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Nr. 138

Donnerstag, den 28. Oktober 1926

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Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

I.-Nr. 10190. In den Gemeinden Detter und Mitgen- fcld, Bezirk Brückenau, ist die Maul- und Klauenseuche aus- gebrochen.

Schlächtern, den 23. Oktober 1926.

Der Landrat.

Kreisausschutz.

Z.-Nr. 5833. K A. Die auf Sonnabend, den 30. Oktober d. 2s. in Schlüchtern angef.tzte

Jungbullenkörung.

findet nicht statt.

Schlüchtern, den 27. Oktober 1926.

Der Landrat.

Etsaß-Loihringische Sorgen

(Bon unserem Straßburger Mitarbeiter.)

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Nach den gewaltigen Sommerstürmen, die Elsaß-Lo­thringen von Grund aus erschüttert und der aufhorchenden Welt ein höchst merkwürdiges Bild von derBefreiung" des Landes durch die Franzosen gegeben haben, ist wieder etwas Ruhe eingekehrt. Ruhe nach außen! Um so stärker gärt es innerhalb einzelner Parteien, mit um so größerer Rücksichtslosigkeit wird der Kampf hinter den Kulissen ge­führt. Regionalisten stehen gegen Zentralisten, Heimatrecht- ler gegen französische Chauvinisten, die Kämpfer und Ver- fcchter der elsaß-lothringischen Heimatidee gegen Assi- . milationsfanatiker, Elsaß-Lothringen gegenZnner- I frankreich".

Eine erste Entscheidung ist gefallen. Georg Wolf, der L Führer des elsässischen Flügels der unterelsässischen Radikal- 'alijtifchen Partei, hat die M)tq»Wl OT -P.'rte'aragp d H eingestellt und wird bei Verwirklichung seines Plans ein.» Partei-Reugründung ohne Zweifel den größten Teil der alten Partei mit sich ziehen. Georg Wolf hatte geglaubt, die Pariser Gesamtparteileitung davon überzeugen zu kön- , nen, daß die Forderung des elsaß-lothringischen Volkes auf i ein Sonderleben, auf eine Sonderbehandlung durch Frank­reich mit den demokratischen Grundsätzen der radikal- sozialistischen Partei Frankreichs in Einklang zu bringen sei. Er scheiterte, er mußte scheitern am heiligsten Grundsatz die­ser Partei, an der sie nie und nimmer rütteln lassen wird, daß nämlich die französische Republikune et indivisible', geschlossen und unteilbar sei. Wie verlautet, will G. Wolf die alte Fortschrittspartei aus der Vorkriegszeit ins Leben zurück.ufen mit einem spezifisch elsaß-lothringischen, heimat- rechtlichen Programm, wie er es in seiner beachtenswerten BroschüreD a s e l s ä s s i s ch e P r o b l e m" jüngst nieder- gelegt hat. Der Zeitpunkt zur Gründung einer neuen po­litischen Partei mit ausgesprochen Heimatrechtlerischen For­derungen ist an sich äußerst günstig gewählt, doch mußte , Wolf seine allzu vorsichtige, allzu klug berechnende Taktik I durch ein frisches Draufgängertum ersetzen. Befreit von allen Banden und Fesseln, die ihm durch seine Zugehorig- I «tt zur radikal-sozialistischen Partei angelegt waren, wird er nunmehr doch vielleicht ein wirklicher Kämpfer, wie ihn Elsaß-Lothringen in allen Heimattreuen Kreisen braucht.

In der größten Partei des Elsaß, in der katho­lischenVolkspartei", geht der Kampf um die Vorherr­schaft mit stets zunehmender Erbitterung weiter. Dadurch, daß der Bischof von Straßburg, ein Franzose, sich zum Handlanger der französischen Regierung Poincares Herao- gewürdigt hat und vor einigen Wochen gegen die geist­lichen Unterzeichner des autonomistischen Heimatbundmani- festes mit Sanktionen despotischster Art eingeschritten ist, hat der schon fast ganz erledigte französisch-chauvinistische Flügel für den Augenblick wieder rein äußerlich die Oberhand erlangt. Durch Maßnahmen, die an das finsterste -'Rittelalter erinnern, hat der Bischof den Sprechern des Heimattreuen Flügels, d. h- der großen Mehrheit der Par- lei, den Maulkorb aufgesetzt. Abbä F a s h a u e r , der mutige Chefredakteur desElsäsier K u r i e r (Col- war), ist einfach seiner Stelle enthoben, andern Geistlichen d." elsässischen Heimatrechtsbewegung jede politische Tä­tigkeit in Wort und Schrift untersagt worden. Das Bund- uis, das der Bischof von Straßburg zur Unterdrückung und Entrechtung des elsässischen Volkes, das noch gut katholnch und kirchentreu ist, mit der laikalen, kirchenfcindlichcn Re­publik eingegangen ist, wird gewiß nicht ohne bedenk­liche Folgen bleiben. *

Inzwischen bereiste Herr P 0 i n e a r 6 Elsaß-Lothrin- gen, studienhalber undinoffiziell". Der Herr Minister­präsident befürchtete wohl, nicht so empfangen zu werden, wie sich das vonbefreiten Brüdern" gehört. Er wollte in erster Linie eine Sprachenstudienreise machen und sich über we elsaß-lothringischen Schulverhältnisse unterrichten las­sen. Nach der Führung, der er sich anvertraute, kann man heute schon urteilen, daß etwas Ersprießliches, daß eine cen Wünschen des elsaß-lothringischen Volkes gerecht wer­dende Lösung der Sprachen- und Unterrichtsfrage bestimmt u > cht zu erwarten ist. Herr Charlety, der souveräne Diktator des elsaß-lothringischen Unterrichtswesens, beglei­tete Poinearö und wußte dafür zu sorgen, daß derselbe nur dns zu sehen und zu hören bekam, was gut ist. Herr Poincatö hat nur wenige Schulen besichtigt, und doch i|t er

entzückt von den Fortschritten, die in der französischen Sprache erzielt worden sind". Nach wie vor wird die deutsche Muttersprache von drei Viertel der elsässischen Be­völkerung in den Schulen kaum berücksichtigt bleiben.

Wie gering aber diese angebliche Fortschritte sein müs­sen, beweist das größte französische Hetzblatt Elsaß-Lothrm- gens, das sich so oft über dieMuttersprack" des Heimat­bundes lustig gemacht hat, dasJournal dAlsace et de Lorraine, das seiner Nummer vom 10. Oktober 1926 erst­mals eineDeutsche Beilage" zugegeben hat, die wöchentlich am Sonntag im Blatt zu finden sein wird. Das Erscheinen dieser Beilage wird in einer Mitteilung an die Leser des Blattes unter andern damit begründet, daßdie große Masse unserer Mitbürger die französische Sprache nur un­vollkommen beherrscht". Wenn nun deutsch nicht oder nur ganz beschränkt unterrichtet wird und die franzostsch- Sprache von der Masse nur unvollkommen beherrscht (besser gesagt, überhaupt nicht beherrscht) wird, so kann man sich ohne näheren Kommentar ein richtiges Bild von den Sprachkenntnissen der entlassenen elsaß-lothringischen Schuljugend machen. Herr PoincarS aber ist entzückt.

Mirtschastsmanifesi und Eisenpakt.

Arbeitsausschuß deutschnationaler Industrieller.

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Im Rahmen einer vertraulichen Aussprache des Arbeits­ausschusses deutschnationaler Industrieller für Groß-Berli: und die Provinz Brandenburg führte Graf Westarp aus, da, die Kernfrage der deutschen Politik die Befreiung Deutschlands sei, und daß in den Verhandlungen in Thoiry zur Lösung dieses Hauptproblems noch nichts Greifbares erreicht worden fc.

Unter Zustimmung der Versammlung stellte er fest, daß Deutschland die Dawes-Last nicht tragen könne. Graf Westarp befaßte sich dann weiter mit dem Wirtschaftsmanifest, dessen politischer» Inhalt er begrüßte und zu dessen wirtschaftlichem Inhalt er auf die Kritik des Grafen Kalckreuth verwies. Die Frage der Regierungsbeteiligung streifte er nur kurz und i«6k f. ,1, Lug oa:» er «u», »c«* as ms« -'erden km«, be-»'..-> in Köln erschöpfend gesagt worden sei.

Als zweiter Redner nahm Reichstagsabgeordneter Dr. Reichert zu dem ThemaAllgemeine Ursachen internationaler Syndizierung und internationaler Eisenpakt" das Wort. Dr. Reichert ging auf den Eisenpakt ein und stellte dabei vor allem mit Genugtuung fest, daß es gelungen ist, zwischen der eiscn- schaffenden und eisenverarbeitenden Industrie schon bei den ersten Ansängen der Verhandlungen im Jahre 1924 eine Einigung herzustellen, die dann durch das Düsseldorfer Ab- kommen bekräftigt worden sei. Die Diskussion wurde durch sozialpolitische Ausführungen des Vorsitzenden, Geheimrat Dr. von Borsig, eingeleitet und fand unter den zahlreichen Anwesenden lebhafte Beteiligung. Neben den Finanzproblemen, der Mobilisierung der Eisenbahnobligationen und der Frage der Auslandskredite stqnd die Sozialpolitik und damit die kommende Arbeitsschutzgesetzgebung im Vordergründe.

Die MiMonttolle.

Sanktionen durch den Völkerbund?

Der diplomatische Berichterstatter desDaily Telegraph" schreibt, die Botschasterkonferenz überlasse es dem Ermessen der Interalliierten Militärkontrollkommission, weitere Er­mahnungen an das Reichswehrministerium in der Frage von Verstößen gegen die Entwaffnungsbestimmungen des Friedens- Vertrages zu richten.

Man hoffe dadurch, Aufsehen und Erbitterung zu ver­meiden, die eine formellere Note der Botschasterkonferenz in Deutschland und anderswo erregen würde. Der Korrespondent sagt, er höre, daß der wirkliche Grund für die Abneigung der französischen Regierung gegen eine baldige Uebertragung der Kontrolle an den Völkerbund nicht in den fraglichen Verstößen bestehe, sondern darin, daß Poincars und die französischen HceressLhrcr entschlossen seien, kein Nachlassen der ständigen Kontrolle, die die Uebernahme durch den Völkerbund zweifellos mit sich bringen würde, zu gestatten, bis die genauen Be­dingungen der Völkerbundskontrolle in einer Frankreich befriedigenden Weise festgesetzt sind.

Die Franzosen verlangen eine überwältigende alliierte Mehrheit im Völkerbundskontrollausschuß, häufigere und regelmäßigere Inspektionen, als bisher ins Auge gefaßt wurden, schärfere Aufsicht über die entmilitarisierte Rheinland- zone als über das übrige Deutschland und Befugnis für den Völkerbundsrat, Sanktionen durch Mehrheitsbeschluß und nicht nur durch einstimmigen Beschluß anzuordnen.

Internationale Rotc-Krcuz-Konfercnz. Am 16. No­vember beginnt in Bern eine internationale Rotc-Kreuz- Konferenz, deren Einberufung auf der vorjährigen Tagung des Roten Kreuzes beschlossen worden war. An der Konferenz nehmen die Vertreter der Roten-Kreuz-Organisationen fol­gender Länder teil: Deutschland, Oesterreich, Dänemark, Jia- lien, Finnland, Belgien, Litauen, Tschechoslowakei, Spanien, Costarica, Schweden, Portugal, Norwegen und die Schnunz. Das internationale Komitee des Roten Kreuzes wird durch feinen Präsidenten Ador und seine zwei Vizepräsidenten auf der Konferenz vertreten sein. Ferner haben die Regierungen Englands, Dänemarks, Norwegens, Schwedens, der Schweiz, der Tschechoslowakei und Costaricas bereits ihre Vertreter zu der Konferenz ernannt. Die Arbeit der Konferenz wird in erster Linie die Frage der Neuorganisation des internatio­nalen Roten Kreuzes sein.

Neues vom Tage.

Die Reichsregierung hat an die polnische Regierung zwei Beschwerdenolen gerichtet. In der ersten wird gegen die Ausweisung von zwei reichsdeutschen Leitern industrieller Werke in Oberschlesien Einspruch erhoben. Die zweite Note erhebt Einspruch gegen die Liquidation von WohltätigkeitS- anstalten des Deutschen Frauenvereins.

Die Funktionäre der Berliner Hochbahn und der Auto­busgesellschaft haben die ergangenen Lohnschiedssprüche ein­stimmig abgelehnt. Am Samstag soll eine Urabstimmung vorgenommen werden.

Nach einer Meldung aus Schanghai soll der Führer dcr Kantontruppen, Tschang Kai Scheck, seinen Verletzungen erlegen sein.

Dem Reichstag wird in der nächsten Zeit eine Denkschrift des Reichssianzministers über Kanalbauten zugchen.

An Stelle des Abgeordneten. Gesandten Grafen Lerchen- seld, der sein Mandat zum 1. November 1926 niederlegt, tritt der Oberlehrer Johann Friedrich Fröling-Bamberg (Bayr. Volks- Partei) in den Reichstag.

Nach einer Meldung aus Washington beabsichtigt bic amerikanische Regierung auf einer Notifizierung des Genfer Protokolls, das Verbot von Giftgasen im Kriege betreffend, zu bestehen, obgleich die amerikanische Legion sich dagegen aus­gesprochen habe.

Wie derNew Aork Herold" aus Detroit meldet, wandte sich die amerikanische Arbeitersöderation auf einer Tagung in oller Schärfe gegen eine Anerkennung der Sowjetregierung durch Amerika.

Das Seuischklim in Ungarn.

Der ungarische Ministerpräsident, Graf Bethlen, empfing in Budavest eine Abordnung des zumeist von Deutschen be^ ."qnun WayU.e.si^ ^me juqmr, h. (;:...,t ... Kaue-wat der Regierungspartei zum Abgeordneten gemahlt wurde Auf eine Begrüßungsansprache antwortete der Ministerpräsident in deutscher Sprache und sagte:

Diese Wahl ist ein Beweis dafür, daß die deutschsprachige Bevölkerung getreu ihren alten Traditionen gemeinsam mit der ungarischen Bevölkerung für das Wohl des Landes arbeiten will und daß sie ihre Interessen in der Regierungspartei ge­sichert sieht. Der Patriotismus ist Sache des Gefühls und nicht der Sprache. Niemand ist es im Lande verboten, die Mutter- fprache zu gebrauchen. Die Regierung wird dafür sorgen, daß die Muttersprache des ungarländischen Deutschtums im Volks- unterricht zur Geltung kommt und daß die Deutschen in Ungarn ihre charalleristischcn völkischen Eigenschaften bewahren können. Diesem Zweck dient auch die im Jahre 1923 erlassene Ver­ordnung über die Minderheiten. Deshalb hat die Regierung auch die Gründung des Deutschen Volksbildungsvereins er­möglicht. Bei der Durchführung dieser Verordnung ergaben sich zwar in Gemeinden mit gemischtsprachiger Bevölkerung, in denen es nur einen einzigen Lehrer gibt, gewisse technische Schwierigkeiten, da es einige Zeit dauert, bis dieser Lehrer beide Sprachen erlernt. Die Regierung würde es jedoch unter keinen Umständen dulden, daß durch administrative Schwierig­keiten die Durchführung der Verordnung erschwert wird.

Der Ministerpräsident betonte nachdrücklich, daß die sämt­lichen Verfügungen dieser Verordnung Punkt für Punft durch­geführt werden. Schließlich gab der Minister der Ueberzeugung Ausdruck, daß die deutschsprachige Bevölkerung Ungarns auch in Zukunft in brüderlicher Eintracht mit der ungarischen Bevölkerung leben und diese Zusammenarbeit zum Wohle des Landes führen werde. Die Abordnung nahm die Ausführungen des Ministerpräsidenten mit großer Genugtuung zur Kenntnis.

Man freut sich feststellen zu können, daß in Ungarn, unserem alten treuen Bundesgenossen, die deutschen Minder­heiten wirklich die Rechte und den Schutz besitzen, den sie in fast allen anderen Ländern immer noch entbehren müssen.

Ein weiteres Todesopfer des Rutschbahnunglücks.

Freiburg, 26. Oktober. Der 13jährige Rudolf Flügel aus Freiburg ist feinen Verletzungen, die er sich bei dem Rutschbahnunglück zugezogen hat, erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der ums Leben gekommenen Personen auf zwei. Der Zustand des dritten Verletzten ist noch immer sehr ernst.

Der angebliche Erzberger-Mörder.

Paris, 26. Oktober. Die Havas-Agentur hat bei Nach­prüfung der bereits berichteten Meldung desJournals" über die Verhaftung eines angeblichen Erzberger-Mördcrs festgestellt, daß tatsächlich in Colmar ein Mann verhaftet wurde, der sich Forunier nannte. Die Polizei glaubt, den wirklichen Namen des Verhafteten zu kennen, lehnt es aber ab, ihn vor einer sicheren und einwandfreien Identifizierung bekanntzugeben. Die Verhaftung des angeblichen Fournicrs ist erfolgt ivcgcn Verletzung der polizeilichen Bestimmungen über den Aufenthalt von Fremden. Der Havas-Vertreter glaubt jedoch, aus einigen Andeutungen auf die Annahme schließen zu können, daß der Verhaftete an der Ermordung Erzbergers teilgenommen hat, bemerkt aber, daß etwas Be­stimmtes hierüber nicht mitzuteilen sei, da die Behörden bis­her jede Mitteilung in dieser Angelegenheit ablehnten.