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Nr. 116

chlüchterner Reifung

-Amtsblatt * Myemeinev amtlicher Anzeiger für Kar Kreis Schlüchtem

-mrkunö Verlag: H.SteinfeLö Si^ne^ G<chästs>V.ValMho^ ^ fernspr:Nr.^ * PostphtttckrHrmrkstwta^

Donnerstag, den 30. September 1926

7«. Fahr«.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

Der Preußische Minister Berlin W. 66, den 21. 8. 26. J für BolkSwohlfahrt.

. Betrifft: Berücksichtigung von Betriebsfremden in ' landwirtschaftlichen Werkwohnungen bei der Ver­gebung von Neubauwohnungen durch die Ge- F meinden.

II. 7. Nr. 8ii. Der Reichsverband der deutschen land- : und forstwirtschaftlichen Arbeitgebervereinigungen E. V. führt Klage darüber, daß die Gemeinden es in der Regel ablehnen, , bei der Vergebung gemeindeeigener Neubauwohnungen auch solche Personen zu berücksichtigen, die als Betriebsfremde in I landwirtschaftlichen Werkwohnungen sitzen.

Die vorgebrachte Klage muß ich zum Mindesten inso- J weit als durchaus berechtigt anerkennen, als es sich um Be- ' triebsfremde handelt, gegen die bereits ein rechtskräftiges Urteil auf Räumung der Werkwohnung vorliegt, dessen Voll- I streckung infolge der Unmöglichkeit anderweiter Unterbringung bisher hat unterbleiben müssen. Die baldige Freimachung landwirtschaftlicher Werkwohnungen von Betriebsfremden dient aber nicht nur der Förderung des einzelnen Betriebes; die dadurch gebotene Möglichkeit, weitere deutsche Arbeitö-

fräste der Landwirtschaft zuzuführen, liegt vielmehr auch im öffentlichen Interesse. Es erscheint daher angebracht, dem Dom Reichsverbandc geäußerten Wunsche «ach Möglichkeit stattzugeben.

Ich ersuche, auf die in Frage kommenden Gemeinden in geeigneter Weise entsprechend einzuwirken und auch bei Entscheidung von Einzelbeschwerden danach zu verfahren.

Im Auftrag. gez. Conze.

J.-Nr. 2207 B. Wird veröffentlicht.

Schlüchtern, den 27. September 1926.

Der Vorsitzende des KreiöauöschnsseS

J.-Nr. 9303. An der Hanauer-Vachaer Straße werden vom 28.9. bis 2. 10. in der Ortsdurchfahrt Ahl und am 4. und 5. 10. im Ortsausgang Steinau gegen Ahl Dampfwalz- ar^eiten ausgeführt.

Diese Strecken sind an diesen Tagen möglichst zu meiden. Schlüchtern, den 29. September 1926.

Der Landrat. I. V.: Dr. Hauemann.

Kreisansschutz.

J.-Nr. 5253 K. A. Die Neu-Verpachtung der Lände- reien und Wiesen des ehemals Weber'schen Gutes in Eckard- roth findet am Montag den 4. Oktober d. I s. vormittags 10 U h r, auf 6 Jahre statt. Interessenten wollen sich zu der genannten Zeit am Kreiskrankenhaus in Eckardroth einfinden.

Die Pachtbedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Schlüchtern, den 28. September 1926.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses _____von Trott zu Solz._____________ ®toirSchlüchtern.

In der Zeit vom 1. 14. Oktober findet die Reini­gung der Schornsteine in der Stadt Schlüchtern und zwar n der Hanauerstraße, Schloßgasse, Alte Bahnhofsstraße, Wassergasse, Kirchstraße, Sackgasse, Bahnhof und Bahnstrecke statt. Die Kontrollbücher sind bereitzuhalten.

Schlüchtern, den 28. September 1926.

Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.

Industrie- und Agraritaat.

Die Not der Landwirtschaft.

In der Hauptversammlung des Landwirtschaftlichen Genius in Bayern hielt Ladwirtschaftsminister Fchr eine -liebe, worin er erklärte, die bayerische Regierung werde alles swfbieten, damit bei der endgültigen Regelung des Zollschutzes 01c Bedürfnisse der Landwirtschaft berücksichtigt würden. Zur Forderung der heimischen Landwirtschaft müßten zum min- Asien die Mittel aufgewendet werden wie vor dem Kriege. Reichsministcr a. D. Schiele hielt darauf einen Vortrag über Thema:Die Bedeutung der Landwirtschaft im Rahmen dos gesamten deutschen Wirtschaftslebens."

Der Redner gab zunächst einen Neberblick über die gesamte Lage der deutschen Wirtschaft. Die Hauptsignatur sei eine chro. Nische Jndustriekrise, die durch die Reparationsleistungen, -luslandskredite und den englischen Streik verschleiert und durch die Nationalisierungsmatznahmen verschärft werde. Das wirtschaftspolitische Ziel Deutschlands müsse die Ausgeglichen« der Wirtschaft im ganzen Lande sein. Das Ideal sei ein «grarindustriestaat, der im eigenen nationalen Machtbereich stine Grundlage habe und auf eigene Wirtschaftskraft gestützt den Weltmarkt sich nutzbar mache, sich aber allen Versuchungen widersetze, für den Weltmarkt ausgenutzt zu werden. Die Land« wirtschaft bilde die Grundmauern von Wirtschaft und Staat. Die Politik der letzten Jahre habe diese Mauern erschüttert.

Die Wirtschaft habe sich künstliche Exportmöglichkeiten durch Zugeständnisse auf dem Gebiet der Einfuhr zu Lasten der deutschen Landwirtschaft erkauft. Die überflüssige Einfuhr von Nahrungswerten, die ebenso gut im Innern erzeugt werden könnten, betrage eine Milliarde Mark mehr als in der Zeit vor dem Kriege. Die Nahrungsmitteleinfuhr bedeute eine riesenhafte Aussperrung deutscher Arbeitskräfte. Eine dauernde Beschäftigung der Arbeitslosen sei nur möglich, wenn die Wirtschaftspolitik sich auf die Vermehrung der heimischen Produktion einstelle. Dazu sei eine neue schöpferische Sozial­politik notwendig. Der ganze Umschichtungsprozeß sei ein politisches Problem, und nur eine machtbewußte, von parlamen­tarischen Rechenkünsten unabhängige Regierung sei imstande, ein solches Werk zu vollbringen.

poincari- polM.

Festhalten am Vertrag von Versailles.

Der französische Ministerpräsident Poincars hat seine schon länger angekündigte Rede über die von ihm zu ver­folgende Politik gehalten. Er sprach zunächst über den Frankensturz und die von ihm getroffenen Gegenmaßnahmen und erklärte dann:

Frankreich lehne es nie ab, mit Deutschland über Fragen zu sprechen, die beide Länder interessieren können. Frankreich habe gegenüber seinen früheren Gegnern niemals eine Politik der Ranküne oder des Hasses zu betreiben versucht. Es ist immer bereit, Schritte zur Annäherung zu versuchen, voraus­gesetzt, daß diese sich mit den früher abgeschlossenen Verträgen und Frankreichs Allianzen in Uebereinstimmung bringen lassen und daß diese nicht dazu führen, die Verantwortlichkeit der kaiserlichen Regierung am Kriege in Zweifel zu ziehen und daß sie ferner durch die vorliegenden entscheidenden Beweise der materiellen und moralischen Entwaffnung Deutschlands gerechtfertigt sind.

Es schuldet dieses seinem Ruf der Noblesse und Genero­sität. Es schuldet dies dem so schwer durch den vierjährigen Krieg gestörten Europa, es schuldet dies den sämtlichen Völkern der Welt, die Frankreich verpflichten, alles zu tun, was in seiner Macht steht, um der verstörten Menschheit eine weniger dunkle Zukunft als die Vergangenheit war, zu bringen. Es wird diese Pflicht niemals versäumen, aber niemand wird erstaunt sein darüber, daß angesichts der Ungewißheit von morgen Frankreich weder seine kontraktlichen Rechte opfern, noch in seiner Wachsamkeit nachlassen wolle."

*

Das Echo der Presse.

Zu der Rede Poincarös schreibt dieK r e u z z e i - t u n g", daß ein deutsch-französischer Ausgleich nur dann im Bereiche der Möglichkeiten liege, wenn sich auf französischer Seite der Wille zu einer Verständigung zu kommen, in ganz anderer Weise auswirkt, als es in den Worten Poincares der Fall ist.

In derD. A. Z." heißt es: Die Kriegsrcden Poincarss verklingen in einer einigermaßen friedlichen Atmosphäre, der der französische Ministerpräsident notgedrungen wird Rech­nung tragen müssen. Man darf aber seinen möglichen Ein- fluß auf den Gang der deutsch-französischen Verhandlungen nicht unterschätzen.

Die ,,T ä g l. R u n d s ch a u" sagt: Poincar« hat erklärt, Frankreich werde seine vertraglichen Rechte nicht opfern. Darin wird man nicht eine Absage an das Verständignngs- Programm von Thoiry zu suchen haben. Eine vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes liegt durchaus innerhalb der Möglichkeiten des Vcrsaillcr Vertrages.

DasB. T." schreibt: Den Anstrengungen Poincarös zur Rettung des Franken und zur Sanierung der Finanzen wünschen wir aufrichtig Erfolg. Aber zu einem Ergebnis können sie wohl am besten führen, wenn man die notwendige Friedensatmosphäre möglichst wenig durch die giftigen Ge­rüchte der Kriegsranküne verdirbt.

DerVorwärts" sagt: Man kann es als einen Erfolg brachten, daß Poincars in seinen Reden nichts kaputt gemacht hat. Zum Glück werden wir es bei den Verhand­lungen nicht mit Poincars, sondern mit Briand zu tun haben, ben eine ganze Welt des Temperaments von seinem Minister- Präsidenten trennt.

Der Eindruck in Frankreich.

In französischen diplomatischen Kreisen haben die Er- klärnngeil Poincarös einen befriedigenden Ein­druck hcrvorgerufcn. Es wird besonders betont, daß die Rede Poincarös in keiner Weise der Außenpolitik Briands entgegengerichtet oder geeignet gewesen wäre, derselben Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Man gibt auch zu ver­stehen, daß der Ministerpräsident in seinen Erklärungen darauf hinwies, daß er sich hinsichtlich der Notwendigkeit einer Verständigungspolitik zwischen den beiden Ländern in grundsätzlicher Uebereinstimmung mit seinem Außenminister befinde. Aus diesem Grunde wird der Eindruck der Rede Poincarös als ein keineswegs ungünstiger bezeichnet.

DerT c m p s" sucht im Zusammenhang mit der Rede Poincarös nach einer Beruhigungsformel in der Kriegs- schuldfrnge und möchte, daß nicht mehr von ihr gesprochen werde. Das Deutschland von 1926 würde besser tun, nicht darauf zu bestehen, daS Deutschland von 1914 von der Kriegs-

Neues vom Tage.

Bei Chatres ist während eines Nachtfluges ein Militär­flugzeug brennend abgestürzt. Die Besatzung, ein Offizier, ein Unteroffizier und drei Mann, sind verbrannt.

Nach einer Blättermeldung sollen in Paris in den letzten Tagen zahlreiche Pockenerkrankungen vorgekommen sein.

Auf der Straße zwischen Büdesheim und Lessingen stürzte ein Automobil aus Gerolstein in voller Fahrt die Böschung hinunter. Der eine Insasse war sofort tot, während der andere bald darauf seinen Verletzungen erlag.

Die amtliche Untersuchung der Brunnen in Hannover hat ergeben, daß von 50 Brunnen das Wasser von 13 Brunnen als Trinkwasser nicht geeignet und das von 21 weiteren als verdächtig angespochen werden kann.

Der Reichsverkehrsminister verlängerte die Geltungsdauer deS Nottarifs für Reichs- und Wasserstraßen vom 22. Oktober 1925 (Reichsverkehrsblatt 1925, Seite 69) bis 81. Dezember 1926 inklusive.

Der Reichsbund Deutscher Demokratischer Jugend der- anstaltet am 2. und 3. Oktober in Bamberg seinen diesjährigen Reichssührertog. Im Mittelpunkt der Tagung steht ein Vortrag über das ThemaDemokratie, Liberalismus und die politischen Probleme der Gegenwart".

Der spanische Diktator Primo de Rivera erklärte, daß er nicht an die Spitze des zukünftigen Kabinetts treten werde, sondern irgendeine seinem Grade entsprechende militärische Stellung ein« nehmen werde, ohne sich in die Politik einzumischen.

Der Russe Max Grünberg, der während der Völkerbunds­versammlung ein Attentat auf Bundesrat Motta versuchte, hat vom schweizerischen Bundesrat den Ausweisungsbefehl erhalten.

schuldfrage zu befreien. Die Annäherung vorzubereiten auf Der Grundlage eines Mißverständnisses über die Vergangen­heit wäre eine schlechte Methode. Sie würde die Wahrheit fälschen und würde Unstimmigkeiten in der Zukunft ver­ursachen. Die beiden Völker bekämpften sich seit vielen Jahr- ^a^rivH. Sie müßten sich selbst und der ganze» Welt, die durch ihre Streitigkeiten leiden, den unendlich großen Dienst erweisen und über die Vergangenheit schweigen und sich selbst in Zukunft verständigen. Andere Blätter wie das Journal des Döbats" behandeln die Rede Poincarös haupt­sächlich vom inuerpolitischen Standpunkt und versprechen sich von ihr in dieser Hinsicht eine große Wirkung.

" Zur Frage der Regierungsbildung in Preußen. Zu den angeblichen Verhandlungen wegen einer Erweiterung der Regierungskoalition in Preußen erfährt das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger von zuständiger Seite, daß solche Verhandlungen von Partei zu Partei nicht statt« finden. Irgendwelche Fraktionsbeschlüsse liegen in dieser Angelegenheit nicht vor, und die Vorstände der Fraktionen haben sich bamit nicht befaßt. Die Fraktionen treten erst am 6. Oktober wieder zusammen, so daß irgendwelche Entschei­dungen bis zum Parteitag der Dentschen Volkspartei in Köln, der vom 30. September bis zum 3. Oktober dauert, nicht er­folgen können. Der Reichsparteichg selbst hat mit der Frage der Regierungsbildung nichts zu tun und wird auch dazu nicht Stellung nehmen. Es handelt sich bei den Besprechungen, wenn sie stattfinden sollten, nur um eine persönliche Fühlungnahme zwischen den Abg. Dr. Heß (Ztr.) und Dr. Leidig (D. Vp.). Die Frage der Initiative in dieser Angelegenheit spielt, wie erklärt wird, keine Rolle, weil alle Fraktionen in Preußen davon überzeugt sind, daß in der Frage der Regierungsbildung etwas geschehen müsse, da die jetzige Regierungsbasis sich bei wichtigen Entscheidungen als zu klein erwiesen habe.

-«-« Zu dem Abbau im Reichsfinanzministcrium. Die Versetzung einer Anzahl von höheren Beamten des Rcichs- finanzministeriums in den einstweiligen Ruhestand hat die dcutschnationale Reichstagsfraktion zum Gegenstand einer Anfrage gemacht, um den Sachverhalt nach der tatsächlichen und rechtlichen Seite hin weiter zu klären.Wir fragen an", so heißt es in der Anfrage,ob die angeordneten Versetzungen in den einstweiligen Ruhestand durch ausführliche Rcchtsgui- achten der Beamtcn-Rechtsabteilung des Finanzministeriums und der Ministerien des Innern und der Justiz gestützt sind, welchen Inhalt diese Gutachten haben und ob das Gesamt- kabinett die Maßnahmen nach gründlicher Vorbereitung seiner Stellungnahme durch solche Gutachten gebilligt hat."

Berlin, 28. September. Der Reichspräsident hat Berlin verlassen, um einige Tage auf dein Lande zu verbringen und seinen 79. Geburtstag am 2. Oktober in aller Stille zu feiern.

Rückverlegung französischer Besatzungsartillerie nach Frankreich.

Koblenz, 28. September. Außer dem französischen Artille­rie-Regiment 312, mit dessen Abtransport am Samstag be­gonnen wurde, verläßt jetzt auch das Artillerie-Regiment 151 Koblenz. Täglich gehen Avci Züge von hier ab. Die Regi- menter werden nach Frankreich verlegt. Die in Engers und Diez untergebrachten Infanterie-Regimenter werden als Er- S für die verlegten Truppenteile nach Koblenz in Garnison rächt.

Reichsminister Dr. Stresemann nach Köln abgereift. 3

Köln, 28. September. Reichsminister Dr. Stresemann hat sich zur Teilnahme an dem Parteitag der Deutschen Volks­partei in Köln, dem eine interne Veranstaltung der Partei in RüdeSheim vorangeht, nach dem Rheinland begehen.