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Schlüchterner Zeitung

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Nr. 8

Donnerstag, den 19. Januar 1928

80. Jahrg.

Amtliche Bekanntmachungen.

Kreisausschuß.

Umpfropsarbeiten.

J.»Kr. 167 K. ä. 3m Anschluß an die Bekanntma­chung der Landwirtschaftskammer in Nr. 7 der Bchlüchter- ner Zeitung vom 17. d. Mts. (Tgb.-Nr. 12744/27) werden diejenigen Besitzer von Obstanlagen, deren Ernten aus­schließlich dem Handel zugeführt werden und die von dem Angebot der Landwirtschaftskammer Gebrauch machen wol­len, aufgefordert, sich umgehend mit Herrn Kreisgärtner Holstein in Schlüchtern in Verbindung zu setzen.

Junge Leute, ehemalige Teilnehmer an Baumpflege- kursen und Veredlungskursen können sich zur Aufnahme in die Pfropfkolonne melden. Bedingung: erfolgreiche Tätig­keit in der Baumpflege und Sicherheit im Veredeln.

Bchlüchtern, den 17. Januar 1928.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.

Stadt Schlüchtern.

Oeffentliche Mahnung.

An alle Zahlungspflichtigen, die ihre im Monat Januar 1928 bezw. für Vormonate zu entrichtenden Staalofteuern, (Grundvermögens- und Hauszinsfteuern) städt. Steuern und sonstigen Abgaben laut Aufforderung vom 4. Januar 1928 im Kreisblatt an die Staaissteucrhebcstelle und Stadtkaffe Schlüchtern nicht bezahlt haben, ergeht hierdurch öffentliche Mahnung.

Bei Meidung kostenpflichtiger Einziehung sind sofort zu zahlen:

Staatliche Grundvermögenssteuer, Staatliche Hauszinssteuer,

Städtische Grundvermögenssteuer-Zuschläge, Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalsieucrrefte für 1926 Gewerbeertrag- und Gewerbekapitalftcuer-Vorauszahlun- gen für 1927

""wd^iggefocr, Schulgelder- Woffe^etSer, Psl^ff.'.afe . , Städtische und Kreishundesteuer, Pachtgelder, Kanal- und AnerkennungSgebühren, sowie alle angefordeiten Abgaben.

Schlüchtern, den 16. Januar 1928.

Der Magistrat: Gaenßlen.

MBHiKra^wwennB Losiolz-toteiNslista

hält vorrätig: die

Buchdruckerei H. Steinfeld Söhne

Schlüchtern Bahnhofstrasse.

Vor einer Weltkonjunktur?

Dervoss. Ztg." wird aus Köln berichtet: Geheimrat Louis Hagen äußerte sich anläßlich seiner Wiederwahl zum Präsidenten der Kölner Industrie- und Handelskammer über die Entwicklung der Konjunktur dahin: es seien manche Anzeichen dafür vorhanden, daß aus der Absatzkonjunktur, die man nun schon seit längerer Zeit in Deutschland beob­achte, eine Weltkonjunktur entstehen könne. Man sollte sich keiner pessimistischen Betrachtung für das laufende Jahr hingeben, vielmehr glaube er, daß man eine erträgliche Wirtschaft erwarten könne.

Zu den Nussichten für 1928 erklärte er, daß sich für kurzfristige Termine Geldansammlungen in gewissem Um­fange im neuen Jahre eingestellt hätten. Er empfehle aber, dem nicht allzu sehr zu trauen, sondern auf dem Posten zu sein und sich rechtzeitig mit den notwendigen Geldmitteln zu versehen. Wie sich 1928 weiter gestalten werde, sei noch nicht zu übersehen. Ihn und die Wirtschaft beunruhige am meisten, daß die Inanspruchnahme der Wirtschaft für die Steuern unverändert groß sei. hierin sehe er das eigentliche Hemmnis für Deutschland, da es bei solcher Zteuerhöhe nicht möglich sei, wieder zur Zubstanz zu kommen.

Nach einem Bericht des Vereins Deutscher Maschi­nenbauanstalten hat sich bis Ende 1927 die Ausfuhr deut- scher Maschinen so gesteigert, daß England überholt wurde und nun Deutschland wieder den Platz hinter den vereinigten Staaten einnimmt. Der Ausfuhrüberschuß der Maschinen- mdustrie betrug rd. 2/4 Milliarden Rm. und stellt damit den höchsten Wert von allen deutschen Industrien dar.

~ Nach einer Meldung des Torrespondenten desB.

" ist am Montagabend Trotzki von Moskau in die Ver­bannung nach Wjerny an der turkestanisch-chinesischen Gren­ze abgereist.

Datier Gisbert in Paris.

Der Reparationsagent und die Reparationskounnission. Parker Gilbert über die Festsetzung der deutschen Schuld. Die Herabsetzung des Londoner Betrags.

. Auf der Rückreise von Amerika nach Berlin ist der Reparationsagent Parker Gilbert in Paris eingekehrt, um dort mit Mitgliedern der Reparationskommission zu verhandeln. Gilbert steht bekanntlich auf dem Standpunkt, daß es nötig sei, die Endsumme der deutschen Reparationstzerpflichtungen fest­zulegen. Er hat diesen Standpunkt nur nicht nur in Amerika, sondern auch in Paris vertreten.

Parker Gilberts Verhandlungen.

DerMatin" berichtet zu den Borhandlungen des General­agenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, mit der Reparationskommission, daß sich daraus ergebe, daß Parker Gilbert durch seine Anregung, die Summe der deutschen Schul­den in Verbindung mit der Regelung der damit im Zusammen­hang stehenden Fragen festzusetzen, nicht über seine Befugnisse habe hinausgehen wollen, sondern sich lediglich angelegen sein ließe, alle Bedingungen aufzuzählen, die geeignet wären, die wirtschaftliche Stabilisierung des Reiches zu gewährleisten.

Ferner ergebe sich aus seinen Besprechungen, daß ent­sprechend dem Brief, den Poincars am 20. Dezember 1L-7 an den französischen Delegierten in derRepw" errichtet habe, die Herabsetzung des im Mai 1921 in London festgesetzten Betrages der Reparationen auf jeden Fall nur von den interessierten Regierungen abhängen dürfte. Endlich ergebe sich noch, daß die ,Repko" anerkenne, daß sie sich nicht mit diesem Problem zu beschäftigen habe, da sie dafür nicht zuständig sei.

Parker Gilbert bei Briand.

Außenminister Briand gab zu Ehren des Generalagenten für die Reparationszahlungen, Parker Gilbert, ein Frühstück, an dem Ministerpräsident Poincarö, Justizminister Bartbou, der amerikanische Geschäftsträger, der Gouverneur der Bank von Frankreich, sowie andere mit dem Reparationsproölem in Verbindung stehende Persönlichkeiten teilnahmen.

FrrmM^chL AmeMa-ArttÄyen ~ ^

DerChicago Tribune" wird aus New York gemeldet, daß nach Ansicht amerikanischer Bankkreise der Betrag der Anleihen, die französische Finnen auf Grund der erfolgten Aufhebung des Verbots im Laufe dieses Jahres abschließen werden, sich schätzungsweise auf 200 Millionen Dollar belaufen dürfte, wobei vor allem französische Schiffahrtsgesellschaften, fran­zösische Eisenbahngesellschaften und Fabriken von diesen Anlcihemöglichkeiten Gebrauch machen würden.

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Painlev6 über Locarno.

Kriegsminister Painlevö, der seine Wahlkampagne für die Kammerwahlen im Bezirk Cannes eingeleitet hat, hat in einer Besprechung mit dortigen Journalisten u. a. erklärt, er fordere, da er zurzeit der Einleitung der Locarno-Politik Minister­präsident war, die Ehre für sich, mit Briand die Verantwortung für die internationale Entspannungspolitik auf sich genommen zu haben.

Diese Politik sei übrigens unter Mitarbeit hervorragender Männer, wie Poincars und Briand, die dem mißtrauischsten Nationalisten wie dem wärmsten Pazifisten Vertrauen cin- flößen könnten, in würdiger Weise fortgesetzt worden, aber die Friedenspolitik schließe in keiner Weise die Sorgen um die nationale Verteidigung aus. Selbst sie sei für die Sicherheit unerläßlich; daher stehe die französische militärische Organisa­tion sowohl nach dem Willen des Landes wie durch ihre For­mationen im Dienste des Friedens.

Schiele in Magdeburg.

Magdeburg, 18. Januar. In einer Rede in Magdeburg gelegentlich der Provinziallanobundtagung sagte Reichs­minister Schiele über die Handelsvertragspolitik u. a.: Was unsere künftige Handelspolitik angeht, möchte ich mich dahin äußern, daß es unmöglich ist, fortan noch einen Handels­vertrag zu schließen, der auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgefochten wird. Ich habe die Berechtigung dazu, nachdem die Einleitungen wegen der Handelsvertragsfrage im Osten mit Polen bereits einen Fortgang nehmen, der wenigstens nach dieser Richtung hin für die deutsche Landwirtschaft die Sicherheit verbürgt.

Erholungsurlaub Stresemanns.

Berlin, 18, Januar. Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird nach einer Blättermeldung in der ersten Februarhälfte einen längeren Urlaub antreten, um seine Gesundheit zu kräf­tigen. Sein Gesundheitszustand erlaubt es ihm auch nicht, wie vorgesehen, am 25. d. M. die Festrede auf der Reichs- gründungsfeier der Deutschen Volkspartei zu halten. Die Ver­anstaltung ist deshalb abgesagt worden.

Stegerwald.

Berlin, 18. Januar. DieGermania" meldet: In der Presse taucht das Gerücht auf, Abgeordneter Stegerwald habe sein Amt als zweiter Vorsitzender der AentrumSpartei infolge der letzthin bekannt gewordenen Vorgänge niedergelegt. So­weit wir unterrichtet sind, ist Abg. Stegerwald seit Wochen von Berlin abwesend. Seine Rückkehr steht bevor, so daß bis zum Eintreffen oes Abg. Stegerwald gewartet werben »ruß

Die Länderlonserenz.

Die große Konferenz der Ministerpräsidenten und anderer Vertreter der deutschen Länder mit der Reichsregierung wurde eingeleitet mit der Behandlung der Frage:Reich und Länder" eines Problems also, das gegenwärtig besonders aktuell ist, das aber auch gleichzeitig die Basis bildet für alle Erörterun­gen über Verwaltungsvereinfachung, Steuerabbau usw. Das erste Referat hielt das Oberhaupt des Hamburger Stadt­staates, Bürgermeister Dr. P e t e r s e n. Man kennt seinen Standpunkt: er ist Anhänger des Einheitsstaates und verlangte daher Stärkung der Reichsgewailt bei dezentralisierter Ver­waltung. Er sprach sich gegen die Zerschlagung Preußens aus und will die verschiedenen Möglichkeiten des Einheitsstaates durch einen unabhängigen Sachverständigenausschuß prüfen lassen. Die an diesen Ausschuß, der aus Politikern, Staats­rechtlern, Wirtschaftlern usw. bestehen soll, zu richtenden Fragen sollen genau formuliert werden.

Nach Dr. Petersen kam der Württembergische Staatspräsi­dent B a z i l l e zum Wort. Er vertritt den gegenteiligen Standpunkt, indem er den Ländern wieder größere Selbstän­digkeit geben will: zurück zur Bismarckschen Reichsverfassung ist seine Forderung. In Wahrheit liege die Krankheit, unter der die Steuerzahler leiden, nicht in der Existenz der Länder und den Einrichtungen ihrer Verwaltung, sondern allein in den Irrtümern, in denen die Baumeister der Reichsverfassung befangen waren. Auch die Klagen der Städte hätten ihren Grund in den Gesetzen und Maßnahmen des Reiches, die die Länder zu Eingriffen in die Selbstverwaltung nötigten. Be­trachte man die Verfassung von Weimar im ganzen, so habe zwar auch sie sich bemüht, Gegengewichte anzubringen, aber sie habe die Elemente fremder Verfassungen so unglücklich mit­einander vermischt, daß die neue Reichsverfassung einer Ma­schine gleiche, deren Räder nicht ineinandergreifen und mit­einander wirken, sondern von denen jedes den Gang des anderen stört.

Sehr scharf sprach sich dann auch der dritte Redner, der bayerische Ministerpräsident Dr. Held gegen den Einheits­staat aus. Man führte für den Einheitsstaat vor allem ins Feld, daß damit das Gegeneinander, Nebeneinander und Durcheinander beseitigt wird, woran die Weimarer Verfassung ' Sch > T'n sock. Der wirkliche Grund für das mancherlei Durcheinander und Gegeneinander in Deutschland liege aber in der geistigen und sozialen Zerrissenheit des deutschen Vol­kes. Diese Zerrissenst: K würde auch im Einheitsstaat nicht ver­mindert, sondern vermehrt. Der Einheitsstaat sei auch nicht billiger zu verwalten, als der Bundesstaat, im Gegenteil: die notwendi ' Verbilligun' sei im Bundesstaat in gleicher Wciie und sogar noch zweckmäßiger durchführbar als im Einheits­staat. Man solle daher von einer umstürzenden Umgestaltung der Verfassung zum Einheitsstaat absehen und zunächst die Mängel der Weimarer Verfassung beseitigen. Wo der Wille zur Erhaltung der Eigenstaatlichkeit in einem Lande vorhanden sei, müsse dabei auf ihn Rücksicht genommen werden. Dieser Grundsatz müsse insbesondere auch bei der Beseitigung kleinerer Länder unbedingt gewahrt werden. Dr. Held erörterte dann die Frage: Reich und Preußen und wandte sich schließlich auch vom kulturellen StandpunÜ gegen den Einheitsstaat.

Den Abschluß der Referate bildete eine Rede des preußi­schen Ministerpräsidenten Dr. Braun. Er betonte die Not­wendigkeit einer ruhigen und sachgemäßen Entwicklung der in Frage stehenden Probleme und unterstrich, daß man an die Dinge ohne Rücksicht auf Parteistandpunkte herangehen müsse.

Wie mitgeteilt wird, ist man mit dem bisherigen Verlauf der Konferenz durchaus zufrieden. Man hat mit den vier großen Referenten, in denen eine ganze Reihe von allgemeinen, wie von besonderen Fragen herausgearbeitet wurden, die Grundlage für eine Aussprache geschaffen, aus der sich dir schließlichen Ergebnisse der Konferenz herauskristallisieren können.

Reichspräsident v. Hindenburg gab am Montagabend M Ehren der Staatspräsidenten uns Ministerpräsidenten der Länder ein Essen, zu dem auch die beteiligten Reichsminister und Minister der Länder sowie die Bevollmächtigten der Län­der zum Reichsrat geladen waren.

Die Aussprache.

Die Verhandlungen der Konferenz der Länder wurden am Dienstagvormittag pünktlich um 10 Uhr in der Reichs­kanzlei wieder ausgenommen. Als erster Redner nahm der sächsische Ministerpräsident H e l d t das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er den Standpunkt seiner Regierung zu den Problemen der Konferenz und zu den Haupreferaten eingehend entwickelte. Nach ihm sprachen der thüringische Staatsminister L e u t h e u s s e r , der hessische Staatspräsident Ulrich, der badische Staatspräsident Dr. R e m m e l e, der preußische Ministerpäfident Braun, der oldenburgische Ministerpräsident v. Finckh und der preußische Finanzmini­ster Dr. H ö p k e r - Ä s ch 0 f f.

Ministerpräsident Braun und Bürgermeister Petersen haben ihre Referate in eigenem Namen gehalten, während der bayrische Ministerpräsident Dr. Held in seinem Referat für das bayrische Staatsministerium sprach.

Berlin, 18. Januar. In politischen Kreisen beurteilt man die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder dahin, daß sie wahrscheinlich zur Einsetzung eines Ausschusses sichren wirb, der in bestimmter Zeit genaue Vorschläge aus arbeiten muß, durch die die Ziele der Konferenzeinberufung verwirklicht werden können.