Schlüchterner Zeitung
Kreis-Kmtsblatt * Myememev mntlicherKnzeitzev für öen. Kreis -chlüchtem
Keutkunö Verlag -. H. Steinfelö Söhnen Geschästsft'. Vahrchofstv. 6 ^ fernspv-.Nr.^ ^ postflh«t^:P?mrkstwtLM.rLAyo
Rr. 123 (1 Blatt) Samstag, den 16. Oktober 1926 (Werbenummer) 78. Iahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
:Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstags- -und Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhr.;
Polizeiverordnung, die Verkehrspolizei betreffend.
Auf Grund der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (GS. S. 1529), der §§ 137, 139 und 141 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (GS. S. 195) und des Artikels III der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 (RGBl. S. 44) wird mit Zustimmung des Bezirksausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel folgende Polizeiverordnung erlassen:
$ 1.
Den Anordnungen der polizeilichen Aufsichtsbeamten, die zur Erhaltung der Ruhe, Sicherheit, Ordnung und Bequemlichkeit des Verkehrs auf den öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder Wasserstraßen getroffen werden, ist Folge zu leisten.
$ 2.
Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht nach anderen gesetzlichen Bestimmungen eine schärfere Bestrafung platz- greifr, mit einer Geldstrafe biö zu 150 RM., an deren Stelle im Falle des Unvermögens eine entsprechende Haftstrafe tritt, bestraft.
$ 3.
Diese Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft; die Polizeiverordnung vom 29. November 1913 (Amtsbl. S. 439) tritt gleichzeitig außer Kraft.
(Ä. II. 4263/26.)
Cassel an 24. 9. 1926. Der Req.-Präsideyt. .
Der Saatsnstand Anfang Oktober.
Regierungsbezirk Caffel, Kreis Schlächtern.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = Mittel (durchschnittlich), 4 = gering, 5 = sehr gering.
Fruchtarten
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Vertrauensmännern des Kreises abgegebenen Noten
usw.
E'°°' Bezirk
1
1—2
2
2—3 3 3-4 4
4-5
5
r-Noffein
3,4 3,0
2 1
Zuckerrüben
3,0 2,9
Sutterrüben iRunk.s
3,0 3,0
2
1
Mlrüttn [leteirM. S»d-n!ohlr„ Wruk, wissen]
2,8 3,1
1
2
Morrüben lMSH- ten' Karotten]
2,8 2,9
1
W-ibk°hl
2,9 3,1
1
1
^ere »ohlartcn
3,0 3,0
1
"Ist- °uch mit Bci- "Uchung «.Gräsern
2,5 2,4
1
1 1
Luzerne
2,5 2,5
1 1
^eftn m. Be- ober
Steg,"
2,5 2,5
1
Andere Wiesen
2,7 2,5
2
1
D" Präsident des Preußischen Statistischen Landeöamtö. Dr. Saenger.
Eine Polizeiverordnung über den allgemeinen ^"kehr auf öffentlichen 9Bepen lStrahenver- ^khrsordnung) ist im 2. Blatt der heutigen Ausgabe ^gedruckt und wird auf diese im Straßenverkehr geltenden °stchriflen besonders hingewiesen.
Kreisausschutz.
, . 3-Nr. 5621 K. A. Der Abstammungönachweis für den der am 18. September dö. Jö. in Sterbfritz stattgehabten ^uilmkörung unter Vorbehalt mit 73 Punkte ange- Jungbulke des Adam Dörner in Elin ist erbracht. In stmndcrung meiner Kreiöblattbekanntmachung vom 28. Scp- umber dö. Js. — J.-Nr. 5209 K. A. — (Kreiöblatt Nr. . v ist der fragliche Bulle nunmehr unter Nr. 249 endgül- "Gekört worden.
Tchlüchtern, den 14. 10. 1926. Der Landrat.
'""mitte, entfernt das trockene 5®6 »ot dem Laubabfall!
Lohnpolitik.
Ein politisches Programm deS Reichsarbeitsministers.
Auf der Tagung des Deutschen GewerkschaftsbundeS in Nürnberg hat Reichsarbeitsminister Dr. Brauns eine sehr beachtenswerte Rede über das Thema: „Gewerkschaftliche Selbsthilfe durch Lohnpolitik und Lohnverwendung" gehalten, in der er u. a. nachstehendes ausführte:
Der alte Satz vom „L’Etat, c’est moi!" hat heute keine Gültigkeit mehr. Der Staat ist nicht mehr die Regierung, das Volk ist heute der Staat, bezw. die Volksvertretung und die in dieser sitzenden Parteien. Die Gewerkschaftsbewegung in den ersten Nachkriegsjahren war ebenso inflationös aus. geblasen wie alle anderen wirtschaftlichen und Verwaltungs. betriebe. Sie haben sich bis zur Stunde in hervorragender Wei e konsolidieren können. Es ist erfreulich, feststellen zu können, daß z. B. der Deutsche Gewerkschaftsbund sich im wesentlichen hinter das Programm der Reichsregierung stellt und auch das Arbeitsbeschafsungsprogramm in seiner jetzigen Form für das Gegebene hält. Natürlich können alle diese Maßnahmen nur ein Anfang sein. Auch die beste Sozial« Politik ist natürlich nicht imstande, eine Weltkrise zu beseitigen.
Die Anforderungen an unsere Sozialpolitik sind heute mit Recht erheblich größer als je. Wichtige Gesetze und Maß- nahmen harren noch der Erfüllung, so das Arbeitsgerichts« gesetz, das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung und das Arbeiterschutzgesetz mit seinen sehr wichtigen Bestimmungen über die neue Arbeitszeitgesetzgebung. Deutschland stehe in diesem Punkt loyal auf dem Boden der Washingtoner Kon- vcntioc, und zwar natürlich grundsätzlich, da das Inkrafttreten dieser Konvention bei verschiedenen maßgebenden Staaten wie England und Italien auf Schwierigkeiten stoße. Es sei zu hoffen, daß das Internationale Arbeitsamt, weiter aber auch die Presse in der ganzen Welt darauf dränge, daß hier Einmütigkeit erzielt werde. Die Lohnpolitik ist in den letzten Monaten wieder mehr in den Vordergrund getreten. Schwierigkeiten liegen heute noch vor allem in der Tatsache, daß sich das Verhältnis der einzelnen Wirtschaftszweige zu einander vielfach grundlegend verschoben hat. Es ist wahr, daß die Arbcitslosenziffcr an sich nicht durchweg auf einen unaumtigen Slans der Wirtzchastölage Miemn «t.sien mus. Einzelne Betriebe und Industrien arbeiten vielfach unter der« hältnismäßig günstigen Bedingungen. Wo das nicht der Fall ist, laufen schon seit längerer Zeit Bestrebungen, unterstützt vor allen Dingen auch von der Arbeiterschaft, die aus ein«
das Jnkraft-
Rationalisierung der Betriebe
und eine gesteigerte Konzentration der Unternehmungen in allen solchen Fällen abzielen, so daß durch Verbilligung der Preise eine Hebung des Absatzes erreicht werden kann, die dann natürlich nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Arbeiter chaft Vorteile bringen müssen. Gerade weil man von einer Rationalisierung und Zusammenlegung der Be- triebe letzten Endes eine Hebung der Kaufkraft und damit eine Besserung der Lebenshaltung erwarten könne, hat sich die Arbeiterschaft mit diesen Dingen grundsätzlich abgefunden. Auch an den sogenannten ungelernten Arbeiter werden viel- fach heute hohe Anforderungen gestellt. Man werde m den Industriezweigen, die unter günstigen Bedingungen arbeiten, das Verlangen der Arbeiterschaft auf entsprechende Beteill- gung an den Erträgen allgemein als berechtigt wenn sie andererseits sich bereit erklärt du „ schlechten Geschäftsganges in gewissem Maße mitzutragen. Aus Lohnerhöhungen im Gewerbe mit gutem Geschäftsgänge werden daher nicht ohne weiteres Lohnforderungen in anderen Gewerben abgeleitet werden können, die unter ganz anderen Bedingungen arbeiten müssen. Es gibt heute also
halten müssen,
e Folgen eines
keine starre Linie in der Lohngestaltung.
Sich über die Grundsätze der Lohnpolitik zu verständigen Und sie in praktischer Weise durchzufrihren, ist in erster Rellxe Aufgabe der Parteien selbst. Die Verbmdlichkeitserklarung muß eine Ausnahmeentscheidung bleiben. Wollte man das System der Verbindlichkeitserklärung allzu häufig anwenden, so würden darunter nur die Gewerkschaften, also die berechtigten Jnteresseuvertreter der Arbeitnehmer chaft, leiden. Deutschland sann heute noch au, seine Sozialpolitik im vollen Maße stolz sein. Unsere Sozialpolitik hat internationale Gel« tuna. Die sozialpolitische Einstellung des deutschen Volkes ist ein Stück deutscher Kultur und muß als solche geweitet werden. Es wird dies umso leichter sein, als auch das Unter- nehmertum neue Formen annimmt. Bezeichnend ist di« Tatsache, daß Rußland z. B. immer wieder auf die Hilfe deS Kapitalismus, und zwar des internationalen, angewiesen ist.
u '* VV - —
Der Leutnant Roueier in Freiheit.
Paris, 14. Oktober. Die „Nation Francaise" bringt die überraschende Mitteilung, daß der französische Leutnant Rou- cicr, der wegen der Germcrshcimcr Mordtat in Untersuchungs- haft genommen worden ist, vorläufig in Freiheit gesetzt worden sei. Das Blatt fragt, warum die Regierung dies nicht deutlich «rkläre. Poincarö und sein Außenminister wollten auf diese Weis« jenseits des Rheins nur den Glauben erwecken, daß der Leutnant Roueier im Gefängnis gehalten würde.
Einberufung des deutschen Reichstages.
Berlin, 14. Oktober. Der Reichstag ist endgültig für Montag, den 3. November, einberufen worden. Auf der Tagesordnung dieser ersten Plenarsitzung nach der Sommerpause stehen zunächst nur Kleine Vorlagen. Der Präsident hat sich aber Vorbehalten, weitere Punkte auf die Tagesordnung zu fetzen. ■
Wir werben Abonnenten!
Die heutige Ausgabe der „Schlüchterner Zeitung" geht in verstärktem Umfange imd verdoppelter Auflage als Werbenummer hinaus. Sie wird nicht nur den Dauer-Abonnenten in gewohnter Weise zugestcllt, sondern vor allem denen, die in den arbeitsreichen Sommermonaten vom Zeitungsabonne- ment Abstand nahmen, ferner soll diese Ausgabe noch alle die bisher der „Schlüchterner Zeitung" Fernstehenden zum Abonnement einladen. Die „Schlüchterner Zeitung", dieser altvertraute Hausfreund, will über die nun anbrechenden langen Herbst- und Winterabende hinweghelfen und dem Leser mancherlei Kurzweil bringen. Alö „Kreiöamtsblatt" orientiert die „Schlüchterner Zeitung" die Leser über wichtige Bekanntmachungen aller Kreis- und Stadtbehörden, der politische Teil informiert in knapper aber verständlicher Form über politische Fragen des In- und Auslandes, der lokale Teil erörtert Begebenheiten aus Stadt- und Kreiögebiet, während andere Rubriken Nachrichten aus der Provinz und aller Welt bringen. Der Handelsteil berichtet über Produkten- und Viehmarkt. Neben vielen Kleinanzeigen im Inseratenteil unterbreitet derselbe den Lesern günstige Warenangebote aus der Geschäftswelt, die wir einer besonderen Beachtung empfehlen. Zwei gern erwartete Sonderbeilagen sind „Landmanns Sonn- tagSblatt" und die „Illustrierte Unterhaltungsbeilage". In allen diesen Rubriken ist den Lesern Gelegenheit geboten, sich über die Geschehnisse der Zeit zu orientieren, und im Inseratenteil wird gar manch Nützliches für den persönlichen und familiären Bedarf zu finden sein.
Bestellungen auf die „Schlüchterner Zeitung" müssen, wenn sie die Abonnenten zu Monatöbeginn rechtzeitig erreichen soll, stets in der Zeit vom 15. bis 25. jeden Monath beim Landbriefträger oder dem Postamt gemacht werden.
-.«a %e Schlüchterner Zeitung!
Neues vom Tage.
— Infolge des Sturmes in der^Nordsee haben sich im Hamburger Schiffsverkehr schwere etocfungen ergeben.
— Die auf den Stichtag des 13. Oktober errechnete Großhandelsindexziffer ist gegenüber der Vorwoche um 0,5 Prozent auf 128,6 gestiegen.
— Einer Blättermeldung zufolge haben die verschiedenen Sparergruppen eine neue „Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung" gegründet, deren Führer der frühere Staatssekretär Graf Posadowsky ist.
— In Berlin kam es am Donnerstag Abend zu einem Zusammenstoß zwischen Roten Frontkämpfern, die einen Dc- monftrationSzug bilden wollten, und Schutzpolizisten. Die Schutzpolizisten wurden mit Steinen beworfen und mußten schließlich von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei drci 'Personen durch Schüsse verletzt sein sollen.
— Nach einer Meldung aus Detmold ist dem vormals regierenden Fürsten Leopold für einen von ihm zu führenden Prozeß vom Magistrat Detmold die Klage im Armenrecht zugebilligt worden.
— Der kommunistische preußische Landtagsabgeordnete Richard Schulz wurde nach dem Verlassen des Landtagsgebäudes in Berlin von zwei Söhnen des sozialdemokratischen Abgeordneten Osterroth, der in der Landtagssitzung bei der zweiten Beratung des Hohcn- zollern-Vergleichs von Schulz tätlich beleidigt worden war, angegriffen und durch Schläge verletzt.
— Die von der kommunistischen Partei Deutschlands geplante Demonstration im Berliner Lustgarten ist wegen unmittelbarer Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten worden. Das Verbot bezicht sich auch aus andere geplante kommunistische Demonstrationen unter freiem Himmel, da die Gefahr besteht, daß diese als Ersatz für die verbotene Lustgartendemonstration stattfinden sollen.
— Der französische Ministerpräsident Poincars ist von seiner Reise nach Elsaß-Lothringen wieder nach Paris zurückgckchrt.
— Wie von zuständiger französischer Seite verlautet, ist in der Unterredung Briands mit General Guillaumat von einer Verminderung der französischen Besatzungstruppen im Rheinlandc keine Rede gewesen. Auch in der Umgebung deS Kriegsministers Painlevs legt man auf diese Feststellung Wert und erklärt alle derartigen Gerüchte zum mindesten als verfrüht.
— Die bekannte Londoner Zeitung „W«stminster Gazette" schreibt, es verlaute, daß wahrscheinlich im nächsten Monat der Verband britischer Industrien Mitglieder der führenden deutschen Industrien durch Vermittlung des Verbandes deutscher Industrieller einladen werde, wiederum nach England zu kommen.
Rückkehr Dr. ReinholdS.
Verkttt, 14. Oktober. Rcichsfinanzminister Dr. Reiuhold wird wieder in Berlin ermattet. Die Rückreise von Spanten legt er im Automobil zurück. Es ist nicht beabsichtigt, daß er babei über Paris fährt.