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Rr. 79 (1. Blatt) Dienstag, den 6. Juli 1926

78. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. 6305. Im Monat Juni d. I. wurden folgenden

Personen Jahres-Jagdscheine erteilt:

Heck sen., Heinrich, Schornsteinfegermeister, Schwarzenfels, Heck jun., Heinrich, Schornfteinfcgergehülfe, Schwarzenfels, Pook, Alexander, Kursmakler, Frankfurt, Dr. Koch, Paul, prakt. Arzt, Sterbfritz, Mayer, Georg, Soden, Hölzer, Konrad, Ortsdiener, Altengronau, Fuß, Louis, Landwirt, Dittenbrunn, (Gemeinde Altengronau) Kirchner, Joseph, Jagdaufseher, Soden, Schäfer, Kaspar, Schuhmachermeister, Marjoß.

Schlüchtern, den i. Juli 1926.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 6421. Der § 1 der in der Schlüchterner Zeitung Nr. 78 veröffentlichten viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 29. v. Mts. muß wie folgt lauten.

§ 1.

3. Sperrbezirk im Sinne dieser Anordnung ist der Gutsbezirk Hundsrück.

b. Beobachtungsgebiete im Sinne I sind z. dieser Anordnung [ Zt. nicht

c. Erweiterte Beobacht ungsge- ( vorhan- biete im S. d. Anordnung ] den

6. Das Verladen von Klauenvieh auf der Station Steinau ist verboten.

Schlüchtern, den 3. Juli 1926.

Der Landrat. J. B.: Schultheis.

Kreisausschutz.

J.-Nr. 3748. Unter Bezugnahme auf die Verfügung des Herrn Landrats vom 25. Juni 1926. Nr. 76 dieses Blattes geben wir bekannt, daß der Herr Kreisarzt a in Dienstag, den 6. Juli d. I s. von nachmit­tags 2 Uhr ab Mütterberatungsstunde in den Räumen der Handelsschule Walther, hier, abhalten wird.

Die Mütter von Säuglingen und Kleinkindern werden auf diese allmonatliche unentgeltliche ärzt­liche Beratungsstunde wiederholt aufmerksam ge­macht.

Schlüchtern, den 3. Juli 1926.

Der Vorsitzende des Kreiswohlfahrtsamtes.

Stadt Schlüchtern.

Bekanntmachung.

Gefunden: Ein Trauring mit der Inschrift W. S. Ostern 1894. Abzuholen bei der

Polizeiverwaltung Schlüchtern.

Stadt Steinau.

Bekanntmachung

Über die Regelung der gesetzlichen Miete.

Die gesetzliche Miete beträgt vom 1. Juli d. Je. ab bis auf weiteres 93 vom Hundert der reinen Friedensmiete. Im übrigen behält unsere Bekanntmachung vom 3. Mai 1924 in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. Juni 1924 auch für den Monat Juli 1926 Gültigkeit.

Steinau (Kreis Schlüchtern), den 2. Juli 1926.

Der Magistrat.

RelchSratSbeschlüffe.

Die Kündigung älterer Angestellter.

. . Der Reichsrat genehmigte ein Abkommen über den gegcn- Migen Eisenbahnverkehr z w i s ch e n D e u t s ch l a n d, v 0 l.e n und der Freien Stadt Danzig. Er erklärte sich fer- u^r einverstanden mit der Verordnung über die Verlängerung der K u r z a r b e i t e r f ü r s 0 r ß e bis Ende November. Auch em Gesetzentwurf über die Erhöhung der Kündigungs- > ^ 1 st f ü r ä l t e r e A n g e st e l l t e fand Annahme. Danach deträgt die Kündigungsfrist für ältere Angestellte, wenn der Arbeitgeber mehr als fünf Angestellte beschäftigt, mindestens drei Monate. Genehmigt wurde ferner der Entwurf des neuen Putschen Aerztebundes, sowie eine Verordnung, die die Durchführung der neuen Ablösung für Länder und Gemein­den regelt. Nach einem Gesetzentwurf über die Anrechnung der Wartestandszeit und der Verwendung von Warlegeld- en'Pfängern soll künftig die Anrechnung der Wartestandszeit ^r zur Hälfte erfolget

Die Konkurse im Monat Juni.

Berlin, 4. Juni. Nach Mitteilungen des Statistischen Reichsamts werden im Juni d. Js. durch den Rcichsanzcigcr neue Konkurse ohne die wegen Massemaugel abgc- uhnten Anträge auf Konkurseröffnung und 477 au» ^ordnete Geschäftsaufsichtcu bekanntgegeben. Die entsprc- ^enden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 1046

Franken und Dawesplan.

Wie die Sanierung vor sich gehen soll.

Ln der heißumstrittenen Frage, ob die Stabi­lisierung des französischen Franken von innen heraus, d. h. mit Hilfe innerer Anleihen und vor allem durch Zugriff auf das Nationalvermögen in Form einer Ka­pitalabgabe bezw. erhöhter Steuern auf Einkommen oder Besitz, oder aber von außen her mit Hilfe aus­ländischer Kredite durchzuführen ist, haben sich die Sachverständigen für die zweite dieser beiden Theorien entschieden. Das zweite, was sich zugunsten des Sach­verständigengutachtens sagen läßt, daß es sich vor­behaltlos und ohne Einschränkung zugunsten einer so rasch als möglich in die Wege zu leitenden Stabilisie­rung der Währung ausspricht, und so einer Anzahl Befürwortern der Politik des Treibenlassens, mit an­deren Worten den Gegnern jeglicher Stabilisierung, die, ohne den Mut zu haben, es offen auszusprechen, die In­flation wollen, das Wasser abgräbt.

Die Hauptsache aber ist die umfangreiche Un­terstützung durch englische und amerikanische Groß­banken.

Es wird aus London gemeldet, daß der Gouver­neur der Bank von England, Norman, einen Plan ausgearbeitet hat, der bezweckt, im Zusammenhang mit dem Pariser Bericht und mit Newyorker Banken, ebenso mit der Deutschen Reichsbank, die Sa­nierung zu vollziehen. Die Verwirklichung soll noch abhängig sein von der Zustimmung zu einer Revision der Taweszahlungeu. Die Notwendigkeit einer solchen Revision soll von Norman, der in dieser Frage im steten Kontakt mit dein Reparationskommissar Gilbert in Berlin steht, bestätigt worden sein. Bevor diese Revision durchgeführt wird, soll jedoch erst die Frage der Regelung der internationalen Schulden und die Stabilisierung Europas, besonders des französischen Franken, geklärt werden.

Wie aus Paris neuerdings berichtet wird, hat der Senator Gaudin d. L Span u Sen^r .

tion eingebracht, wonach unter keinen Umständen, auch nicht zu Anleihezwecken, der Goldbestand der Bank von Frankreich auch nur teilweise veräußert werden dürfe. Die Resolution ist der Finanzkommission des Senats zur Behandlung überwiesen worden.

Abd el Krims Schicksal.

Paris, 5. Juli. Die französisch-spanische Konfe- serenz hat sich dahin geeinigt, Äbd el Krim nach Ma­dagaskar zu verbannen. Nicht nur seine Anhänger, sondern auch die Kaids und die sonstigen Agenten sollen dorthin verbracht und ständig überwacht werden. Abd el Krim soll nur eine geringe Pension erhalten. In bezug auf die übrigen Fragen scheint man ebenfalls vor einer Einig urg zu stehen. Es wurde zunächst an eine gemischt - .anzösisch spanische Verwaltung gedacht, doch ist dieser Plan wieder fallen gelassen worden.

Der Nachfolger Dcjcrs.

Berlin, 5. Juli. Am 3. Juli hatte eine Kabinetts­sitzung stattgefunden, in der sich die Reichsregierung nochmals mit der Fürstenabfindung befaßte, ohne je- doch irgendwelche Beschlüsse zu fassen. Auch die Wahl Dorpmüllers wurde erörtert. Am Dienstag tritt der Verwaltungsrat der Reichsbahn zusammen.

Botschastcrappcil in Berlin.

Berlin, 5. Juli. In diesen Tagen weilt eine Reihe deutscher Botschafter in Berlin, so der t eutsche Bot­schafter in Paris, von Hoesch, der vom Reichsaußen­minister empfangen worden ist. Wie verlautet, trägt seine Reise in erster Linie privaten Charakter. Der deutsche Botschafter in Washington, Freiherr von Mal­tzahn, traf gestern hier ein; ebenso wird der deutsche Botschafter in Moskau, Graf Brockdorff-Rantzau m der nächsten Woche in Berlin ermattet. Der Madri­der Botschafter, Graf Welczck, der ebenfalls dieser Tage hier weilte, ist wieder abgereist. Wie verlautet, wird die Anwesenheit der Botschafter damit in Zu­sammenhang gebracht, daß der Reichsanßeumiuister Ende der Woche auf Urlaub zu gehen gedenkt und deshalb wohl noch die Berichte der verschiedenen Bot- kckaltcr Dcriönlicb entaegennehmen wollte.

Gilt .Win» aus 6cm Zug gestürzt.

Köln, 5. Juli. Kurz vor Holzminden stürzte aus dem Fernzug Berlin Köln ein acht- bis neunjähriges Mädchen. Das Kind, das allein fuhr, erlitt einen Scha- delbruch, was den sofortigen Tod herbeiführte. Es han­delt sich um das Töchterchen eines Dr. Lindberg aus Berlin-Wilmersdorf. Der Unfall ereignete sich ver­mutlich dadurch, daß das Kind den Türdrücker vsfnete und die Tür bei einer scharfen Kurve aufsprang.

Tragische Ferienreise.

Jnttöbrnck, 5. Juli. In einem Hotel in Gua- denwald bei Hall wurde der Verftcherungsbeamte G. BlooS aus Lilieufeld, zuständig nach München, mit seiner 30 jährigen Frau und seinen zwei kleinen Kin­dern mit Veronal vergiftet vvm Hotelpersonal aufgefun­den. Die Kinder waren schon tot, die Eltern bcwilßt- loS. Der Vater starb noch im Laufe der Nacht. Die Frau hat daS Bewußtsein noch nicht wieder erlangt. Veranlassung zur unseligen Tat waren schwere Nan- rungssorgeu.

Neues vom Tage.

In Berlin ist auf dem Leipziger Platz der demokratische Ncichstagsabgeordnete Schurig aus Bremen von einem Straßen­bahnwagen angefahren und schwer verletzt worden. Das Rettungs­auto brächte ihn in das Elisabethenkrankenhaus.

Im Reichstag wurden die vom Ausschuß vorgeschlagenen neuen Lebensmittelzölle vom 1. August d. I. ab gegen die Stim­men der Sozialdemokraten, der Kommunisten und der Völkischen angenommen, nachdem vorher ein sozialdemokratischer Antrag in namentlicher Abstimmung mit 271 gegen 135 Stimmen abgelehnt worden war. Das Haus vertagte sich dann aus den 3. November.

Einer Meldung aus Rom zufolge wird Miß Gibson, die, wie erinnerlich, am 7. April Mussolini zu erschießen versuchte, in den nächsten Tagen in die römsche Provinzial-Jrrenanstalt über- geführt werden.

Der Schnellzug Le Havre-Pariö ist bei AchereS ent­gleist. 18 Personen wurden getötet, etwa 60 verletzt, darunter 5 schwer.

In Straßburg sind am Samstag zwei Militärflug­zeuge ^in der Luft zusammengestoßen. Beide Piloten waren sofort tot.

Käthe Hagedorn, die Duisburger Kindesmörderin, hat ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Bei Luckenwalde ist am Sonntag ein Flugzeug abge­stürzt. Zwei Personen wurden schwer, der Pilot tödlich verletzt.

In Bruck bei Augsburg sind zwei Kinder, die durch Unvorsichtigkeit eine Scheune in Brand gesteckt hatten, in den Flammen umgekommen.

In Woltersdorfer Schleuse bei Berlin ist am Sonn­tag Nachmittag während eines heftigen Unwetters die Kegel­bahn eines Restaurants, unter dem viele Ausflügler Schutz gesucht hatten, eingestürzt. 12 Personen wurden getötet, etwa 50 verletzt.

Am Sonntag Nachmittag ereignete fi* auf Sem. . r» -a ,.-vi,>...« ein schloss Mstorbootunglück, dem 6 Personen zum Opfer fielen.

Auch aus Sachsen werden schwere Unwetter gemeldet, die überall schweren Schaden anrichteten. An manchen Stellen ist die Ernte vollkommen vernichtet.

Das Echo der presse.

Zur Zurückziehung des Fürstengesetzes.

Die Berliner Presse befaßt sich eingehend mit den Borgängen in der letzten Reichstagssitzung: Der ,P 0 k a l a n z e i g e r" nennt den Ausgang der Reichstagsberatung über den Gesetzentwurf, be­treffend die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den vor­mals regierenden Fürsten, eine Niederlage nicht nur des Minder- heits-Kabinetts Marx, sondern auch eine neue schwere Niederlage des parlamentarischen Systems.

DieDeutsche Tageszeitung" schließt ihre Ausfüh­rungen, indem sie der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die Parlaments- fcricn den Gedanken einer wirklichen staatsbürgerlichen Staats- volksgcmciuschaft fördern mögen.

DieTägliche R u n d s ch a u" zollt dem Reichspräsidenten b. HindcUburg Tank dafür, daß er aus innen» und außenpolitischen Gründen es abgelehnt hat, der Auflösung des Reichstages oder dem Rücktritt der Rcichsrcgicrung zuzustimmen. Wir braueten, so schreibt das Blatt, lveder eine Reichstagsauflösung noch fortgesetzte Krisen. Das deutsche Parlament hat so viel au Autorität und An­sehen verloren, daß es um den Rest spielt, wenn diese Krisen- macherei noch häufiger Erfolg haben sollte, als es leider schon der Fall ist.

Auch dieGermania" schreibt: Man hofft in palamenta- rischen Kreisen, daß die Volksculscheidungspsychose so weit ber» flogen ist, daß man in ruhiger Stimmung erneut an die Angelegen- hell der Fürstenabfindung Herangehen kann. Auch wurde im Reichs- tagc die Möglichkeit erörtert, daß bis zum Wiederzusammentritt des Reichstages vielleicht ein Vergleich zwischen Preußen und dem Hohenzollernhause zustande gekommen sein wird, der den staatlichen Wünschen mehr Rechnung trägt als der erste.

DasBerliner Tageblatt" schreibt: Die Reichsregie- rung hat erklärt, daß sie erst dann wieder eingreifen will, wenn die politische Lage die parlamentarischen Voraussetzungen für ein Fürstengsfetz geschaffen hat. Da ein Fürstengesetz mit den Deutsch- nationalen nicht in Betracht kommt, bleibt nur die Verständigung von bet Deutschen VolkSzmrtci bis zur Sozialdemokrakie. Hierüber tvird sich die Socialdemokratie Klarheit schaffen müßen. Wenn sie die Politik der Agitation fortsetzt, dann verhindert sie nicht nur eine gesetzliche Lösung der Fürstenfrage, sondern auch die Bildung einer republikanischen Koalition.

Aehnlich äußert sich dieV 0 s s i s ch c Z e i t u n g": Im Herbst wird man hossentlich begreifen, daß es nicht so wichtig ist, ob man ein paar hundertausend Stimmen mehr oder weniger hat, sondern daß die ganze Frage der Fürstenabfindung aus einer juristischen Streitsache zu dem großen innerpolitischen Problem geworden ist: Im« und mit wem in den nächsten Jahren in der deutschen Repu­blik regiert Norden wird.

ImVorwärts" heißt eS: Die Fürstenfrage ist nicht ge­löst, aber ein Block von den Demokraten bis zu den Dcutfch- nationalen hat die Bülow-Zollsätze ab 1. August an die Stelle der bisher geltenden niedrigen Zollsätze gesetzt. Der Erdacht, daß die Verärgerung der Mittelparteien über die Haltung der Sozialde'ino- kralle in der Fürstenfrage einen willkommenen Vorwand zu der zollpolitischen Schwenkung bietet, ist kein Bindemittel für Sozial- demokratie und Mittelparteien.