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Schüchterner Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Myemeiner amtlLcheeWnzeigevfür 8m Kreis Schlüchtem

Armk unö Verlag: tz.Steinfew Söhne* Seschäftssi: Vahnhofstr.L * famspyrilw.^ ^ postph«t^:P!ankstwtlrM.rrs«>

Nr. 23 Dienstag, den 23. Februar 1926 78. Aahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen von Ver­einen usw. mit dem Bau von größeren Projekten für Jugend­pflegezwecke, wie Anlage von Turnhallen, Jugendheimen, Jugendherbergen, Sportplätzen pp., begonnen wird, ohne daß vorher wegen der Ausführung des Planes in baulicher Hin­sicht und Finanzierung des Unternehmens mit mir in Ver­bindung getreten worden ist. Erst nachdem sich herausge­stellt hat, daß der Bau infolge finanzieller Schwierigkeiten nicht weiter geführt werden kann, werde ich von dem Vor­haben unterrichtet und gleichzeitig um die Bewilligung einer namhaften Beihilfe aus staatlichen Mitteln gebeten, damit das Projekt durchgeführt werden kann.

Für die Zukunft muß ich aus grundsätzlichen Erwä­gungen jede Unterstützung begonnener größerer Unternehmen ablehnen, wenn nicht die Anlage mit meinem Einvernehmen in Angriff genommen worden ist. Hierzu gehört, daß mir zunächst der Plan mit den erforderlichen Bauskizzen nebst einem genauen Finanzierungsplan zur Mitbegutachtung un­terbreitet wird.

Caffel, den io. Februar I926.

Der Regierungs-Präsident.

J.-Nr. 1674. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Jugendvereine pp. auf vorstehende Verfügung aufmerksam zu machen.

Schlüchtern, den 18. Februar 1926.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Gedenkfeier für die Opfer des Weltkrieges am 28. L. 1926.

11 E 1563. Obwohl die gesetzliche Neuregelung der Feiertage noch auösteht, ist auch in diesem Jahre ein Gedenk tag für die Opfer des Weltkrieges, und zwar der 28. 2. 1926, in Aussicht genommen. Für diesen Tag wird im Einver­nehmen mit der Reichsregierung die Beflaggung aller staat­lichen Dienstgebäude sowie der Gebäude der Selbstverwal- tungskörper in den Reichs- und Landesfarben auf Halbmast angeordnet. Hierfür gelten die Bestimmungen des RdErl. vom 19. 2. 1925 (MBliV. S. 201).

Berlin, den 12. Februar 1926.

Der Minister des Innern. K

Kreisausschutz.

Betr. Beratungstag für mit Krüppelleiden be haftete Kinder.

Tgb.-Nr. 57 K. F. Sonnabend, den 27. Februar 1926, vormittags 9 Uhr, findet im hiesigen Kreishaus die Unter­suchung der mit Krüppelleiden behafteten Kinder durch den Herrn Landeskrüppelarzt statt. Untersuchung und Beratung erfolgen kostenlos.

Indem ich die Eltern bezw. Angehörigen solcher Kinder auf die gesetzliche Pflicht und den Wert dieser Untersuchung Hinweise und einlade, bitte ich auch die Ärzte und die Ge­meindeschwestern, die sich für diese Fürsorgearbeit interessieren, der Untersuchung beizuwohnen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die betr. Eltern auf diesen Beratungstag dringend aufmerksam zu machen.

Die Finanzlageder Reichsbahn.

- / Das Dezemberergebnis.

Dem amtlichen Nachrichtenblatt der Deutschen Reichsbahn» gesellschaft ist zu entnehmen, daß sich das vorläufige finanzielle Ergebnis der Deutschen Reichsbahn für Dezember an persön­lichen Ausgaben (einschl. 'der Löhne der Bahnunterhaltungs­und Werkstättenarbeiter) auf 239 200 000 Rm. bclief. Der Dienst der Reparationsschuldverschreibungen betrug 49 842 000. Die Höhe der übrigen Ausgaben läßt noch keine Schätzung zu.

Aus bcnt Betriebe sind folgende Einnahmen zu ver­zeichnen: Personenverkehr 98128 000, Güterverkehr 231 579 000, sonstige Einnahmen 40125 000 Mark. Infolge der Schwierigkeiten im allgemeinen Wirtschaftsleben blieben die Berkehrseinnahmen erheblich hinter den Erwartungen znriick. Insbesondere im Personenverkehr ergaben sich größere Ausfälle.

Die Steigerung der persönlichen Ausgaben gegen den Vor­monat ist auf Zahlungen der Notzuwendungen an die Beamten der Gruppen 16 zurückzuführen. An den Generalagenten für Reparationszahlungen wurde die für Dezember 1925 fällige Zahlung geleistet und das Erträgnis aus der Beförderungs- steuer abgeführt. Im Januar 1926 sind die Einnahmen gegenüber bcnt Voranschlag stark zurückgeblieben, so daß Ein­schränkungen auf der Ausgabesvite erforderlich wurden. Der Gesamtpersonalstand betrug Ende Dezember 1925: 711381 Köpfe gegen 729 702 im Vormonat. Der Rückgang besteht in der Hauptsache in dem Wegfall von ^e-itarbeitern, die in dem gmistigesen Jahreszeiten wieder erscheinen ivevdeil.

Dr. Stresemann in Köln.

Die akademische Befreiungsfeier. - -

Aus Anlaß der Befreiung Kölns veranstaltete die Kölner Studentenschaft einen Festkommers. Den großen Saal der Kölner Bürgergesellschaft, von dessen Wänden und Decken schwarz-weiße und rot-weiße Fahnen und Banner Herabhingen, füllten etwa 3000 Studenten und ihre Gäste. Von den Emporen hob sich der Kranz der Damen in farbenfrohen Gewändern ab. Unten im Saal ein nicht minder lebhaft gemischtes Bunt. Studen­tenmützen in allen Farben leuchteten von den Tischen. Der Fansarenmarsch leitete die Feier ein. Unter seinen Klängen zogen 200 Chargierte in Wichs mit den Fah­nen ihrer Korporationen in den Saal und nahmen aus dem Podium Aufstellung.

Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden der Kölner Studentenschaft, Cand. iur. Krämer, und weiteren Ansprachen des Rektors Magnificus Professor Dr. Stter-Somlo und des Kölner Dompredigers Pater Dionysius ergriff Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort. Unter anderem führte er aus:

In der deutschen akademischen Jugend bestehen, wie im deutschen Volke, verschiedene Einstellungen ge­genüber dem Reich und seiner Fortentwicklung. Die einen verfallen in träumende Resignation über alte Größe und Herrlichkeit, andere warten auf Wunder­bares, das sie mit heißem Herzen ersehnen, ohne zu wissen, woher es komme und wer es schaffen soll. Wie­der andere glauben, daß es für Deutschland richtig sei, die Entwicklung der Welt abzuwarten und sich erst dann mit aktiver Politik in dieser Entwicklung ein- zustellen, wenn die Umrisse künftiger Entwicklung sicht­bar sind. Mag für den einzelnen Menschen, der den Weg von großer Macht und Einfluß und Glück zur Arbeit und zu Unglück durchgemacht hat, der eine oder andere Weg möglich sein, für diejenigen, die für die Reichsentwicklung verantwortlich sind, gibt es nur eines, das ist die Politik tätigen Mtschaffens nach innen und nach außen. Gegenüber allen Kritiken über manche nicht erreichte oder manche getäuschte Hoffnung, über manche geistige Einstellung, die sich nicht schnell genug in Taten auswirkt, darf doch das eine gesagt werden:

Wer zurückschaut auf die Politik der letzten 3 Jahre in Deutschland, der muß mit Blindheit geschlagen oder von schlechtem Willen beseelt sein, wenn er nicht an­erkennen wollte, daß wir ein gutes Stück vorwärts ge­kommen sind in der Konsoltdrerung deutscher Souve­ränität nach innen und deutscher Geltung nach außen. In dem Kampfe zwischen Rechtsanspruch und Macht­gefühl, daß das Recht selbst ausdeutet, hat schließlich doch in der Befreiung der nördlichen Rheinlandzone der Gedanke des Rechts gesiegt. Jede weitere deutsche Po­litik kann nur das Ziel haben, auf diesem Wege sort- zuschrcllen.

Lcutjchtand wirb ständig bereit jem, im Geiste des europäischen Wiederaufbaues mit offener Emp­fänglichkeit für Die gegenseitigen Argumente Bertzand- lungcn über seine Stellung zu andere» Mächten zu füh­ren. Aber wenn der Geist von Locarno Die Seele künf­tiger europäischer Politik ist, dann muß seine weithin sichtbare letzte Auswirkung die schließlich«: Zurückziehung der Truppen aus dem besetzten Rheinland sein. Ich kann mir nicht denken, daß man im Lager unserer ehemaligen Gegner darüber anders denkt.

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Die Kölner Studenten an Hindenbnrg.

Anläßlich des Befreiungskommerses der Kölner- Studentenschaft wurde an den Reichspräsidenten von Hindenburg folgendes Telegramm gesandt:Die tn Einigkeit zum Befreiungskommcrs versammelten Stu­denten der Universität Köln entbieten dem Herrn Reichspräsidenten treudcutschen Gruß. Wir halten treue Wacht am deutschen Rhein." Darauf ging vom Reichspräsidenten folgende Antwort ein:Besten Danl für die Grüße vom Befreiungskominers, die ich herzlich erwidere."

Zustimmung zu der Botschaft deS Generals Smuts.

London, 22. Februar. Die Botschaft des Generals Smuts über die französischen Versuche, die Zahl bei Völkerbundsratösitze zu vermehren, ist, wie der diplo­matische Korrespondent desDaily Telegraph" berichtet, in Londoner amtlichen Kreisen, sowie in Kreisen bei Dominions urb des Völkerbundes sehr begrüßt worden. Nachrichten aus Genf weisen darauf hin, daß inan dort einer sehr begrenzten Rekonstruktion deS Völker- bundsratcs nicht abgeneigt sei, und die Zuteilung eines permanenten Sitzes an Spanien unterstützen würde.

«3or neuen Umwälzungen in China.

Peking, 21. Februar. In ganz Nordchina machen sich starke Truppenbewegungen bemerkbar. Es besteht die Wahr- scheinlichkcit baldiger" Umwälzungen, deren Hauptobjekt wiederum Ticntsin sein dürfte. Peking ist zurzeit ohne Kabi- !iett und wartet die Entscheidung ab. Die englische anti- ontlunuistische, ebenso wie die russische kommunistische Pro- Uganda werden erneut stark fühlbar.

Neues vom Tage.

Nach einer Meldung aus Berlin wurde der Privatdiskout von 5)4 Prozent aus 554 Prozent für beide Sichten ermäßigt.

Bon den Regierungsparteien ist im Reichstag ein gemein­samer Antrag eingebracht worden, in dem der Reichspräsident auf Grund des Artikels 72 der Reichsversaffung ersucht wird, die Verkündigung des am 3. Februar 1926 im Reichstag beschlossenen Gesetzes zur Vereinfachung des Militärstrasrechtes um zwei Monate auSzusetzen.

Zu den Blättermeldungen über den bevorstehenden Rück­tritt des erkrankten Reichsernährungsministers Dr. Haslinde teilt dieGermania" mit, daß ReichSminister Dr. Haslinde sofort nach seiner schon in allernächster Zeit zu erwartenden Wieder­herstellung die Dienstgeschäfte wieder übernehmen werde.

Der Generalsekretär des Völkerbundes Drummond wird in den nächsten Tagen nach London reisen.

Aus Rom wird gemeldet, daß der neuernannte italie­nische Botschafter für Berlin, Graf Aldobrandi, in den nächsten Tagen Buenos Aires verläßt, um seinen neuen Posten in Berlin anzutreten.

Der Rat der Volkskommissare hat den Plan des Kriegs- kommissariats, 200 Flugzeuge für die russische Armee anzukaufcu, bestätigt. Die Bestellungen sollen an holländische und französische Firmen vergeben werden. Eine Kommission begibt sich hierzu in nächster Zeit nach dem Ausland.

Wie Havas anS Washington berichtet, ist Präsident Coolidge noch immer bettlägerig und mußte einen Kabinettsrat absagen. Er beabsichtigt aber bereits anläßlich des Jahrestages des Todes von George Washington eine Rede zu halten.

In Hamburg hat am Samstag eine Feier des zweiten Bundesgründungötages des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold in Anwesenheit zahlreicher Minister stattgefunden.

Wie aus Rom berichtet wird, soll Mussolini dem polnischen diplomatischen Vertreter die Versicherung gegeben '. den, daß Polen bet seiner Forderung nach einem stäntigen Sitz im Völkerbundsrat der Unterstützung Italiens sicher sein könne.

In Frankfurt a. M. hat Samstag vormittag im Schumanntheater eine vom Oesterreichisch - Deutschen Volks- dund veranstaltete Kundgebung für das Deutschtum in Süd­tirol stattgefunden, an der neben den Tiroler Delegierten mehrere Reichstagsabgeordnete teilnahmen.

Auf der Volltagung der erweiterten Exekutive der Kommunistischen Internationale in Moskau erklärte Sinow- jcw, daß die grundlegenden Prinzipien des Programms und die Taktik der Kommunistischen Internationale unverändert geblieben seien.

Bei einer Schlägerei zwischen Hakenkreuzlern und Teilnehmern an dem Stiftungsfest eines Männergesang- vereins in Alt-Landsberg, unter denen sich auch mehrere Reichsbannerleute befanden, wurde einer der Angreifer ge­tötet, während weitere sechs Personen schwere Verletzungen erlitten.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist Sonntag abend 10,40 Uhr, von Bonn kommend, in Frankfurt a. M. eingetroffen, wo er einen Tag Aufenthalt nehmen wird.

Ein polnisch-litauischer Grenzzwischenfall ist durch die Besetzung eines an der polnisch-litauischen Grenze gelegenes strittiges Landstück durch eine litauische Militärabteilung entstanden. Polnischerseits besteht die Absicht, eine mili­tärische Gegenaktion zu unternehmen.

Sie preußische Sauszinssteuer.

Abschluß der Ausschußberatungen.

Bei der zweiten Lesung der Hauszinssteuer im Haushalts- ausschuß des Landtages wurden tvesentliche Aenderungen an den Beschlüsse« erster Lesung eingenommen. Wieder gestrichen wurde die Bestimmung über Befreiung der Dienstwohnungen der Geistlichen und Kirchendiener. § 9 (Berücksichtigung der hypothekarischen Belastungen) wurde durch einen Antrag der Regierungsparteien verschärft, der besagt, bei bebauten Grund­stücke, die am 31. Dezember 1918 mit dinglichen privat rechtlichen Lasten unter 40% des FriedenS- werteS belastet Innren, ist der Betrag der Steuer auf Antrag des Eigentümers soweit Hevabzusctzen, daß er bei unbelasteten Grundstücken 15% der Friedensmiete, bei Belastung bis zu 10% des Friedens Worte» 20%

,, 20% > 35%

30% 30% und

40% 35% bi trägt.

Damit war die zweite Beratung der Hauszinssteuer tm Ausschuß erledigt. Die Borlage wird voraussichtlich nicht vor Donnerstag vor des Plenum kommen.

Außerordentliche Tagung der Bayerischen Vollspartei.

München, 21. Februar. Die LandesvorstandSschost der Bayerischen Bolkspartei ist zu ihrer außerordentlichen Tagung auf Freitag, 26, und SamStag, 27. Februar »ach München einberufen' worden.