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Schlöchtemer Zeitung

Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicherAnzeiger für -en Kreis Ächlüchlem

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Rr 64

Dienstag, den 1. Juni 19X6

78 Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. 5085. Die Abhaltung des auf den 10. Juni ds. >A festgesetzten Viehmarktes in Fulda ist wegen der im Kreise Fulda herrschenden Maul- und Klauenseuche verboten werden,

Schlüchtern, den 27. Mai 1926.

Der Landrat. J. B.: Schultheis.

Kreisausschnh.

Bericht des Kreisausschusses des Kreises SchlUch-

lern über die Verwaltung und den Stand der Kreiskommunal-Angelegenheiten im Jahre 1925.

(1. April 1925 bis 31. März 1926.)

I. Allgemeines.

Der Kreis Schlächtern hat einen Gebietsumfang von 46 269 Hektar. Die Einwohnerzahl betrug 31 125 (1925 Verkehrszählung 31127).

II. Kreisverwaltung.

Die Tagebücher wiesen in 1925 insgesamt 27 529 Num­mern nach, gegen 18 703 im Jahre zuvor. Hiervon entfal­len auf: den Kreisausschuß 11 051, das Kreisbauamt 3997, das Kreisfärsorgeamt 12 481.

Der Kreiöausschuß hielt 16 Sitzungen (im Vorjahr 15) ab. Der Personalbestand der Kreisverwaltung erfuhr im Berichtsjahr keine wesentliche Veränderung.

Bei der Kassenverwaltung würben die Kreissparkassen- imb Kreiskomnnmalkassen-Rendantenstellen vereinigt und diese Stelle dem von den Polen aus Oberschlesien vertriebenen Bürgermeister N o l d e n übertragen.

Daö Disziplinarverfahren gegen den auf Wartegeld ge­setzten Sekretär Wicschinann konnte noch immer nicht zu Ende geführt werden, da daö Oberverwaltungsgericht die Akten zur nochmaligen Entscheidung zurückgegeben hat.

Auf Grund deS Preußischen Gesetzes vom 7. Oktober 1925 § 45 fanden am 29. November 1925 die Neuwahlen M Kommunallandtag und jum Kreistag statt. Für die Kom- munallandtagswahl war der Kreis Schlüchtern mit bem Kreis Gersfeld zu einem Wahlbezirk vereinigt. Die Wahl fand nach der neuen Wahlordnung vom 14. Oktober 1925 statt.

Gewählt wurden: in den Kommunallandtag, Forstmeister Rang in Salmünster.

Nach § 34 des Gesetzeö vom 7. Oktober 1925 und § 100 der Wahlordnung erhöhte sich die Zahl der Kreistagö- mitglieder von 20 auf 21.

Als Kreistagsmitglieder wurden gewählt: Flemmig, Lud- ^ig, Schuhmachermeister, Schlüchtern; Linkersdörfer, Hein­rich, Landwirt, Stcinau; Ochs, Nikolaus, Rangieraufseher, Hütten; Härter, Nikolaus, Lagerist, Hohenzell; Krack, Chri- Üian, Schmiedemeister, Altengronau; Kind, Georg, Kuratus, Narborn; Heil, Eduard, Land- und Gastwirt, Ulmbach; Radke, Gerhard, Bürgermeister, Soden; Blum, Anton, Bürgermeister, Salmünster; Müller, Josef, Landwirt und Wagner, Herolz; Weißbecker, Johann, Maurer, Romsthal; Herber II., August, Arbeiter, Ulmbach; Hohmann, Karl, Steinarbeiter, Scblücb- tern; Ackermann, Wilhelm, Rendant, Schlüchtern; Müller, Johannes, Landwirt, Hütten; Wegmann, Richard, Landwirt, Klosterhöfe; Maienschein, Job. Georg, Landwirt und Bürger­meister, Schwarzenfels; Vögler, Nikolaus, Landwirt, Heubach; Gacnßlen, Eduard, Bürgermeister, Schlüchtern; Romeiser, Philipp, Wagenfabrikant, Steinau; Lang, KaSpar, Bauer, Ricderzell.

Die 21 Sitze verteilen sich wie folgt: Kommunistische Partei i, Vereinigte bürgerliche Liste 2, Sozialdemokratische Partei 5, Hessische Arbeitsgemeinschaft 6, Zentrum 7.

Am 9. Dezember 1925 legten die Kreistagsmitglieder Kind und Radke ihr Mandat m'cber. An deren Stelle traten die Ersatzmänner: Kaufmann Emil Heinrich Schneider, Sal- münster, Landwirt Heinrich West in Sannerz.

Am 7. Januar 1926 trat der neue Kreistag zum ersten­mal zusammen. In diesem wurde der KreiSanSscbusi und ciiie Anzahl anderer Kreiskommissionen neu gewählt. Die Wahl wnt KreiS-AuSschuß erfolgte nach dem Verbäftm'swabl- sostem. ES waren 3 Wahlvorschläge abgegeben. Hiernach wurden gewählt:

als Mitglieder: Kuratus Kind, Marborn; Bürgermeister Radke. Soden; Gutsinspektor Preiß, Vollmerz; Landwirt Fritz Weitzel, Steinau; Schuldiener Nikolaus Fischer, Schlüchtern; Bürgermeister Hagemann, Hütten;

als Stellvertreter: Gastwirt Eduard Heil. Ulmbach; Bür- ictfncisler Blum, Salmünster; Apotheker Zeisie Sterbfritz; Landwirt Mgust Müller, Elnr; Schubmachermeister LinkerS- Hörfer, Steinau; Schreiner Martin Größer, Schlächtern.

Der 'Kreistag hielt im Berichtsjahre 3 Sitzungen ab. Von seinen Beschlüssen sind folgende bervorzuheben:

a) Uebernahme der Kreiü-Garantie für die Einrichtung von Kraftpostlinien, b) Aenderung der Hundesteuerordnung, c) Verlängerung der Jagdsteuerordnung, b) Verlängerung der

Kreisvergnügungssteuerordnung, e) Erbauung von 4 Beamten- Wohnhäusern, f) Neubau eines Landwegestücks zwischen dem Ortsteil Schwarzenfels und der neuen Landstraße, g) Bewil­ligung einer Beihilfe an die Jubiläumsstiftung für die Mar- burger Universität, h) Bürgschaftsübernahme für ein Dar­lehen an die Drainage-Genossenschaft Romsthal, t) Bürg- schaftöübernahmc bei Hypotheken-Darlehen für Arbeiterhäuser, k) Bereitstellung von Kreismitteln zur Ersatzbeschaffung von 'Großvieh bei Viehverlusten infolge der Leberegelseuche, I) Er­laß einer Wertzuwachssteuer-Ordnung.

III. Vermögensverwaltung.

Das Grundvermögen hat sich nicht verändert. Es beträgt am Jahresschluß einschließlich der Beteiligung an bem Ueber- landwerk Fulda-Hünseld-Schlüchtern rund 1^ Million Reichs­mark. Die im Kreishaushaltsplan vorgesehene Kreisumlage von 143 000 RM. kam nicht voll zur Erhebung, weil die Drundbeträge der einzelnen Steuerarten sich wesentlich geän­dert haben. Voraussichtlich wird der Einnahmeausfall durch Mehrüberweisungen aus anderen Quellen annähernd gedeckt werden. Voraussichtlich wird mit einem Fehlbetrag nicht zu rechnen sein. Für das neue Rechnungsjahr soll die Erhebung der gleichen Kreissteuerumlage vorgeschlagen werden.

(Fortsetzung folgt.)

B e t r. Volksbüchereien.

J.-Nr. 2859 K. A. Die Gesellschaft für Volksbildung in Berlin NW 52 Lüneburgerstraße 21 stellt aus der von ihr verwalteten Rillertstiftung unbemittelten Volksbüchereien, die Mitglieder der Gesellschaft sind, 25 000 Bände unentgeltlich ijur Verfügung. Von den Büchern ist nur der Einband zu ent­schädigen. Die Stiftung besteht seit 1913 und hat bisher 7141 Büchereien mit einer erheblichen Büchermenge unter­stützt. Im Jahre 1925 wurden Bücher im Werte von 17942 Mark an 506 Büchereien abgegeben.

Den Herren Verwaltern der Volksbibliotheken empfehle ich, die gewiß mit geringen Kosten mögliche Mitgliedschaft der Gesellschaft zu erwerben und damit von dein vorstehenden Angebot Gebrauch zu machen.

Schlüchtern, den 27. Mai 1926.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen die ihre in den Monaten April und Mai 1926 an die Stadtkasse Schlüchtern zu entrichtenden Steuern noch nicht gezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Bei Reibung zwangSweiser Einziehung sind sofort fol- genbe Steuern zu zahlen:

Staatliche Grundvermögenssteuer mit Stadtzuschlag, Hauszinssteuer (das neunfache des bisherigen Grundbetrags).

Gleichzeitig angemahnt werden alle anderen rückständigen Abgaben. Diese sind, soweit sie sich nicht in der Beitreibung befinden, sofort bei der Stadtkasse einzuzahlen.

Einzeimahnungen erfolgen nicht.

Die Steuer- und Abgabenzettel sind zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vorzulegen.

Schlächtern, den 27. Mai 1926.

Der Magistrat. Gacnßlen.

Bekanntmachung

Der Betrieb der städtischen Badeanstalt wirb am 1. Juni b. Js. eröffnet.

Die Badezeiten sind wie folgt festgesetzt: Montag, Mittwoch, Freitag und SamStag

58 Uhr nachm. für Männer

25 Uhr nachm. für Frauen

Dienstag und Donnerstag

25 Uhr nachm. für Männer

58 Uhr nachm. für Frauen

Sonntags

78 Uhr vorm. für Männer

89 Uhr vorm. für Frauen

Während der Sommerferien: außer obigen Zeiten auch werktäglich: Männer 781/2 Uhr vorm., Frauen 8^210 Uhr vorm.

Die Badepreise bleiben die vorjährigen.

Schlüchtern, den 31. Mai 1926.

Der Magistrat: Fenner.

Landwirte!

Richtet zum 1. Juli die Buchführung ein.

Die deutschen Kolonialansprüche.

Eine Entschließung ves Bochumer Kolonialtages.

Im Mittelpunkt der großen deutschen Kolomal- tagung in Bochum stand die Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft. Der Präsident der Ge­sellschaft, Gouverneur a. D. Seitz, wies in seiner Er­öffnungsansprache auf die große wirtschaftliche Not­lage hin. Eine der Hauptursachen der heutigen Wirtschaftsnot bestehe darin, daß der gewaltige Bau der Industrie und Volkswirtschaft auf einer wirt­schaftlich zu schmalen föderalen Basis aufgebaut ist. Diese Basis müsse erweitert und ergänzt werden, durch Wirtschaftsgebiete in Uebersee. Nach einer ausgiebigen Aussprache wurde folgende Entschließung an­genommen:

Die Hauptversammlung ersucht die deutsche Reichs- regierung, die deutschen kolonialen Rechtsansprüche mit allem der hohen Bedeutung dieser Frage gebührenden Nachdruck und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Geltung zu bringen, unsbesondere nach amtlicher Zu­rückweisung der kolonialen Schuldlüge in erster Li- «ie die Auslieferung der alten deutschen Kolonien zu verlangen. Sollte die deutsche Reichsregicruua be­absichtige», in den Bölkcrbnnd einz«treten, so ist dies von der vorherigen Znsichcrung der Rückgabe des deut­schen Kolonialbesitzes abhängig zu machen.

Weitere Entschließungen fordern wirtschaftliche Gleichberechtigung der Deutschen in allen Ländern und Bekämpfung der kolonialen Schuldlüge.

Sttesemann über die politi'che Lage.

Eine Wahlrede in Rostock.

Anläßlich der bevorstehenden Neuwahlen zum mecklenburgischen Landtag sprach Reichsaußenminister Dr. Stresemann auf der Landesversammlung der Deut­schen Volkspartei in Rostock über die politische Lage. Er ging dabei auf die Ausführungen des Grafen We- rtyrp in Schwerin ein, der unter Hinweis auf die Wirkungen des Dawesplanes betont hatte, daß nur eine kraftvolle Außenpolitik die furchtbare Not der deutschen Wirtschaft beheben könne.

Demgegenüber erklärte Dr. Stresemann, es sei nicht richtig, daß »er Dawesplan eine Notlage der Wirt­schaft verursacht habe. Das Wortkraftvolle Außen­politik" klinge sehr nett in den Ohren, doch könne man mit dem Begriff zeitig anfangen. Wenn sich Heraus­stellen sollte, »e j die Dawesregelung nicht »te Er­wartungen erfüllt, so müsse eine Aenderung im Ein­verständnis mit den anderen Mächten erfolgen.

Zur Frage der Fürstenabfindung bemerkte Dr. Stresemann, daß die Deutsche Dolkspartet an ihre Anhänger im Lande einmütig den Appell richte, der Stimmabgabe fernzubleiben.

Vermehrung der Vesatzungsstärle statt Abbau.

Noch immer 88 000 Mann Besatzungs­truppen am Rhein.

Aus einer Denkschrift der Reichsregierung, die jetzt dem Reichstag zugegangen ist, ergeben sich zum ersten Male zuverlässige Zahlen über die gegenwärtige Besatzungsstärke in der zweiten und dritten Zone. Da­nach befanden sich am 15. September 1925 in diesen beiden Zonen rund 80 000 fremde Truppen, während sich heute diese Zahl auf rund 88 000 beläuft. Hier­aus ergibt sich, daß der Abzug der Truppen aus den beiden Zone« geringer ist, als der Zustrom, der aus der ersten Zone erfolgt.

Amerika verlangt Nntcrsnchnng des Bierverkaufs auf derHamburg".

Washington, 31. Mai. Die amerikanische Regie­rung hat dem deutschen Botschafter eine Note über­reicht, in der sie darauf hinweist, daß nach einem amt­lichen Bericht auf dem KreuzerHamburg" Bier an Amerikaner verkauft worden sei. Weiter heißt es in der Note, daß das Staatsdepartement die Aufmerk­samkeit der deutschen Botschaft auf diesen Vorgang zu lenken wünscht. Der deutschen Regierung wird die Einleitung einer Untersuchung anheimgestellt.

Mißklänge bei der Marieuburger Jubelfeier.

Marienburg, 31. Mai. Im Rahinen der Feier­lichkeiten anläßlich des 650 jährigen Jubiläums der Stadt Marienburg waren u. a. auch ein keftkommers, ein Volkstrachtenfest und ein Festzug vorgesehen. Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten gab der Magistrat be­kannt, daß diese Veranstaltungen entfallen müßten. Diese Anordnung ist auf Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Beflaggung der Straßen zurückzuführen. Die Stadt hatte beschlossen, den Weg vom Bahnhof zum Marktplatz schwarz-rot-gold zu beflaggen, wah­rend nach früherer Vereinbarung die -stadt mit dem geschichtlichen Schwarz weiß des Deutschrltter-Ordens geschmückt werden sollte. Daraufhin haben Die na tionalen Verbände von Marienburg und Umgebung ihre Beteiligung an der Feier abgesagt.