Schlüchttmer Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myerneinev amtlicherKnzeitzev für den Kreis Schlächtern
tnukunb vevtagrtz.Steinfetd Söhnen SeschästsftrBahnhofstr.S * sernspv.Nr.r^ * pvststh«kk:P!ankslwtleM.rrz«>
Nr 52
Dienstag, den 4. Mai 19*6
7«. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Kreisausschutz.
Jungbullenkörung.
J-Nr. 2497 K. A. Es war beabsichtigt, die auf 8. Mai 1926 anbcraumte Jungbullenkörung mit der Sullenversteigerung am 6. Mai 1926 zu verbinden. Da dies jedoch aus verschiedenen Gründen nicht angängig ist, wird der nächste
Zungbullen-K3r-Termi« e«f Samstag, den 22. Mai 1926 vormittags 10
Uhr in Schlächtern hiermit verlegt.
Schlächtern, den 1. Mai 1926.
Der Landrat.
Allgemeine Ortskrankenkaffe Schlächtern.
Die Einzahlung der noch rückständigen Beiträge aus den Zahltagen für die Monate Januar/März 1926 wird hiermit in Erinnerung gebracht.
Hebetermine finden statt:
l. i n S t e i n a u, am Mittwoch, den 12. Mai 1926 von vormittags 10 bis nachmittags 4 Uhr in der Eckart'schen Gastwirtschaft daselbst und zwar für Steinau und die naheliegenden Gemeinden.
2. in Sterbfritz, am Freitag, den 14. Mai 1926, für Sterbfritz und die umliegenden Gemeinden, von nachmittags 3 bis 6 Uhr in der Böhm'schen Gastwirtschaft daselbst.
3. i n Salmünster, für Salmünster und Ahl, am Mittwoch, den 19. Mai 1926, von vormittags 9 bis 12 Uhr im Gasthause zum Engel daselbst und
4. i n Soden, ebenfalls am Mittwoch, den 19. Mai 1926 von nachmittags i72 bis 472 Uhr im Gasthause, Wolf (zur Hoffnung) für Soden und die naheliegenden Orte.
Verbliebene Rückstände müssen alsdann unverzüglich zur Mngsweifen Einziehung gelangen.
Die Herren Bürgermeister bitten wir dieses im Interesse ihrer Gemeindeangehörigen wie seither ortsüblich bekannt machen zu lassen.
Schlächtern, den 28. April 1926.
Der Vorstand der Allg. Ortskrankenkasse.
Aadt Schlächtern.
Ausschreibung.
Die Jnstallationsarbeiten (Be- und Entwässerungoan- fagen) in den beiden städtischen Neubauten sollen vergeben werden.
, Schriftliche Angebote sind in verschlossenen Briefumschlägen mit der Aufschrift „Submission" bis spätestens Sonnabend, den 8. d. Mts. vormittags 10 Uhr dem Stadt- bauamt einzureichen.
Die Oeffnung der Angebote geschieht in Gegenwart "wa erschienener Bewerber. Zeichnungen, Bedingungen und 'Angebotsformulare können daselbst vorher eingesehen und Utztere gegen Erstattung von 0,50 Mark Schrcibgcbähr für 1° ein Los in Empfang genommen werden.
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.
Schlächtern, den i. Mai 1926.
Der Magistrat: Gaenßlen.
Die Maifeiern.
Ruhiger Verlaus im Reiche.
Die Maifeiern sind überall im Reiche in der üblichen Weise durch Umzüge und Masscnversammlun- ü^n begangen worden, ohne daß es zu größeren Störungen kam. In Berlin veranstalteten die Kommuni- llen eine Kundgebung im Lustgarten. Die Berliner Heitungen sind am Sonnabend nachmittag und am «onntag nicht erschienen.
Auf den Zechen des Ruhrgebietes war die Be- ^igung an der Maifeier sehr gering. Wie schon im Vorjahre, sind nur auf den Zechen in den östlichen und westlichen Revieren die Belegschaften zum Teil U'cht zur Arbeit erschienen. In den übrigen Revieren lnurde voll gearbeitet.
Blutige Zusammenstöße in Warschau.
, Wie aus Warschau gemeldet wird, kam es dort zu sliltigen Zusammenstößen zwischen Sozialisten und Kommunisten, als die letzteren versuchten, sich den so« ^nlistischcn Demonstranten anzuschließen. Fünf Per- l°nen wurden dabei getötet unb fünfzig schwer verletzt.
. Junkerö-Flugzeuge für Südafrika.
.... Kapstadt, 2. Mai. Zwischen dem Luftschiffahrtsamt der lUdasrikanischcn Union und dem Vertreter der Junkers-Werke btc Verhandln »gen über Einrichtung eines südafrika- "Wir Flugdienstes wieder ausgenommen worden. Der aus uationalen Kreisen stannnerrde Einivaud, daß ausländische plugzenge nicht bertueubet ivcrdeu sollen, fällt fort, da man udereindekomnren ist, englische Motoren in die JuulerS-Flug- °°uge enizubanem
Stresemann und der derliner Vertrag.
Rußland und der Völkerbund.
Wie aus Berlin berichtet wird, hat sich Reichsaußenminister Dr. Stresemann einem deutschen Pressevertreter Senüber eingehend über den deutsch-russischen Vertrag aus- rssen. Der Minister erklärte dabei u. a.:
Das Argument, daß Rußland völkerbundsseindlich ist, können wir nicht gelten lassen. Wer solche Argumente in die Debatte wirft, treibt ein gefährliches Spiel, denn dieses Argument läuft dahin hinaus, daß ein Mitglied des Völkerbundes mit der Sowjetregierung keine politischen Bindungen eingehen dürfe. Damit würde aber denjenigen recht gegeben werden, die behaupten, daß der Völkerbund und die Locarno-Verträge letzten Endes gegen Rußland gerichtet seien. Eine solche Unterstellung ist von den leitenden Staatsmännern, mit denen wir m Locarno verhandelt haben, auf das bestimmteste zurück- gewiesen worden und wir finden keinen Zweifel, daß sie einen solchen Standpunkt mit derselben Entschiedenheit zurückweisen. Daß Rußland derzeit den Völkerbund ablehnt, ist politisch kein Grund gegen die Tatsache des Abschlusses. Im Gegenteil, gerade weil Rußland abseits steht, ist eine Ausgleichung um so notwendiger.
Es liegt nicht nur im deutschen, sondern auch im europäischen Interesse, daß keine unüberbrückbare Kluft zwischen der Sowjetunion und dem übrigen Europa geschaffen wird. In irgend einer Weise muß auch Rußland an der großen Friedensgemcinschast beteiligt werden. Man hat eingewendet, daß Deutschland sich mit dem Berliner Vertrag die Freiheit seiner Stellungnahme im Völkerbund nehme. Das ist eine ungeheuerliche Verdächtigung unserer Absichten, die in keiner Stelle des Vertrages oder des Notenwechsels eine Stütze findet. Vielmehr ist gerade der Notenwechsel, der die Völkerbundsfrage behandelt, mit seinen deklaratorischen Feststellungen auf der Tatsache aufgebaut, daß wir unsere Verpflichtungen aus dem Völkerbundsstatut loyal erfüllen werden. Es ist ein feststehender Grundsatz des Völkerbundes, daß jedes Mitglied selbständig darüber entscheidet, ob ein Staat einen Friedensbruch begangen hat und ob damit die Voraussetzungen für eine Bundes« exekution gegeben sind. Wie kann man uns einen Vorwurf daraus machen, wenn wir diesen unbestrittenen Grundsatz gegenüber Rußland zum Ausdruck bringen? Eine selbständige Entscheidung ist nie und nimmer gleichbedeutend mit einer parteiischen Ensscheidung. Auch die bekannten Bündnisverträge, die einzelne Völkerbundsmitglieder untereinander abgeschlossen haben, beruhen auf diesem freien Entscheidungsrecht der Bundesmitglieder und doch hat niemand daran gedacht, gegen die Bündnisverträge diesen Einwand zu erheben, obwohl die Gefahr der Parteilichkeit hier sicherlich größer ist als bei dem reinen Neutralitätsvertrag, wie wir ihn mit der Sowjetunion abgeschlossen haben. Ich kann nicht annehmen, daß die Berechtigung dieser guten Beziehungen, wie sie im Berliner Vertrag zum Ausdruck kommen, einen Anlaß geben könnte, der Inkraftsetzung der Locarno-Verträge Schlauer'.- leiten zu bereiten.
Wirtschaft und Staatssinanzev.
Aus einer Rede des Reichsfinanzministers.
In dem bekannten „Ueberseeklub" in Hamburg hat Reichsfinanzminister Dr. Reinhold eine groß angelegte Rede über das Thema „Wirtschaft und Staatsfinanzen" gehalten, in der er u. a. ausführte:
Die augenblickliche Wirtschaftskrise sei nicht nationaler Art, sondern bis zu einem gewissen Grade eine europäische, ja sogar eine Weltkrise. In Deutschland kämen zu diesen Schwierigkeiten noch die Lasten für die Reparationszahlungen. Die Wirtschaftskrise sei zum Teil durch die zu starken Steuererhebungen verursacht worden, die jedoch durch die Stabilisierung der Währung der deutschen Wirtschaft hätten auserlcgt werden müssen. Auch heute noch habe die Rcichsrcgicrung die dringende Pflicht, alles zu tun, um eine neue Erschütterung der Währung zu verhindern.
Zur Aufwertungsfrage führte der Redner aus, daß die Frage nicht zum Gegenstand politischer Agitation gemacht werden dürfe. Dr. Reinhold verwies sodann auf die Aufhebung der Hemmungen im Devisen verkehr. Das Ziel fei die Rückkehr zu normalen und vollkommen gesicherten Verhältnissen. Das Steuerbcdürfnis müsse wieder in ein gesundes Verhältnis zur S t e u e r k r a f t gebracht werden. Eine von der Rcichsrcgicrung ausgearbeitete Statistik tverde demnächst dartun, wieviel in &m letzten Jahren von Reich, Ländern und Gemeinden aus best Wirtschaft herans- geholt worden sei. Zu volle öffentliche Kassen boten große Gefahrenmomente und führten naturnot' 'endig zu einer ber« schwcndcrisck-en Wirtschaft, die mit der Verarmung unseres Volkes in keinem Verhältnis stehe. In diesem Zusammenhang wandte sich der Redner scharf gegen die Anwendung von öffentlichen Geldern. Vor allem dürften keine Gelder angewandt werden für Unternehmungen, die auf zweifelhafter Grundlage ständen. Die Zustände drängten dahin, daß man mit aller Energie prüfe, ob es nicht möglich fei, die Lasten der Wirtschaft einigermaßen zu erleichtern und dazu sei es nötig, gewisse Verwaltungsreformen durchzuführen. Das Verhältnis zwischen Reich, Ländern und Gemeinden verteuere die Verwaltung zudem noch. Es müsse unbedingt ge- prüft werden, luic wir in Deutschland billiger verwalten könnten. Wenn Deutschland auch niemals sich so vollkommen zentralisieren könne wie andere Länder, so könne es doch nicht immer bei den früheren Zuständen bleiben. Die Aufgaben- berteilung habe sich vollkommen geändert. Der Reichsregie-
Neues vom Tage.
— Der deutsche Delegierte für die Abrüstungskonferenz, Graf Bernstorff, wird von dem Obersten aus dem Reichswehrministerium von Stülpnagel, der der militärpolitische Berater der Delegation sein wird, begleitet sein.
— In Ergänzung der Meldung über die bevorstehende Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge vom 28. April erfahren wir von zuständiger Seite, daß das Reichskabinett bisher lediglich beschlossen hat, das bisherige Unterstützungsjhstem bis zum 22. Mai zu verlängern.
— Nach Mittellung verschiedener Blätter soll sich der ehemalige Kronprinz gegenüber einem Vertreter der „Dally News" über verschiedene aktuelle politische Fragen, darunter auch über die Frage der Fürstenauseinandersetzungen, geäußert haben. Wie hierzu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sind die Mitteilungen über das Interview erfunden. Der Kronprinz hat einem Vertreter der „Daily News" keine Unterredung gewährt.
— Wie zuverlässig verlautet, haben die hier seit kurzem zwischen der niederländischen und der deutschen Regierung geführten Verhandlungen über den Abschluß des Schiedsgerichts- und Ausgleich- Vertrages einen günstigen Verlauf genommen, so daß die Unterzeichnung des neuen Vertrages unmittelbar bevorsteht.
— Der radikale französische Abgeordnete Milhaud hat eine Interpellation über die Tragweite und die Folgen des kürzlich von der deutschen und der russischen Regierung unterzeichneten Vertrages eingereicht.
— Amtlich wird aus London gemeldet, daß keine Regelung an der Kohlenkrise erreicht worden ist. Der Kohlenstreik beginnt mit sofortiger Wirkung.
— Nach einer Meldung aus Rom wird die Banca d'Jtalia neues Papiergeld mit dem Kopf Mussolinis ausgeben.
— Ueber die Unterbrechung der Friedensverhandlungen in Marokko wird mitgeteitt, daß die französische und spanische Regierung noch einen letzten Versuch unternommen haben, um die Rifleute zum Nachgeben zu veranlassen. Wenn bis zum 6. Mai die grundsätzliche Annahme der Bedingungen nicht erfolgt sein wird, werden beide Regierungen am 7. Mai ihre volle Aktionsfreiheit wieder nehmen.
— In der Streikkrise in England ist insofern eine Aenderung eingetreten, als es gelungen ist, eine neue Basis für weitere Verhandlungen zu finden. Premierminister Baldwin hatte bereits eine 5 ständige Besprechung mit den Bergarbeiter- vcrtrctcrn. Die Aussprache soll fortgesetzt werden.
— Im Heydepark in London kam es zwischen Faschisten und Kommunisten zu Zusammenstößen. In Glasgow kam es anläßlich der Maifeier zu einer Schlägerei zwischen Faschisten und Arbeitern, bei der mehrere Personen verletzt wurden. Die Polizei mußte in beiden Fällen eingreifen.
— Die Gattin des früheren französischen Botschafters in Japan, Regnault, ist in ihrer Pariser Wohnung ermordet worden. Man vermutet Raubmord.
— Die verwitwete Jckstizrätin Frau Lewy in der Alcran- derstraße in Berlin, wurde von zwei Männern, die angeblich Zimmer mieten wollten, betäubt und beraubt. Den Tätern fiel Bargeld und Schmuck im Werte von 10000 Mark in die Hände.
cung liege die Pflicht ob, Mittel und Wege zu suchen, die Vcv- hältuissc so zu gestalten, daß Mehrbewilligungen durch das Parlament von'der Regierung oder einer anderen Instanz nachgeprüft würden. Die Reichsregierung habe sich zur Aufgabe gemacht, noch vor dem Herbst die Grundlagen zu schaffen, die uns ein organisch gewachsenes einheitliches Steuersystem ermöglichen. Der Redner betonte, daß wir jetzt aus der schwersten Zeit heraus sein dürften. Es könne jetzt auch die Möglichkeit ins Auge gefaßt toerbett, bei der Erhebung der Einkommensteuer eine Ermäßigung eintreten zu lassen, um besonders den Mittelstand, der von dieser Steuer besonders stark belastet tverde, zu entlasten.
Die Fürstenabfindung.
Die Reichsregierung ergreift die Initiative
Das Reichskabinett hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine Regierungsvorlage auf der GrunÄage des im Rechtsausschuß des Reichstages liegen gebliebenen Kom- promißentwurfes über die Fürstenabfindung dem R c i ch s - r a t zugehen zu lassen. Es ist in Aussicht genommen, daß der Reichsrat am Dienstag über diese Vorlage entscheidet.
Für den Reichsrat soll bereits eine Zweidrittelmehrheit gesichert sein, da Preußen seine Stimmen für bei? Entwurf abgeben werde. Wenn der Entwurf dann an den Reichstag gelangt, so wurde hinter ihm die Reichsregierung, der Reichsrat, insbesondere die preußische Regierung einschließlich ihrer sozialdemokratischen Minister stehen. Man erwartet, daß die Zweidrittelmehrheit mit den Stimmen der SoziaDemoktaten bann erreicht werden wird.
Ein Schicdsvcrtrag mit Holland.
Berlin, 2. Mai. Wie verlaute^ haben die kürzlich im C'aag geführten Besprechungen über einen deuffch-niederlan- dischen Schiedsgerichts- und'VergleichSveArag einen günstigen Verlauf genommen. Es wurde eine Uebereinstimmung zwischen bett beiden Regierungen erreicht, so bafi halb mit der Unter» Zeichnung des Vertrages gerechnet werden kann.