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Nr. 59

Dienstag, den 17. Mai 1927

79. Jahr«.

Amtliche Bekanntmachungen

Landratsamt.

J.-Nr. Z 877. Die Mitglieder der freien Schreiner-Innung des Kreises Schlüchtern werden zur Vornahme der Wahl des Jnnungövorftandes auf:

Montag, den 30. Mai d. Js., nachmittags 3 Uhr in den Sitzungssaal des hiesigen Kreishauses ein berufen.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich von dieser Einbe­rufung den in Frage kommenden Personen Kenntnis zu geben. Schlüchtern, den 12. Mai 1927.

Der Landrat. I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 3571. Die Reichsbahndirektion zu Frankfurt a. M. hat hierher mitgeteilt, daß in letzter Zeit die Unfälle von Fuhrwerken und Kraftfahrzeugen auf Bahnübergängen in erschreckender Weise sich häufen. Die meisten Unfälle seien auf Unvorsichtigkeit der Fahrzeuglenker zurückzuführen. Die Reichsbahndirektion hat sich deshalb entschlossen, zukünftig derartige Fälle in der Regel nicht mehr mit Bahnpolizei­strafen zu belegen, sondern der Staatsanwaltschaft wegen Transportgefährdung anzuzeigen.

Schlüchtern, den 13. Mai 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Bekanntmachung

A. VI 1481/27.

Betrifft: Polizeiverordnung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb von Bierdruckvorrichtungen vom 19. Mai 1909

(Reg.-Amtsbl. S. 154 ff.)

Von der Bekanntmachnng vom 31. Juli 1912 (Reg.- Amtsblatt S. 355) werden hiermit aufgehoben die Aus­nahmen unter

s) Zu H 5 b: »Auch sind Bierleitungörohre aus Alu­minium zugelassen." b>^u-§ 8: »L -dalösungen zum Reinigen von Btr^ druckleitungen aus Aluminium dürfen nicht mehr als 5 vom Hundert Soda enthalten, da sonst das Aluminium stark angegriffen wird."

Ferner wird die Bekanntmachung vom 23. August 1916 (Reg.-Amtsblatt S. 354) hiermit vollständig aufgehoben.

Kassel, am 21. April 1927.

Der Negierungs-Präftdent.

*

J.-Nr. 3684. Vorstehende Bekanntmachung wird hier­mit veröffentlicht.

Schlüchtern, den 10. Mai 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Kreisausschutz.

Vergnügungssteuer.

J.-Nr. 2195 K. A. Es liegt Veranlassung vor, die Her­ren Bürgermeister der Landgemeinden auf die im Neichsge- setzblatt von 1926 Teil 1 Seite 262 ff. abgedruckten Be­stimmungen über die Vergnügungssteuer erneut aufmerksam zu machen. Nach diesen Bestimmungen ersuche ich bei der Veranlagung und Erhebung der Vergnügungssteuer genau zu verfahren.

Bei dieser Gelegenheit weise ich darauf hin, daß die vielfach verbreitete Ansicht, die Veranstaltungen geschlossener Gesellschaften würden der Vergnügungssteuer nicht unterliegen, auf einem Irrtum beruht. Diese Veranstaltungen sind ver- s gnügungssteuerpflichtig.

Schlüchtern, den 12. Mai 1927.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

v. Trott zu Solz.

ä In dem Dorf Pohl bei Nassau kam duö Auto des Grafen Metternich ins Schleudern, stürzte um und fiel in eine Schar spielender Kinder. Zwei Kinder erlitten erhebliche Verletzungen, die Gräfin Romberg wurde getötet und ihre Tochter schwer verletzt, während der Graf unverletzt blieb und der Chauffeur nur leichtere Verletzungen davontrug. ? Ein ungewöhnlich lang anhaltendes Erdbeben war : Sonntag früh in Belgrad zu verspüren. Nennenswerter Scha- . den wurde nicht angerichtet. Auch in anderen Städten Ser- . biens wurden die Erdstöße wahrgenommen.

1 Am Bayon des Glaises sind weitere Durchbrüche des 1 Mississippi erfolgt. Bisher sind über 100000 Personen hier obdachlos geworden.

S^ichspräsideut von Hindenburg empfing den Reichskanzler Dr. Marx und ferner Den preußischen Ministerpräsidenten Braun.

Nach einer Meldung aus Berlin ist der Gesandte z. D. Mdenbrand, M. d. R., der bisher Lippe im Reichsrat vertreten aus dem Reichsrat ausgeschieden.

Das mexikanische Schatzamt dementiert die Gerüchte, daß «u Verkauf des Kircheneigentums beabsichtigt s«. Der Kirchen- sei zwar verfassungsmäßig Rationaleigentum, aber der Sauierungsplan für die Staatssmanzen schließe den Verkauf des "«chenbesitzes nicht ein.

Ostsestungen und Sesatzungsfragen.

Briand und Chamberlain sind sich einig.

Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Rieth, hat wieder einen Besuch am Quai d'Orsay gemacht und sich in Abwesenheit Briands mit dem Generalsekretär des Außenministeriums, Bertholet, unterhalten. Won offizieller Seite werden über den Inhalt der Unter­redung keinerlei Angaben gemacht. DerMatin" glaubt jedoch zu wissen, daß Rieth keine neuen Bor­schläge des Reiches in bezug auf die Feststellung der Modalitäten hinsichtlich der zerstörten Ostfestungswerke überbracht habe. Es sei aber zu erwarten, daß sehr bald das Reichskabinett in Paris und in London eine Jnvestigationsmethode vorschlagen werde, die in Betracht gezogen werden könne.

Briand und Chamberlaiu seien der Ansicht, daß die Enquete mit Diskretion durchgeführt werden, aber daß sie stattsinde« müsse. Was die Herabsetzung der Stärke der Besatzungstruppe» im Rheinland an« betreffe, so wolle die französische Regierung sich ihre Handlungsfreiheit bewahren. Sie handele zur ge­gebenen Zeit, d. h. zur opportune« Zeit und außer­halb jeder Demarche und jede« Druckes.

*

Die Rheinländer denke« wesentlich anders.

In Godesberg nahm unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Jarres der Rheinische Städte- tag folgende Resolution an:

Der Rheinische Städtetag gibt seiner Ent­täuschung und Entrüstung darüber Ausdruck, daß trotz opfervollem Entgegenkommen des Reiches die fremde Besatzung immer noch auf rheinischem Boden steht. Alles deutet darauf hin, daß die widerrechtliche Be­setzung noch lange dauern soll. Nicht einmal die von den Mächten zugesicherte sofortige Herabsetzung der Truppenstärke auf die deutsche Friedensgarnisonstärke ist erfolgt. Er bittet die Reichsregierung, mit allem Nachdruck darauf zu dringen, daß dem Rheinland end­lich und ohne weitere deutsche Gegenleistungen die Freiheit werde, die ihm nach den internationalen Ab­machungen zusteht."

Italien und dieKleinen".

Ein italienischer Schachzug.

DieKleine Entente", deren Vertreter augenblick­lich in Joachimsthal zu einer Konferenz versarvLtelt sind, werden gestaunt haben, als sie erfuhren, daß Ita­lien sie mit einem geschickten Schachzug überrumpelt hat. Die italienische und die albanische Regierung haben nämlich vereinbart, daß, wenn eine fremde Macht oder mehrere fremde Mächte einzeln oder zusammen Verhandlungen einzuleiten wünschen, die die Auslegung oder Anwendung des Tiranapaktes oder die Beteiligung dritter Staaten an diesem Pakt oder schließlich die gesamten gemein­samen Beziehungen zwischen Italien und Albanien be­treffen, weder die italienische noch die albanische Re­gierung sich auf solche Verhandlungen einlassen wird, ohne daß vorher zwischen Italien und Albanien eine vorbereitende Fühlungnahme stattgefunden hat, um die vollständige Uebereinstimmung und die gemeinsame Teilnahme der beiden Vertragsmächte an solchen Ver­handlungen sicherzustellen.

Tiranapakt, ungarische Königsfrage und all die anderen für die Konferenz so wichtigen Dinge wer­den, und das ist jetzt begreiflich, in dem amtlichen Be­richt über den Konferenzverlauf überhaupt nicht er­wähnt. Die ganze Verlegenheit geht aus dieser nichts­sagenden Veröffentlichung hervor, in der es heißt:

Die Debatte über alle Fragen und alle Probleme der Tagesordnung erfolgte im Geiste aufrichtiger Freundschaft und fester Anhänglichkeit an die Idee der ^ontlk der drei Staaten der Kleinen Entente, die $< verbindet und bereits sieben Jahre regelmäßig ver­einigt, und die in solchem Matze zur Erhaltung des europäische« Friedens beigetragen hat. Alle drei Mi­nister konstatieren mit aller Entschiedenheit: Jeder Ge­danke an Unstimmigkeiten ist gegenstandslos (?). Die­ses Bündnis hat eine Reihe von Jahren mit Erfolg und in würdiger Weise eine internationale politische Funktion im Interesse der Erhaltung des allgemeiucn Friedens erfüllt. Es hat den Beweis dafür unter den schwierigsten Umständen geliefert. Es ist auf dem ge­meinsamen Lebensinteresse der drei Mitglieder der Klei­nen Entente gegründet, um die Respektierung der Ver­träge und der internationalen Verpflichtungen und die Erhaltung des Status quo durchzusetzen. Alle drei Staaten der Kleinen Entente erachte« es als ihre Pflicht, die Kleine Entente ««erschüttert stark «»d be­ständig zu erhalten, und verfolge» stets als Ziel: inter­nationale Einigung, loyales Zusammenarbeiten mix den Nachbarn und politische Konsolidation im Sinne der Ideen des BölkerbnndeS."

Ser schwarze Sörsevtag.

Was man vielfach schon seit bängerer Zeit befürchtet hatte, ist nun Tatsache geworden. Die deutsche Börse hat einen schwarzen Tag allerschlimmsten Grades erleben müssen. In Berlin war man schon drauf und dran, die Börse zu schließen, hat dann aber doch davon Abstand genommen. Man beschloß aber doch, die Kurse bei Rückgängen von über 10 bis 1214 Prozent vom ausmachenden Betrag zunächst auszusetzen. Die Tafeln waren übersät mit Minus-Minus-Zeichen. Mag die Stimmung der Börse, die von einem Zerschlagen chres Geschäfts und von einer großn Schädigung der gesamten Wirtschaft sprach, auch in der ersten Erregung übertrieben sein, so scheint doch unverkennbar, daß diese Gewaltkur für längere Zeck Spuren Unterlassen und auch das Emissions- geschäft in erheblichem Umfange lahmen wird. Die erste Folge war natürlich die Durchsicht der Kanten, deren Einschüsse bei dem Rückgang z. T. schon ganz erheblich gesunken waren, und schon aus diesem Grunde erfolgten Verkäufe, denen in den nächsten Tagen wohl weitere folgen werden. Wie weit sich andere finanzielle Folgen bei den noch immer hohen Engage­ments einstellen werden, bleibt abzuwarten: denn die noch gut gedeckten Einschüsie sind es natürlich heute nicht mehr und bedürfen 'der Verstärkung. Diese Lage wird von flüssigen Kunden bereits in starkem Maße ausgenutzt.

Die Kurslisten zeigten ein trostloses Bild. Die höchsten Kurse erlitten Rückschläge von bisher kaum gekanntem Aus­maß. Glanzstoff gingen um nicht weniger als 73 Prozent zurück, Bembevg gestrichen. Ostwerke und Schultheiß über­haupt nicht anzubringen. Auch die übrigen .Kurse zeigten außerordentliche Lücken. Bei den Werten mit 200300 Prozent Kurswert betrug der Rückgang 20 Prozent und mehr, bei den Werten zwischen 100 und 150 Prozent mehr als 10 Prozent. So war es am Montanmarkt, so war eS bei Farben, am Elektromarkt und andern Märkten. Nur einige wenige Aktien waren verhältnismäßig gehalten, so Byk, Riedel, Scherdemandel; auch am Montanmavkt Stahlwerke, Gelsenkirchen und andre.

Zu dem allgemeinen Kurssturz hat wesentlich beigetragen P^x Beschluß.der Banken, die Rrp^ru^ÄLt stark zu kürzen. Fn einer Unterredung mit einem Pressevertreter erklärte Reichsbankpräsident Dr. Schacht, daß der Ursprung des gegen­wärtigen Vorgehens der Reichsbank in der durch die Kriegs­und Nachkriegsverarmung bedingten Verengung der deutschen Geldlage liege. Am 11. d. Mts. seien Vertreter der Berliner Hochfinanz bei der Reichsbank erschienen und hätten nach­drücklich und einmütig den Wunsch auf eine Diskonterhöhung zur Erleichterung der Geldsituation geäußert. Die Reichsbank fühle sich durchaus in der Lage, den aus der regulären produk­tiven Wirtschaft an sie herantretenden Wechseldiskontwünschcn in vollem Umfange auch mit einem fünfprozentigen Diskont gerecht zu werden. Es habe sich gezeigt, daß der Geldanspruch in erster Linie nicht aus der produktiven Wirtschaft, sondern aus den Kreditansprüchen der Effektenkäufer herrührte. Eine Diskonterhöhung, so sagte Dr. Schacht, war infolgedessen im Interesse der Wirtschaft nicht nur nicht geboten, sondern sie würde eine ganz ungerechtfertigte Mehrbelastung der Wirt­schaft gebracht haben. Hinsichtlich des Hinweises der Bank- Vertreter, daß eine Erhöhung des Bankdiskonts den »netteren Zufluß ausländischen Geldes herbeiführen würde, bemerkte Dr. Schacht, daß es ««verantwortlich sein würde, aus­ländisches Geld in höherem Maße nach Deutschland hereinzu- nehmen, als für die Produktion unbedingt erforderlich ist Schließlich betonte Dr. Schacht, daß die Reichsbank weder mir Repressalien, noch mit gesetzlichen Maßnahmen den Bankert jemals gedroht habe. Sie habe überhaupt den Banken nie­mals vorzuschreiben versucht, auf welche Weise sie eine ver­stärkte Liqrckdckät herstÄlen sollten. Er halte die Entschließung der Banken über tat Abbau der Reportgelder für sehr begrüßenswert.

Kabinett und Börsenkrach.

In einem amtlichen Kommunique heißt es:

Der Reichsbantpräsidcut hat A»faug dieses Mo­nats dem Reichskabinett anläßlich ver Erörterung einer anderweitigen Angelegenheit auch seine Auffassung über die seit längerer Zeit in Entwicklung begriffene Börsen- bewegung mitgeteilt. Beschlüsse seitens des Reichs- kabinetts wurden zu diesem Punkte aber nicht gefaßt, insbesondere auch nicht in der Frage, ob auf eine Ver­minderung der Reportgelder hinzuwirken sei. Das Reichskabinett äußerte dem Herrn Rcichsbankpräsident.n gegenüber auch feine Wünsche, in welcher Weise er seine Aufgabe zum Schutze der Währung und in der Füh­rung der deutschen Geldpolitik bei seinen Verhand­lungen mit den Kreditbanken erfüllen möchte. Zu dieser Kabinettssitzung war übrigens wie üblich auch der Vertreter der preußischen Staatsregierung einge, laden, der denn auch an den Verhandlungen dauernd teilgenommen hat. Außer dieser einen Kabinettssitzung hat eine weitere Kabinettsberatnng unter Beteiligung des Herrn Reichsbankpräsidentc» in dieser Angelegen­heit nicht stattgefunden."

B«ck«, 15. Mai. Der Vorstand der soMldeiuokr arischen Reichstag sftaktum hielt eine Sitzung ab, m der er sich «ckt dem Kompromißautrage zur Verlängerung des Republikschutz- B§ beschädigte. Er behielt die Entscheidung jedoch der an vor, die am Montag gnfammmtaitL Auch die bewe­ge ReichsiagssvaD«» taieb sich mit der Frage erst am