Schlüchtemer Zeitung
Kreis-Kmisblatt * Myememev amtlicher Kirzeryer für -vr Kreis Schlüchtem öeiukun- SevUlg: tz. Steinfetd Söhne* Seschäftsfk Rahnhofstv.6 * fernspv'.Nr.^y * Postfih«kk:^«nkstwtlrM.rrryo Rr 47 Donnerstag, den 22. April 1926 78. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
J.-Nr. 3612. Die Herren Bürgermeister zu Salmünster, Soden, Altengronau, Elm, Eckardroth, Kressenbach, KerberS- dorf, Marborn, Niederzell, Sterbfritz, Uttrichshausen, Wahlert, Wciperz und Züntersbach, werden an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 6, d. Mls. — Nr. 3079 —, betr. Gewerbezählung am 16. Juni v. Je. erinnert.
Schlüchtern, den 19. April 1926.
Der Landrat. J. V.: Schult-is.
Kreisausfchutz.
J.-Nr. 2165 K. A. Am Freitag, den 7. Mai 1926 vormittags 9 Uhr findet im Kreistagssaal Hierselbst ein Kreistag statt.
Schlüchtern, den 19. April 1926.
Der Landrat des Kreises Schlüchtern.
Bullenversteigerung in Schlüchtern.
J.-Nr. 2283 K. A. Der Verband kurhessischer Fleckvieh- züchter veranstaltet am Donnerstag, den 6. Mai 1926 vormittags 10 Uhr in Schlüchtern (an der Stadthalle) seine diesjährige Frühjahrs-Bullenversteigerung. Die Versteigerung war zuerst in Fulda geplant; aus besonderen Gründen mußte sie jedoch nach Schlüchtern verlegt werden.
Unter Bezugnahme auf die den Herren Bürgermeistern des Kreises übersandte Druckschrift ersuche ich die Herren Bürgermeister, auf die angesetzte Bullenversteigerung in den Gemeinden in ortsüblicher Weise aufmerksam zu machen.
Die Versteigerungen haben den Zweck, den Gemeinden und sonstigen Interessenten den Ankauf guter (Simmentaler-) Zuchtbullen zu erleichtern. Die Versteigerung am 6.^Mai d. Js. in Schlüchtern wird von den Kreisen Gersfeld, Schlüchtern, Hünfeld, Hersfeld und Rotenburg mit Bullen beschickt.
Da voraussichtlich etwa 100 Bullen bei der Versteigerung zum Auftrieb kommen werden, wird sich für die Genieindeli eine günstige Gelegenheit zum Ankauf von Zuchtbullen bieten. Die betreffenden Herren Bürgermeister mache ich hierauf besonders aufmerksam.
Schlüchtern, den 20. April 1926.
Der Landrat des Kreises Schlüchtern : von Trott zu Soft.
Stadt Schlüchtern.
Warnung an die Hundehalter.
Aus Anlaß von Beschwerden werden die Halter von Hunden auf die nachstehenden Bestimmungen hiermit nachdrücklich hingewiesen:
i. Nach § 367 Ziff. 11 des Strafgesetzbuches wird mit Geldstrafe bis zu 150.— Mk. oder mit Haft bestraft, wer bösartige Hunde frei umherlaufen läßt oder in Ansehung ihrer die erforderlichen Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung von Beschädigungen unterläßt. Der Hund braucht noch nicht jemand zu beißen und zu verletzen, das „Anfällen" oder „Stellen" genügt.
2. Nach der Bezirkspolizeiverordnung vom 8. November 1873 (Reg. Amtöbl. S. 62) verfällt derjenige, dessen Hund in einem fremden Jagdrevier jagend, suchend oder aufsichtslos umherlaufend betroffen wird, in eine Geldstrafe bis zu 30.- Mk.
3. Nach § 30 Ziff. 6 des Kurhefsischen Gesetzes vom 7- September 1865 (G. S. S. 571) dürfen Hunde, die herrenlos oder deren Eigentümer unbekannt sind, wenn sie in fremden Jagdrevieren betroffen werden, von Jagdberechtigten getötet werden.
Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen unter 1 und 2 werden künftig unnachsichtlich mit strenger Strafe geahndet werden. Die Jagdberchtigten sind angewiesen, nach der Bestimmung unter 3 zu verfahren.
Schlüchtern, den 20. April 1926.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Bekanntmachung.
Am Montag, den 26. d. M t s. vormittags 9 llhr verkauft die Stadt Schlüchtern eine in der sogenannten Eehmkaute an der verlängerten Kurfürstenstraße stehende Halle.
Schlüchtern, den 19. April 1926.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Beschleunigte Verhandlungen mit Spanien.
Berlin, 20. April. Die gegenwärtige Lage der deutsch- panischen Handelsvertragsverhandlungeu hat in den letzten Wochen den Gegenstand 'eingehender Beratungen der Reichs- ^gicrung gebildet, zu denen auch Sachverständige aus allen octeiligtcn Kreisen zugezogen waren. Nach Abschluß der ^cratungcn hat die NeichSregierung nunmehr beschlossen, den Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Hagedorn, in besonderer Mission nach Madrid “ ontsenoeu, um mit der spanischen Regierung eine Ver- Bändigung in den Punkten herbeizuführen, in denen bisher ^Ne Einigung nicht erzielt werden konnte.
Der Völkerbund.
Seit dem Fiasko der letzten Tagung des Völkerbundes in Genf wird dieses politische Gebilde in der Oeffentlichkeit wieder hart umstritten. Viele sprechen ihm jede Existenzberechtigung ab, wogegen andere trotzdem in dem Bunde ihr Ideal erblicken. Da ist es nun interessant, zu hören, wie ein so kühl denkender, erfahrener alter Politiker wie der holländische Außenminister Dr. v. Karnebeek darüber urteilt.
Dieser beschäftigt sich nämlich soeben in einem längeren Artikel mit dem Völkerbund. Der holländische Außenminister führt hierbei im wesentlichen aus, die Wirksamkeit des Völkerbundes habe sicherlich zu starken Enttäuschungen in mancher Beziehung Veranlassung gegeben. Aber dies sei bei einer so neuen und jungen Institution nicht verwunderlich. Vor allem sei zu erwarten gewesen, daß alle die Tendenzen, die in der großen Politik zum Ausdruck kämen, wie namentlich nationale Interessengegensätze und auseinanderlaufende historische und kulturelle Traditionen und Auffassungen, sich auch im Völkerbünde auswirken und sogar hier und da in ihm die Oberhand gewinnen würden. Aber darin liegt noch kein Grund, an der Zukunft des Völkerbundes zu zweifeln. Der Völkerbund sei die Verwirklichung einer Forderung des Zeitgeistes. Wenn man ihm genügend Zeit zur Entwicklung lasse und keine unerfüllbaren und unzeitgemäßen Anforderungen an seine Wirksamkeit stelle, werde von ihm ein großer wohltätiger Einfluß ausgehen.
Die Bedeutung und Existenz des Völkerbundes werde man erst dann wirklich begreifen, wenn man bedenke, wie die Wiederherstellung Europas nach dem großen Kriege ohne ihn ausgesehen haben würde. Eine der größten Gefahren, die den Völkerbund bedrohten, läge darin, daß man ihm das Prinzip einer unbedingten, durch Sanktionen gewährleisteten Aufrechterhaltung eines bestimmten, nach dem Kriege geschaffenen Status quo zugrunde gelegt habe, ohne daß für die dem Problem unhaltbar und gefährlich gewordenen Situationen eine ausreichende Lösungsmöglichkeit vorgesehen sei. Aber auch in dieser Hinsicht werde Zeit und Erkenntnis der internationalen Zusammengehörigkeit und gegenseitiger Abhängigkeit den notwendigen Ausgleich bringen. ' ,
Bezüglich der aktuellen Frage der Erweiterung des Völkerbundsrates habe das holländische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten stets mit Recht den Standpunkt eingenommen, daß der Grundsatz der Einstimmigkeit nicht aufrecht zu erhalten sei, wenn die Zahl der Ratsmitglieder zu groß werde. Ferner müsse die Ratsmitgliedschaft auf die wirklich großen Mächte beschränkt werden, da diese in der internationalen Politik auch die größte Verantwortung zu tragen hätten, während die dem Völkerbund angehörenden kleineren Staaten sie soweit wie möglich unterstützen und beaufsichtigen müssen. Noch im Jahre 1922 hätten die Niederlande als einzige Macht vor einer weiteren Ausdehnung des Völkerbundsrates gewarnt. Inzwischen sei in der letzten Genfer Verwirrung das eine zutage getreten, das man auch in anderen Staaten gegen die Gefahren einer übermäßigen RatSerweite- rung nicht blind sei und hoffen dürfe, daß auch in dieser heiklen Frage noch eine befriedigende Lösung gefunden wird.
Die iimerpolitische Lage.
Erklärungen des Reichsinnenministers.
Der Reichsinnenminister Dr. Külz hat sich in einer in Zittau gehaltenen Rede ausführlich mit der innenpolitischen Lage befaßt.
In der Innenpolitik, so erklärte er, spiele augenblicklich eine bedeutende Rolle die Frage der Fürstenabfindung. Es sei zu wünschen, daß es recht bald gelinge, ein dem Volks- empfinden und den Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprechendes Gesetz int Reichstage zustande zu bringen, denn die parlamentarische Gesetzgebung sei immer die primäre, die Plebiszita- rischc Gesetzgebung durch Volksentscheid müsse immer die sekundäre bleiben. Die Wahlresorm werde in weiten Kreisen des deutschen Volkes als eine Notwendigkeit empfunden. Die Mängel des gegenwärtigen Systems lägen klar zutage.
Sie beständen in der Entpersönlichung des Verhältnisses zwischen Wählern und Abgeordneten und in der zum Teil ganz undemokratischen Form der Wahl, wie sie vor allem in den sogenannten Reichslisten verkörpert fei. Das Reichsschul- gcsetz werde ebenfalls von weiten Kreisen der Bevölkerung dringend gefordert, um die Unruhe zu bannen, die in der Entwicklung des Volksschulwesens eingetreten fei. Beide Gesetze müßten mit besonderer Vorsicht und unter Ausnutzung der Lehren der Vergangenheit, aber auch mit dem Nachdruck betrieben werden, der ihrer Bedeutung zukomme. Die gegenwärtige Regierung habe eine geschlossene Mehrheit des Reichstags nicht hinter sich. Sie gehe ihren Weg geradeaus in der Richtung, die sie durch das Wohl des Vaterlandes für geboten halte, und die Unterstützung bei ihrer praktischen Arbeit fei ihr vom gleichen Werte, ob sie von rechts oder ob sie von links komme, und von diesem Standpunkt auS fühle er sich durchaus nicht als Minister einer schwachen, sondern einer starken Regierung.
Heinrich Sklarz verhandlungsfähig.
Berlin, 20. April. Nach mehrtägiger Unterbrechung wurde der Betrugsprozeß gegen Sklarz heute wieder ausgenommen. Sklarz hat' nach dem Gutachten der Arzte ein organisches Herzleiden, ist aber verhandlungsfähig. Allerdings wird eine gewisse Schonung empfohlen, so daß mit ihm nicht länger als drei Stunden verhandelt werden soll.
Neues vom Tage.
— Wie aus Berlin gemeldet wird, soll die Maimiete in Preußen unverändert bleiben.
— Im Auftrage der sozialdemokratischen Reichstag sraktion hat sich Hermann Müller an den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, den Abgeordneten Hergt, gewandt, um die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses zur Erörterung der Russen- Verträge beantragt.
— In der Zeit vom 1. April 1925 bis 31. März 1926 hat das Reich an Steuern, Zöllen und Abgaben 6 856103 413 Reichsmark gegenüber einem Voranschlag von 6 770 500 RM. vereinnahmt.
— Die deutsch-russischen Verhandlungen sind in den letzten Tagen sehr erheblich fortgeschritten. Es sind zwar noch einige Differenzpunkte vorhanden, doch dürften auch diese bald geklärt werden. Der Abschluß dieser Abmachungen, die einer Befestigung des Rapallovertrags dienen sollen, werden noch im Laufe dieser Woche erwartet.
— Mehrere Berliner Blätter beschäftigen sich mit den Auslassungen des demokratischen ZeitungSdiensteS über die Möglichkeit einer Regierungsumbildung. Im allgemeinen wird jedoch den Krisengerüchten keine große Bedeutung bci- gemessen.
— Wie die Pressestelle der Reichsbahndirektion Magdeburg milteilt, haben anscheinend die gleichen Verbrecher, die gestern auf der Strecke Berlin—Magdeburg zwei Laschen abgeschraubt und beseitigt hatten, was rechtzeitig entdeckt wurde, 800 Meter von der betreffenden Stelle entfernt neuerdings aus einer wichtigen Eifenbahnfernsprechleitung 200 Meter Bronzedraht herausgeschnitten und gestohlen.
— Wie aus Breslau gemeldet wird, entstand in der Maschinenfabrik H. Meinecke A.-G. in dem Vorort Carlowitz ein Riesenbrand, der einen Teil des Werkes vernichtete. Man vermutet Brandstiftung.
— Nach den letzten Meldungen über die Friedensver- Handlungen mit den Rifdeleqicrtcn haben sich erhebliche Schwierigkeiten ergeben, fodaß eine Verständigung zweifelhaft erscheint.
—Bei der August Thyffenhütte in Hamborn sind große Veruntreuungen und Fälschungen aufgedeckt worden, die von Angestellten auswärtiger Baufirmen, die bei der Thyffenhütte Bauten auszuführen hatten, durch Fälschung der Lohnlisten verübt wurden. Bis jetzt wurde ein Fehlbetrag von 70000 Mark festgestellt.
Die Wohnungsnot.
Baldiger Uebcrgang zur freie« Wirsschaft.
Auf dem Kongreß der Christlichen Gewerkschaften in Dortmund hielt der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsie f e r einen Vortrag über das Wohnungs- und SiedlungS- wefen in Deutschland.
Er führte «. a. aus, die Wohnungsnot wird, wenn die Bautätigkeit wie im letzten Baujahr anhält, in zunehmendem Maße gemildert werden können. Der Uebcrgang zur freien Wirtschaft ist auch auf diesem Gebiet vorgesehen. Gegen den Städtebau der älteren Schule muß der Vorwurf erhoben werden, daß es ihm nicht gelungen ist, die Aufgaben, die ihm durch das plötzliche Anwachsen der Städte gestellt wurden, in befriedigender Weise zu lösen. Das Eigenhaus, das Kleinwohnhaus ist aus der deutschen Stadt so gut wie verschwunden bczw. durch die Mietskasernen verdrängt worden. Das enge Zu- sammenwohnen mußte natürlich die verderblichsten Folgen in gesundheitlicher, kultureller und nationaler Hinsicht mit sich bringen. Die mangelhaften WohnungsvcrhLltnissc förderten die soziale Unzufriedenheit in den breiten Schichten der Bevölkerung.
Kein anderes Gebiet der Güterproduktion batre durch den Krieg und seine Folgen eine so schwere Erschütterung erfahren, wie die Bauwirtschaft. Erst mit der Stabilisierung der Währung war es möglich, unsere Wohnungswirtschaft wieder aufzubauen. Als Grundlage einer neuen WohnungS- wirtschaft muß besonders für Steinhäuser mit Gärten geeig- netesBaulandzu angemessenen Preisen zur Verfügung gestellt werden. Eine weitere wichtige Frage ist die Finanzierung, sowie B e s ch a f f u n g v 0 n Z w i s ch e n k r e d i t e n und von Rcalkrediten. Notwendig ist die weiträumige Bebauung im Flachbau. Das Micthaus darf im weientl-chen nur noch zur Ausfüllung der Baulücken in den Städten zu- gelassen werden. Die Baugenossenschaften müssen vom Staat noch mehr gefördert werden. Aber auch die private Bautätigkeit muß ihr Feld behaupten.
„Es ist lächerlich . . "
London, 20.tApril. Die „Westminster Gazette" führt im Leitartikel aus, die Durchführung des Locarno-PlaneS würde zweifellos Rußland isolieren, nicht meil dies das erstrebte Ziel ist, sondern lediglich infolge der eigensinnigen Weigerung der Sowjetregierung mit dem Völkerbund zu arbeiten. Der Genfer Zusammenbruch gab Rußland aufs neue die Möglichkeit, das Unvermeidbare aufzuschieben. Tschitschcrin nutzte sie geschickt aus. Deutschlands Vorgehen ist durchaus berechtigt, aber es bildet auch eine wichtige Lehre für Störenfriede von Genf. ES ist lächerlich zu glauben, daß Deutschland dauernd als armer Bittsteller behandelt werden könne, der an der Tür des Völkerbundes warte.