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Nr. 69

Donnerstag, den 9. Juni 1927

79. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Landratsamt.

: Sprechstunden beim Landratsamt: Dienstag.: rund Freitags, vormittags von 9 bis 12 Uhrs;

J.°Nr. 4649. Die Herren Bürgermeister mache ich nochmals darauf aufmerksam, daß die Abfohlungsergebniffe in die ihnen zugegangenen Deckregister genau einzutragen und letztere bis s p ä t e st e n s 20. d. M t s. an den Stationswärter zurückzugeben sind, sowie daß die Füllen­gelder jedesmal ungesäumt an den Stationswärter gezahlt werden müssen.

Schlächtern, den 7. Juni 1927.

Der Landrat. J. V.: Schultheis.

Stadt Schlächtern.

Bekanntmachung

Die Zettel über das zur Verteilung kommende Losholz werden am

Donnerstag, den 9, Juni 1927

in der Turnhalle in der Grabenstraße ausgegeben und zwar: von vormittags 89 Uhr Buchstabe AC

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Schlüchtern, den

8. Juni 1927.

Der

Magistrat..

Tschitscherius Besuch in Baden-Baden.

Wie dieVoss. Itg." berichtet, hat die Unterredung zwischen Dr. Stressemann und Tschitscherin bei beiden Teilen außerordentliche Befriedigung hinterlassen. Entgegen viel fach herumschwirrenden Mitteilungen, daß es sich bei dem Besuch Ttschitscherins um einen besonderen aktuellen Anlaß gehandelt habe, teilt das Blatt mit, daß alle diese Nach­richten irrig sind. Irgend ein russischer Antrag, wie vielfach behauptet wurde, sei nicht gestellt worden.

Ueber den Inhalt der Besprechungen im einzelnen be­wahren beide Teile Stillschweigen. Daö Blatt glaubt, daß im Mittelpunkt der Besprechungen namentlich die finanzielle Auswirkung , des Abbruches der englisch-russischen Beziehungen gestanden habe.

Tschitscherin gab ferner der Ansicht Ausdruck, daß die bedauerliche Ermordung des russischen Gesandten in Warschau jedenfalls zu einer Trübung der Verhältnisse beider Länder nicht beitragen werde. Außenminister Dr. Stresemann wird, wie dieVoss. Ztg." weiter meldet, am 8. d. MtS. wieder in Berlin eintreffen und mit bem Reichskabinett das Er­gebnis der Zusammenkunft mit dem russischen Außen- kommissar Tschitscherin besprechen. Am Donnerstag wird eine Kabinettsitzung stattfinden, in der die Richtlinien für die Genfer Tagung des Völkerbundsrates festgesetzt wer­den sollen.

Durchstechereien auf dem Leuuawerk.

Auf dem Leunawerk der I. G. Farbenindustrie ist man einer Meldung desB. T." zufolge großen Durchstechereien mit Lieferfirmen auf die Spur gekommen. Durch nicht ausge- führte Arbeiten, die in Rechnung gestellt wurden, wurde das Werk um Beträge geschädigt, die eine Million Mark über­steigen. Der Inhaber einer Malerfirma Schönfeld aus Leipzig wurde verhaftet.

Byrd bereitet einen «ene« Ozeanflug vor.

New-Pork, 7. Juni. (WB.) Kommandeur Byrd bereitet einen dritten transatlandischen Flug vor. Er prüft täglich seinen mit drei Motoren ausgerüsteten Fokker-Ein- decker. Starten will er jedoch erst, wenn Lindbergh zurück­gekehrt ist und zwar wird er sich von einem Piloten und einem Monteur begleiten lassen.

Reue Ueberfchwemmungen in Amerika.

New-Orleans, 6. Juni. (WB.) In einigen Be­zirken der Staaten Missouri und Illinois hat eine Massen- flucht der Bevölkerung vor neuen Hochwasserfluten begonnen, b>e sich in die Niederungen ergießen. Die neue Saat ist vernichtet worden.

" Dr. Wirth auf der Heidelberger Reichsbannertagung. Gelegentlich der an den Pfingsttagen in Heidelberg stattgefun- venen Reichsbannertagung des Gaues Baden führte Reichs- ^nzler a. D. Dr. Wirth in einer öffentlichen Kundgebung u. a. aus, wenn man ihn selbst gleichsam als verlorenen Sohn ^zeichnet habe, so wolle er sich selbst vielmehr einen konsequen- deutschen Republikaner nennen. Konsequenz und Wahr- bastigkeit sei das, was er fordere und wofür er unter Hintan» Nellung aller anderer Interessen selbst eintrete.

Der Faszismus gegen Moskau.

Die Diktatur gegen das Proletariat.

Noch einer Meldung aus Rom veröffentlicht das Foglio d'Orgin, das amtliche Organ der Faszistischen Partei, eine Erwiderung der Leitung der faszistischen Nationalpartei auf das Manifest der Dritten Internationale, in dem es heißt:

Der Vollzugsausschuß der Dritten Internationale hat ein Manifest erlassen, in dem er Italien vorwirft, einen neuen Krieg vorzubereiten, und in dem er die Proletarier der ganzen Welt zum Kampf gegen den Faszismus auffordert. Das ist grotesk und töricht. Der einzige Staat, der seit Jahren in Europa das sogenannte Gleichgewicht stört, ist gerade das Ruß­land der Dritten Internationale, das überall seine heraus­fordernde Tätigkeit entfaltet und die feste Absicht bekundet, die sozialkommunistische Tyrannei mit den Waffen aufzuzwingen.

Dos faszistische Italien, das sich bemüht, zu einer freien Entfaltung seiner Wirtschaftskräfte zu gelangen, sagt dem berufsmäßigen Charlotan der Kuomintern, daß es nicht Wei­sungen zu empfangen hat von demjenigen, der hinter dem Phantom einer tollen Ideologie ein ganzes geduldiges und großmütiges Volk gequält habe und noch quäle, von demjenigen, der auf Haufen von Leichen eine Diktatur aufbaue, die nicht mehr die Diktatur des Proletariats, sondern eine Diktatur gegen das Proletariat sei, das zum größten Elend verurteilt wurde.

Foglio d'Orgin bezeichnet weiter die Propaganda der Dritten Internationale als unsozial, unmenschlich und unwirtschaftlich.

Der serbisch-albanische Konflikt.

Serbien bricht die Beziehungen ab..

Die Differenzen zwischen Serbien und Albanien haben, wie nachstehende Meldung besagt, eine bedenkliche Verschärfung erfahren:

Der jugoflawische Geschäftsträger in Tirana hat mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft ^r»d unter Mitnahme des Gesandtschaftsarchivs Tirana verlassen, da die albanische Regierung den vor einigen Tagen festgenommenen Dolmetscher der jugoslawischen Gesandtschaft nicht freigelassen hat.

Die italienische Presse kritisiert scharf diese Haltung Süd- slawiens. Südslawiens expansive und imperialistische Bolkan- politik mache sich immer mehr bemerkbar. Südslawien habe auf den Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Albanien hingearbeitet.Saboro d'Jtalia" meint, wenn die Angelegen­heit durch Freilassung des verhafteten Dragoman und durch Abschwächung der südslawischen Note nicht geregelt würde, wäre es möglich, daß Südslawien einen Bandenkrieg in Albanien unterstütze oder sogar selbst intervenieren könnte. Die Blätter machen darauf aufmerksam, daß bei einer Intervention Süd- flawiens Albanien nicht allein stehen würde.

Warnungsrufe aus Paris.

Die Pariser Presse bespricht den albanisch-südslawischen Konflikt, ist jedoch in keiner Weise davon überzeugt, daß die Dinge nicht einen Verlauf nehmen werden, der die Aufmerk­samkeit der gesamten europäischen Diplomatie in Anspruch nimmt.

DerPetit P a r i s i e n" schreibt, zweifellos müsse man hoffen, daß der kleine Balkanstaat nicht bald große diploma­tische Bemühungen notwendig machen würde, um dafür zu sorgen, daß diese Gefahr als endgültig ausgeschaltet angesehen werden könne.

DasEcho d e Paris" äußert sich skeptisch und stellt folgende Fragen: Um die Krise zu verhüten, wäre es am besten, so rasch als möglich die dunklen Zwischenfälle aufzu-. klären, die der Ursprung des Streites sind. Welcher Nationali­tät war der auf Anordnung des albanischen Diktators ins Ge­fängnis geworftne Giurastowitsch? Welche Stellung bekleidete er? Gehört er regelrecht zur südslawischen Gesandtschaft? War er regelrecht bei den Behörden von Tirana akkreditiert? War die Beschuldigung der Spionage gegen ihn berechtigt? Eine Untersuchung sei angebracht. Wenn diese durchgeführt sei, lasse sich zweifellos erkennen, von welcher Seite die Provokation ausging.

DerH 0 m m e L i b r e" schreibt: Abbruch der diploma­tischen Beziehungen! Folglich Bedrohung des Friedens! Folglich obligatorisches Eingreifen des Völkerbundes!

DieE r e N 0 u v e I l e" sagt, die Haltung des Duce for­dere seitens der Mächte, die die Hüter des Friedens auf dem Kontinent sind, etwas anderes als Nachsicht. Wenn der Duce eine solche Politik entwickele, müsse dieser Politik eine andere entgegengesetzt tverden, nämlich die Politik des Friedens.

Zum Potsdamer Flaggenstreit.

Berlin, 7. Juni. In der Verwaltungsstreitsache, die zwischen dem preußischen Staatsministerium und dem Magi­strat der Stadt Potsdam wegen der Weigerung des Potsdamer Oberbürgermeisters Dr. Rauscher, die städtischen Gebäude am Berfassungstag zu beflaggen, entstanden war, ist vom Preu­ßischen Oberverwaltungsgericht eine Entscheidung zugunsten der Stadt Potsdam ergangen mit der Begründung, daß die Stadt nicht gehalten werden könne, an anderen als den gesetz­lich festgelegten Feiertagen zu flaggen. Der 11. August sei aber kein staatlicher Feiertag im Sinne des Gesetzes.

Die Wohnungsbaustage.

Für die Neubautätigkeit und für die Weiterentwicklung der Baukonjunktur ist die Frage der Materialpreise von außer­ordentlicher Bedeutung, da diese an den tz^samtbaukosten mit 5560 Prozent beteiligt sind. Wenn man die Preise im Reichsdurchschnitt des Jahres 1913 = 100 setzt, so ergeben sich von Mitte 1926 bis Ende April 1927 Steigerungen des Bau­index von rund 157 auf nicht weniger als rund 173, in der­selben Zeit stieg der Index für Baumaterialien von 142 auf 155. Msonders gestiegen find im Preise die Bauhölzer, deren Index in relativ kurzer Zeit von 131 auf nicht weniger als 159 sich erhöhte, für Fichtenhölzer ergibt sich eine Preissteige­rung vom Sommer 1926 bis zum April 1927 von 34,9 Prozeirt, für Kiefer von 35,8 Prozent, für Schalbretter von 26 Prozent usw. Diese Steigerungen sind um so beachtlicher, als in vielen Bauten die Holzkosten 20 bis 25 Prozent des Gesamtbauwertes ausmachen. Auch die Preise für Mauersteine haben sich an manchen Orten ganz erheblich gesteigert, zumal wegen der rela- Ob langen Dauer der vorjährigen Bausaison beim Beginn der diesjährigen Neubautätigkeit die Mauersteine sehr knapp waren. Im Vergleich zu den Preissteigerungen kommen Preisherab­setzungen (z. B. für Kalk) nicht zum Ausdruck.

Es ist ohne weiteres klar, von welchen unangenehmen Folgen die hier kurz dargelegten Erhöhungen für den Bau- morkt sein müssen, zumal auch durch die Lohnerhöhungen ein weiteres Moment der Verteuerung erzeugt worden ist. Nun kommt hinzu, daß in den letzten Monaten die Finanzierung der Neubautätigkeit auf immer größere Schwierigkeiten stößt. Für die diesjährige Bausaison sollte durch den privaten Kapital­markt ein Betrag von rund 1200 Mill. Rm. aufgebracht wer­den; wie sich jetzt herausstellt, ist mit Beträgen in dieser Höhe aber nicht zu rechnen. Dieser Umstand ist um so schwerwiegen­der, als infolge der Preis- und Lohnsteigerungen der Geld­bedarf größer als ursprünglich geworden ist. Das Aufkommen aus der Hauszinssteuer hat einen Ausgleich nicht schaffen können, zumal ungefähr die Hälfte des Hauszinssteueraufkom­mens für Zwecke des allgemeinen Finanzbedarfs (Verwaltung, Polizei usw.) verwandt wird und viele Kommunen bei der Vergebung von Houszinssteuerhypotheken die sogenannten £Wip nützigen Gesellschaften bevorzugen.

Gegenüber diesen Zuständen Abhilfe zu schaffen, ist nicht ganz leicht. Am schwierigsten wird nach wie vor die Finanz­frage sein. Leider ist anzunehmen, daß infolge der letzten Vor­gänge auf dem Geld- und Kapitalmarkt weitere Schwierig­keiten eintreten ioerben. Die Baumaterialpreise herab,zudrücken, wird nicht leicht sein, solange der Fiskus selbst (auf dem Holz­markt) mit schlechtem Beispiel vorangeht. Was die Art der Bauausführungen angeht, so trägt hier zur Entstehung der Schwierigkeiten besonders bei die Tatsache, daß die an den Baumarkt gestellten Ansprüche sich auf eine kurze Zeit zu­sammendrängen.

Besonders beunruhigen die von der öffentlichen Hand auf­gestellten Bauvorhaben den Markt, Well zuerst sehr große Pro- ,ekte bekanntgegeben werden, die natürlich auch wenn sie, was der Regelfall ist, nachher nicht in vollem Umfange durch­geführt werden die Baustoffpreise sofort in die Hohe gehen fassen. Auch von anderen Bauinteressenten werden Fehler begangen insofern, als die meisten Objekte auf einmal im Frühjahr vergeben werden, ein Umstand, der natürlich preis- steigernde Wirkung auslöft. Wenn man zu gesunden Zuständen auf dem Baumarkt kommen will, soll man namentlich von der öffentlichen Hand aus nicht mehr Projekte zur Diskussion stellen, als nachher tatsächlich ausgeführt werden.

Sozialversicherung und Arbeitslosigkeit.

Von der Tagung des Genfer Arbeitsamtes.

In der letzten Vollsitzung der Arbeitskonferenz sprachen der deutsche Arbeitervertreter Hermann Müller und der deutsche Arbeitgebervertreter Kommerzienrat Vogel im Rah­men der Generaldebatte über Sozialversicherung und über das Problem der Arbeitslosigkeit. Von den übrigen Ländern be­diente sich auch der Sekretär der estländischen Eisenbahn­gewerkschaft Rukki der deutschen Sprache.

Hermann Müller begrüßte, daß nunmehr zum erstenmal der Jahresbericht auch in deutscher Sprache erschienen sei. Als grundlegende Neuerung auf dem Gebiete der Unfall erhütung führte er eine Verordnun" der Reichsrcaicrunq an, wonach es der Sprengstoffabrikation verboten ist, den Achtstundentag zu überschreiten und die Arbeit in Akkord zu vergeben, was eine Bestätigung dafür sei, daß die Arbeitszeit und der Arbeitslohn auf die Unfallziffern einwirken. Er erhob die Forderung, daß das Arbeitsamt Wege zur Vereinheitlichung der Versicherung und zur Selbstverwaltung dieser Versicherung suche.

Kommerzienrat Vogel behandelte das Problem der Arbeitslosigkeit und führte aus, daß die Frage der Umschulung von Arbeiteru in einen anderen Beruf, vor allem aber der Arbeitswechsel von der Stadt auf das Land eine bedeutende Rolle spielt. Hier könne fruchtbringende Arbeit vor allem durch entsprechende Einwirkung der Unternehmerverbände auf die Arbeiter geleistet werden. Das Ziel aller Arbeitslosenhilfe müsse vor allem die Schaffung produktiver Arbeitsgelegenheit sein.

B Raubüberfall auf eine Eisenbahnkasse. In einer der letzten Nächte drangen Einbrecher in den Kassenraum des Bahnhofsgebäudes Skalmierzyce und raubten aus dem gewalt­sam geöffneten Geldschrank 100 000 Zloty, die für die Gehalts­zahlungen bestimmt waren. Noch in derselben Nacht wurde einer der Einbrecher festgenommen, bei dem man etwa 12 000 Zloty vorfand.