Schlüchterner Zeitung
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Nr. 3 (1. Blatt) Samstag, den 7. Januar 1928
80. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I.-Nr. 7. 3m Monat Dezember 1927 sind folgenden Personen Iahresjagdscheine ausgestellt worden:
a) Iahresjagdscheine: Lippert, Hans, Jagdaufseher, Zeitlofs, Kurz, Johann, Müller, Schlüchtern, Lauer, Wilhelm, Schuhmacher, Ulmbach, Rollmann, Wilhelm, Dentist, Zchlüchtern, Lehmann, Kurt, Betriebsleiter, Zchlüchtern, Bolender, Georg, Kaufmann, Zchlüchtern, Dehler, Karl, Landwirt, Zchlüchtern, Rntonie, Ludwig, Jagdaufseher, Zalmünster, Zchultheis, Gustav, Prokurist, Zannerz, Momsen, Katasterdirektor, Zchlüchtern, Zchewe, Regierungsrat, Zchlüchtern, Rugustin, Oberförster, Ramholz, Erzellenz v. Kühlmann, Wirkl. Geheimrat, Ramholz, Michel, Wilhelm, Förster, Uamholz, Wedel, Rrthur, Hilfsförster, Uamholz, Hartmann, Michael, Förster, Hinkelhof, Koschmider, Johannes, Revierjäger, Hütten, Wissenbach, Jean, Gastwirt, Hütten, Müller, Johannes, Landwirt, Hütten.
b) Tagesjagdscheine:
Müller, Gutsinspektor, Uamholz, Dr. Kurt Hengsberger, Rechtsanwalt, Berlin, • Meister, Lehrer, Heubach, Müller, Kaspar, Maurermeister, vollmerz. Zchlüchtern, den 2. Januar 1928.
Der Landrat. 3. D.: Zchultheis.
Stadt Schlüchtern.
Bekanntmachung
In ^ber ZIlAM ? >
folgt das Reinigen und Rusbrennen der Zchornsteine in bei Elmer- und Rblersbacherlandstraße, Hospitalstraße, Elm- weg, Graben-, Kaiser-, Kronprinzen-, Garten-, Dreibrüderund Kurfürstenstraße, Schmieds-, Neu- und Linsengasse, Breitenbacher-, Lotichius-, Bahnhofs- und Klosterstraße, Dreispitzenhohle und Helfendorf, Brückenauerstraße, Brau- gasse, Fuldaer-, Rmtsbera-, Weinberg- und Rltestraße.
Zchlüchtern, den 4. Januar 1928.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
Gefunden: 1 Knaben-Mantel. Zchlüchtern, den 3. Januar 1928.
Die Polizeiverwaltung: Gaenßlen.
OeffenMche Auffsrvernng zur Entrichtung von Preußischen Staatssteuern (Grunde Vermögens- und HauSzinssteuern), städtischen Steuern und sonstigen Abgaben.
Im Monat Januar 1928 sind für Januar 1928 und Vormonate an die, Staatssteuerhebestelle und Stadtkasse Schlüchtern zu zahlen:
Staatliche Grundvermögenssteuer,
Staatliche Hauszinssteuer,
Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge, Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuerreste für 1926 Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsteuer-Vorauszahlungen für 1927
Holzgelder, Schulgelder, Wassergelder, Polizeistrafen, Städtische und Kreisbundesteuer, Pachtgelder, Kanal- und Anerkennungsgebühren, sowie alle angeforderten Abgaben.
Die preußischen Staatssteuern (Grundvermögens- und Hauszinssteuern) sind am 15. eines jeden Monats, die anderen Steuern und Abgaben an den für diese festgesetzten Terminen fällig. Für verspätete Zahlungen sind Verzugszinsen zu entrichten.
In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Aufstellungen über die zu leistenden Zablungen verlangt werden. Es wird daher wiederholt darauf hingewiesen, daß die Steuer- und Abgabenzettel zur Vermeidung einer zeitraubenden Abfertigung unbedingt bei der Zahlung vorzulegen sind.
Mahnungen erfolgen nur durch öffentliche Bekanntmachung. Die Einlegung von Rechtsmitteln halt die rechtzeitige Zahlung der Steuern und Abgaben nicht auf.
Schlüchtern, den 4. Januar 1928.
Der Magistrat: Fenner.
— Der Reichspräsident hat dem Oberbürgermeister von Berlin seine herzliche Teilnahme an dem schweren Explo- sionsunglück in der Landsberger Rllee 116 ausgesprochen und ihn gebeten, diese ailch den Hinterbliebenen der Todesopfer zu übermitteln. Inzwischen ist die Zahl der Todesopfer auf 17 gestiegen. Dabei ist es immer noch wahrscheinlich, daß sich noch Leichen unter den Trümmern befinden.
Reichstagswahl im Aovember?
Und Preutzenwahl im Dezember.
Zu der lebhaften Diskussion in der Oeffentlichkeit über die Frage, ob die Wahlen zum Reichstag und zum Preußischen Landtag früher als bestimmungsgemäß durchgeführt werden, wird dem Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungs- Verleger aus parlamentarischen Kreisen erklärt, daß allein die Sozialdemokraten und Kommunisten für vorzeitige Auflösung einträten, während sämtliche bürgerlichen Parteien im Reich sowohl wie in Preußen gewillt sind, die Parlamente eines natürlichen Todes sterben zu lassen.
Das würde bedeuten, daß Ende Oktober oder Anfang November zum Reichstag und im Dezember zum Preußischen Landtag gewählt werden muß.
Briands Antwort.
London, 6. Januar. Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, hat der französische Minister des Aeußeren, Briand, bereits auf die gestern veröffentlichte Note Kelloggs geantwortet und dem Vernehmen nach erklärt, er begrüße es, daß sein Vorschlag auf Aechtung des Krieges die Billigung der Vereinigten Staaten gefunden habe. Wenn der jetzt von Washington vorgeschlagene Vertrag vielseitigen Charakter haben sollte, so bedürfe er sorgfältiger Prüfung, damit die Rechte und Pflichten der dem Völkerbund angehörenden Nationen nicht beeinträchtigt würden. Briand soll auch eingehendere Informationen über die Form erbeten haben, in der der Schiedsvertrag erneuert werden soll und über die Lage, die sich im Falle der Nichtratifizierung dieses Vertrages durch den Senat der Vereinigten Staaten ergeben würde.
Der angebliche amerikanische Schuldenregelungspla«.
New Aork, 6. Januar. Der vom „Journal of Commerce" erwähnte Schuldenregelungsplan des Staatsdepartements,- über dessen Authenticität ^gens noch nichts feststeht, enthält dem genannten Blatt süffige als Hauptpunkt die Festsetzung einer endgültigen Gesamtsumme der Reparationszahlungen, die beträchtlich niedriger als die Summe der im Dawes-Plan vorgesehenen Zahlungen sein würde, den Verkauf großer Beträge von Obligationen zu sofortigen Leistungen an Frankreichs Berücksichtigung der britischen Ansprüche an Deutschland und Ausgabe neuer deutscher Obligationen zu Händen der Vereinigten Staaten zum Zwecke der Zahlung der interalliierten Schulden an Amerika. Der Plan sieht außerdem die Abschaffung des Transfer-Komitees vor.
Sozialpolitische Vorlagen. Dem Sonalpolttischen Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrates liegen zurzeit zur Begutachtung vor: 1. der Entwurf eines ArveitSschutz- gesetzes, 2. die vom Reichsarbeitsminister zur Erörterung gestellte Frage betreffend die Festsetzung von Lehrlingshöchst- zahlen im Handelsgewerbe, 3. der Entwurf eines Verzeich- nifses der dem Paragraphen 7 der Arbeitszeitverordnung zu unterstellenden Gewerbezweige, 4. Anträge auf Einbeziehung toeiterer gewerblicher Krankheiten als Berufskrankheiten in die Verordnung über Ausdehnung der Unfallversicherung auf gewerbliche Berufskrankheiten und 5. der Entwurf eines Bc- cufsausbildttngsgesctzes.
R «chsschnLgesetz und ReichstagsauflSsung.
H- Die „Tägliche Rundschau" und D. R. 3. beschäftigen sich heute eingehend mit der Frage der Lösung des Reichsschulgesetzes, die im Rahmen der Koalition gesucht werden soll. Das erstere Blatt erklärt zum Schluß seiner Rusführungen: Wenn die „Germania" als selbstverständlich betont, daß das Zentrum nicht auf die Ecksteine seines schulpolitischen Programms verzichten werde, so wird die Deutsche Volkspartei wohl ebenso wenig bereit sein, grundsätzliche Anschauungen preiszugeben-- Die D. R. 3. betont, daß für die neuen Verhandlungen innerhalb der Koalition, die sich vor allem um die Fraze der Einsichtnahme in den Regigionsunterricht und um die Behandlung der Simultanschule drehen werden, alle Beteiligten den besten Willen zur Mitarbeit mitbringen. Möglichkeiten eines Kompromisses seien durchaus vorhanden, und gerade die kühle Rb- wägung aller Möglichkeiten habe zur Klärung der Lage beigetragen und den Willen zu gemeinsamer Arbeit verstärkt. Sollte das Schulgesetz wieder Erwarten scheitern, so wird nach dem letzgenannten Blatt in parlamentarischen Kreisen allgemein die Auflösung des Reichstages, aber keine irgend welche Umbildung der Regierung erwartet. Ruch in diesem nicht sehr wahrscheinlichen Falle soll unbedingt mindestens der Etat noch erledigt werden.
Stresemanns Erkrankung.
M1 Zu den in der presse wiedergegebenen Meldungen über die Erkrankung des Reichsaußenministers Dr. Strese- mann wird der „Germania" erklärt, daß es sich um einen Bronchialkatarrh mit starker Verschleimung der oberen Luftwege handelt, hierdurch ist der Rußenminister gezwungen, für die nächste Seit das Bett zu hüten.
— Die Deutsche Lufthansa hat heute den regelmäßigen Luftverkehr Barcelona—Berlin eröffnet.
Rückblick
Kr. Kr. Also ran an die Arbeit! Die Weihnachts- stimmung der schönen Menschenliebe ist verflogen. Die guten Vorsätze der Neujahrsnacht — wenn solche genommen wurden — sind wieder ins Unterbewußtsein hinab- gesunken. Die freundlichen Worte, die am Neujahrstag zwischen den Vertretern der Rationen gewechselt wurden, liegen in den Schreibtischen. Klar wie die Tage dieses Januar stehen die Gedanken der Willensmenschen wieder auf der Wacht, den Augenblick zu erhäschen, sich durchzu- setzen, den anderen zum Scheitern zu bringen. Die Pol i- tik kennt keine Sentimentalität! Sie arbeitet gewiß gerada in unserer Zeit sehr feste mit den sicheren Mitteln seelHcher Erschütterungen der armen Menschen, die von nichts wissen und doch für alles zahlen und bluten sollen. Es gibt nichts Verlogeneres als die politische Mei- nungsmache. Nichts Verlogeneres als die Sentimentalität eines Politikers. Der Wille des Politikers ist so fern von sentimentalen Regungen, wie der Sturm, der die See auf- peitscht. Und er muß es sein, der politische Wille ist die Clementarkraft, von der die Menschensee bewegt wird. Ein Mensch ohne Wille ist ein totes, stures Nichts. Ein Volk ohne Wille muß zu Grunde gehen. Der Wille des Volkes gibt sich in seinen Politikern kund.
Also: die Politiker müssen ihren Willen auswirken. Au ihren Taten wird erkannt, ob die Völker lebendig sind. Das neue Jahr wird mehr als das vergangene ein Jahr der Willenskundgebung der wichtigsten Völker werden. Es wird em Wahljahr in Deutschland, in Frankreich, in England und in Amerika. Nach Ausfall der Wahlen wird das Leben der Völker für die nächsten Jahre dirigiert sein. Alle Politiker beäugen sich darum wachsam. Der eine rechnet mit den Möglichkeiten beim anderen. Der eine möchte sich entscheiden, je nachdem die Sache bei den Nachbarn ausfällt.
Am ruhigsten darin denkt zurzeit Amerika. Es ist sich seiner Macht so vollkommen bewußt, ist seiner selbst so TX-.v'^^ so genau, ihm ann keiner was, daß es nicht rechcs noch links auf seine Nachbarn zu schielen braucht, sondern sich einzig und allein nach dem eigenen Interesse entscheidet. Sein politisches Interesse liegt auf dem ame- rikanischen Kontinent. Sein finanzielles allerdings sehr reichhaltig in dem Europa, das immer mehr zu seiner Kolonie wird. Wie stolz weht Amerikas Wille über die Air- biederung des starken Frankreich hinweg! Was soll Amerika einen Vertrag schließen, wonach der Krieg zwischen ihm und Frankreich ganz ausgeschlossen sein soll? Eine solche Bindung an nur einen Staat würde Amerika für immer an Frankreichs Seite fesseln. Das war dir Absicht des klugen Briand als er den Vorschlag machte. Da Amerika jetzt diese Einzelbindung ablehnt, aber zu erkennen gibt, daß es gern einen solchen Vertrag gemeinsam mit den anderen großen Mächten abschließen würde, ist das französische Volk nicht wenig enttäuscht. Also liegt Frankreich nichts am großen Gottesfrieden? Hat es doch anderen gegenüber noch Absichten und möchte nur Amerika aus dem Spiel sehen — Keine schönen Aussichten!
Aber es wird sich in Europa des Jahres 1928 wohl weniger um kriegerische Auseinandersetzungen handeln, sondern um sehr nach Geld klingende. Parker Gilbert kommt aus Amerika zurück. Sein Jahresbericht hat manchen auf- geschreckt. Hier war klar von einem Neutralen, mehr: von einem Interessenten der Gläubigerseite ausgesprochen: So geht es mit der Regelung der deutschen Zahlungen nicht weiter. Es muß vorausgesehen werden, daß in absehbarer Zeit die Dawes-Regelung nicht nur für die Schuldner, sondern mehr noch für die Gläubiger verhängnisvoll wer- den wird. Also: videant consules! Dieses Jahr wirb der Auftakt zu einer neuen Schuldenregelung, die nicht Deutschland, sondern Gesamteuropa, Frankreich und England, mit dein Hauptgläubiger Amerika vornehmen muß.
Inzwischen hat Amerika schon seine lieben kriegerischen Sorgen. Der Hort des Friedens drischt erbarmungslos auf die freiheitslüsternen Nikaraguaner. Die Amerikaner schmeißen sicher nicht mit Knallerbsen auf die sogenannten Aufständischen. O braves Wort, mit dem Amerika vor der Welt seinen Kampf gegen die Selbstbestimmung Nikaraguas ausficht! Kein Webaeschrei trifft das Ohr unserer treuen Pazifisten. Nach ihrer Parole brauchten sich die Nikaraguaner garnicht zu verteidigen. Sie sollten stolz sein, in die Arme des großen Reiches ausgenommen zu werden. Amerika wird ewig den Frieden wollen, aber wer sich seinem Willen entgegenstellt, den zerschmettert es. Gott will es! — so heißt von je das Wort, wenn einer dem anderen den Garaus machen muß.
Unter dem gleichen Feldgeschrei suchen die europäischen Nationen jede einzelne für sich eine Hegemonie entweder über Gesamteuropa oder über einen Teil wenigstens zu errichten. Darum muß das eigene Lob in die Welt erschallen und dem Nachbarn als einen Minderwertigen das Pereat erklingen. Wie wir dies soeben bei Tschechoflowa- ken und Ungarn erleben. Die Völker Europas sollten alt genug sein, um sich endlich von solch jugendlichem Gehaben freizumachen. Aber es gilt allemal, mit Schimvf und Verleumdung den Weg des „Gott will es!" freizu/.rchen. Wir hätten insgesamt allen Grund, die Pläne und Träume nach