Kreis-Amtsblatt * Allgemeiner amtlicherKazeLger für Kar Kreis Sckluchtem
tnukund Vevtag.H.Stetnfetö Söhne* s<chkist^^ahnhofstr.6 * Jernspy.Nr.l^ * postsiherNK: srankfuvtir.Ar.r2ryo
Nr. 52 (1. Blatt) Samstag, den 30. April 1927 79. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen
Landratsamt.
Bezugnehmend auf meine Verfügung vom 23. April d. J. — Schlüchterner Zeitung Nr. 50 — werden nachstehend die Jmpftermine für den Jmpfbezirk Sterbfritz 1 bekanntgegeben.
Impf 0 rt
Jmpflokal
Tag und
der Impfung
Stunde
der Nachschau
Sterbfritz Weiperz Sannerz Gundhelm Breunings Neuengronau Jossa Altengronau Mottgers Schwarzenfels Züntersbach Weichersbach Oberzell
Schlüchtern,
Jmpfarzt prak Gaftw. Böhm „ Klug „ Lotzenius „ Löffert „ Löffert „ Schröder „ W. Müller „ Grösch „ Günther „ Ullrich „ Hahn „ Schlott ,, W. Kühlthau den 25. April 1927.
t. Arzt Both, Sterbfritz.
16. Mai Vorm. 9'/, Uhr
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16. „Nachm. !2'/z „
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23. Mai Vorm. 9'/, Uhr
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27. , , 10 ,
27. , , 11 ,
andrat. von Trott zu Solz.
I -Nr. 3420. Auf Antrag der zuständigen Forftver- nraltungsbehörde habe ich die Mitwirkung bei der Ausübung der Jagdpolizei dem Förster Molle in Weichersbach in den Gemarkungen Gundhelm, Heubach, Oberzell, Schwarzen- ■ fde, Sterbfritz, Weichersbach und Züntersbach; dem Forst- Jekretär Baumstimler in Schwarzenfels in den Gemarkungen f Gundhelm, Heubach, Oberzell, Schwarzenfels, Weichersbach ? un^LüMersbach »nd dem Mrster-Stylten berg in Zünters- »bach in den Gemarkungen Gundhelm, Heubach, Oberzell, i Schwarzenfels, Uttrichöhausen, Weichersbach und Zünterö- bach übertragen.
Schlächtern, den 26. April 1927.
Der Landrat. J. V:: Schultheis.
J.-Nr. 3322. Der Herr Kreismedizinalrat wird am Mittwoch, den 4. Mai d. 3., von vormittags 9 Uhr ab im hiesigen Kreishause Sprechstunden halten.
Schlüchtern, den 26. April 1927.
Der Landrat. J. V.: Schultheis.
ftm die Rheinlandräumung
Das fehlende Gleichgewicht.
Wie aus Paris gemeldet wird, befaßt sich die „Ere Nou- tocHe" mit der Frage der Rheinlandräumung und schreibt: Der Osterartikel des Neichsaußenministers im „Hamburger Fremdenblatt" genügt, um zu erwarten, daß Deutschland demnächst die Frage stellen wird:
Wir sind der Ansicht, daß es unmöglich ist, anders zu ant« körten, als es Briand getan hat durch Hinweis aaf den Text des Versailler Vertrages, indem er die Frage der Räumung von der restlosen Erfüllung der Sicherheitsklausel abhängig machte. Wir können weder bis ins unendliche im Rheinlande bleiben, noch plötzlich dort abziehen. Auf dem linken Rheinufer bleiben, ist keine Lösung und das linke Rheinufer aufzu- geben, ohne vorher das Statut der europäischen Entwaffnung aufgestellt zu haben, wäre eine Leichtfertigkeit.
Locarno hat uoch nicht ein neues kontinentales Gleichgewicht geschaffen, sondern lediglich einen Geisteszustand, aus dem man den bestmöglichen Nutzen ziehen muß. Außerdem sollte man sich daran erinnern, daß großes und dauerhaftes nur langsam geschaffen werden kann.
*
Die teure englische Rheinlandkommission.
Im englischen Unterhaus teilte namens der Regierung Locker-Lamvson auf eine Anfrage mit, daß die Zahl der in der vritischenAbteilnng derRheinland-Oberkommission beschäftigten Beamten 48 betragt, die alle britische Untertanen sind. Die Kosten der britischen Abteilung der Rheinland-Oberkommission für das laufende Finanzjahr werden mit annähernd 3750 Pfd. Monatlich oder 45 000 Pfd. jährlich angefetzt. Auf die Frage, ob die Kosten während des letzten Jahres herabgesetzt seien, erklärte er, die Ausgaben für 1926/27 seien ungefähr dieselben gewesen. Aber dies stelle eine Verminderung von etwa 20 000 Mund Sterling, verglichen mit 1925/26, dar. Die Frage, ob mese Zahlungen durch Reparationen von Deutschland gedeckt Kurden, beantwortete Lampson bejahend. Der Arbeiterabgeordnete Weigwood fragte, ob angesichts der Tatsache, daß diese Ausgaben schließlich aus der Tasche Englands bezahlt werden, .os nicht möglich wäre, eine Ersparnis zu erzielen, indem die Abteilung ganz geschlossen würde.
— Die in Gleiwitz herausgegebene Zeitung „Obcrschlcsischc Nachrichten-' ist durch eine Verfügung der Warschauer Regierung verboten worden.
OberfSrsterei Mottgers-Süd.
1. Sämtliche Wege der Dberförsterei sind bis zum 10. Mai gesperrt.
2. In Distrikt 117 ist abseits von Wegen Taxus (Eibe) gepflanzt; Gespannhalter wollen ihre Tiere davon fernhalten.
5. Das Geschäftszimmer ist für den Publikumverkehr T^ Vortags zwischen 9 und 12 Uhr vorm. geöffnet Zu anderen Zeiten kann auf Abfertigung nicht gerechnet werden.
4. Holzverkäufe (Beginn jeweils 9 Uhr norm.) finden statt am:
11. Mai in Mottgers bei Günther aus Heuberg, Käl« berberg, Urechenberg,
17. Mai in Sterbsritz bei Simon aus Zrauenberg, Steinfirft, Lederhose, Müllerberg, Schöneheidt, Leimberg, Merzäcker.
In beiden Brennholz nach Dorret und Nutzholz nach Bedarf.
Kommunistischer Aeberfall auf einen Polizeibeamten.
Berlin, 28. April. In der vergangenen Nacht wurde im Südwesten Berlins ein Polizeibeamter in Zivil von Mitgliedern des Roten Frontkämpserbundes, die Plakate für den 1. Mai an die Häuser klebten, ohne jeden Grund angegriffen und mit einer Stahlrute geschlagen. Zwei Angreifer konnten sestgenommen werden.
Deutscher Minderheitssieg im Königshütter Stadtparlament.
Königshütte, 28. April. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung erhielten bei der Wahl der unbesoldeten Stadträte die deutsche Fraktionen einschließlich der deutschen Sozialisten von zehn SiAn sieben und die Polen nur drei.
Die Minderheilsschnle« in Polen.
Kattowitz, 28. April. Der Wojewode Dr. Krasynski, der sich gestern in dienstlicher Angelegenheit nach Warschau begab, hatte vorher mit dem Präsidenten Calonder eine Unterredung, in deren Verlauf er im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ankunft des schweizerischen Schulsachverständigen Dlaurer die ostoberschlesische Minderheitsschulfrage berührte. In der Unterredung wurde die Erklärung abgegeben, daß Polen sämtliche Beschlüsse des Völkerbundsrates in Genf bezüglich der Minder - Heitsschulc zu jeder Zeit zur Ausführung bringen werde.
— Der französische Außenminister Briand hat eine Anzahl politischer und diplomatischer Persönlichkeiten, sowie die beim Quai d'Orsay beglaubigten Journalisten empfangen, die ihm Glückwünsche anläßlich der 25jährigen Wiederkehr des Tages seines Eintritts ins Parlament aussprachen.
— Der Gewerkschaftsverteidigungsausschuß des englischen Gewerkschaftskongresses und der Arbeiterpartei hat ein Manifest gegen die Gewerkschaftsvorlage veröffentlicht, das bei den Maifeierkundgebungen im ganzen Lande verlesen werden wird. Am 1. Mai werden über 3000 Kundgebungen veranstaltet werden.
— Anläßlich des 25jährigen parlamentarischen Jubiläums Brianbs hat ein Telegrammwechsel zwischen Dr. Strefemann und Briand stattgefunden.
— Die Berliner Hochbahner haben beschlossen, anläßlich des Stahlhelmtages am 7. und 8. IHai den Betrieb ruhen zu lassen.
— In mehreren Ortschaften Schlesiens wurde während eines Gewitters durch Blitzschlag schwerer Schaden angerichtet. Drei Personen sind schwer verletzt worden.
— In Peking sind 18 Personen, die bei der Haussuchung in dem Gebäude der Sowjetbotschaft festgenommen wurden, hingerichtet worden.
Rückblick.
Kr. Kr. WenndasKriegszielderAl liierten und Assoziierten wirklich das verkündete war, nämlich: die Welt endlich so zu ordnen, daß auf lange Zeit hinaus die Menschheit ihrem friedlichen Tagewerk nachgehen kann, ohne durch das Mordwerk des Krieges gestört zu werden — wenn das wirklich das Kriegsziel der 28 gegen Deutschland und seine drei Kampfgenossen verbündeten Volksregierungen war, dann war der Krieg ein schlechtes Geschäft für die geplagte Menschheit. Die armeMensch- h e i t ist heute mehr denn je in den letzten hundert Jahren von mörderischen Gefahren bedroht und — ganz abgesehen davon, daß sie unter diesen furchbar drohenden Wetterwolken keineswegs ihrem friedlichen Tagewerk ruhig nachgehen kann, sie steht vor einem geradezu kläglichen Trümmerhaufen ihrer Habe und ihres Gutes. Es ist nämlich eine merkwürdige Eigenschaft der sogenannten Menschheit, daß ihr wie allem Naturwerk Kräfte innewoh» nen, die auch zerstörend wirken. Zerstörend nicht allein im herabsetzenden Sinne. Die elektrisch geladene Wolke schleudert nid)t nur den verheerenden Blitzstrahl, sie reinigt auch das Luftbereich zum Wohle der atmenden Lebewesen. Die Menschheit besteht nicht nur aus Mitgliedern, die Kohl bauen und Rosen ziehen wollen, sondern auch solchen, in denen verzehrendes Willensfeuer lodert. Sie find es, die Flammen legen an der Menschen Werke, sei es, um Gutes zu zerstören, sei es, um Faules zu vertilgen. Wie ihr Wirken moralisch als gut oder böse beurteilt werden kann, wer möchte das demagogisch festlegen! Kurz und gut, die 28 Staaten, wohl der größte Teil aller Staaten dieser Welt, sehen keinen Fein mehr vor sich, den sie mit einigem Anhand bekämpfen können, nachdem sie Mitteleuropa abgedros- selt haben; und nun sehen sie sich untereinander daraufhin an, wem wohl etwas am Zeuge zu flicken ist. Da nun der eine etwas will, der andere mancherlei nicht geben kann, der eine also diescrhalb, der andere jenerhalb seine gut gesckuniedeten Waffen nicht aus der Hand geben mag, muß:e i ? schöne Ziel, das von ihnen in den Versailler Vertrag mit feierlichen Worten eingeschrieben wurde, nämlich das Ziel der allgemeinen Abrüstung um des Friedens willen, schamhaft unter einem Mantel von guten Redensarten für einige Zeit dem Auge der fragenden Menschheit entzogen werden. Eigentlich war das Getue der Konferenz, die in Genf im Namen der Weltregierungen sich mit der Möglichkeit der Abrüstung beschäftigte, garnicht so schamhaft, sie hat ganz klar und deutlich erkennen lassen, daß die einzelnen Staaten g <prnicht abrüsten wollen, nur der deutsche Vertreter bekannte sich offen und frei — allerdings aus leicht erratbarem Grunde — für die restlose Erfüllung des Versailler Statuts. Die Lamentation des internationalen Friedenskartells: die Menschen würden aufbe- gehren, wenn sie die Verhandlungen der Abrüstungskonferenz restlos verfolgt hätten, ist ein leerer Klageruf, denn die Menschen bilden eben die Staaten, und es sind somit die Menschen selbst, die eine Abrüstung nicht wollen aus dem einfachen Grunde, weil ihr in einzelnen Führern konzentrie- ter Wille eben nach manchem strebt, das nur mit gutem Rüstzeug gegenüber anderen Menschen zu erreichen ist. And so wird von den Menschen selbst das Rüstzeug begehrt, ter- befsert und im gegebenen Augenblick angelegt.
Sehen wir uns doch um, machen wir uns frei von dem eigenen Wunschbilde der Welt! Da stehen Fronten von Menschenleibern einander gegenüber, und es ist nur eine Frage des Augenblicks, wann das Mordwerk des Krieges unter ihnen beginnt. Wir sind in der keineswegs angenehmen Lage des unbeteiligten Zuschauers, der zuletzt doch so oder so mit in den Krakeel hineingeprügelt wird. Von wem und wie hängt ganz davon ab, wie sich die Haufen ordnen. Manch einer will sehen, daß sich in den ganz großen internationalen Fragen zwei Lager zu bilden im Begriff sind: Frankreich-Nordamerika-Rußland-China gegenüber Eng- land-Italien-Spanicn-Iapan. Was für eine solche Kombination angeführt wird, hat vieles für sich, soweit die brennendsten politischen Tagesfragen das Streben der einzelnen Nationalstaaten erkennen lassen. In die beiden großen Linien würden die anderen je nach Zwang und Wunsch sich einzuordnen haben.
And Deutschland? Vor Jahresfrist ging bei uns noch der Streit — ohne Streit tuen wir es untereinander nicht —, ob sich Deutschlands Politik nach Osten zu Rußland oder nach Westen zu Frankreich-England orientieren soll. Es hieß, wir müßten hübsch in der Mitte bleiben, Freundschaft mit Rußland halten und mit den Westmächten den Locarno-Pakt abschließen. Wir taten es. Als aber aus dem Locarno-Pakt der Oelzweig für uns ergrünen sollte, war es aus mit dem „Westen." Italien stand plötzlich in heftiger Fehde mit Frankreich. Aus dieser Zwietracht cnt- wickelten sich einige Neugestaltungen auf dem Balkan unter dem Zeichen des faschistischen Italien, mit dem Segen Englands. England, das seit dem Kriege nur ein Ziel kannte: Ruhe in Europa! um sein Reich draußen in der Welt wieder zusammenkitten zu können, das deshalb an einer Interessenverständigung Frankreich-Deutschland-England mit so heißem Bemühen arbeitete, sah sich plötzlich gar nicht mehr so heiß begehrt von seiner kontinentalen Kriegs braut Frankreich. Es würde zu langen Er- örterungen führen, dieses neue Verhältnis der Kriegsgetrau- ten auseinanderzusetzen. Offenbar war Frankreich zu allem,