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vnukunb Verlag: y.Stetnfew Soyae* S<ctM-^'»almhofstv.S * Icrnfpv.Nr.r^y * postschei^HMrkstwtLM.rrrqo Nr 5 (1. Blatt) Dienstag, den 11. Januar 1927 79. Jahrg.

Amtliche Betanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. 4. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, die Fleischbeschauer und Trichinenschauer und die in der Fleischbe­schau tätigen Tierärzte zu einer dienstlichen Versammlung auf ^Sonntag, den 1 6. Januar d. Js. n a ch m. 3 Uhr in das hiesige Kreishaus zu laden.

Zu dieser Versammlung haben die Beschauer die abge- : schlossenen Tagebücher und die Jahreszusammenstellungen der Ergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau für 1.926, so« : fern sie diese noch nicht eingesandt haben, mitzubringen.

Schlüchtern, den 7. Januar 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 266. Infolge der im Kreise Fulda noch herrschen­den Maul- und Klauenseuche ist die Abhaltung der auf den 13. und 27. Januar d. Js. in der Stadt Fulda festgesetzten ! Rindviehmärkte verboten worden.

Schlüchtern, den 10. Januar 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Lt-rersansfchutz.

J.-Nr. 668 Gew.

Oeffentliche Aufforderung zur Abgabe

; einer Steuererklärung für die Gewerbesteuer nach dem Gewerbe kapital für die Rechnungsjahre

1925 und 1926.

I.

Eine Gewerbekapital-Steuererklärung ist abzugeben für alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen,

H. die im Veranlagungszeitraum in Gemeinden, die nicht die Bemessung der Gewerbesteuer nach der Lohnsumme be- I schlössen haben, oder in Gutsbezirken Betriebsstätten unter- I halten haben, falls das Gewerbekapital am l. L 1925 ode" an dem in das Kalenderjahr 1924 fallenden letzten Abschluß­tag bei Neugründungen nach dem 1. 1. 1925, am Tage der Gründung den Be trag von 4800 RM. überstiegen hat;

2. für die vom Vorsitzenden des Gewerbesteuerausschusses eine S t e u e r e r k l ä r u n g besonders verlangt wird.

Die Steuererklärungen sind von dem Inhaber des Be- ? triebes abzugeben.

II.

Die hiernach zur Abgabe einer Steuererklärung Verpflich­teten werden aufgefordert, unter Benutzung des für sie vor­geschriebenen Vordruckes

a) die Gewerbekapital-Steuererklärung nach Muster Gew. 37 sowie für Unternehmen mit Betriebsstätten in verschie­denen preußischen Gemeinden einschließlich Muster Gew. 38, i n d e r Z e i t v o m 10. bis zum 31. 1. 1 927 bei dem Vorsitzenden des Gewerbesteuerausschusses, in dessen Bezirk sich die Leitung des Unternehmens befindet, einzureichen. Liegt der Ort der Leitung außerhalb Preußens, so ist der Wohnsitz des bestellten Vertreters, hilfsweise die preußische Betriebs­stätte, maßgebend, in der die höchste Lohnsumme gezahlt ist.

Vordrucke für die Steuererklärungen werden vom 10. Januar ab bei den Bürgermeisterämtern abgegeben. _ Die Steuererklärungen sind schriftlich zweckmäßig eingeschrie­ben einzureichen oder mündlich dem Vorsitzenden des zu­ständigen Gewerbesteuerausschusses gegenüber abzugeben.

' Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärungen ist vom Empfang der Vordrucke der Steuererklärungen nicht abhängig.

III.

Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuer­erklärung versäumt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklärung angehalten werden, auch kann ihm ein Zu­schlag bis zu 10 v. H. des festgesetzten Steuergrundbetrags auferlegt werden.

IV.

Die Hinterziehung oder der Versuch, einer Hinterziehung der Gewerbesteuer nach dem Gewerbekapital bezw. der Lohn­summe wird bestraft. Auch ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuergesetze (Steuergefährdung) wird bestraft.

Schlüchtern, den 30. 12. 1926.

Der Vorsitzende des Gewerbesteuerausschusses, von Trott zu Solz.

J.-Nr. 77 K. A. Der zum Schöffen der Gemeinde Zün- tersbach gewählte Valentin Schreiner in Züntersbach ist heute als solcher vereidigt worden.

Schlüchtern, den 4. Januar 1927.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Nach einer Meldung aus Montreal sind dort bei einem Kinobrand 77 Knaben und Mädchen ums Leben ge­kommen. Viele sind verletzt.

In Düsseldorf hat eine Ehefrau ihren drei Kindern dtt Pulsadern geöffnet und sich dann selbst vergiftet.

Me sie hintertreiben!

Die fra«zösische« Generale und die Räumungsfrage.

Me französischen Generale Berthelot, Hirschauer und de Pouydraguin, die seit sechs Jahren abwechselnd den Posten des Militärgouverneurs von Straßburg innehatten, äußern sich jetzt in Fortsetzung der Enquete desEcho de Paris" über die Frage einer etwaigen vorzeitigen Räumung der rheinischen Gebiets­teile.

Bon dem General Hirschauer wird knapp und un­zweideutig erklärt:Sechs Divisionen, die wir am Rhein haben, taugen mehr als zwölf Reden, die man in Gens hält." .. .

Weiter bedauert Hirschauer, daß man bisher alles verabsäumt habe, um Me.tz zu moder­nisieren, Verdun wieder herzu st eilen, die Grenzen von Elsaß-Lothringen zu organisieren und die Rheinlinie in den rechten Verteidigungs­zustand zu setzen,um Frankreich und vor allem für die drei erlösten Departements den ausreichen­den Schutz zu schaffen."

Vielleicht werde man es schon recht bald ein­sehen, daß man durch die Räumung Duisburgs, Düssel­dorfs und Kölns einer neuen Invasion Bel­giens bereits Tür und Tor geöffnet habe. Diese werde heute noch durch die Anwesenheit französischer Truppenteile in Rheinpreußen, Hessen und in der Rheinpfalz erschwert. Diesesolide Deckung" müsse noch eine Verstärkung (!) erfahren, um ein für alle Mal die Möglichkeit eines Ueberganges über den Rhein zwischen Andernach und Laüter- bach auszuschließen.

Die Diaz-Truppen geschlagen.

EineSchlacht" bei Las Grietas.

Meldungen aus Mexiko zufolge ist es den revolutionären Truppen Ricaraguas gelungen, bei Las Grietas derArmee" dcs ^-' ^identen Dia; eine fMvre Niederlage zuzufügen. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht. Auch sind groß? Waffenbestände in die Hände des Siegers gefallen.

Ferner heißt es, daß sich die Soldaten der Diaz- Armee in aufgelöster Flucht befinden. In Mexiko konnten allenthalben kleinere Aufstände niedergeschla­gen werden.

Demokratische Angriffe auf die RegierungsPolitik im Senat.

Laut einer Meldung aus Washington griffen im Senat die Demokraten die Politik der Regierung in Mexiko und Nicaragua an. Die Debatte wurde mit einer Rede des Senators Reed eröffnet, der die vor- tägigen Berichte über Erklärungen eines Vertreters des Weißen Hauses als Mystifikationen bezeich­nete. Der Demokrat Heflin richtete an den Präsidenten die Warnung, die Regierung möge nicht das amerika­nische Volk im Interesse der Oelbarone in einen Krieg hineingleiten lassen. Der Demokrat Wheeler erklärte, die Vereinigten Staaten unterdrückt« Ni­caragua. Das Mitglied der Farmer- und Arbeiter­partei Shipstead erklärte, wenn das Land in einen Krieg solle, so müsse der Kongreß wissen, aus welchem Grunde. Sodann ergriffen zwei der Regierungspartei ungehörige Senatoren das Wort. Sie verteidigten die Politik des Präsidenten Coolidge. Der Führer der Republikaner Curtis bat die Senatoren, zunächst mit ihrer Meinung zurückzuhalten, bis Staatssekretär Kellogg im Auswärtigen Ausschuß über die Angelegen­heit berichtet habe.

Verleumdungen gegen Marineoffiziere.

Berlin, 10. Januar. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte hatte sich wegen öffentlicher Beleidigung des Marineoffizierkorps in seiner Gesamtheit und na­mentlich der Offiziere des KreuzersHamburg" der ehemalige verantwortliche Redakteur desVorwärts', der heutige sozialdemokratische Stadtrat Ernst Reu­ter, zu verantworten. Zur Last lag ihm, durch zwer Artikel mit der Behauptung nicht erweislich wahrer Tatsachen die Marineoffiziere beleidigt zu haben. Das Gericht erkannte auf 500 Mark Geldstrafe.

Vorläufige Einigung in Sankau.

Verschärfte Lage in Kiukiang.

Wie offiziell aus Hankau verlautet, haben sich die chinesischen Truppen und Streikposten aus der eng­lischen Niederlassung zurückgezogen. Sie wurden durch britische Polizeitruppen ersetzt. Der neue Wechsel ist das Ergebnis einer Konferenz zwischen dem südchine- sischen Außenminister und dem englischen General­konsul. .

In Kiukiang scheint sich die Situation aller­dings weiter zugespitzt zu haben. Die allge­meine Plünderung soll dort vor allem von Soldaten verübt werden. Alle englischen Einwoh­ner wurden an Bord der Kanonenboote auf dem Aangtse gebracht.

Neues vom Tage.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann ist Sonntag abend vom Anhalter Bahnhof in Berlin mit unbekanntem Reiseziel abgefahren.

Am 10. Januar begannen endgültig die Verhandlungen über die Regierungsbildung. Der Reichstag selbst wird erst am 19. Januar zusammentreten.

In Spanisch-Marokko ist die Lage sehr kritisch geworden, demzufolge bedeutende Polizeiaktionen notwendig sind.

Am Sonntag fanden in Frankreich Senatsersatzwahlen statt, die über die Verteilung von 108 Mandaten zu entschei­den hatten. Gewählt wurden: Aeußerste Rechte 3, Rechtsrepu­blikaner 19, Linksrepublikaner 19, Rechtsradikale 9, Radi­kale 44, Sozialrepublikaner 2, Sozialisten 10, Sozialistische Kommunisten 2.

Bei den französischen Senatsersatzwahlen ist Millerand, der im Seine-Departement aufgestellt war, durchgefallen.

In Bayreuth ist am Sonntag der Schriftsteller Hou­ston Stuart Chamberlain im 70. Lebensjahr gestorben.

Die Wirischast im neuen Jahr.

.. Sum ÄA^swechsel hielten wir Betrachtungen und zogen die wirtschaftliche Bilanz für das abgelaufene Jahr. Nun sind Prophezeihungen im Wirtschaftsleben wie solche überhaupt be- sonders schwer und unsicher. Um aber doch eine Wahrscheinlich- keltsrechnung aufzustellen, schaut man gerne rückwärts und sucht da Gesetzmäßigkeiten festzustellen, um dadurch leichter einen Blick in die Zukunft zu gewinnen. Wir haben festaestellt, datz im abgelaufenen Jahr eine tatsächliche Konjunktur nach oben einsetzte und daß die deutsche Wirtschaft zu einer allmäh- ucheN-Gesundung uberging und eine solche sich zum großen Teil schon festigte. Auch gaben unsere deutschen Wirtschafts- mhrer zum Jahreswechsel in fachmännischen Betrachtungen

% Raum, allerdings mit großem Optimismus. Es wäre nicht angebracht auf Grund dür bisherigen Besserung und auch infolge der Neuanknüpfung unserer weltwirtschaftlichen Verbindungen uns in den Glau­ben zu versetzen, daß nun alles wieder den geordneten witt- schaftlichen Friedensverhältnissen angepaßt sei.

Die Wirtschaft hat noch ein reiches Arbeitsfeld vor sich. Vor allem sind noch unsere Handelsverträge auszubauen und zu festigen. Die internationale Wirtschaftskonferenz im Früh­jahr wird eine besondere Bedeutung für uns lvegen unserer künftigen Stellung in der Weltwirtschaft und vor allem unseres weltwirtschaftlichen Ansehens zu bringen haben. Die innere Gesundung stützt sich heute noch auf Krücken, was besonders aus der bisherigen inneren Kapitalbildung ersichtlich wird. Die leidenschaftlich umkämpfte Zinsspanne wird von Bankenseite noch weiter zu bereinigen sein, um der Ungleichung des kurz­fristigen Geldmarktes an den langfristigen näherzukommen.

Ueber die innere Kapitalbildung ist ein Bericht der Reichskreditgesellschaft von großen: Interesse, der besagt, daß sie schätzungsioeise ungefähr erst die Hälfte der letzten Vor­kriegszeit erreichte. Dies ist natürlich vollkommen ungenügend. Reparationen sind künftig nur zu leisten, wenn der deutsche Produktionsapparat es ernwglicht, einen über Vorkriegshöhe hinausgehenden Produktionsertrag im weltwirtschaftlichen Wettbewerb zu erwirtschaften. Die deutsche Schuldenkonsoli- dierung im Ausland war von einer ausgedehnten Schulden- konsolidierung auf dem Jnlandsmarkte begleitet. Die Emissionstätigkeit erreichte den Friedensdurchschnitt.

Sind wir nun auch zuversichtlicher gestimmt, so heißt es immer noch Zurückhaltung üben gegenüber von Kapitalanlagen, die nur nach Jahren eine Ertragssteigerung gewährleisten. Vor allem fehlt der deutschen Wirtschaft noch das Absatzfeld, dessen sie zur Realisierung der zusätzlichen Produktion bedarf. Auch muß Deutschland erst wieder einen erhöhten Anteil an der Erschließung der Rohstoffquellen der Welt erhalten.

Die Börse hat sich wohl dieser Argumentation nicht ver­schlossen und in den Bereich ihrer Betrachtungen zuerst die künftige Entwicklung des Geldinarktes gestellt. Zu Jahres­anfang wurden die seit langem befürchteten Kündigungen der Reportgeldausleihungen bereits teilweise vorgenommen. Unsere Großbanken wollen in erster Linie den auf Grund der wirt­schaftlichen Besserung eingetretenen erhöhten Industriebedarf an Geld berücksichtigen, und dann erst wieder der Börse Geld zu Spekulationszwecken zuführen.

Denn bisher war bekanntlich der Geldmarkt immer die letzte und erste Stütze der ununterbrochenen Aufwärtsbewegung. Jedenfalls ist die Börse aus diesem Grunde bereits in der ersten Woche des neuen Jahres sehr unsicher verlaufen, wobei teilweise die vorsichtigeren und nicht wirtschaftlich am schlech­testen orientierten Elemente nicht mehr allzu fest gestimmt sind. Tatsache ist, daß in 1927 an der Börsedas Geld nicht mehr allzu leicht zu verdienen ist".

Selbstmordversuch eines avgeurteilten Bürgermeisters.

Sonneberg (Thüringen), 10. Januar. Der ehe­malige langjährige hiesige Bürgermeister Fahrer war wegen Unterschlagung im Amte zu 10 Monaten Gefäng­nis verurteilt worden. Als er in das Untersuchungs­gefängnis nach Meiningen zurücktransportiert wurde, öffnete er sich die Pulsadern und sprang aus dem fahrenden Zuge. Schwer verletzt brächte man ihn nach Sonneberg zurück.