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Schlüchterner Zeitung kreLs-Kmtsblatt * Myemeiner amtlicherKnzeigev für -en. Kreis Ächlüchtem Arm« und Verlag: H.Stetafelö Söhnen «Sestväst^"^ "^ahnhofstr.6 * frrafptr.ftr.W) * pvstph«ktu^!ankfimtLM.rSr»o

Rr. 62 (1. Blatt) Dienstag, den 24. Mai 1927 79. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Krer-auSfchutz.

Jugendpflege.

I.-Nr. 5347 $. Nachdem der bestehende Staatsoertrag über die Versicherung der Jugendlichen, Jugendpfleger, Lei­ter oder Leiterinnen von Jugendpflegevereinen mit der HH= gemeinen Versicherungsgesellschaft Frankfurt a. M. mit klei­nen Nbänderungen für das Nechnungsjahr 1927/28 er­neuert worden ist, weise ich darauf hin, daß alle eintreten­den Unfälle sofort dem Kreisjugendpfleger, Herrn Lehrer hix, Steinau anzuzeigen sind, der auch über die erforder- f lichen Unfallmeldeformulare verfügt.

Sämtliche Jugendpflegevereinigungen, die dem Kreis» ausschutz für Jugendpflege angeschlossen sind, werden er­sucht, vorstehendes in Zukunft zu beachten.

Schlüchtern, den 17. Mai 1927.

Der Vorsitzende des Kreiswohlfahrtsamts.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Mai 1927 bzw. für Vormonate zu entrichtenden Staatssteuern, städt. Steuern und sonstigen Abgaben laut Aufforderung vom 10. Mai 1927 im Kreisblatt an die Stadtkasse Schlüchtern nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche j Mahnung.

Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu

zahlen:

Preußische Grundvermögenssteuer mit Stadtzuschlag, Preußische Hauszinssteuer, Gewerbeertrag- und Gewerbe­kapitalsteuerfür 1925 und 1926, Gewerbeertrag- und Ge- | werbekapitalsteuer-Vorauszahlungen für 1927, Holzgelder, 11 Schulgelder, Wassergelder, Hundesteuern, Pachtgelder und I alle anderen angeforderten Abgaben.

F Schlüchtern, den 21. Mai 1927.

Der Magistrat. Gaenßlen.

: ^ Um die Rheinlandraummig.

, i Französisch-englische Differenzen.

1 : Wie aus Paris gemeldet wird, bespricht der bekannte 11 französische sozialistische Abgeordnete Fontanier in dem Ge­werkschaftsblattLe Peuple" die Unterredung Briand-Cham- berlain und kommt zu der Ansicht, daß das bekannte Kommu­nique bereits vor der Begegnung der beiden Außenminister abgefaßt worden sei. Gewiß sei die Entente zwischen England und Frankreich eordiale, sei sie es aber auch in den ? i fünf wichtigsten Punkten betreffend die Rheinlandräumung, r.; i albanische Frage, die Mittelmeerangelegenheit, die Lage im n i Fernen Osten und die russische Frage? Tas könne man nicht 4 behaupten, denn in den meisten dieser Fragen bestehe ein offen- r kundiges Mißverhältnis. Hinsichtlich des südslawischen Kon- 3 I ftiktes seien die Ansichten von London und Paris verschieden, denn England stehe hinter Italien, und Südslawien rechne auf die Unterstützung Frankreichs. Im Fernen Osten habe sich l,® | Frankreich auch geweigert, der englischen Politik zu folgen, und j was Moskau betreffe, so bestehe ebenfalls ein Unterschied.

ei ; Der Abgeordnete, der als Spezialist in außenpolitischen in | Fragen innerhalb der sozialistischen Partei gilt, stellt alsdann ch ^ wichtigste Frage: Sind wir hinsichtlich der Rheinland- be s räumung mit England im Einvernehmen? Er beantwortet sie wie folgt: Eine Verständigung im Fernen Osten ist möglich, h s denn unsere Freunde scheinen auf ihre erste Haltung zu ver- ii> zichten und einen entgegenkommenden Ton eingenommen zu s haben. Keineswegs ist dies aber in der Rheinlandfrage der b- - Fall. Die Engländer haben viele Gründe, das Ende der Be­in »satzung zu wünschen.

as : , Zu den bereits bestehenden ist ein neuer Wunsch hinzu- ui £ gekommen, nämlich Deutschland in sichtbarer Weise dem Ein­fluß Moskaus zu entziehen. Wo bleibt aber da die Ansicht ** Frankreichs? Gibt es offen gesagt hierüber in der französischen Regierung eine Verständigung? Poincaro habe in Bar-le-Duc von einer Respektierung der Verträge gesprochen. Was dar­unter zu verstehen sei, weiß jeder. Auch Briand will die Ver­träge respektieren. Aber er versagt sich nicht das Recht, sich den Notwendigkeiten der internationalen Lage anzupassen. Im übrigen vertritt der Abgeordnete den Standpunkt, daß das französische Parlament in allen diesen Fragen, die sich zwischen England und Frankreich stellten, unterrichtet werden müsse.

| Europäische Wirtschaft-verständigung.

I t Eine Kundgebung des Hansabundes.

Bei der Kundgebung für europäische Wirtschaftsverstän- vrgung, die der Hansabund nach Berlin einberufen hatte, be» tonte der Präsident Dr. Hermann Fischer in seiner Be­grüßungsansprache: Es kann keine Erholung in Europa cin- treten, bis die Völker in allen Ländern sich darüber klar ge­worden sind, daß Handel nicht Krieg, sondern ein Anstausch- prozeß ist. Es gilt, aus der Zollgebundenheit wieder heraus- zukommen und die Wege für eine möglichst zweckmäßige Ar- beit auf dem Weltwirtschaftsmarkt freizumachen.

Dir Philipp Dawsou-London, Mitglied des englischen

Parlamentes, führte aus, daß England nur unter Zustimmung seiner Dominien einem europäischen Zollverein betreten könnte, und selbst in diesem Falle müsse geprüft werden, in­wieweit die angebotenen Vorteile Veranlassung geben könn­ten, daß England seine jetzige Stellvug, die sich aus der Rasten- und Sprachengemeinschaft ergebe, aufheb«. Der Red­ner schilderte die Umwälzung in der Weltwirtschaftslage, durch die besonders jene Länder getroffen würden, die auf Export angewiesen seien: Deutschland und England. Die engflkche In­dustrie müsse sich in gleicher Weste organisieren wie die deutsche, damit eine internationale Verständigung leichter er­zielt werden könne. 1

Pros. Francis Delaili-Paris fordert eine andauernde und endgültige Annäherung zwischen Frankreich und Deutsch­land als erste Bedingung für Frieden und Wohlfahrt in Europa. Die europäische Wirtschaftsunion bedeute die Her­stellung eines großen Marktes nach dem Muster der Vereinig­ten Staaten und des englischen Reiches. Fortschreitende Auf­hebung der Zollschranken und Gründung internationaler Kar­telle seien die Mittel zur Rationalisierung, die Preissenkungen, Lohnerhöhungen und Spezialisierung der Unternehmungen zur Folge haben. Die politische Unabhängigkeit der Staaten sei mit der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeit nur durch Schaffung wirtschaftlicher Unionen zu vereinbaren.

Reichsmmister a. D. Dr. h. c. G 0 thei « , Vorsitzender des Außenhandelsverbandes, forderte ebenfalls, daß sich Europa zu einem Wirtschaftsgebiet entwickele. Dem ständen allerdings starke Widerstände entgegen: der nahezu unge­hemmte Souveränitätswahn der einzelnen Staaten, die Viel- sprachigkett, die Verschiedenartigkeit der Gesetzgebung, der Kultur- und der Wirtschaftsverhaltnisse. Sofortiges Nieder- reißen der europäischen Zollmauern würde. schwere Verwir­rung schaffen. Nur schrittweises Vorgehen komme in^Betracht.

Die Lage bei der Reichsbahn. L

Keine Belebung des Verkehrs. "

Nach dem Monatsbericht der Reichsbahn für A pril hat sich der Güterverkehr im April nur wenig belebt. Insgesamt wurden 3 489 311 Wagen gestellt, 399 000 Wagen weniger als im März. Die Betriebsleistungen waren im April im Güter­verkehr etwas geringer als int März. Der Kohlenver- k e h r ging im ganzen etwas zurück. Im mitteldeutschen Braunkohlengebiet zeigte sich in der zweiten Aprilhälfte eine starke Versandsteigerung. Der Versand von Frühgemüse und Bananen über Bremerhaven hat eingesetzt. Der Versand künstlicher Düngemittel ging weiter zurück. Merklich nach­gelassen haben auch die Transporte landwirtschaftlicher Er­zeugnisse. Ebenso haben die Baustofftransporte nachgelassen.

Die Betriebsleistungen im Personen v-erkehr waren im allgemeinen ebenso hoch wie im März. Die Betriebs­ergebnisse des Monats März zeigen folgendes Bild: Ein­nahmen insgesamt 395,6 Millionen Rm., davon 96,6 aus dem Personen- und Gepackverkehr, 269,7 aus dem Güter­verkehr, 29,3 aus sonstigen Einnahmen. Die Ausgaben betrugen: für Betrieb, Unterhaltung und Erneuerung 294,4 Millionen Rm. Dienst und Reparationsschuldverschreibungen, 40,1, feste Lasten 14, allgemeine Rückstellung 47. Der Verkehr gestaltete sich im März lebhafter als in den Vormonaten. Der Personalbestand betrug im März 1927 680 688 Köpfe gegen 652 617 Köpfe im Februar 1927.

Vom Sozialdemokratische« Parteitag.

Kiel, 23. Mai. Zu recht lebhaften Auseinander­setzungen kam es auf dem gestern hier abgehaltenen Parteitag der Sozialdemokraten über dieTaktikder Par­tei. Der linke Flügel, der besonders in Sachsen und in Frankfurt a. M. über die Mehrheit verfügt, forderte eine schärfere Führung der Opposition gegen die heu­tige Reichsregierung. Am Vormittag des Sonntags veranstaltete die Arbeiterjugend eine große Kundge­bung unter freiem Himmel, bei der Paul Löbe sprach. Bei der Eröffnung des Parteitages um 5 Uhr in der Nordostseehalle hielt Hermann Müller die Be­grüßungsansprache. Sodann sprachen Philipp Scheide­mann und Karl Severing. Anschließend erfolgte ekn Umzug durch die Stadt. Dem Parteitag lag ein eingehen­der Tagesbericht des Parteivorstandes über die poli­tische, parlamentarische und organisatorische Arbeit der Partei in den letzten beiden Jahren vor. Es ergibt sich aus diesem Jahrbuch, daß die Mitgliederzahl von 806 268 auf 823 520 gestiegen ist. Die Ursache der verhältnis­mäßig niedrigen Zunahme wird in der letztjährigen Wirtschaftskrise gesehen.

Das unter dem Protektorat des Neichspräsidenten und des österreichischen Bundespräsidenten stehende deutsche Beet­hovenfest in Bonn nahm einen glänzenden Verlauf.

Zür die gefallenen 3000 Kadetten der ehemaligen Hauptkadettenanstalt Lichterfelde fand am Sonntag in An­wesenheit des Neichspräsidenten die Einweihung eines Ehrenmals statt.

Bei den in Mecklenburg-Schwerin stattgefundenen Wahlen dürften die Mittelparteien nach den bis jetzt vor­liegenden Wahlergebnissen einen kleinen Gewinn zu ver­zeichnen haben.

- ' Vor dem Vruch.

In den politischen Kreisen Londons herrscht seit einigen Tagen große Aufregung, da man ziemlich sicher mit einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Rußland rechnet. DerDaily Telegraph" versichert, daß noch dem Urteil der 4ctnt|ter die Haussuchung im Arcos-Gebäude durch das Vor­gefundene Material vollkommen gerechtfertigt worden sei, wäh­rend die Blätter der Linken der Meinung sind, daß das wahr­scheinlich wenig belastende Material nur als Vorwand dienen solle, um den Bruch mit den Russen herbeiführen zu können. Diese Blätter fuhren die Verschiebung der amtlichen Mitleilun- gen bis zum nächsten Dienstag auf starke Meinungsverschieden­heiten zurück und geben die Hoffnung noch nicht auf, daß der drohende Bruch in elfter Stunde noch einmal vermieden wer­den könne.

Dagegen behandeln die rechtskonservativeMorning Post" und dieDaily Mail" die Angelegenheit schon als so gut wie Erledigt und versichern, daß den Russen in der Antwort auf ihre Note mitgeteilt werden würde, daß die jetzige Form des Handelsabkommens nicht beibehalten werden könne. Man habe den Russen mit Rücksicht auf ihr staatliches Handelsmonopol diplomatische Vorrechte für ihre Hcndelsabordnung und den Gebrauch einer Chiffreschrift und einen diplomatischen Kurier gestattet; aber man habe niemals geglaubt, daß sie mit Hilfe dieser Vorrechte eine völlige Geheimorganisation in dem Arcos- gebäude einrichten würden. Sie würden sich in Zukunft ent- weder mit den allgemeinen Handelsabmachungen, wie Groß­britannien sie mit anderen Nationen abgeschlossen habe, be­gnügen oder sonst eben auf jeden Handelsverkehr mit Groß­britannien verzichten müssen. Was die diplomatische Unver- letzlichkeit des Vorsitzenden der Handelsabordnung, Chinchuk, angeht, so zeigt eine schriftliche Antwort, die Chamberlain auf eine parlamentarische Anfrage erteilt hat, daß die Regierung beftreitet, sie gewährt zu haben. Sie habe sie allerdings dem Vorgänger Chinchuks gewährt gehabt, aber nicht in feiner Eigenschaft als Haupt der Handelsabordnung, sondern als Handelsbeirat der russischen Botschaft. Der Name Chinchuk aber sei niemals auf die Liste der bei der britischen Regierung beglaubigten Diplomaten gesetzt worden. Die Haltung der Arheüerp^rlei ^ den-bevPrstehejiden Erklärun^n ist noch nicht klar 'md dürfte ganz von dem Inhalt dieser Erklärungen ab­hängig gemacht werden. Auch wird die Partei die Rückkehr ihre.- Führers Mac Donald abwarten wollen, ehe sie sich auf eine allzu entschiedene Parteinahme für die Russen festlegt.

Die englischen Amtskreise erklären ferner mit Bestimmt­heit, daß das Ergebnis der Haussuchung bei den Russen durch­aus eindeutig sei und jeden Schritt der britischen Regierung rechtfertigen würde. Well aber über die Art dieser Schritte bis zur letzten Sitzung des Unterhauses noch keine völlige Uebereinstimmung int Kabinett erzielt werden konnte, seien die Erklärungen der Regierung bis zum Dienstag verschoben wor­den. Obwohl man sich gemäß dieser Lage noch nicht bestimmt über die bevorstehenden Schritte der Regierung äußern wollte, gab man doch zu, daß die größere Wahrscheinlichkeit für den Bruch spreche. Tatsächlich ist das einzige, worüber man sich in unterrichteten Kreisen noch nicht im klaren ist, dies, ob die Regierung sich mit der Kündigung des Handelsabkommens be­gnügen oder gleichzeitig der hiesigen russischen Vertretung ihre Pässe zustellen werde. Vielleicht vollzieht man zunächst das erstere und wartet den Gegenzug der russischen Regierung ab, ehe man auch den letzten Trumpf ausspicit. Jedenfalls kann schon so viel gesagt werden, daß die Regierung bereits alle mit dem etwaigen Bruch notwendig werdenden diplomatischen und sonstigen Vorbereitungen trifft.

Anscheinend werden ihre Erklärungen am Dienstag den Charakter einer Generalabrechnung mit den Russen tragen; gleichzeitig wird in einem Weißbuch das bei der Haussuchung gefundene belastende Material veröffentlicht werden. Man wünscht in Amtskreisen jedoch nicht die Vorstellung einer systematischen Vereinzelung Rußlands durch Großbritannien aufkommen zu sehen.

@in Wan» auf den Philippinen

Der geisteskranke Kaiser."

Nach einer Meldung aus Manila hat die Tätigkeit eines Zlgitators namens Jntrencherade, der sich zum Kaiser der Philippineninseln erklärte und den Negern Grundeigentum und Herabsetzung der Steuern versprach, zu einer Erhebung in den verschiedenen Negerdörfern geführt. Die Anhänger Jutrencherades hätten sich dort der Bürgermeistereien bemäch­tigt, die Polizei habe aber schließlich die Aufständischen zur Flucht gezwungen. Auf beiden Seiten seien T 0 t e u n d V er­wundete zu verzeichnen. Mehr als 400 Personen feiert festgenommen worden. Ueber die Entstehung der Aufstands- bewegung wird berichtet: Jntrencherade gewann eine Anzahl Anhänger dadurch, daß er den Ausbruch des Vulkans Kang- laon voraussagte. Durch das Gericht erster Instanz wurde er für geisteskrank erklärt. Der Gerichtshof zweiter Instanz bestätigte auch dieses Urteil, aber die Festnahme Jntrenchcra- des verzögerte sich, weil er gegen diesen Spruch Revipon ein- legte. Jntrencherade hat sich nun den Behörden Übergaben.

Die amtliche Großhandelsindexzisser vom 18. Mai 1927.

Die auf den Stichtag des 18. Mai berechnete Großhandels­indexziffer des Statistischen Reichsamtes hat gegenüber der Bor- Woche um 0.4 v. H. auf 137.4 (136.8) angezogen. Bon den Haupt- gruppen stiegen die Agrarstoffe um 0.8 b. H. auf 140.0 (138.9), die Kolonialwaren um 0.1 v. H. aus 127.5 (127.4), die indu­striellen Rohstoffe und Halbwaren um 0.2 v. H. auf 131.2 (131.0), die indulttiellen Fertigwaren um 0.4 v. H. aus 144.6 (144.01