Nr. 43 (1. Blatt) Samstag, den 9. April 1927 79. Jahrg.
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Amtliche Bekanntmachungen.
LarrdratsamL.
Z.-Nr. 2770. Im Interesse der Kreisbevölkerung wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß die Sprechstunden in dem Landratöamt auf Dienstag und Freitag, vormittags von y bis 12 Uhr, festgesetzt sind. Den Kreiseingeses- senm wird m ihrem eigenen Interesse empfohlen, die Sprechstunden einzuhalten, da sie zu anderer Zeit nicht auf Abfertigung rechnen können.
Schlüchtern, den 4. April 1927.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
I.-Nr. 2906. Der Herr Kreismedizinalrat wird am Mittwoch, den 13. d. Mts. von vormittags 9 Uhr ab rm hiesigen Kreishause Sprechstunden halten.
Schlüchtern, den 5. April 1927.
Der Landrat. Z. V.: Schultheis.
Z.-Nr. 1325. Die Ortspolizeibehörden mache ich auf den im Ministerialblatt i. B. von 1927 S. 133 abgedruckten j Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 4. Februar d. Js. s— II C II 32 Nr. 13/26 —, betr. das Fingerabdruckverfahren, aufmerksam.
Schlüchtern, den 4. April 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
Z.-Nr. 3009. Die durch meine Verfügung vom 15. März ld. Js. Z.-Nr. 2302 — Schlücht. Ztg. Nr. 33 — für den Landweg von Ulmbach nach Steinau angeordnete Verkehrs- sperre wird aufgehoben.
i Schlüchtern, den 8. April 1927.
Der Landrat. I. V.: Schultheis.
. - Kreisarrsschntz.
AbschNetzung der Nechnungsbücher für 1926.
I.-Nr. 1615 K. A. Die Herren Bürgermeister und Ge- Meinderechner der Landgemeinden mache ich darauf aufmerk- - sam, daß die Rechnungsbücher und die Hebeliste für das Rechnungsjahr 1926/27 am 31. Mai 1 9 2 7 abzuschließen und alle nach diesem Tage eingehenden Beträge aus 1926 in chie Rechnungsbücher und die Hebeliste für 1927/28 einzu- i tragen sind.
Zum 1 0. Juni d. Zs. wollen mir die Herren Bürgermeister über folgende Punkte berichten:
1. Sind die Rechnungsbücher und das Aufsichtsbuch ab- - geschlossen und mit der Zahreszusammenstellung versehen?
2. Ist die H e b e l i st e sowohl bei Soll wie bei dem Ist bei jedem Steuerpflichtigen aufgerechnet und ist eine Jahres- zusammenstelluNg am Schlüsse der Liste gefertigt?
3. Stimmt die Schluß-Summe des Aufsichtsbuches mit : derjenigen der Rechnungsbücher und bei Einnahme auch mit der Hebeliste überein?
4. Welchen Bestand oder welche Ueberzahluna ergibt der Jahresabschluß?
Schlüchtern, den 6. April 1927.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses.
v. Trott zu Solz.
OeffeuSl. Aufforderung zur Abgabe einer Steuererklärung für die Gewerbesteuer nach dem Gewerbeertrag für 1927.
Z.-Nr. 126 Gew.
L
Eine Steuererklärung ist abzugeben:
11« für alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen, deren Gewerbeertrag im Kalenderjahre 1926 den Betrag von 6000 ; RM. überstiegen hat;
2. ohne Rücksicht auf die Höhe des Gewerbeertrages für alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen, bei denen der Gewinn auf Grundlage des Abschlusses der Bücher zu ermitteln ist;
/ 31 für alle gewerbesteuerpflichtigen Unternehmen, für die vom Vorsitzenden des Gewerbesteuerausschusses eine Steuererklärung besonders verlangt wird.
I Die Steuererklärung ist von dem Inhaber des Betriebs abzugeben.
II.
Die hiernach zur Abgabe der Steuererklärung Verpflich- | leten werden aufgefordert, die Steuererklärung unter Benutz- I ung des für sie vorgeschriebenen Vordrucks
„Muster Gew. 1 (für Einzelgewerbetreibende, offene Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften),
Muster Gew. 2 (für juristische Personen),
Muster Gew. 4 (als Einlage zum Muster Gew. 1 oder 2 für Unternehmen mit Betrieböstätten in verschiedenen I , Gemeinden)"
I in der Zeit vom 11. 4. bis 30. 4. 1927 bei dem Vorsitzenden I ^s Gewerbesteuerausschusses, in dessen Bezirk sich die Lei
tung des Unternehmens befindet, einzureichen. Liegt der Ort der Leitung außerhalb Preußens, so ist der Wohnsitz des bestellten Vertreters, hilfsweise die preußische Betriebsstätte, maßgebend, in der die höchste Lohnsumme gezahlt ist.
Vordrucke für die Steuererklärung können von dem unterzeichneten Vorsitzenden des Gewerbesteuerausschusses bezogen werden. Auch werden Vordrucke vom 13. April ab im Bürgermeisteramt während der Dienststunden abgegeben. Die Steuererklärung ist schriftlich — zweckmäßig eingeschrieben — einzureichen.
Die Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung ist vom Empfang eines Vordrucks zur Steuererklärung nicht abhängig.
III.
Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, kann mit Geldstrafen zur Abgabe der Steuererklärung angehalten werden; auch kann ihm ein Zuschlag bis zu 10 v. H. des festgesetzten Steuergrundbetrages auferlegt werden.
IV.
Die Hinterziehung oder der Versuch einer Hinterziehung der Gewerbesteuer nach dem Ertrage wird bestraft. Auch ein fahrlässiges Vergehen gegen die Steuergesetze (Steuergefährdung) wird bestraft.
Schlüchtern, den 5. April 1927.
Der Vorsitzende des Gewerbesteuerausschusses.
Beredlungskursus.
I.-Nr. 1661 K. A. Wie alljährlich finden auch in diesem Jahr nach Ostern praktische Unterweisungen im Umpfropfen von Obstbäumen in dem Kreisobstgarten statt. Der Lehrgang dauert 1 Tag und zwar von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr. Gute Veredlungsmesser und Abziehsteine sind mit- zubringen. Dieselben sind aber auch beim Kursusleiter erhältlich.
Unkosten erwachsen den Teilnehmern an dem Kursus nicht. Nur ist bei der Anmeldung eine Einschreibegebühr von 1 RM. zu entrichten.
Die Anmeldung geschieht zweckmäßiger Weise sofort schriftlich oder Mündlich bei Herrn Kreisgärtner Holstein in Schlüchtern, Dreibrüderstraße Nr. 16.
Es kann den Landwirten und Obstzüchtern die Teilnahme an diesem Kursus nur empfohlen werden, da im Obstabsatz bezw. im Obsthandel große Neuerungen angebahnt sind, die schon in den nächsten Jahren sich auswirken. Der Absatz wird nur noch in bestimmten Sorten rentabel sein. Es sind deshalb alle Landwirte, die hierfür Interesse haben Und die mit den Einnahmen aus dem Obstverkauf rechnen müssen, gezwungen, der Umedlung jüngerer und älterer Bäume ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
Das Schlüchterner Obst hat überall und immer Anklang gefunden, insbesondere auf den größeren Bezirksausstellungen in Kassel 1924 Und in Hofgeismar 1927. Der fortschreitenden Entwicklung im Obstbau dürfen sich deshalb 'die Züchter aus dem Kreis Schlüchtern nicht entziehen, insbesondere wenn von den führenden Verbänden verlangt wird, bei dem zunehmenden Obstverbrauch den Markt mit Massenobst von deutschen Züchtern zu versehen.
Schlüchtern, den 5. April 1927.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
v. Trott zu Solz.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung.
Die gesetzliche Miete beträgt vom 1. April 1927 ab 110 v. H. und vom 1. Oktober 1927 ab 120 v. H. der reinen Friedensmiete (§§ 2 und 3 der Verordnung des Ministers für Volkswohlfahrt über die Mietzinsbildung in Preußen vom 17. April 1924).
Sofern die Schönheitsreparaturen vom Mieter ausgeführt werden, ermäßigen sich die Prozentsätze um 4 v. H.
Schlüchtern, den 6. April 1927.
Der Magistrat: Gaenßlen.
— Der Verband deutscher Reeder und der Ostasiatische Verein haben den Beschluß gefaßt, keinerlei Verschiffungen von Kriegswaffen und Kriegsmunition, die zur Verwendung in China bestimmt sind, in deutschen Häfen oder auf deutschen Schiffen zu übernehmen.
— Der Pariser „Information" wird aus Peking gemeldet: Admiral Pischuschan, Befehlshaber der 8. Schantungarmee und des Geschwaders von Tsingtau, ist auf Befehl des früheren Militärgouverneurs von Schanghai Tschangtschungtschang wegen Hochverrats hingerichtet worden. Er soll mit den Kantontruppen wegen Uebergabe von Schanghai verhandelt haben.
— Sämtliche britischen Konsulate, Kriegsschiffe und Staatsangehörigen auf dem Jangtsegebiet oberhalb von Hankau sind zurückgezogen worden. Auch sollen sich 100 Deutsche auf einem amerikanischen Schiff eingeschifft haben, um Hankau zu verlassen.
Rückblick.
Kr. Kr. Mehr aus einem gewissen Allgemeingefühl heraus schienen uns Europäer die Ereignisse in China die Keime einer umwälzenden Entscheidung in sich zu tragen. Mußte der Sieg der chinesischen Nationalpartei nicht zu einer Ausschaltung des englischen Einflusses in Ostasien führen? Mit der Niederlage dieser europäischen Vormacht im Fernen Osten mußte, das lag uns im Gefühl, auch das übrige Europa seine Herrschaftsstellung unter der mongolischen Raste verlieren. Darüber hinaus rechnete man aus, daß mit einer Niederlage der englischen Politik in Ostasien das ganze englische Weltreich aus den Fugen gehen müßte. Diese Fugen konnten in allen Teilen dieses Staatsgebäudes recht deutlich wahrgenommen werden. Kam es so weit, dann war eine entscheidende Umwälzung in dem Staats- und Völkerorganismus der Erde unvermeidlich. Für Politiker, die ihr Augenmerk lediglich auf Europa gelenkt halten, war es deshalb selbstverständlich, daß sie zunächst einmal wünschten, England möge nicht mit solch weihin hallendem Donner aus seiner Position geworfen werden. Denn nur so wäre ein allgemeiner Weltaufruhr zu ver- meiden, der gleichzeitig dieallmählicheKonsolidie- rung Europas nicht nur in Frage stellen, sondern geradezu verhindern würde. Die Feuersbrunst in Ostasien mußte auf Europa Überschlagen. Insbesondere da als Schürer im Streit des Ostens Rußland auftritt, das immerhin halb in Europa liegt und dessen europäische Bindung ebenfalls nach einer Endgültigkeit verlangt, deren Lösung gerade bei dem Staate, der in Osiafien am meisten engagiert ist, bei England, bisher auf heftigen Widerstand stieß. So war neben dem chinesisch-englischen Konflikt ganz elementar der englisch-russische wieder in den Vordergrund getreten.
Schien in den letzten Tagen eine gewiste Sicherheit Englands zu verzeichnen zu sein, nachdem immerhin eine lose engl'sch-amerikanisch-japanische Einheitsfront gegenüber Kanton zustande gekommen war, so ist im letzten Augenblick tut Ereignis Hnnefrof.ov, das bon J+Hn in Ebinn Mlsät>lick>
Wicken bringen b! or - ^ Dar.) Vorgehen von Truppen Tschang Tso Lins gegen russische Botschaft zu Peking. Es kann leicht sein,. daß Sowjetrußland dadurch in einer Weise engagiert wird, daß mit bloßen diplomatischen Mitteln nicht mehr viel zu machen ist. Gewiß hat die Kanton-Regierung sich auch bisher schon der Hilfe Sowjetrußlands bei ihrem Kampf bedient, aber das geschah, ohne sich mit den Sowjets irgendwie tiefer einzulasten. Darin ist seit einiger Zeit ein Umschwung eingetreten. Die Kuomintang, die Nationalpartei, ist heute den -Sowjets mehr als bisher ergeben. Es wäre deshalb wohl möglich, daß Moskau das Vorgehen Tschang Tso Lins nicht allein als einen Akt der Nordarmee gegen Kanton auffaßt, sondern auch als eine feindliche Handlung Englands, das hinter dem Pekinger Eingriff vermutet wird. Hier liegen die Keime eines Kon- sliktes, der über die chinesischen Grenzen weit hinausgreift.
Selbst wenn Tschang Tso Lin etwa den Sieg über Kan- ton erringen sollte, in der Entscheidungsschlacht, die gerade im Gange ist, so wäre für England nichts gewonnen. Denn daß auch das Nordreich gegenüber den Europäer-Fragen keine andere Stellung einnimmt wie der Süden, das wurde oft genug offenbar. Der heutige Ge- gensatz des chinesischen Volkes den Europäern gegenüber hat nichts mit den früheren Haßgefühlen, die aus religiösen und rassemäßigen Ideen geboren wurden, zu tun, sondern: das chinesische Volk will wirtschaftlich und kulturell frei von europäischer Bevormundung sein. Gegen diese Bevormun- dung richtet sich der Kampf aller Chinesen. Welche Formen dieser Kampf noch annehmen wird, ist bei einem solch amorphen Volk, wie es die Chinesen ^uz.mbl'ck'ich darstellen, gar nicht abzusehen. Daß Engländer und Amerikaner auf alles gefaßt sind, beweist der Abtransport aller Angehörigen dieser Nationen aus China. Wann auch die übrigen Europäer das Land verlassen müssen, hängt von den allernächsten Ereignissen ab.
Die Frage der europäischen Konzessionen ist schon gelöst. Sie sind aufgehoben! Es fragt sich nur noch, wie überhaupt in Zukunft der Verkehr Europas in China möglich ist. Als seinerzeit Japan sich von Europa freimachte, erkannte England frühzeitig genug die Zeichen der Zeit. In China hat es allzu lange damit gezögert, dein chinesischen Volke das Recht tatsächlich einzuräumen, das es ihm dem Worte nach durch Hineinzerren in den Krieg gegen Deutschland und die Aufnahme in den Völkerbund zugestanden hat. Die Zurückhaltung der anderen Alliierten im chinesischen Konflikt ist klug. England wird hier mehr als einmal erfahren haben, daß in der Politik derjenige noch lange nicht ein Freund ist, der sich Freund nennt. Der Amschwung in der japanischen Stellung "in Ostasien ist sehr bemerkenswert. Die erste chinesische Nationalregung, der Boykott richtete sich noch gegen England und Japan, heute kämpft der chinesische Nationalismus — trotz unverminderten Hasses gegen das europäisierte Japan — ausschließlich gegen England.
a n b i n Europa? Trübes Wetter! Sehr trübes Wetter . . . ! Das trübe Wetter des europäischen Früh- lings? Es ist nicht zu sagen, ob neues Leben aus diesem Europa grünen wird. Nach dem ungeheuren Zusammen- bruch, ben der Krieg für alle Völker herbeiführte, ging ein großes Verlangen durch die Völker, abzurüsten, um so den