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Nr. 17 (1. Blatt) Dienstag, den 8. Februar 1927 79. Zahrg.

Amtliche Bekanntmachungen

Kreisausschutz.

J.-Nr. 526 K. A. Bei der am 29. Januar 1927 in Schlüchtern stattgefundenen Körung sind die Jungbullen der nachstehend aufgeführten Besitzer angekört worden:

L. Gläser in Herolz mit 75 Punkten

Reinh. Kreß in Elm mit 73 Punkten

Stadt Schlüchtern mit 70,5 Punkten

J. Gunkel in Sterbfritz mit 75,5 Punkten

I. Deuker in Weichersbach mit 70 Punkten

W. Zollinger in Schwarzenfels mit 70 Punkten derselbe mit 71 Punkten

K. Fuß in Schwarzenfels mit 74 Punkten Fr. Lang in Breunings mit 70 Punkten

I. Schreiber in Herolz mit 70 Punkten

H. Hildebrand in Schlüchtern mit 71,5 Punkten.

L. Kreß in Weiperz mit 80 Punkten

H. Heil in Hütten mit 75 Punkten

H. Gmtner in Sterbfritz mit 78 Punkten

A. Spergel in Marjoß mit 70 Punkten

Freiherrl. v. Kühlmann/Stumm'sche Verwaltg. Ram- Holz mit 73^Punkten.

Ein Bulle wurde zurückgestellt.

Schlüchtern, den 2. Februar 1927.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Kreditgewährung zur Neuanlage von Korb- weidenkulturen.

J.-Nr. 401 K. A. Nach Mitteilung des Herrn^Landes- Hauptmannes in Hessen hat der. Herr Minister für Land­wirtschaft, Domänen und Forsten aus Mitteln der Deut­schen Rentenbank-Kreditanstalt zur Gewährung von Dar­lehen für Neuanlagen von Korbweidenkulturen erneut Kre­dite zur Verfügung gestellt.

Der Zinsfuß für diese Darlehen beträgt 5% ^i-u noch V,0^ Vermittlungsgebühren der preußischen Staats­bank (Seehandlung) treten werden. Die Rückzahlung der Darlehen hat spätestens 5 Jahre nach der Ausleihung zu erfolgen. Zinszahlungstermine sind für alle Darlehen gleich­mäßig der 30. September und der 31. März j. Js.

Die Darlehnsanträge sind durch die Hand der Land- wirtschcrftskammer an den Herrn Landeshauptmann zu rich­ten. Denselben ist beizufügen:

a) ein Gutachten des Direktors der landwirtschaftlichen Schule über die Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlich­keit der Anlage,

b) ein Kostenanschlag der Anlage,

c) eine Beschreibung der Anlage,

d) ein einfacher Lageplan.

Der Herr Minister hat noch besonders darauf aufmerk­sam gemacht, daß für die Neuanlage von Weidenkulturen im allgemeinen kein Land der Erzeugung von Nahrungs­mitteln entzogen werden soll. Daher sind hierfür in erster Linie solche Ländereien in Anspruch zu nehmen, die für den Ackerbau insbesondere für den Anbau von Feldfrüchten wenig Bedeutung haben, nach ihrer Lage und Boden- befchaffenheit aber eine intensive Weidekultur zulassen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, et­waige Interessenten auf die vorstehende Bekanntmachung in geeigneter Weise aufmerksam zu machen und sie bei Per evtl. Stellung von Darlehens-Anträgen nach Möglichkeit unter­stützen zu wollen. Der Herr Direktor Müller von der land­wirtschaftlichen Schule hierselbst-ist zur weiteren Auskunfts- erteilung gerne bereit.

Schlüchtern, den JT^Februar 1927.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses, von Trott zu Solz.

Stavt SHMchtern.

Oeffentliche Aufforderung zur Entrichtung von Steuern und Abgabe«.

Im Monat Februar 1927 sind an Steuern und Ab­gaben für Februar 1927 bezw. Vormonate an die Sladlkaffe Schlüchtern zu zahlen:

Preußische Grundvermögenssteuer nach den bisherigen Steuerzettel, zuzüglich 250% Stadtzuschlag; hierher ist Die Erhöhung des Sladtzuschlags ab 1. 4. 26 nachzuzahlen.

Preußische Hauszinssteuer (iooo°/0/ soweit nicht ent­sprechende Ermäßigungen vorliegen.)

Gewerbeerlragssteuer^ 2/s von 3OO°/0 für 1925 und 375% für 1926 von der lt. Steuerbescheid Des Gewerbesteuer-Aus- schufseö erfolgten Veranlagung für 1925 und 1926. Zu zahlen sind Die Beträge für 1925 sofort; für 1926 ist Die 1. und 2. Rate bereits am 10. Dezember 1926 fällig ge­wesen, die 3. Rate ist spätestens am 15. Februar 1927 zu entrichten. Die geleisteten Vorauszahlungen werden be­rücksichtigt.

Gewerbekapitalsteuer (Vorauszahlungen nach dem bis­herigen Steuerzettel bis zur endgültigen Veranlagung für Die beiden Steuerjahre 1925 und 1926.)

Gleichzeitig wird auf baldigste Zahlung aller bereits fällig gewesenen angeforderten Abgaben wie Holzgelder (aller Termine) Schulgelder, Wassergelder, Hundesteuern, Hute- gelder usw. hingewiesen.

Die Steuern sind am 15. eines jeden Monats ohne Schonfrist fällig. Für verspätete Zahlungen sind 10 0/0 Jahreszinsen zu entrichten.

Mahnungen erfolgen nicht durch Behändigung vonMahn- zetteln, sondern durch öffentliche Bekanntmachung.

Die Einlegung von Rechtsmitteln hält die rechtzeitige Zahlung der Steuern nicht auf.

Zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung sind die Steuer- und Abgabenzettel unbedingt bei der Zahlung vorzulegen.

Schlüchtern, den 4. Februar 1927.

Der Magistrat: Fenner.

Suns Armee geschlagen?

Hangtschau unmittelbar bedroht.

Die Kämpfe in China sind immer näher an Schanghai herangekommen. General Sun, der Verteidiger Schanghais, zieht sich vor den vereinigten Truppen der Nationalisten und ihrer Verbündeten zurück. Der Kampf konzentriert sich zur Zeit auf die Gegend von I e n t s ch a u.

Marschall Sun hat seine Truppen verstärkt und auch seine persönliche Leibwache von 8000 Mann an die Front entsandt. Obwohl General Sun sich zurückzieht, erklären die Nordführer, daß sie Vorbereitungen treffen, um unter General Wupeifu Hankau, den jetzigen Sitz der Kantonregierung, anzugreisen. Diesen Gene­ralen unterstehen insgesamt 200 000 Mann. Ihr Vor­marsch schreitet langsam fort.

Späteren Berichten zufolge soll Marschall Suns Armee unweit Jentschan geschlagen worden sein. Be­wahrheiten sich diese Meldungen, dann würde H-ng- tschan nnmittelHar' ( Tr f4 sein, nnd es wäre ny zweifelhaft, ob Schangh»- nun verteidigt werden sühnte.

Hangtschau ist, einer englischen Pressemeldung zu­folge, voll verwundeter Soldaten. Die Schlacht ist angeblich noch nicht ganz beendet, da General Sun versucht, Verstärkungen heranzuziehen. Wie Reuter meldet, sind die englischen Vorschläge infolge des Neu­jahrfeiertages in der chinesischen Presse noch nicht ver­öffentlicht worden. Man fürchtet aber, sie würden keinen großen Eindruck aus die Nationalisten machen, die der Ansicht seien, sie hätten England in der Hand und könnten deshalb eine vollständige Kapitu­lation verlangen.

Aus Tokio verlautet, daß der japanische Marine­minister einem Kreuzer und vier Torpedobooten den Befehl gegeben habe, etwa 300 Marinesoldaten an Bord zu nehmen und sich in Sasebe zum Auslaufen nach Schanghai bereit zu halten. Blättermeldungen aus M-m zufolge wird ein großer italienischer Kreuzer auch China entsandt werden, falls das jetzige italienische »«schwader in Ostasien für eine gemeinsame Aktion Richt ansreichen sollte.

Am Sonnabend nahm der Nationalrat der engli­schen, Unabhängigen Arbeiterpartei eine Entschließung an, in der er seine Forderung nach Zurückziehung aller Land- und Seestreitkräfte in China erneuert, und seine Zweigstellen auffordert, die Bewegung gegen den Krieg zu verstärken.

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat den Regierungen von Peking und von Kanton den Vor­schlag gemacht, daß die internationale Niederlassung in Schanghai während des Bürgerkrieges zu neutra­lem Gebiet erklärt werden soll. Die Vorschläge sind dem amerikanischen Gesandten zur Weiterleitung übersandt worden.

Die Sommerfelder Mörder nach Bayern geflüchtet.

Berlin, 7. Februar. Die Fürsorgezöglinge Som­mer und Librenz, die kürzlich das Ehepaar Tschenke in Sommerfeld ermordet und beraubt haben, wurden neuerdings in Halle gesehen, wo die Mutter des Librenz wohnt. Librenz verließ, nachdem er seine in einer Schokoladenfabrik beschäftigte Geliebte abgeholt hatte, die Stadt. Sommer traf auf der Straße seinen Freund Heinz Riehm, der ihn dann zum Münchener Schnell­zug brächte. Kurz nach der Abfahrt des Zuges machte Riehm die unangenehme Entdeckung, daß ihm Sommer seine Invaliden- und Steuerkarte sowie seine Zeugnisse gestohlen hatte. Die Münchener Kriminalpolizei, die sogleich benachrichtigt worden war, wollte Sommer aus dem dortigen Hauptbahnhof verhaften. Der Verbrecher war aber bereits eine Station vorher ausgestiegen und ist seitdem verschwunden. Auch Librenz scheint sich nachträglich nach Bayern gewandt zu haben, obgleich er in Halle, wohl nur zur Täuschung, erklärt hatte, daß er eilends nach Kiel fahren müsse.

Mehrwöchiger Erholungsurlaub Stresemauus.

Berlin, 7. Februar. Einem amtlichen Bericht zu­folge hat der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann einen mehrwöchigen Erholungsurlaub an­getreten. In seiner Vertretung führt der Staats­sekretär Dr. v. Schubert die Geschäfte des Auswärtigen Amtes.

Neues vom Tage.

Wie die Montagspost erfahren haben will, hat die Tatsache, daß Dr. Wirth am Sonnabend im Reichstag gegen das Vertrauensvotum für dte neue Regierung ge­stimmt hat, im Zentrum große Unzufriedenheit hervorgerufen und der Vorstand der Zentrumsfraktion beabsichtige, eine Klärung der Beziehungen Wirths zum Zenirum Herbeizu- führen.

Der preußische Justizminister am Zehnhoff soll die Absicht haben, demnächst endgültig seinen Posten aus Ge­sundheitsrücksichten zu verlassen.

In Tilsit sind sämtliche Schulen wegen der beson­ders stark unter den Kindern auftretenden Grippe geschlossen worden.

Einem Landwirt in Gendringen starken innerhalb 14 Tagen vier Kinder an Grippe. In Rees starb der Sparkassenrendant Meiner an Grippe, nachdem vor 14 Ta­gen seine Frau derselben Krankheit erlegen war und s in Töchterchen z. Zt. ebenfalls schwer krank darniedei liegt.

Der deutsche Botschafter in Paris v.^ch ist am Sonntag in Berlin eingetroffen und hatte im Lau e des Tages eine längere Aussprache mit Stresemann.

Spannung England-Rußland.

Aufhebung des englisch-russischen Han­delsabkommens ?

Neuerdings geht das Streben der englischere kon­servativen Partei nachdrücklicher denn je dahin, die Annullierung des englisch-russischen Handelsabkommens und die Ausweisung der russischen Handelsdelegierten durchzusetzen. Wie der LondonerDaily Herold" wissen will, verlangt ein Teil des englischen Kabinetts ent­schieden den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Rußland und Kündigung des englisch-russischen Handelsabkommens.

DoK P^-LMreuL wird sich am Dienstag mit der T:.gelegenhe<t befassen. Gutunterrichtete Kreise rech­nen durchaus mit der Möglichkeit, daß sich der Pre­miermini st er dem starken Druck gefügig zeigen werde. DieWestminster Gazette" hingegen gibt die Ansicht wieder, daß die Regierung die Be­ziehungen zur Sowjetregierung nicht formell lösen werde.

LautDaily News" besteht in britischen Bank- und Handelskreisen die Ansicht, daß eine unüber­legte Aktion gegenüber Rußland sich gegen die britischen Interessen richten würde. Einige City-Leute seien der Meinung, daß das Parlament eine neue Konferenz mit der Sowjetregierung herbeiführen müßte.

*

Eine Kundgebung gegen den Abbruch der Beziehungen.

Der parlamentarische Ausschuß für die Pflege der Beziehungen zu Rußland, dem u. a. Hicks, Clynes, Lansbury, Maxton, Tillet, Mosley und Kenworthy angehören, hat eine Entschließung angenommen, worin es u. a. heißt:Unter Ausnutzung der Schwierigkeiten, die durch die Entsendung englischer Truppen nach China entstanden sind, versuchen gewisse, seinerzeit durch die Revolution in Rußland geschädigte Finanzmänner und Kapitalisten und die reaktionären Extremisten, denen schon allein die Existenz der Sowjetregierung ein Dorn im Auge ist, die englische Regierung zum Abbruch der diplomatischen und Handelsbeziehungen mit Rußland zu drängen. Dieser Vorschlag kann, falls er ange­nommen wird, die schwersten Folgen haben. Er würde zu einem Rückgang des Handels und zu einem Anwachsen der Arbeitslosigkeit führen und birgt ganz ohne Zweifel schwere Gefahren für den Welt­frieden in sich."

Roch 75000 Mim Besatzung.

W0 bleibt die restlose Erfüllung der ge­gebenen Zusicherungen?

Nach den neuesten deutschen Schätzungen belauft sich der Bestand der Besatzungstruppen am Rhein noch immer auf 75 000 Mann. Dieser Bestand setzt sich zusammen aus 60 500 Franzosen, 8000 Engländern und 6700 Belgiern. Seit dem letzten Herbst wurde die Zahl der Besatzungstruppen um etwa 4500 Mann herabgesetzt; es sieht aber fast so aus, als ob damit vorläufig das in Aussicht genommene Bermindcrungs- Programm zu Ende gekommen ist. Auf deutscher Seite ist jedenfalls nichts davon bekannt, daß in nächster Zeit noch mit weiteren Truppenzurttckziehnngen zu rechueu sei« würde.

Bei diesem Stand der Dinge kann auch heute noch nicht im entferntesten von einer Erfüllung der von der Gegenseite gegebenen Zusicherungen die Rede sein. Diese gingen vielmehr dahin, die Stärke der Besatzungs­truppen dergestalt zu vermindern, daß sie etwa der Zahl entsprach, die Deutschland vor dem Kriege im Rheinlande unterhielt. Deutschland wartet mithin noch immer auf die Rückwirkungen von Locarno. Heute aber hat Deutschland, nachdem es alle Verpflichtungen aus dem Friedensvertrage erfüllt hat, bereits einen Rechts­anspruch aus vollständige Räumung der Rhein­lande.