Schlüchtemer Zeitung
Kreis-Kmtsblatt * Myemeiner mntlicherKnzeLyev ftr Kar Kreis Schlechtem
druck und Verta-:H.StnnMd Söhne* Gesthästsst: Vahnhofstv. 6 ★ fecnspr.itc.W * Poststheckk-.^ankflwru.M.rSrao
Rr 53
Donnerstag, den 6. Mai 1926
7« Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
Als nächsten Termin für die Abhaltung von Hufbcschlag- pmfungcn gemäß Bekanntmachung des Herrn Negierungs- Präsidenten vom 14. September 1924 (Amtsblatt S. 242) bestimme ich Sonnabend, den 3. Juli d. Js., vormittags 8 Uhr, in der Lchrscbmicde zu Caffel, Wörthstraße 5.
Meldungen zu dieser Prüfung sind bis spätestens zum z, Juni d. Js. unter Beifügung der in der Bekanntmachung bis Herrn Regierungs-Präsidenten vom 14. September 1924 Amtsblatt S. 242) vorgeschrittenen Unterlagen und gleichzeitig mir einer Prüfungsgebühr von 25 R.-M. an Herrn Betcrinärrat S ch l i tz b e r g e r in Caffel, Moritzstraße 15, imzusenden.
Die Prüfungsordnung für Hufschmiede kann bei den Wschmicden in Caffel, Fulda und Kirchhain eingesehen oder gegen Einsendung einer VcrwaltungSgcbühr von 2 R.-M vom Veterinärbureau der Regierung in Caffel, Schloßplatz, bezogen werden.
Caffel, am 19. April 1926.
Der Vorsitzende
des Prüfungsausschusses für Hufschmiede.
J.-Nr. 4136. Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.
Schlüchtern, den 30. April 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Stadt Schlüchtern.^
Ausschreibung.
Die äußeren Verputzarbeiten einschl. des damit verbundenen äußeren Anstrichs an den beiden städtischen Neubauten sollen vergeben werden. *
Schriftliche. Angebote sind in verschlossenen Bnefuw schlagen mit der Aufschrift „Submission" bis spätestens Montag, den 10. Mai 1926, vormittags 10 Uhr dem Stadtbauamt einzureichen.
Die Oeffnung dek Angebote geschieht in Gegenwart etwa erschienener Bewerber. Zeichnungen, Bedingungen und Angebotsformulare können daselbst vorher eingesehen und letztere gegen Erstattung von 0,50 Mk. Schreibgebühr für je ein Los in Empfang genommen werden.
Zuschlagserteilung bleibt vorbehalten.
Schlüchtern, den 4. Mai 1926.
Der Magistrat: Fenn er.
Deutschland und Amerika.
Der Reichskanzler an die amerikanischen Hoteliers.
Reichskanzler Dr. Luther hat die zum Besuch Deutschlands in Berlin eingetroffenen amerikanischen Hoteliers empfangen.
Der Kanzler hielt dabei eine Ansprache, in der er auf die guten und uralten Beziehungen des deutschen Volkes zu Amerika hinwies. Er erklärte, deutsche Siedler waren mit unter den ersten Bewohnern der neuen Welt und seien bis heute ein Hauptfaktor der amerikanischen Einwanderung geblieben. Der Weltkrieg habe uns in getrennte Lager geworfen, aber es müsse gesagt werden, daß niemals die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen so schnell vonstatten gegangen ist als zwischen Amerika und Deutschland. Amerikaner waren maßgebend bei den ersten Versuchen zum Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft und amerikanisches Kapital habe hier die erste und wirkungsvolle Hilfe geleistet. Die Politik der deutschen Regierung sei von dem Wunsche nach Frieden und Ver- iohnung der Völker geleitet.
Bei einem Festessen zu Ehren der Amerikaner ergriff auch ^cichsaußenminister Dr. Strescmann das Wort zu einer Ansprache, in der er betonte:
„Gebe Gott, daß in dem Verhältnis der Völker zueinander letzte große Krieg nur als baS letzte große furchtbar» Märchen weiter lebt, von dem es später heißt: Es war einmal, -kein Volk hat soviel durch den Krieg gelitten, Hüe Deutschland.
waren wir reicher mtb konnten mehr ansruhen. Jetzt werden wir für lange Zeit nur das Volk der Arbeit sein. Aber wir wollen Imcber in die Höhe kommen. Bei aller Arbeit wollen mir alte Freundschaften nicht vergessen. Grüßen Sie, wenn Sie znrückkehreu, den großen Repräsentanten Ihres ^wlkes, den Präsidenten Coolidge. Sagen Sie ihm, wie sehr wir ihm auch dankbar dafür sind, daß er uns Persönlichkeiten bon der Bedeutung und dem Charakter eines Houghton und ^churmann nach Berlin gesandt hat. Bewahren Sie auch dem, was Sie in Deutschland gesehen und erlebt haben, eine gute Erinnerung in Ihrem Herzen und lassen Sie uns hoffen, daß Ihr Besuch in den Ländern des alten Erdteils mit eine Basis M möge für Friede und Freundschaft zwischen den Völkern °-r Crde."
Ser Generalstreik in England.
4^ Millionen Streikende.
Der Generalstreik in England hat eine gewaltige Ausdehnung genommen. Außer den Bergleuten sind daran beteiligt die Eisenbahner, Metall-, Transport- und Bauarbeiter sowie die Buchdrucker. Der gesamte Zugverkehr ist eingestellt.
Nach den letzten Nachrichten ist die allerletzte Besprechung
Baldwins mit den Arbeiterführern und den Vertretern der Gewerkschaften vollkommen ergebnislos verlaufen. Der Generalstreik hat begonnen. In der letzten halben Stunde glaubte man noch, daß die Erklärung Churchills eine gewisse Berhandlungsbasis abgeben würde. Churchill hatte erklärt, daß die Regierung alles tun werde, um eine Einigung zu ermöglichen, vorausgesetzt, daß der Streik abgesagt werden würde. Auch der Arbeiterführer Thomas hatte für ein Eingreifen des Unterhauses plädiert, weil die Möglichkeit bestände, daß trotz aller Abneigung der Arbeiterschaft gegen die revolutionären Tendenzen ein Streik letzten Endes revolutionären Charakter annehmen würde.
Das Unterhaus ist indessen auseinandergegangen, ohne daß diese letzte Einigungsmöglichkeit einen Erfolg zeitigte. Man schätzt die Zahl der bis jetzt in den Streik getretenen Arbeiter auf 4%—5 Millionen. Ein unübersehbarer Strom von Arbeitern und Angestellten bewegt sich von allen Seiten Londons und aus den Vororten zur City. Alle Straßen sind Überfülle von Fußgängern, Radfahrern usw. Die undenklichsten Fahrzeuge werden zum Transport herangezogen. Ständig treten fast unüberwindliche Verkehrsstockungen ein. Auf den Eisenbahn- strecken laufen einige von freiwilligen Helfern bediente Züge. Die Postzustellung und teilweise sogar lebenswichtige Betriebe liegen still.
Die Haltung der deutschen Bergleute.
Während die christlichen deutschen Bergarbeiter jede Unterstützung der englischen Streikbewegung ablehnen, hat der Alte Bergarbeiterverband, wie aus Bochum gemeldet wird, eine Erklärung erlassen, in der es u. a. heißt:
„Zunächst wird der britische Bergarbeiterverband die Bergarbeiter-Internationale von der Lage benachrichtigen und um Durchführung einer Hilfsaktion ersuchen. Der Vorsitzende der Bergarbeiter-Internationale wird dann unverzüglich den ausführenden Ausschuß einberufen, der voraussichtlich beschließen wird, den angeschlossenen Landesorganisationen den .Solidaritätsstreik zu empfehlen. Dann hat der nationale Berg- arbciterverband über die Durchführung der Streikaktion zu be- schließen."
Die deutschen Transportarbeiterorganisationen.
Bon den deutschen Arbeitnehmerorganisationen haben nach dem Alten Bergarbeiterverband auch der Teutsche Ver- kehrsbund und die Verbände des Rheinver- kehrs und der Rheinschiffahrt in Besprechungen zu der Streiklage in England und deren Rückwirkung auf Deutschland Stellung genommen. Von den internalio- nalcnSpitzenvcrbänden sind ihnen jedoch noch keine Anweisungen für die Unterbindung der Kohlentransporte nach England zugegangen. Bisher sind auch Störungen oder Arbeitsniederlegungen int Duisburg-Ruhrorter Nmschlagshifcn nicht erfolgt. Das Exekutiv-Komitee des Internationalen Transportarbeiterverbandes hat beschlossen, die Einfuhr von Steinkohle nach England unbedingt zu verhindern. Am Dienstag bereits gingen telegraphische Anweisungen des Exc- kutiv-Komitees an die Transportarbeiterverbände Europas, an der Westküste die Steinkohlenausfuhr nach England wie auch jede Anmusterung für englische Schiffe zu unterbinden. Die holländischen Schiffer und Transportarbeiter haben noch besondere Anordnungen erhalten. Mit dem Ausbruch des Generalstreiks darf sich kein holländischer Schiffer für England anmustern lassen und an Bunkerkohle ist jeder Transport zu unterbinden.
Aushebung des Sichtvermerks zwischen Deutschland und Dänemark.
Kopenhagen, 4. Mai. Zwischen der deutschen und der dänischen Regierung ist die gegenseitige Ausübung des Sichtvermerkzwanges mit Wirkung vom 20. Mai 1920 vereinbart worden.
Das holländisch-englische Kabel.
Amsterdam, 4. Mai. Die Arbeiten an dem neuen Telephon-Kabel, das zwischen dem holländischen Hafen Tomburg und dem englischen Hafen Aldebourgh (zwischen Harwich und Sjarmonth) gelegt wird, mußten gestern wegen des schlechten Wetters abgebrochen werden. Das Kabel wurde bis zu einem, zwei Meilen von der englischen Küste entfernten Punkt gelegt. Das restliche Stück soll' von der englischen Küste aus gelegt werden. Das die Arbeiten ausführende deutsche Kabelschifs „Neptun" ging vorläufig in Harwich vor Anker.
Der englische Kronprinz kehrt nach London zurück.
Paris, 4. Mai. Der englisch Thronfolger ist heute vormittag hon Biarritz kommend in Paris angekommen. Entgegen seiner früheren Absicht, einige Tage in Paris zu bleiben, wird er sich wegen des Streikes in England bereits heute abend im Flugzeug nach London begeben.
Neues vom Tage.
— Der deutsche Gesandte in Wien, Dr. Maximilian Pfeiffer, ist in München im Krankenhaus an Herzschwäche gestorben.
— Der rheinische Dichter Joseph Winkler veröffentlicht einen Aufruf, in dem er das Augenmerk der Regierung, der Parteien und der weiteren Oessentlichkeit auf das Schicksal von 150 dcut- ichen Besatzungsgefangenen lenkt und für ihre baldige Befreiung eintritt.
— In ganz England hat der Generalstreik in vollem Umfange eingesetzt.
— Dem englischen Minister Churchill ist ein peinlicher Zwi- schenfall begegnet. Als er das Foreign Office verlassen wollte, umringten ihn Demonstranten und brachten ihn so in Bedrängnis, daß er eiligst ins Ministerium des Innern fliehen mußte.
— Havas meldet aus Madrid, der Zeitung „El Sol" werde aus Palma de Majorca gemeldet, ein Sohn des früheren Kaisers Wilhelm halte sich seit einigen Monaten dort auf, um im Hinblick aus die Absichten seines Vaters, Dorn zu verlassen und in Palma de Majorca Wohnung zu nehmen, weiteres zu veranlassen.
— Wie Havas aus Washington meldet, ist aus Frankreich keine Nachricht beim amerikanischen Schatzamt eingegangen betr. einer großen Anleihe, die Frankreich in den Vereinigten Staaten abzuschließen beabsichtige.
— Botschafter von Hösch ist in Berlin eingetroffen, wo er mit dem Reichskanzler und dem Reichkaußenminister die Studienkommission betreffende Besprechungen haben wird.
— Nach einer Besichtigung der Hafenanlagen in Hamburg und des Dampfers Deutschland trat der Reichspräsident um 10,54 Uhr abends die Rückreise an. Der Reichspräsident war überall Gegenstand lebhaftester Huldigungen.
— Die Lage im englischen Bergarbeiterstreik ist unverändert. Die Angehörigen der streikenden Gewerkschaften befolgten den Streikbefehl überall prompt. Die Versorgung mit Lebeneinitteln vollzieht sich glatt. Alle nicht unmittelbar betroffenen Industrien arbeiten ungestört weiter. In London wandern a. 2 t ungeheure Meo'^en— -"" -
an ore Arbeitsstätten. Alle verfügbaren Autokutschen und Wagen strömten in die Stadt, sodaß gewaltige Verkcbrs- stauungen eintraten. Der Dienst der Schiffe auf dem Kanal wird in vermindertem Umfang aufrecht erhalten.
— Im Wahlbezirk des verhafteten Kommunistenführers Saklatvalas, der übrigens wieder freigelaffen wurde, kam es am Dienstag abend zu ernsten Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei. 20 Streikende wurden schwer verletzt.
Reformen im Reichstag.
Einschränkung der überflüssigen Reden.
Reichstagspräsident Löbe hat bekanntlich vor einigen Tagen dem Ältestenrat des Reichstages ein Programm zur Reform der. Parlamentsberatungen unterbreitet.
Präsident Löbe hat sich nun einem Pressevertreter gegenüber näher über seine Pläne ausgelassen und betont, daß die Beratungsweise des Reichstages allmählich eine Form angenommen habe, die dem Ansehen des Parlaments aus die Dauer abträglich werden müßte. Bereits jetzt sei eingcsührt, daß die Plenarverhandlungen des Reichstages um 2 Uhr beginnen und um 6 Uhr enden, also nur vier Stunden dauern. Um für diese beschränkte Zeit eine nahezu lückenlose Anwesenheit aller Abgeordneten zu erreichen, sollen in jeder Fraktion drei Ein- peitscher bestimmt werden, die aus die Anwesenheit der Abgeordneten zu achten hätten.
Bei der sozialdemokratischen Fraktion fei diese Einrich- rung bereits getroffen. Das Verbot der Verlesung von Reden soll schärfer als bisher gehandhabt werden. Die Reihenfolge der Redner soll nicht mehr wie bisher nach der Größe der Fraktion bestimmt werden, sondern es soll eine kontradiktorische Art für die Debatte eingeführt werden, so daß immer ein Redner für und ein Redner gegen den zur Diskussion stehenden Gegenstand spreche. Die Redezeit bei minder wichtigen Themen soll noch weiter als bisher beschränkt werden, und die ein- stündige Redezeit soll nur für die großen außenpolitischen Tis- kussionen und für grundsätzliche Fragen bestehen bleiben. Auch sollen die großen und kleinen Parteien nicht die gleiche Rede zeit erhalten. Endlich soll die Frage geprüft werden, ob nicht wie im englischen und im französischen Parlament Zwiftoeu- bemerlungcn und Fragen der Abgeordneten während der Rede eines anderen eingeführt werden können. Die Vertreter aller Parteien, schloß Löbe, haben meine Anregung günstig ausgenommen und zugesagt, sich mit ihren Fraktionen darüber zu besprechen.
Neue Verhandlungen mit Abd cl Krim.
Madrid, 4. Mai. Die beiden Rifdelegicrten. Azerkana und Haldu, haben der franjöfifcHpamfdK'n FriedenSdelega- tion mitgeteilt, daß sie nach Ubjba zurückkehren wurden. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß glcichzeing erstmals ein Gefangenentransport zum Austausch gegen Rlsgcsangene ein treffen wird.
Ein Ministerium für Grwerkschastssragcn.
Rom, 4. Mai. Der italienische Ministerrat hat die Errichtung eines selbständigen Ministeriums für Gewerkschaft-- fragen beschlossen.