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Schlöchtemer Zeitung kreisKMtsbtatt * Mgemeiner amtlicherKnzeLger für -sr Kreis -chlüchtem t-mkunb Veolag.tz.SteiiMd Söhne* Gefchäftsst: Lahichofstr.ö * frvnspv.Ur.l^ * Poststherkk: IrmrkfuvtlUM.rrWo

Nr. 40

Dienstag, den 6. April 1926

78. Sahrg.

Amtliche BekanntMachnnge«.

Landratsamt.

Deutsch-polnisches Abkommen über polnische

Wanderarbeiter für das Jahr 1926.

IV c 69. Die bisherigen deutsch-polnischen Verhandlungen «r die Frage der polnischen Wanderarbeiter sind noch nicht M Abschluß gelangt; jedoch haben sich Deutsche und die Eche Regierung für daS Jahr 1926 über eine vorläufige Kgelung bot Angelegenheit geeinigt. Aus dem darüber auf- memmenen Protokoll wird folgendes bekannt gegeben:

Die polnische Regierung wird im Jahre 1926 den pol­nischen Wanderarbeitern, die sich zur Arbeit nach Deutschland gegeben wollen und glaubhaft machen, daß die Arbeit in Äntscbland bekommen werden, unentgletliche Pässe ausstel- jkn, die den Inhabern zur Ausreise nach Deutschland und zur Wkehr nach Polen bis zum 31. 12. 1926 berechtigen. Sie wird wirksame Maßnahmen treffen, um diesen Arbeitern die Erschaffung der Pässe möglichst zu erleichtern.

Sie wird ferner die polnischen Konsulatämter inDeutsch- M anweisen, denjenigen polnischen Wanderarbeitern, die im sichre 1926 ausnahmsweise ohne Pässe nach Deutschland kom- », in einem beschleunigten Verfahren Pässe zu ermäßigten Mähren auszustellen.

Die Deutsche Regierung wird ihren Einfluß auf die Deut­sch Arbeiterzentrale dahin ausüben, dass diese ihrerseits dazu Kitrage, daß diejenigen polnischen Wanderarbeiter, die im sichre 1926 in Deutschland Arbeit bekommen wollen, für Be- schffung der Pässe Sorge tragen. Die Deutsche Regierung wird diejenigen polnischen Wanderarbeiter, die im Jahre 1926 «nahmöweise ohne Pässe nach Deutschland kommen, auf die Aotwendigkest der nachträglichen Beschaffung der Pässe bei Km zuständigen polnischen Konsulat rechtzeitig verweisen. Die -wische Regierung stellt fest, dass, die Men erwähnten polni- schn Wanderarbeiter von dein deutschen Sichtvermerks,zwang mch Maßgabe der geltenden deutschen Paßvorschriften befreit finb.

Mit Rücksicht auf die hiernach getroffene Regelung wer­kn die Bestimmungen der §§ 122 und 123 der Paßbek. v. l 6. 1924 (R. G. Bl. I S. 613), soweit sie eine Befreiung «isländischer Arbeiter vom Paßzwang und eine Anerkenmnig Kr Arbesterlegitiirtationskarte als Paßersatz vorsehen, für pol- chche Arbeiter, die im Besitze polnischer Pässe sind, bis auf weiteres gegenstandslos. Derartige Arbeiter, die gemäß § 122 M 1 a. a. O. unter Befreiuirg vorn S i ch t v e r m c r k s - Mang in das Reichsgebiet gekommen sind, weisen dies durch Vorlage des Reiseausweises in Verbindung mit dem Urbeits- -ertrag (§ 122 Abs. 2) oder durch Vorlage einer Arbeiter- wgitimationskarte (§ 122 Abs. 3) nach.

Durch das getroffene Abkommen werden die Bestimmun- M deS RdErl. vom 28. 12. 1925 IV c 377 II (MBliV. 0> 15) über Inlandslegitimierung ausländischer Arbeiter für ^ Jahr 1926 nicht berührt.

Berlin, den 13. März 1926.

Der Minister des Innern.

Sie AbrWmgrsrase.

Gereizte Stimmung in Paris.

Die im englischen Unterhaus erhobene Forderung auf Abrüstung Frankreichs begegnet in Paris gereiztem Wider-

Die Gleichstellung mit Dentschland gegenüber dem Völkerbund wird als besonders verletzend empfunden und ^ranlaßt denTemps" festznstcllcn, die 1919 durch die Alliierten erzwungene Entwaffnung Deutschlands habe nicht toä geringste mit der allgemeinen Abrüstung zu tun, die im Lause einer internationalen Konferenz nur bei freier Zustim­mung aller Beteiligten beschlossen werden könne. Wenn die «chlante Abrüstungskonferenz fehlschlagen sollte, werde die Abrüstung Deutschlands als solche unbedingt aufrecht erhalten. Deutschland dürfe unter keinen Umständen die Handlungs- Jäheit zuriickcrhaltcn, die ihm die Möglichkeit gebe, wie andere Mächte zu rüsten.

Wie der Völkerbund sich auch dazu stellen möge, eine Rifton des Versailler Vertrags sei nicht ohne die formelle Zustimmung aller Signatarmächte möglich. Weiter vertritt tos Blatt in Anknüpfung an die Ausführungen des englischen Huterstaats ekretärs Locker-Lampson den Standpunkt, daß der ^glistheu Vorherrschaft aus dem Meere die militärische Var- m°lht Frankreichs zil Lande acgenübergestcllt werden könne. M Saufe des Weltkrieges habe sich gezeigt, daß das srauza- Me Heer und die englische Flotte zusammen die sicherste Mautie für die Aiifrechterhaltnng des FriedenS darstelltcu. ^toini einer dieser beiden Faktoren geopfert werde, so werde tos eine Bedrohung des Gleichgewichts uub eine Verschärfung Kriegsgefahr zur Folge haben.

SeuWand und die StudienkomMssion.

Pessimismus i n Paris.

DerTemps" bespricht die Unterredungen, die Briand vor dem Fest mit den Botschaftern Deutschlands und Großbritanniens hatte und die u. a. bekanntlich die Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates be­trafen.

Das Blatt beurteilt die Aussichten für das Zu­standekommen einer Einigung bei den Arbeiten des Völkerbundsausschusses recht pessimistisch. Die prinzi­piellen Schwierigkeiten seien die gleichen geblieben. Die Lage hat sich seit dem Abbruch der Genfer Verhand­lungen in keiner Weise geändert.

DerTemps" stellt sich dann besorgt Sie Frage, in welcher Weise wohl Deutschland an den Arbeiten der Kommission teilnehmen werde und kommt zu dem Schluß, es sei zu befürchten, daß die Berliner Re­gierung wieder aus die alte Drohung mit der Zurück­ziehung des Aufnahmegesuchs auftreten werde und da­mit alle Forderungen innerhalb der Studienkommission durchsehen werde.

Der deutsche Botschafter erbat, wie derTemps" bestätigt, Aufschlüsse über die Arbeiten der zur Prüfung der Erweiterung des Völkerbunhsrates eingesetzten Kom­mission und das Ausmaß der den deutschen Mitgliedern eingeräumten Befugnisse. Die deutsche Regierung hat wissen lassen, daß sie über die Haltung Frankreichs und Englands gegenüber den Ratskandidaturen Brasi­liens und Spaniens baldmöglichst aufgeklärt zu werden wünsche.

August Thyssen t.

Der Senior der deutschen G r o ß i n d u st r i e.

Auf Schloß Landsberg gegenüber Kettweg a. d. R., ist im 85. Lebensjahre der Senior der deutschen Groß­industrie August Thyssen gestorben. August Thyssen wurde am 28. 5. 1840 in Eschweiler (Rheinland) ge­boren und ist unter durst gen Becyaltnisstn aujue- wachsen. Ende der sechziger Jahre gründete er in Duisburg eine Eisenwarenhandlung mit 8000 Talern Kapital. Dann siedelte er 1871 nach Mülheim a. d. R. über, wo er die Firma Thyssen u. Co. gründete. Mit dem Erwerb sämtlicher Kuxen eines Schachtes im Hamborner Bezirk übernahm er dieGewerkschaft Deutscher Kai'er", wie noch heute seine Werke inner­halb des Ham, unter Stadtbezirks heißen.

Mit zähe Energie und weitblickendem Geschäfts­geist begann nie Firma, zu der sein Bruder Josef ge­hörte, die Ausnutzung des Schachtes, dessen Abteufung schon kurz nach dem deutsch-französischen Kriege von 1870=71 begonnen hatte. Im Mai 1912 verfügte die Firma im dortigen Bezirk über sieben im Betrieb be­findliche Schächte mit mehr als 15 000 Bergleute, die weit über 4 Millionen Mark Jahreslöhnung erhalten. 1910 erzeugten die 800 Kokereiöfen der Grubenanlagen

1,2 Millionen Tonnen Koks, 8916 Tonnen Benzol, 16 823 Tonnen schwefelsaures Ammoniak, 38'359 Ton­nen Rohteer. 1890 legte Thyssen in Hamborn auch ein Hüttenwerk an.

Die Verkehrseinrichtungen umfassen: ein nvrmal- spuriges Eisenbahnnetz von 200 Kilometer Schienen- länge, zwei eigene Rheinhäfen, die auf zum Teil eige­nen Schiffen einen Gesamtumschlag von weit über drei Millionen Tonnen vermitteln. Für mehr als 26000 Arbeiter sind Arbeiterkolonien angelegt, Wohlfahrts- kassen, Fortbildungsschulen, Kinderbewahranstglten, Beamtenkasino usw. werden von Thyssen unterhalten.

1903 erwarb Thyssen von dem Freiherr« v Lands­berg das seit 1280 bestehende. Kettwig a. d 9L gegen­überliegende, Bergschloß Landsberg, das er im alten Stil zum größten Teil neu aufführen und ausbauen ließ. Dort ist er jetzt im Patriarchenalter gestorben. Sein Vermögen wird auf 400 Millionen Mark geschätzt.

Die Leitung der Firma, die als einzige der deut­schen Grotzunternehmungen noch nicht in Gesellschafts­form ltverführt ist, hat heute sein ältester Sohn, der 1873 geborene Fritz Thyssen, der im Januar 1923 einen Zusammenstoß mit der französischen Besatzungsbe­hörde hatte und in Mainz zu hoher Geldstrafe ver­urteilt wurde, weil er sich weigerte, deren Befehlen nachznkommcn.

Italienische Drohungen.

Zum Anschluß Oesterreichs an Deutschland.

Wie aus Rom gemeldet wird, schreibt der ^Vizepräsident der italienischen Kammer, Paolucci, in derTriluua", sollte Oesterreich auf irgend eine Weise beut Anschluß zustreben, so müsse gesagt werden, daß eine etwaige Zollcmion mit D e ti ts ch'l a u b bett Artikel 88 des Vertrags von St.Germam verletzen würde, der Oesterreich auch die indirekte Aufgabe seiner Unabhängigkeit verbietet. Italien werde nicht zulaffeu, daß derdeutsche Drang nach Osten" den Weg über Wien nehme. Paolucci kommt nach diesen Drohungen 51t dem Schluß, Italien müsse Oesterreich weitere Konzessionen machen und sei auch dazu bereit, um zu verhindern, daß es sich Deutsch­land in die Arme werfe.

Neues vom Tage.

Der Hamburger Kommunistenführer Haus v. Borstel ist von seiner Partei wegen schweren Verstoßes gegen die prole­tarische Moral ausgeschlossen worden. Borstel war bisher der unbestrittene Führer der kommunistischen Fraktion in der Ham­burger Bürgerschaft.

DieSaarzeitung" in Saarlouis, die von der Regierungs- kommission am 20. März aus vier Wochen verboten worden war, ist jetzt nach Ablösung Raoults durch Präsident Stephens wieder freigegeben worden.

Wie Havas aus Angara berichtet, haben die deutschen und türkischen Delegierten die Handelsvertragsverhandlungen wegen des Abschlusses eines deutsch-türkischen Handelsvertrages fort­gesetzt. Die nächste Sitzung soll am Dienstag sein, um den türkischen Delegierten zu gestatten, gewiss» Punkt« zu prüfen.

Die Königin von Norwegen ist in Begleitung des Kron­prinzen in London eingetroffen. Sie wurde bei ihrer Ankunft von ihrem Bruder, dem König Georg, empfangen. Der Besuch ist durch die Krankheit ihrer Schwester, der Prinzessin Viktoria, veranlaßt worden.

Der mexikanische Gesandte in Washington tritt der Mel­dung derAssociated Preß" aus Kalifornien entgegen, wonach große Ländereien in Mexiko an Japan verkauft worden seien.

Nach einer englischen Blattermeldung aus Kalkutta sind bei den dortigen Unruhen zwischen Hindus und Moham­medanern 50 Personen getötet und 500 verwundet worden.

Der jugoslavische Ministerpräsident Patschilsch hat am Sonntag dem König die Demission des Kabinetts unterbreitet.

Der päpstliche Pronuntius Kardinal Ccretti hat am Montag abend endgültig Paris verlassen.

An der italienisch-südflaviscben Grenze überfielen, einer Blättermeldung zufolge, drei maskierte Banditen eine kleine Eisenbahnstation und raubten 250 000 Lire. Bei der Ver­folgung wurden zwei der Banditen niedergeschossen, ein Faszist getötet sowie mehrere Zollbeamte verwundet, der dritte Bandit ist mit dem Gelde entkommen.

Nach in Paris einten offenen Meldungen aus Kairo^ sollen in Tantab am Samstag Nachmittag durch eine Feuersbrunft 612 Häuser eingeäschert worden und 32 Per­sonen in den Flammen umgekomwen sein.

Die Meldungen aus China stimmen darin überein, daß die Belagerung Pekings begonnen hat.

Nach einer Meldung des »New Pork Herald^ aus Tanger sind von Abd el Krim drei Emissäre mit dem Auf­trag, Friedensverbandlungen anzubahnen, nach der franzö­sischen und der spanischen Zone, sowie nach Tanger ent­sandt worden.

Sie Hausse an der Börse.

In der Börsenwoche vor Ostern zeichnete sich das Effekten­geschäft durch einen ganz bedeutenden Aufschwung und eine ungewöhnliche Lebhaftigkeü aus. Verburrden damit war eine so ausgeprägte Haussebewegung, wie eine solche in diesem Ausmaß kaum jemals im Börsenhandel zu beobachten gewesen ist. Als ein Moment, das besonders hervorgehoben zu werden Anlaß bietet, ist, daß diese am Aktienmarkt herdorgettetcne scharfe Aufwürtsbewegung irotz mannigfacher ungünstiger Einflüsse eine Zähigkeit aufwieS, bic selbst in Borsenkreyen bet größten Beachtung begegnete. Abgesehen davon, daß sich die Hausse von einer Woche auf die andere übertrug, konnte sich diese auch tagelang behaupten und erfuhr fortgesetzt eine Steigerung, wodurch sich in kurzer Frist eine Aufwertung für einzelne besonders begünstigte Aktienwerte von 2530 Prozent vollzog. Das stürmische Treiben wuchs sich allmählich in ein stark nervöses Geschäft aus. Betont -nutz werden, daß die Hauptstütze dieser seltenen Börsenvcranlagnng der andauernd flüssige Geldstand und die Diskontcrmaßigung der RcichSdank bildeten, ein Vorgang, der geeignet war, bic ohnehin optlim- siische Auffassung der Börsenspekulation zu steigern. Dabei wurde auch der llmftanb der als gebessert bezeichneten Wirl- schaftslage ins Feld geführt. Besonders der letztere Punkt findet eine Bestätigung, indem sich weite Kreise deS Publi­kum-'. wieder dem Börsengeschäft zuwenden und ihr Interesse in Aktienkäusen, die zu Anlagezwecken Verwendung huben, bekunden. Merkwürdigerweise konnte der Anleihemarkt von dieser Kvnjunktnrbcsserung der Aktien nur wenig gewinnen, aber der Pfandbriefmarkt war zeitweise gleichfalls in lebhafter Bewegung und fester Stinunung.

Am Geldmarkt ist anfangs der vorigen Woche infolge der im Gange gewesenen Abwicklung des MärzultinwS eine leichte Versteifung ciiigctretcn. BemerkenStverter Weye ist jedoch das Angebot so reichhaltig gewesen, daß die Nachfrage ohne größere Schwierigkeiten befriedigt werden konnte. v"ich bet Erledigung des Ultimos wurde der Geldstand wieder etwa-- leichter. Das Devisengeschäft war durch die siane Hmtmig des Pariser und deS belgischen Franken in eine lebhafte Be- Wegung geraten. Beide Valuten^ hatten eine starke ,1b» schwächung hinter sich, konnten aber schließlich auf Inter­ventionen eine leichte Erholung erringen.

Die Leiche der Jurjewskaja gefunden.

Andermatt, 6. April. In der Schöllencnschlncht würbe jetzt die Leiche der Berliner Sängerin Jnr- jewskaja gefunden. Durch den Leichenvefuud wurde bestätigt daß die Sängerin durch Selbstmord geendet nt