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Rr. 62 Donnerstag, den 27. Mai 1926 78. Iayrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
J.-Nr. 4945. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Aeischbeschauer und Trichinenschauer und die in der Fleisch- sischau tätigen Tierärzte zu einer dienstlichen Besprechung auf Montag, den 31. d. MlS., nachmittags 3 Uhr in das diesige Kreishaus zu laden.
Schlächtern, den 21. Mai 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Auszug aus der Friedhofsordnung der evangel. Kirchen- piemeinde Schlüchtern.
§ i. Der Friedhof steht unter der Verwaltung und Aufsicht deö Kirchenvorstandes, welcher sie durch die dazu bestellten Organe ausüben läßt. Den Anweisungen der Aufsichtspersonen ist Folge zu leisten.
§ 2. Kinder unter 12 Jahren dürfen den Friedhof nur in Begleitung oder unter Verantwortlichkeit Erwachsener betreten.
§ 7. Familiengräbnisplätze wie Grabhügel sind mit ihren Einfriedigungen und Ausschmückungen von den hierzu Verpflichteten dergestalt zu unterhalten, daß sie den Friedhof nicht verunzieren und den nächst gelegenen Grabstätten nicht zum Nachteile gereichen. Bleibt diese Verpflichtung auf ergangen« Mahnung hin unerfüllt, so erfolgt Abstellung durch die Friedhofvverwaltung auf Kosten der Verpflichteten. Blumen und Kranzschmuck muß, sobald derselbe unansehnlich geworden ist, von den Gräbern entfernt werden.
§ 8. Zur Aufstellung und Entfernung von Denkmälern bedarf es der vorherigen Genehmigung des Kirchenvorstandes. Die bei Aufstellung von Denkmälern, Einfassungen und anderen Arbeiten übrig bleibenden Materialien, müssen von den- jenigen, welche die Aufstellung des Denkmals usw. bewirkt haben, vom Friedhof gänzlich entfernt werden. Bei nassem Wetter sind Erdarbeiten jeder Art verboten. Die Inschriften auf den Grabdenkmälern sind stets in dem Gesuche um Gestaltung anzugeben. Einfriedigungen und Denkmäler, welche den Anforderungen dieser Friedhoföordnung nicht entsprechen ober nicht in Ordnung gehalten werden, oder welche ohne Entrichtung von Gebühren (§ 9) und ohne Genehmigung errichtet sind, werden nach vergeblicher Aufforderung von der Friedhofsverwaltung entfernt.
§ 10. Für Ansprachen, Nachrufe oder Gesangsvorträge bei Beerdigungen muß vorherige Genehmigung eingeholt werden.
§ 12. Es ist verboten, den Friedhof anders als durch das Haupttor zu betreten, Einfriedigungen, Grabdenkmäler, Pflanzungen, Rafcnbeete, Wege, Gebäude oder Gräber zu be- schädigen. Wagen sowie Hunde oder andere Tiere dürfen nicht mitgebracht werden. Alter Gräberschmuck darf nur an der Sammelstelle abgeworfen werden.
Schlächtern, den 9. Oktober 1925.
Der Kircheuvorstand: Rollmann, Vorsitzender Gatzsche, Pfeiffer.
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Kirchenregimentlich genehmigt.
Cassel, den 21. Januar 1926.
Landeskirchenamt: gez. Gerlach.
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Landevpolizeilich genehmigt.
Cassel, den 8. April 1926.
Der Regierungspräsident.
- „Abrüstungskomödie".
London, 25. Mai. Die „Westminster Gazette" schreibt im Leitartikel zur „Abrüstungskomodie": Muß Deutschland in Hirtenland umgewandelt und muß irgendeine Maßnahme znr Behinderung der Vermehrung seiner Bevölkerung angewandt kerben, bevor Frankreich die Verminderung seiner Rüstungen »wägen kann? DaS Blatt sagt schließlich, es werde und könne niemals Sicherheit geben, solange zwei oder drei Nationen es sblehnen, auch bei sich die Abrüstung anzuwenden, die sie Deutschland aufzwangen.
Vulkankatastrophe in Japan.
Tokio, 25. Mai. Der AuSbruch des bisher als erloschen Erachteten Sultans Tokachi aus der Insel Hokkaido verur» sachte ein Getöse, das noch in einer Entfernung von 32 Kilometer hörbar war. 2000 Personen werden vermißt. 200 sind 111 den Springfluten, die durch den Ausbruch r ''an den, er- kirnten. 60 Häuser wurden von der Lava zügeln In einer «chwcselgrube wurden zahlreiche Bergleute verschüttet.
, 41 Deutschland und die interparlamentarische HandelS- "»serrnz. Wie auS Berlin gemeldet wird, wird Deutschland "uf der interparlamentarischen Handelskonferenz in London durch Reichsminiestr a. D. von Räumer (Dt. VP.), Reichs» kmifter a. D. Hilferding (Soz.), Staatssekretär a. D. Oskar ^eher (Dem.), Syndikus Dr. Lcjennc.Jnng (Dntl.) und Dr. ^tüning, Geschäftsführer deö Deutschen Gewerschaftsbundes, »ertreten sein.
Vorschläge zur Maggenfrage.
Seit einigen Wochen steht die Flaggenfrage im Mittelpunkt des politischen Interesses. Die Flaggenverordnung des Kabinetts Luther hat bekanntlich zum Sturz des Kanzlers geführt. Die neue Regierung unter der Führung von Reichskanzler Dr. Marx hat aber erklärt, daß die Flaggenverordnung durchgeführt wird. Mit dieser Tatsache haben sich inzwischen auch die Parteien des Reichstages, die gegen den Flaggenerlaß Dr. Luthers Einspruch erhoben haben, abgefunden. Reichskanzler Marx ist der Ansicht, daß nunmehr die Verhandlungen über die Schaffung einer Einheitsflagge in Angriff genommen werden müssen. In dieser Auffassung befindet sich der Reichskanzler in völliger lleoereinstimmung mit dem Reichs- Sräsidenten von Hindenburg, dessen Botschaft an den leichskanzler Luther über die Flaggenfrage ja noch in guter Erinnerung ist. Man hat sich bereits zur Einsetzung eines parlamentarischen Ausschusses entschlossen, der sich mit allen Kreisen der Bevölkerung in Verbindung setzen soll V^Tauch heraldische und historische Sachverständige zu RMe zu ziehen hat.
Es sind bereits einige Pläne über die neue Einheitsflagge bekannt geworden. So will ein Plan eine schwarz- weitz-rote Fahne mit einer wesentlich vergrößerten schwarz- rot-goldenen Gösch. Ein anderer Plan, der von demokratischer Seite kommt, will eine schwarz-weiß-rote Flagge mit einem schwarz-rot-goldenen Herzschild. Dabei wird darauf hingewiesen, daß heraldisch dieser Herzschild das bedeutungsvollste sei. Einen bemerkenswerten Vorschlag veröffentlicht auch das führende Zentrumsblatt, die „Germania". Der Verfasser, der ausdrücklich betont, daß er zu den „entschieden Rechtsgerichteten gehört", geht davon aus, daß nach Lage der Dinge die Wiedereinführung der fchwarz-weiß-roten Flagge heute nicht mehr möglich fei. Er glaubt, daß nur d i e Flagge von den weitesten Bevöl- kerungsschichten als Symbol der Einheit und Eintracht angesehen werde, die „den Zielen des republikanischen Staates entspricht, ohne die historische Entwicklung des deutschen Volkes zu verleugnen". Der Verfasser denkt sich diele Fahne also als eine Synthese des alten und des neuen Reiches. Aus dieser Anschauung heraus macht er den Vorschlag, „der schwarz-rot-goldenen Flagge dasjenige Zeichen einzufügen, das seit mehr als 100 Jahren als ein Ausdruck deutscher Freiheitsliebe und Tüchtigkeit gilt,, nämlich das Eiserne Kreuz". Er begründet das folgendermaßen:
„Unter diesem Zeichen hat das deutsche Volk 1813/15 i siegreich egfochten und damit das linke Rheinufer end- : gültig dem Vaterlande erhalten, unter diesem Zeichen : gelang 1870/71 die staatliche Einigung des größten Teiles der deutschen Stämme, unter diesem Zeichen hat das deutsche Volk aller Stände und Parteien im Weltkriege ; die gewaltigsten Leistungen vollbracht. Die Einfügung ■ des Eisernen Kreuzes in die schwarz-rot-goldene Flagge würde meines Erachtens den republikanischen, großdeutsch gerichteten Charakter des neuen Reiches fest betonen, zugleich aber der monarchischen Vergangenheit des deutschen Volkes in pietätvoller Weise Ausdruck verleihen. (Das Eiserne Kreuz wurde bekanntlich von Friedrich Wilhelm III. gestiftet.) Eine solche Flagge wäre tatsächlich wieder die Flagge Jahns, Lützows Freiligraths; sie würde den Willen des deutschen Volkes zeigen, auf dem Boden des neuen Staates im alten Geiste der Vaterlandsliebe zusammenzustehen."
Dieser Vorschlag verdient gewiß ebenfalls größte Beachtung. Es ist selbstverständlich, daß die Flaggenfrage nur auf dem Wege der gegenseitigen Verständigung gelost werden kann. Diese Lösung ist außerordentlich schwierig. Sie wird nicht gefunden werden können, wenn die Anhänger von Schwarz-rot-gold sich auf diese Farben versteifen; sie wird aber noch weniger gefunden werden, wenn man die Auffassung vertritt, daß nur Schwarz-weiß-rot das Symbol nationaler Einheit sein dürfe. Wer wirklich national denkt und nickt wünscht, daß unser Volk auf die Dauer durch die Flaggenfrage in zwei Teile gespalten wird, der muß bereit sein, auch in dieser Frage Opfer zu bringen.
** Das Auslandsdcutschtum. Der in Hirschberg tagende Verein für das Deutschtum im Auslande sandte an den Reichspräsidenten von Hindenburg folgendes Telegramm: „Auf eine 45jährige Arbeit für deutsche Kulturerhaltnug im Ausland zurückblickend, sendet der Verein für das Deutschtum im Auslande anläßlich seiner Jahrestagung aus dem Grenzland Schlesien seinem Ehrenvorsitzenden, Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg, ehrfurchtsvolle Grüße. Julauds- und AuS- landsdentschtum gedenken in Treue und Ehrerbietung des Schutzherru."
*« Vor dem Abschluß der Sümpfe in Marokko. In einem amtlichen französischen Kommuniqnö über die letzten Kämpfe in Marokko wird mitgeteilt, daß die französischen Truppen am 23. Mai Uriagcl, das Hauptquatier Abd cl Krims, fast ohne Widerstand genommen haben. Nach weiteren bisher unbestätigten Melduugen ist Abd el Krim in Verkleidung nach Tanger entkommen, während andere Informationen davon berichten, daß Abd cl Krim in die westlichen Berge geflüchtet sei, wo es zu dein entscheidenden Kampf kommen werde. Die Lage des Rifführers gilt nach der Weigerung der Dschcballas, ihm Truppen znr Verfügung zu stellen, als hoffnungslos. Insgesamt sind die französischen Truppen im Laufe der zwölf- tägigeu Offensive 30 Kilometer vorgcdrnngeu.
Neues vom Tage.
— Bei dem gestern bereits kurz gemeldeten schweren Eisenbahnunglück vor dem Münchener Ostbahnhof sind bis jetzt 27 Tote und 150 Verletzte zu beklagen.
— Auf der Genfer Abrüstungskonferenz nahm der deutsche Delegierte, Graf Bernstorff, erneut zum Abrüstungs« Problem Stellung, wobei er sich für eine gleichmäßige allgemeine Abrüstung einsetzte.
— Auf der japanischen Insel Hokkaido sind bei einem furchtbaren Ausbruch des Vulkans Tokachi etwa 200 Personen in den Springfluten ertrunken. Tausend werden noch vermißt.
— Auf dem Bodensee bei Jmmenstadt kenterte ein mit drei jungen Leuten besetztes Boot, von denen 2 ertranken.
— In Kray bei Essen stürzte am ersten Feiertage ein Brautpaa. jon dem Balkon des dritten Stockwerkes emes Hauses. Die Braut war sofort tot, der Bräutigam wurde schwer verletzt inS Krankenhaus verbracht.
— Der frühere Gouverneur der Ukraine, Petljura, ist in Paris von einem seiner Landsleute erschossen worden.
— Infolge Kohlenmangels liegen an der schottischen Ostküste zahlreiche Dampfer still.
— Rußland hat dem Generalsekretarial des Völkerbundes mitgeteilt, daß sich die russische Regierung zu dem Fragebogen des Völkerbundes über die Kontrolle der privaten Rüstungsindustrie nicht äußern will.
— Der heutige französische Ministerrat hat sich mit dem jüngsten Schritt Abd cl Krims befaßt und beschlossen, sich auf keinerlei Verhandlungen mit Abd el Krim einzulassen.
— Wie die ,Limes" aus New Aork berichten, hat die Regierung der Vereinigten Staaten die Erhebung einer Zollabgabe aus die Erzeugnisse der deutschen Eisenindustrie verfügt. Die Verfügung richtet sich gegen dir vom deutscheu Rohstr-hlsyndikat unt vom Reichsverband der Industrie versprochene Exportprämie aus Export von Salzwerkerzeugnisien nach Amerika. Dir Bestimmun«ru treten am 20. Juni in Kraft.
— Nach einer Meldung aus Belgrad wurde am Sonntag bei einer Volksversammlung, die von Stephan Raditsch einberusen worden war, in Starapazova in Syrmien ein junger Mann ver- hastet, der ein Paket Ekrasit aus unmittelbarer Nähe auf Raditsch werfen wollte.
— Wie aus MadrÄ gemeldet wird, hat der spanische Wirt- schastsrat cinftn-wäg den deutsch-spanischen Handelsvertrag ratisi. ziert, nachdem der Reichstag noch vor den Pfingstserien den Vertrag angenommen hat.
Gefahren der Auswanderung.
Einem Aufsatz der in Habana erscheinenden Zeitung „Diario de la Marina" vom 2. April d. I. zufolge sind zahlreiche Fälle bekannt geworden, in denen Personen, die ohne den erforderlichen amerikanischen Sichtvermerk zu besitzen, von Kuba aus heimlich den Eintritt in die Vereinigten Staaten versucht haben, auf den [je befördernden Schmugglerschiffen ihrer .Habe beraubt und auf grauenvolle Weise ermordet worden. Sie sollen zum Teil auf hoher See von den sich aus dem internationalen Verbrechertum rekrutierenden Schifssmann»
Sen über Bord geworfen, zum Teil an verlassenen Küsten»
n hilflos ausgesetzt und dem Hungertode preisgegeben worden seien. Andere sollen in ihren Verstecken auf den Schiffen durch die zum Ausräuchern derselben benutzten Gase dem Erstickungstod«: anheimgefallen und wieder andere auf seeuntüchtigen 'Fahrzeugen eingeschifft worden sein, die unter- Wegs zugrunde gegangen sind.
Vielfach wird auch ein Betrug an solchen Reisenden dadurch verübt, daß der Schisser, anstatt sie, wie versprochen, nach der Küste der Vereinigten Staaten zu befördern, sie nach längerer Kreuzfahrt an einem entlegenen Platz Kubas selbst mit der Erklärung an Land setzt, sie seien in den Vereinigten Staaten angclaiigt. Wenn auch Deutsche anscheinend diesen Verbrechen noch nicht zum Opfer gefallen sind, so kann doch nicht dringend genug davor geivantt werden, sich ohne die zur Einwanderung nach Nordamerika nötigen Papiere mit der Absicht nach Kuba zu begeben, von dort aus den Eintritt in die Vereinigten Staaten zu betreiben. Aber auch, um diesen Eintritt auf gesetzliche Weise zu erwirken, ist der Umweg über Kuba ein ausgesprochener Nachteil, da für die Einwanderung von Kuba aus nicht nur, wie auch in Europa, die betreffende Einwanderungsquote noch unerschöpft sein muß, sondern der Einwauderunaslnstige noch außerdem mindestens ein Jahr in Kuba verbleiben muß, ehe er den Sichtvermerk erhalten kann. Da sowohl die Erwcrbsgclegenhcttcn, wie auch die Kosten der Äbcnshaltunq in Kuba die denkbar ungünstigsten sind, geraten die noch den Vereinigten Staaten strebenden europäischen Austvandcrcr innerhalb dieses einjährigen Aufenthalts in Suba und häufig sogar schon nach kurzer Zeit in eine verzweifelte Lage. Für Personen, die sich zu kürzerem Aufenthalt zu geschäftlichen oder Besuchszwecken über Kuba nach den Vereinigten Staaten begeben wollen und mit den notwendigen Geltmitteln versehen sind, besteht die vorerwähnte Beschränkung nicht, doch werden auch diese, um Schwierigkeiten zu vermeiden, gut daran tun, sich den Einreisesichtvermerk für Nordamerika bereits vor ihrer Ausreise in Europa zu besorgen.