MlMfttntt Zeitung
Kreis-Amtsblatt * Myememev amtlich er AnzeLyer fiLr -ar Kreis Schlüchtem
bnukunb vevta-:H.SWi»frlb S-Hae* «Seschastsst-.LLtznhofstv.ö * fmssprrrw.^ * PostpheckMP.'aitksuvtaM.rrrao
M. 122
Donnerstag, den 14. Oktober 1926
78. Aahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
Biehseuchenpolizeiliche Anordnung!
J.-Nr. 9808. Zum Schutze gegen die Maul- und Klauenseuche wird auf Grund der §§ 18 ff. des Viehseuchenge- setzeS vom 26. Juni 1909 (R. G. Bl. S. 519) mit Ermächtigung des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten der § 1 meiner viehseuchenpolizeilichen Anordnung vom 24. August d. Js. — Schlückterner Zeitung Nr. 101 — wie folgt erweitert:
§ 1.
a. Sperrbezirke im Sinne dieser Anordnung ist der Häuserblock an der Nordseite der Poststraße und zwar die Häuser Nr. 204—220 und 315, ausschließlich der Post- straße und der Erbsengasse der Stadt Stein au;
b. Beobachtungsgebiet im Sinne dieser Anordnung ist der übrige Stadtteil und die Gemarkung der Stadt Steinau;
c. Das Verladen von Klauenviehauf der Station Steinau ist verboten.
§ 2.
Die vollständige hiernach erlassene viehseuchenpolizeilicke Anordnung vom heutigen Tage ist in der Stadt Steinau ortsüblich bekannt gemacht worden und kann im dortigen Rathause oder bei mir eingesehen werden.
Schlüchtern, den 12. Oktober 1926.
Der Landrat. J. V.: Schultheiß
Madt Schlüchtern.
Viehmarkt in Schlüchtern.
Der für den 26. Oktober d. Jö. angesetzte Pferde-, Rindvieh-, Schweine-, Ziegen- und Schafmarkt findet wegen der m einer Gemeinde des Kreises Schlüchtern herrschenden Maul- t'nd Klauenseuche nicht sta t t.
Schlüchtern, den 13. Oktober 1926.
Der Magistrat. Gaenßlen.
Lord d'Abernon und Deutschland.
Dasfneu erstarkte Deutsche Reich.
„ Der Sonderberichterstatter der „Evening Standard" in Brüssel meldet, daß Viscount d'Abernon, den er im Ostende- chpreß auf dem Wege nach London traf, in einer Unterredung mit ihm u. a. erklärte, er sehe Locarno als den Faktor an, der ohne die aus ganzem Herzen kommende Mitarbeit der ver- lchiedenen deutschen Staatsmänner, insbesondere des deutschen Ministers des Aeußern, nicht erreicht worden wäre.
Er habe während seiner Berliner Tätigkeit gesehen, wie Deutschland sich allmählich ungeachtet riesiger Schwierigkeiten lvieder aufrichtete und die Folgen des Krieges überwand, in dem es die Wirtschaftslage wiedcrherstcllte. Und nun heimlehrend nach England, bedauere er das Scheiden von so vielen guten Freunden in Deutschland, wo die letzten sechs Jahre so wsch und so angenehm für, ihn vergangen seien.
Wie der Berichterstatter hörte, wird d'Abernon nach einem mrzen Aufenthalt auf seinem Landsitz Esher eine Erholungs- nach Italien antreten. „Manchester Guardian" würdigt m einem Leitartikel die Verdienste d'Aberuons und schreibt auf die Tatsache, daß d'Abernon trotz seiner " Jahre sich noch weiter im öffentlichen Leben seines Landes ^t.gen werde, ein allgemeiner Willkomm sei ihm zu Hause loenn er von seinem Urlaub, den er so sehr verdient habe, unreinen werde.
Die Lage bei der Reichsbahn
Die Einnahmen steigen!
Die finanziellen Verhältnisse der Reichsbahn haben sich "fff ätzten Monaten erheblich gebessert. Die A n s g a b e n Wigen die Einnahmcii im Februar 1920 noch um rund :' «,.l“’onen Mark, im März um rund 20 Millionen Mark, .üpnl um rund 10 Millionen Mark, im Mai und Juni um r 7 Millionen Mark. Der Juli 1926 brächte erstmalig
m ^ahre einen Ueberschuß von rund 10 Millionen ein j r finanzielle Ergebnis für August wird vermutlich die ? ^fscres Ergebnis zeigen. Höchstwahrscheinlich werden ;» /ugusteinnahmen die Einnahmen des gleichen Monats im erreidjen oder sogar überschreiten. Bei diesen Ziffern tnJhiA ™ i ">cht übersetzen werden, daß ein Ueberschuß von ti r l aioucn Mark zweifellos bei dem Ricscuctat der bnihr • n durchaus kein überwältigender ist, zumal von dem '^""^Nm vierten Dawes-Jahr ab die Reichsbahn eine ^, ÜNweseutliche M e h r b c l a st n u g erfährt. Einschlicß« 1ek^«A^'licnlng der Gehälter und Löhne gegenüber dein 'eV^S (277 Äiillionen Mark mehr), angesichts der gegen-
M e h r b c l a st u n g erfährt. Einschlicß- na der Gehälter und Löhne gegenüber dein l2" Millionen Mark mehr), angesichts der gegen- Bvrkriegszcit gesteigerten Pensionslasten (270 Mill. • ; Mr), einschließlich der Ucberweisung an den Reserve« Mill. Mark), sowie der abznführcndcn Reichsver- C"ioo (2V" Mill. Mark) hat die Reichsbahn dann ins- Millionen Mark aufzubringen unb zwar im .« C-csamteinnahmectats von vielleicht 4,5 bis
Milliarden Mark.
°nds
Die Koalitionsverhandlungen in Preußen.
Zwei bemerkenswerte Pressestimmen.
Am Montag hat im Preußischen Landtag die erste Besprechung zwischen Vertretern der Deutschen Volkspartei und der Zentrumsfraktion stattgefunden. Die Verhandlungen, die vertraulicher Natur waren, sollen weiter- geführt werden. In parlamentarischen Kreisen nimmt man nicht an, daß vor dem Zusammentritt des Reichstages eine Umbildung der preußischen Regierung in Frage kommt, um so weniger, weil der Landtag sich am Freitag dieser Woche bis zum 3. November, dem Tage des Wieder- zusammentritts des Reichstages, vertagen wird.
Die Frage über die Verbreiterung der preußischen Regie- rungskoalition hat in den letzten Tagen zu einer außerordentlich regen Diskussion in der Presse geführt. Bemerkenswert ist vor allem ein Artikel in Nr. 755 der „Kölnischen Zeitung". Man darf annehmen, daß diese Ausführungen über die parlamentarische Lage in Preußen aus den Kreisen der Landtagsfraktion der Deutschen Volks- partei stammen. Ebenso wie schon die „Tägliche Rundschau" vor einigen Tagen den Deutschnationalen den Vor- wurf machte^ daß sie schuld seien, wenn in Preußen eine bürgerliche Regierungsmehrheit nicht zustande gekommen sei, so rückt auch jetzt das führende Blatt der Deutschen Volkspartei im Rheinland von den Deutschnationalen ab. Die „Kölnische Zeitung" läßt durchblicken, daß das Ziel der Volkspartei in Preußen die Große Koalition sei. In dem Artikel wird die Alternative gestellt: für die Volkspartei gäbe es keine andere Wahl, als in nicht allzu ferner Zeit unter annehmbaren Bedingungen in die Preußenregierung einzutreten oder eine Opposition zu machen, die zur Auflösung des Landtages führen müsse. Es wird noch darauf hingewiesen, daß der kommende Winter die Lösung wichtiger Finanzfragen bringen müsse, die ohne Hilfe der Volkspartei nicht geschaffen werden könnten.
Das führende Zentrumsorgan, die „Germania", erwidert in ihrer Nr. 274 auf diesen Artikel der „Kölnischen Zeitung". Das Mrtt nimmt, zunächst zu den bekannten Personalveränderungen in Preußen Stellung, die ja on der Deutschen Volkspartei ziemlich unfreundlich ausgenommen worden sind. „Eine gewisse Mißstimmung," schreibt die „Germania", „ist in der Volkspartei durch die Ernennung des neuen Ministers des Innern entstanden, noch stärker ist offenbar der Unwille über die Verabschiedung des volksparteilichen Staatssekretärs Dr. Meister. Die Verärgerung der Volkspartei über diese Tatsache kann man gewiß verstehen, aber sie scheint dabei zu übersehen, daß im gegenwärtigen Stadium ein längeres Hinauszögern so wichtiger Stellenbesetzungen staatspolitisch untragbar gewesen wäre. Und auf der anderen Seite hätte doch die Volkspartei, falls sie diese Dinge für ihren Eintritt in die Große Koalition entscheidend hielt. Mittel und Wege gehabt, um ihrer Meinung Ausdruck zu geben. Von solchen Einwirkungen, sei es offizieller oder offiziöser Art, ist indeß nichts bekannt geworden, und man mußte daher annehmen daß die Ernennungen, die doch seit Tagen bekannt und in allen Blättern zu lesen waren, von entscheidender Bedeutung für den Entschluß der Volkspartei zur Großen . Koalition nicht sein konnten."
Aus diesen beiden ausführlich zitierten Presseäußerungen geht hervor, daß der Gedanke der Großen Koalition in Preußen marschiert. Während vor einigen Tagen noch gerade die Zentrumspresse sich der Deutschen Volkspartei gegenüber ziemlich reserviert verhielt, kann man heute feststellen, daß sie dem Gedanken der Großen Koalition letzt viel freundlicher gegenübersteht.
Zur Frage des Zuckerzolls.
Berlin, 12. Oktober. Mit Beziehung auf verschiedene Pressemeldungen über die angebliche Stellungnahme der Reichsregierung zur Frage des ZuckerzollS wird mitgeteilt, daß die'Frage zurzeit noch der Prüfung der zuständigen Ressorts unterliegt und bei diesen noch nicht geklärt ist.
Einjährige Dienstzeit in Frankreich.
Paris, 12. Oktober. Kriegsminister Painlevö hat dem Vorsitzenden der Heereskommission der Kammer, General Girod, mitqcteilt, daß die Gesetzesvorschläge über die einjährige Dienstzeit in den nächsten Tagen fertiggestellt und zunächst dein Ministerrat und dem Obersten Kriegärat zugehen würden.
General Pershing gegen weitere Abrüstung.
Paris, 12. Oktober. Wie der „New York Herald" berichtet, hielt General Pershing, der Führer der amerikanischen Streit- fräste während des Krieges, auf dem Kongreß der Kriegs- tcilnehmer in Philadelphia eine Ansprache, in der er betonte, daß eine weitere Reduzierung der Armee eine Gefahr für das Land sei.
^ Deutschlands Reparationslieferungen. Im ersten Monat des dritten Annuitätsjahres hat Deutschland nach dem Bericht des Generalagenten für die Reparationszahlungen rund 84 938 000 Goldmark geleistet. Frankreich erhält 35,4, England 15,08, Italien 5,08 und Belgien 6,6 Millionen Golt^ mark. Der Kassenbestand am 30. September werft rund 94 231000 Goldmark auf.
Die deutsch-polnischen Verhandlungen.
Berlin, 12. Oktober. Die deutsch-polnischen Handels- vertragsverhandluugcn haben, wie den Blättern mitgeteilt wird, gestern hier mit einer formellen Sitzung begonnen.
Neues vom Tage.
— Die Zahl der in Hannover an Typhus verstorbenen Personen betrug am Dienstag früh 210.
— Der Sturm auf der Nordsee wütet weiter. In Norder- ney wurden verschiedene SOS-Rufe gehört. Es ist jedoch unmöglich, den in Seenot befindlichen Schiffen zu Hilfe zu kommen.
— Auf Helgoland hat ein neuerlicher Sturm großen Schaden angerichtet. Das auf der Düne errichtete Zeppilin-Denk- mal ist eingestürzt. Man befürchtet den gänzlichen Verlust der Düne.
— Bei dem Untergang eines Heringsloggers in der Nordsee sind 13 Personen ums Leben gekommen.
— Im Preußischen Landtag kam es am Dienstag gelegentlich der Beratung des Hohenzollernvergleichs seitens der Kommunisten zu ernsten Ausschreitungen, die später zu Schlägereien ausarteten.
— In der Tschechoslowakei ist ein neues Kabinett gebildet worden, dem mich zwei deutsche Parlamentarier angeboren.
— In Oranienburg wurden ein Postsekretär a. D., seine Ehefrau und die erwachsene Tochter in ihrer Wohnung erschossen aufgefunden. Es handelt sich um einen Raubmord.
— Auf der Zeche „Viktoria 3—4" wurden vier Bergleute durch Steinfall verschüttet. Drei von ihnen wurden in schwerverletztem Zustand geborgen, der vierte liegt tot unter den Gesteinsmassen.
— Für das Jahr 1930 plant der Deutsche Werkbund eine internationale Ausstellung, die in ihrer Bedeutung den großen Ausstellungen von Paris und San Franzisko gleichkommen dürfte. Die Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß dem- nächst darüber entschieden werden soll, welche der deutschen Städte diese Ausstellung beherbergen soll. Beworben haben sich in erster Linie Berlin, Düsseldorf und Köln.
— Im Verfolg der Einladung der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages an die Fraktion der Deutschen Volkspartei uns eine erste Äezprcyung zwischen tat Führern der beiden Fraktionen statt. Die Besprechungen werden weiterhin fortgesetzt.
— Der neuernauute Chef der Heeresleitung dürste sein Amt gegen Ende Oktober antreten. General Hetze war bekanntlich auf einer Urlaubsreife, als er die Nachricht von seiner Ernennung erfuhr.
— Durch Vereinbarung zwischen der deutschen und der mexikanischen Regierung ist das Außerkrafttreten des zum 21. Oktober 1926 gekündigten deutsch-mexikanischen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrages vom 5. März 1882 bis zum 21. April 1927 hinausgeschoben worden. In der Zwischenzeit sollen die Verhandlungeu zweschcn dem Deutschen Reiche und Mexiko zum Abschluß gebracht werden.
— Die Königin von Rumänien, die sich seit einigen Tagen in Paris aufhielt, reift jetzt mit dem „Leviathan" von El^rbourg nach Amerika.
— Die Agentur Havas meldet, daß der Untersuchungsrichter in der Angelegenheit des Leutnants Rouzier, der Hauptmann Trope, sich nach Landau begeben habe. Die Verhandlung der Germersheimer Zwischensälle vor dem Kriegsgericht in Landau soll am 15. November stattfinden.
Der Semeausschuß in Machen
Stürmische Zwischensälle.
Im Femcmisschuß des Reichstages, der augenblicklich in München tagt, ist es zu erheblichen Zwischenfällen, namentlich anläßlich der Vernehmung des Generals v. E p p, gekomnien.
Als der Vorsitzende den Zeugen vernehmen wollte, und ihn bot den Eid zu leisten, erklärte General von Epp: „Ich kann den Eid nicht auf Vorschuß leisten." Auf die Er- Widerung des Vorsitzenden, daß er sich nach der Strafprozeß- ordnung richten müsse, die vorschreibe, daß der Zeuge vor seiner Vernehmung den Eid zu leisten habe, antwortete General von EPP, er freue sich, daß einzelne Herren nicht auf dem Standpunst des Ausschusses ständen und es fontnte ihm daraus an, wer ihn mißbillige und wer ihn billige. Der Abgeordnete Mittelmann (D. Vp.) sprang darauf in großer Erregung von seinem Sitze auf und schrie den Zeugen an: „In welcher Schule haben Sie eigentlich gelernt, sich so flegelhaft zu be. nehmen?" Der Abg. S t ö h r (Bölk.) ersucht den Vorsitzenden, gegen den Abg. Mittelmann einzuschreiten. Der Vorsitzende entgegnet: Wenn wir uns nicht ruhig verhalten, fommen wir nicht weiter. Herr Abg. Mittelinann, ich glaube nicht, bafj Ihre Bemerkung in dieser Schärfe notwendig war.
Abg. Mittelmann erwidert darauf: Wenn der Zeutze hier erkläre, es komme ihm darauf an, lver ihn mißbillige, so sei das eine Unverschämtheit. Der Vorsitzende hielt bent Zeugen vor, er habe in der Voruntersuchung gesagt, er hielte es für einen Akt der Notwehr und für ein sittliches Recht, daß von feiten der vaterländischen Verbände gegen d t c Waffenverräter vorgegangen worden sei. Es sei kein Unterschied zu machen zwischen Verrätern, die Waffen an die Entente und solchen, die sie an den Entwaffnungskommissar ausliefern wollten. Auf die Frage, ob das auch heute noch feine Meinung sei, erwiderte General von EPP: Ich habe keine Gelegenheit gehabt, meine Meinung zu revidieren.