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Nr. 56

Dienstag, den 10. Mai 1927

79. Jahrg.

Amtliche Bekauutmach^uge«

Landratsamt.

Jagdverordnung.

Die Schonzeit für Rehböcke wird für den Regierungsbe­zirk Kassel bis zum 28. Mai 1927 einschließlich verlängert.

Kassel, den 22. April 1927. Der Bezirksausschuß.

KrsWEssckmß.

Schafbockkörung betreffend.

J.-Nr. 2052 K. A. Unter Bezugnahme auf die im Kreis­blatt Nr. 12 von 1926 veröffentlichte Regierungspolizeiver- ordnung vom 2. Dezember 1925 werden für die diesjährige Körung von Schafböcken folgende Termine festgesetzt:

Montag, den 16. Mai 1927.

8 Uhr vormittags Schlächtern (Dreschhalle) für Schlüch-

S V,

//

10

12

mittags

»l/, nachmittags

//

9

tern, Hohenzetl und Niederzell.

Elm (Kriegerdenkmal) für Elm, Hütten und Gundhelm.

Sterb fritz (Bullenstall) für Sterbfritz,

BreuningS und Weiperz.

Jossa (Brücke) für Jossa, Neuen- und Altengronau.

arjoß,

4

Weichersbach (Gastwirtschaft Schlott) für Weichersbach, Mottgers und Schwarzenfelö.

O b e r z e l l (Bullenstall) für Oberzell und Züntersbach.

UttrichsHaufen (Gastw.Diegelmann) für Uttrichshaufen, Heubach und Ober­kalbach.

Wall roth (Bullenstall) für Wallroth und Breitenbach.

Hintersteinau-.lDeukMa für Hin-, terfteinau.

Ulmbach (Gastw. Heil) für Ulmbach und Uerzell.

Salmünfter (Rathaus) für Salmun- ster und Ahl.

Stein au (Rathaus) fürSteinau, Del- lings und Marborn.

Die Herren Bürgermeister des Kreises ersuche ich, dies in ihrer Gemeinde sofort ortsüblich bekannt geben zu lassen und dafür zu sorgen, daß die anzukörenden Schafböcke zur angesetzten Zeit pünktlich zur Stelle sind. Die Böcke dürfen nicht' geschoren werden. Damit die Tätowierung ersichtlich ist, müssen die Ohren der Böcke gründlich gewaschen sein.

Schlächtern, den 7. Mai 1927.

Der Landrat. von Trott zu Solz.

Anläßlich des Stahlhelmtages in Berlin kam es in zahlreichen Fällen zu Zusammenstößen, wobei nach einer Meldung der Montagspost zwei Stahlhelmleute schwer ver­letzt wurden.

Durch Versagen des Motors mußte der Flugzeug­führer v. Flotow auf dem Breslauer Flugplatz eine Notlan­dung vornehmen, wobei der Apparat so hart auf den Boden aufstieß, daß er in Trümmer ging. v. Flotow erlitt schwere Verletzungen, während sein Begleiter Frhr. v. Richthofen- Schickeritz den Tod fand.

Das heiße Wetter hatte in Berlin eine ganze Reihe von Ohnmachtsanfätten und Hitzschlägen zur Folge. Ein Magdeburger Teilnehmer an dem Stahlhelmtag erlag einem Hitzscblag.

Wie derVorwärts" erfährt, hat der Reichstagspräsident Löbe telegraphisch und schriftlich den Präfidente« der Bereinigten Staaten gebeten, die zum Tode verurteilten Italiener Sacco und Vanzetti vor der Hinrichtung zu bewahren.

In den Verhandlungen der preußischen Generalsynode über die Bischossfrage wurde nach längerer Aussprache die Einführung des Bischofstitels mit 109 gegen 103 Stimmen abgelehnt. Drei Synodale, darunter zwei Generalsuperintendenten, enthielten sich der Stimme. In einfacher Abstimmung wurde der gesamte Gesetz­entwurf für die AmtÄezeichnungen abgelehnt.

I« der Berufungsverhandlung gegen die Magdeburger Richter Scholz und Bewersdorff vor dem Disziplinarsenat des Kammergerichts wurden die Berufungen der Staatsanwaltschaft und der beiden Beteiligten verworfen.

Der Handelsausschutz der französischen Kammer hat sich zusttrumend zum neuen französischen Zolltarif geäutzert.

Der ehemalig« italienische Abgeordnete Misuri wurde ver­haftet und zu Zwangsausenthalt verurteilt.

^ei einer Haudgrauatenübung zu Tode gekommen.

. Prag, 9. Mai. Auf dem Uebungsplatz bei Mile- ichovitz unweit Prag wurde bei einer Handgranaten- Wurfübung Jnstruktionskapitän Moravek durch die Ex­plosion einer Handgranate, die ein Soldat unvorsich- tigerweise fallen ließ, schwer verletzt. Der Kapitän ttlag im Divisionshospital seinen Verletzungen. Der Soldat kam mit leichteren Verletzungen davon.

Aus der Weltwirtschaftskonferenz.

Drei sehr emdrucksvolle Zahle«.

Der bekannte englische B^lkswirtschaftler Lahton hielt auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genf eine viel beachtete Rede, in der er sich zunächst mit Rußland beschäftigte.

Als zweite politische Erscheinung behandelte Lahton sehr eingehend die Zersplitterung Mitteleuropas, das heute 11000 Kilometer Zollschranken mehr habe als vor dem Krieg und fuhr fort: Die Zersplitterung Europas hat verhindert, daß Europa a« der neuen wirtschaftlichen Veränderung, nämlich einem beträchtlichen materiellen Fortschritt, nicht teilgenommen hat. Kleine Wirtschaftseinheiten konuten sich vor 50 Jahren noch halten. Sie find aber bei den modernen Produktionsmethoden ein Anachronismus geworden. Angesichts der neuen indu­striellen Verhältnisse in Europa müssen neue Pläne aufgestellt werden, um die inzwischen entstandene« wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu lösen.

Der wirtschaftliche Reichtum Europas bildet ein, Garrzc-s und wird sich nur als solches entwickeln oder zusammen- brechen. Die einzelnen Staaten können ihr wirtschaftliches Gedeihen nicht auf die Dauer auf dem Zusammenbruch der Nachbarn aufbauen. Alle Versuche zur Verwirklichung von Gewinnen und Einschränkung der Produktion werden niemals dauernden Wohlstand begründen. Schließlich darf Europa nicht vergesien, daß es mit dem industriellen Fortschritt anderer Lander nur gleichen Schritt halten kann, wenn ihm seine wirtschaftliche Organisation eine Spezialisierung nicht nur zwischen einzelnen Unternehmungen, sondern auch zwi­schen einzelnen Landern ermöglicht, was wiederum nicht nur eine Vermehrung des internationalen Warenaustausches im weitesten Sinne des Wortes, sondern auch eine starke wirt­schaftliche Zusammengehörigkeit und wachsende Zusammen­arbeit auf vielen Gebieten und in viel höherem Ausmaße als in der Vergangenheit bedeutet. Lahton, der in seinen Aus­führungen drei sehr eindrucksvolle statistische Zahlen Europas nannte, nämlich 10 000 000 Menschen, deren Ernährer arbeits­los sind, ferner 11000 Kilometer neue Zollgrenzen und 2^ Milliarden Dollar jährliche Rüstungsausgaben, erntete für seine Darlegungei: sehr nachhaltigen . Beifall.

ZAM Verbot der AationalsoMWest.

Die Begründung des Verbotes.

In der Begründung des Verbotes der N^onalsozialffti- schen Arbeiterpartei für den Bezirk Berlin-Brandenburg wird zunächst darauf hingewiesen, daß seit Mitte Oktober 1926 in etwa 30 Fällen von Mitgliedern der aufgelösten Organisationen GewalttätigkeitengegenPersonenundSachen begangen und den Polizeibeamten Widerstand geleistet wurde. Es handelt sich dabei nicht um das Verhalten einzelner Mit­glieder, sondern um das im Zusammenhang mit dem Vereins­leben geübte Verhalten, das auf den von den Führern aus­gegebenen Parolen beruht. In der Begründung werden dann einzelne Punkte der von Dr. Goebels herausgegebenenZehn Gebote" zitiert, aus denen hervorgeht, daß das von der natio- lialsozialistischen Bewegung erstrebte Ziel die Zerstörung des heutigen Staates ist. In einem Zitat aus den von Dr. Goebels herausgegebeneii nationalsozialistischen Briefen kommt die un= verhüllte Aufforderung an die Mitglieder der Bewegung zum Ausdruck, in gewisien Fällen gewalttätig gegen politisch Anders­denkende Vorzugehen. Die Dominante der Straße sei die nächste Antuartschaft auf den Staat. Wer eine Weltanschauung m i t T e r r 0 r u n d B r u t a I i t ä t gegen alle Gewalten nach außen trage, werde einst die Macht unS damit das Recht haben, den Staat zu stürzen. Die Begründung des Verbotes der Nationalsozialistischen Arbetterpartei schließt mit der Fest­stellung, da solche Bereinszwecke den Strafgesetzen zuwider­laufen, ist die Auflösung gerechtfertigt.

Die schriftliche Ausfertigung des polizeilichen Verbots der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei wurde dem Führer des Gaues Berlin-Brandenburg, Dr. Goebels, zugestellt. Zuerst verweigerte Goebels die Annahme des Schriftstückes, nahm es dann aber doch an, um es eröffnet dem Polizeipräsidenten mit der Begründung, daß er die Annahme verioeigere, wieder zu­stellen zu lassen. Das ist juristisch natürlich belanglos. Im Laust des Samstag wurden die Büros und mehrere gemietete Räume des aufgelösten Gaues polizeilich geschlossen und unter Siegel gelegt.

Steinwurf auf den Hofzug des Herzogs von ?)ork.

Albnrh (Neusüdwales), 9. Mai. In der Nacht wurde auf den Zug, mit dem sich der Herzog von Aork nach Canberra zur Einweihung der neuen Haupt­stadt Australiens begab, ein Gegenstand geworfen, der ein Fenster des Zuges zertrümmerte. Der betroffene Wagen war nur drei Wagen weit von dem Abteil des Herzogs entfernt. Die Polizei nimmt an, daß es sich um einen Stein handelte. Die Insassen des Abteils dagegen erklärten, sie hätten einen Schuß gehört.

Parker Gilbert gegen die deutsch« Subventionspolitik.

Rewhork, 9. Mai. Nach einer Zeitungsmeldung wird der Generalagent für Reparationszahlungen, Par­ker Gilbert, in dem Ende dieses Monats erscheinen­den Halbjahrsbericht aussühren, Deutschland könne eine Revision des Dawesplanes solange nicht erwarten, als aus Reichsmitteln Kredite und Jndustriesubventionen gezahlt würden. Im übrigen werde auch der Reichs­haushalt kritisiert und der wirtschaftliche Fortschritt Deutschlands, der insbesondere an der Zunahme der deutschen AuLlandsanlageu erkennbar sei, hervor­gehoben.

Die derliner Stahlhelmseiei.

Frontsoldatenappell im Lustgarten. Eine Stahlhelm-

. botschaft.

Dre Berliner Stahlhelmkundgebung erreichte am Sonntag ihren Höhepunkt. Die aus allen Reichsteilen kommenden Abordnungen zogen von den Bahnhöfen in ihre Quartiere und von da in den Mittagsstunden in sechs großen Marschkolonnen, mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen in den Lustgarten. Große Zu- schauermengen säumten die Straßen ein, Polizei be- muhte sich um die Ordnung, der Verkehr erfuhr eine Stockung. Der Appell selbst begann mit einer kurzen Begrüßungsansprache der Teilnehmermassen und brächte dann im weiteren Verlauf die Bekanntgabe der Stahlhelmbotschaft, die von den

Bunvesführern Selbte und Oberstleutnant a. D. Dttster- berg

verlesen und durch Lautsprecher weiterverbreitet wurde und in der es heißt:

Der Stahlhelm, der Bund der schlachterprobten, unbesiegt heimgekehrten deutschen Frontsoldaten und der von ihnen zum Geiste der Wehrhaftigkeit erzogenen deutschen Jungmannen, gibt am 8. Reichsfrontsoldaten­tag in der Reichshauptstadt

die politischen Ziele bekannt, für die zu kämpfen er sich und alle seine Kameraden aufs neue verflichtet: Der Stahlhelm sagt den Kampf an jeder Weichlichkeit und § e i g tr st, die das Ehrbewußtsein des deutschen Volkes durch Ver- ^zicht auf Wehrrecht und Wehrwillen schwächen und zerstören will.

Der Stahlhelm erklärt, daß er den durch das Versailler Friedens-Diktat und dessen spätere Ergän­zungen geschaffenen Zustand nicht anerkennt. Er for­dert deshalb: Anerkennung des Nationalstaates für alle Deutschen, Wiederherstellung des deutschen Wehr­rechts, wirksamen Widerruf des erpreßten Kriegs- schu^be?«rrut»iffaS> Regelung und

der Leltkriegsschäden auf Grund der solidarischen Haf­tung aller für den Weltkrieg verantwortlichen Völker.

Diese Aele dürfen bei d^: Durchsetzung des ver­tragsmäßigen Rechts auf die

vorzeitige Räumung der besetzten Gebiete und bei der Berichtigung der Ostgrenzen nicht preis- gegeben werden. Der Stahlhelm fordert die Wieder- anerkennung der Farben schwarz-weiß-rot. Die wirt­schaftliche und soziale Not unseres Volkes ist verursacht durch den Mangel an Lebens- und Arbcits- raum. Der Stahlhelm unterstützt jede Außenpolitik, welche dem deutschen B^völkerungsüberschuß Sied- lungs- und Arbeitsgebiete eröffnet, und ihre kul­turelle, wirtschaftliche und politische Verbindung mit dem Mutterlande lebendig erhält. Der Stahlhelm will nicht, daß das durch seine Not zur Verzweiflung getriebene deutsche Volk Beute und Brandherd des Bolschewismus wird.

Set Stahlhelm bekennt sich zu ver Ueberzeugung, daß die Geschicke des deutschen Volkes nur ckurch eine starke, zur Tragung der Verantwortung willige und fähige Führung bestimmt werden dürfen. Deshalb fordert er Stärkung der Machtbefugnisse des Reichsprä­sidenten, die Sicherung der Wohlfahrt von Land nnd Volk gegen die Willkür parlamentarischer Notverstän­digungen, die Schaffung eines Wahlrechts, dessen Er­gebnisse sowohl die Nebereinstimmnng mit den« wah­ren Volkswillen als auch die Möglichkeit echter Re­gierungsverantwortung gewährleisten.

Der Stahlhelm will keine neue Partei bil­den. Er will den staatsbürgerlichen Willen der ehema­ligen Frontsoldaten zum Ausdruck bringen. Er will, daß seine Angehörigen in allen Stellen des öffent­lichen Dienstes und der Volksvertretung von der Ge­meinde bis zum Reich, die Möglichkeit und das Recht maßgebender Mitarbeit erlangen. Der Stahlhelm for­dert eine Verfassung, die jedem deutschen Staats­bürger verantwortlichen Anteil an dem Leben des politischen Gemeinwesens gibt, denen er eingegliedert ist. Er fordert deshalb eine Selbstver-waltung, »te sich auf die Leistung und das ihr entsprechende Recht freier Staatsbürger gründet und die jede Be­vormundung ablehnt. Ueberall, wo es sich um Ehr- und Wehrfragen der Ration handelt, ist sie yhmc einheitliche Reichsgewalt notwendig. Unter ihrem Schutze und unter ihrer Aufsicht gebührt allen Ge­meinwesen das Recht ihres Eigenlebens und der die­ses Eigenleben sichernden Verfassung. Nur unter dieser Bedingung ist Friede und Wohlfahrt zwischen Staat und öffentlichen Körperschaften möglich.

Getreu seiner Geschichte bekämpft der Stahlhelm alle Bestrebungen, die das deutsche Volk zerkluften wollen. Er hält das Erlebnis alter Frontkameradschaft hoch und will aus ihm das nationale Einheltsemp- sinden entwickeln. Er bestreitet die Berechtigung der materialistischen Geschichtsauffassung und die marxi­stische Lehre. Er widersetzt sich dem Gedanken des Klassenkampfes.

Der Stahlhelm siehtchnit Besorgnis auf die mit zunehmender Industrialisierung fortfchret-