieran mit 8 tägiger Frist erinnert.

Schlüchtern, den 7. Januar 1926'

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Bei der gewerblichen Berufsschule mehren sich bedauer- icher Weise wieder die Klagen über unregelmäßigen Schul­besuch. Es wird darauf hingewiesen, daß nach § 126 a R. G. O. Lehrmeistern, die ihre Lehrlinge nicht regelmäßig in die Berufsschule schicken und den Schulbesuch nicht über­wachen, wegen wiederholter grober Pflichtverletzung gegenüber den ihnen anvertrauten Lehrlingen die Befugnis zum Halten von Lehrlingen entzogen werden kann.

Schlüchtern, den 5. Januar 1926.

Der Vorstand der gewerblichen Berufsschule: Gaenßlen.

Saldwin für den Sieben.

Frömmigkeit, Ernst und Wahrheitsliebe.

In einer Rede vor der Classical Association sagte Prcmicr- minister Baldwin, nachdem er auf das alte römische Reich Bezug genommen hatte, u. a.:

Wenn man, wie ich glaube, daß vieles von der Zivilisation und der Kultur der Welt mit dem Leben Westeuropas ver­bunden ist, dann ist es gut, wenn wir uns erinnern, daß wir Westeuropäer in geschichtlichen Zeiten gemeinsam Mitglieder eines großen Reiches waren und daß wir, wenn auch in ver­schiedenem Grade, Sprache, Gesetz und Tradition gemeinsam haben. Ein Krieg zwischen Nationen, die ihre ersten Lehren im Bürgerrecht von einer gemeinsamen Mutter erhielten, er­scheint mir als brudermörderischer Wahnsinn.

Wir sollen uns vielmehr bestreben, uns selbst und unS gegenseitig zu helfen und diejenigen Eigenschaften des Charak­ters wiederzuerlangen, die bezeichnend für die Römer waren: Frömmigkeit, Ernst und Wahrheitsliebe. Auf solche« Grund­lagen allein kann die Zivilisaiion ansgebant werden und a"6 ihnen allein kann sie sich halten.

Gröblicher Gatteumord. Selbstmord des Täters.

Spandau, 11. Jannar. Auf einem Lanbengelände fand man die 21 Jahre alte Ehefrau eines Kauf- nuuuteS mit durchschnittener Kehle tot auf. Die Frau war von ihrem Gatten, von dem sie getrennt lebte, aus Furcht darüber ermordet worden, daß sie ihn bei dem unmittelbar bevorstehenden Scheidungötermin schwer belasten würde. Der Kaufmann, der im 27. Lebens­jahre stand und der seit einiger Zeit wegen Unter- schlagnngcn gesucht wurde, verübte Selbstmord, indem er Lysol trank.

Die Lage an der Börse

Nach den ersten Börsentagen des Jahres zu urteilen, es zunächst den Anschein, als wenn im neuen Jahre die Borsenschwäche ihren Fortgang nehmen würde, und es war ein besonders bedenkliches Zeichen, daß wiederum diese Schwache durch häßliche Börsenmanöver genährt wurde. Die unsinnigsten Gerüchte, für die deutsche Wirtschaftsführer her­halten mußten, führten zu Tiefkursen. Um so plötzlicher wirkte der Umschlag in der neuen Woche, und zwar waren es wieder haltlose Gerüchte, die ihn bewirkten. Sie kamen aber diesmal aus Amerika, und den Eingeweihten war es bald klar, daß es sich bei den amerikanischen Meldungen um Zweckmeldungen handelte, die aber in ihrer Auswirkung auf die Dauer den deutschen Börsen kräftigen Rückhalt zu geben versprechen. Man beabsichtigt augenscheinlich, drüben das Interesse für deutsche Aktien zu wecken. Man sucht den amerikanischen Lesern die größeren deutschen Werte geläufig zu machen, darum behandelt man in der Presse die einzelnen Werke und den im Werden begriffenen Montantrust in ausführlicher und dem tatsächlichen Gang der Dinge vorgreifenden Weise. Es ist auch nicht unbekannt geblieben, daß von Seiten eines großen deutschen Bankinstitutes in den letzten Wochen unter der Hand große Posten deutscher Bank- und Montanaktien aufgekauft und nach Amerika weiterge^eben worden sind.

Eine besondere Stimulanz bietet aber die eben bekannt gewordene Gründung einer deutsch-amerikanischen Bank, die den Hauptzweck hat, deutsche Werte aufzunehmen und in Amerika zu vertreiben, nachdem erst vor kurzem ein ähnliches Institut mit amerikanisch-schwedischem Gelde gegründet wor­den ist, wobei ebenfalls als eine der Aufgaben die Investierung von Kapitalien in deutschen Werten genannt worden ist. Es scheint also nunmehr das im Werden begriffen zu sein, was man schon längst als eine Hauptnotwendigkeit Besserung der bei "

;st _ als eine Hauptnotwendigkeit für eine iutschen Börsenverhältniffe erkannt hat, und man darf auch wohl sagen, daß die Reise des Bankdirektors Schacht sicherlich mittelbar dieser Bewegung den Boden ge» ebnet hat.

_ Die nächsten Auswirkungen an der Börse waren recht lästige Kurserholungen auf der ganzen Linie unter Führung von Montanwerten, die seit dem ersten Börfentage des Jahres 10 Prozent und mehr gewinnen konnten. Diese Besserung ist um so höher anzuschlagen, als in der derzeitigen Wirtschafts- läge sich noch keinerlei Befferung bemerkbar macht. Im Gegenteil, die bekannt gewordenen Arbeitslosenziffern zu Ende des Jahres, das außerordentliche Anwachsen der Ge­schäftszusammenbrüche lassen die ganze Größe der derzeitigen Wirtschaftskrise ermessen. Hinzu kommt, daß die Optimisten in der Beurteilung der Freigabefrage des deutschen Eigentums in Amerika wieder einmal gründlich enttäuscht worden sind, da nach den letzten Meldungen eine Erledigung dieser An­gelegenheit in den nächsten Monaten noch nicht zu erwarten ist. Diese Tatsache hat aber nicht einmal vermocht, die Kurse beseitigen Werte, die in erster Linie von der Freigabe profitiert hätten, wesentlich zu drücken. Da sogar seit längerer Zeit wieder so etwas wie Publikumskäufe festzustellen waren, zeigt die Gesanttbörse zurzeit eine Lebhaftigkeit, wie man sie seit Monaten nicht gekannt hat.

Die Entwicklung am Geldmarkt läßt darauf schließen, daß die Reichsbank gewillt ist, ihr wiederholt gegebenes Ver­sprechen, zu Beginn des neuen Jahres der Frage einer Dis­kontermäßigung näher zu treten, schon recht bald einzulösen.

Um die Große Koalition.

Neue Bcrhandlungcn?

Im Reichstag fanden Verhandlungen zwischen Ver­tretern der Zentrumsfraktion und der Demokratischen . Fraktion statt. Das Zentrum war durch den Abge­ordneten Marx vertreten, die Demokraten durch die Abgeordneten Koch-Weser, Dr. Hahn und Erkelenz. Man kam dahin überein, unbedingt an der Großen Koalition festzuhalten und auf die Sozialdemokraten in dieser Richtung einzuwirken. Man erwartet, daß Die Sozialdemokratie in ihrer für Dienstag cinbe- rufenen Fraktionssitzung endgültig Stellung zu dieser neuen Aufforderung nehmen wird.

Sozialdemokratischr Stimmen gegen die Große Koalition.

Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei für Den Wahlkreis Ostsachsen hat zur Frage der Neubildung der Reichsregierung folgende Entschließung gefaßt:Die Große Koalition ist abzulehnen. Das Drängen der demokratischen und oer Zentrumspartei kann diese Auf­fassung der S. P. D. nur bestärken. Neue Verhand­lungen mit den bürgerlichen Parteien wegen der Re­gierungsbildung sind ebenfalls abzillehnen."

Die Stuttgarter Sozialdemokratie nahm in einer Versammlung zur Regierungsbildung im Reich mit großer Mehrheit folgende Entschließung an:

Der Sozialdemokratische Verein Groß-Stuttgart erwartet von der sozialdemokratischen Reichstagsfrak- tion, daß sie bei einem erneuten Versuch abermals die Beteiligung an einer Regierung der Großen Koalition ablehnt, da diese in der heutigen politischen und wirt­schaftlichen Situation den Interessen der werktätigen Bevölkerung und der Republik nicht entspricht."