Kreis-Amtsblatt * Myerneiner amtlicherKuMyer für -en. Kreis Schlüchtem
-emkmrö Verlag: tz.Strürflld S-Hue* Sesthüst^»^ahuhofstr.S * fernspr-.Nr.i4y * postph«t^§r«mkfuvtLLk.r»roo
Nr. 14
(1. Blatt)
Donnerstag, den 2. Februar 1928
80. Jahrg.
Amtliche Bekanntmachungen.
Landratsamt.
I .-Nr. 805. Die Zuchthengste Dom Landgestüt Dillen- burg stehen vom 18. Februar d. 3s. ab auf der hiesigen Deckstation wieder zur Verfügung. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dies ortsüblich bekannt zu geben.
Ich mache darauf aufmerksam, daß die Kbfohlungs- ergebnisse in die den Herren Bürgermeistern s. 5t. zugehenden Deckregister genau einzutragen und letztere bis spätestens 20. Juni d. 3s. an den Stationswärter zurückzu- geben sind, sowie daß die Füllengelder jedesmal ungesäumt an den Stationswärter gezahlt werden müssen.
Schlüchtern, den 31. Januar 1928.
Der Kom. Landrat. 3. V.: Schultheis.
Kreisausschutz.
I.-Nr. 452 K. R. Diejenigen Herren Standesbeamten der Landgemeinden, welche noch mit der (Einreibung der Standesnebenregister nebst Rufgebotsakten für 1927 im Rückstände sind, werden an die alsbaldige (Einreibung derselben hiermit erinnert.
(Oergl. Ziffer 107 des amtlichen Handbuches.)
Schlüchtern, den 31. Januar 1928.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
3 .=Rr. 428 K. R. Den Herren Bürgermeistern der Landgemeinden geht in den nächsten Tagen eine Beschreibung des neuen Gemeinderechnungssormulars und eine Bestellkarte zu. Der preis beträgt 4,50 Mk. pro Stück. Für jedes Rebnungsbub werden zwei Formulare benötigt. Die Waisenhaus-Buchdruckerei in Kassel empfiehlt, den Bedarf für 2 Jahre, insgesamt also 4 Formulare, zu bestellen, weil für 2 Rechnungsjahre zusammen nur eine Ruflage erscheinen wird. Ich ersuche, die Bestellkarte entsprechend auszufüllen und unverzüglich hierher zuruck- zusenden.
Schlüchtern, den 50. Januar 1928.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
3 .=Rr. 424 K. R. Diejenigen Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden, sowie die Herren Gutsvorsteher des Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 18. Juni 1927 3.=Hr. 2797 K. R. (Kreis= blatt Rr. 75) betreffend Berichterstattung über die in der Zeit vom 1. Oktober bis 31 Dezember v. 3s. gefallenen und an die Fleischmehlfabrik abgelieferten Tiere im Rück- stande sind, werden hieran wiederholt mit einer Frist von 8 Tagen erinnert.
Schlüchtern, den 26. Januar 1928.
.Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Dr. Müller.
3m Riter von 67 Jahren starb in England der britische Oberbefehlshaber während des Weltkrieges, Feldmarschall haig. haig gehörte zu den umstrittensten Heerführern des Weltkrieges' besonders scharfe Rngriffe richtete die Londoner presse nach der Lambrai-Schlacht im herbst 1917 gegen den Marschall, weil sie ihn mit seinem Stabschef für die Niederlage verantwortlich machte, die die deutschen Truppen damals den Engländern trotz deren Nasseneinsatz von Tanks beibrachten.
Dem Staatsanwaltschaftsrat Dr. Walter Iacobi-Bsr- Hn ist die Rusübung der Rmtsoerribtung vorläufig untersagt worden, da er im Verdacht steht, an der Lombardhausangelegenheit Bergmann verwickelt zu sein. Das Justizministerium hat seine Suspendierung vom Rmt verfügt.
Der hessische Staatsgerichtshof tagte am Dienstag, um über die Proteste gegen die Gültigkeit der hessischen -andtagswahlen zu beraten. Nach 2> 's stündiger Beratung wurde das Urteil gefällt, das die Einsprüche gegen die Wahl zurückweist. Somit ist ausgesprochen, daß der hessische Landtag nicht aufgelöst wird.
Der Posträuber hein, der in Jena einen Kriminab beamten erschossen hatte, hat am Montag, als er von Polizeibeamten in seinem Unterschlupf in planen verhaftet werden sollte, einen Kriminalkommissär erschossen und einen Gendarmen durch einen Brustschuß schwer verletzt. Der Mörder ist entkommen.
Einer Blättermeldung zufolge will das Zentrum die Entscheidung über das Schulgesetz so rasch wie nur irgend möglich herbeizuführen. Reichskanzler Dr. Marx werde daher baldigst mit den Parteiführern Fühlung nehmen.
Der neue deutsche Botschafter in Washington, o. Pfittwitz und Gaffron, hat am Dienstag dem Präsidenten sein Beglaubigungsschreiben überreicht.
— Der Dichter und Schriftsteller Karl Bleibtre» ist im Alter bon 6» Jahren in Locarno gestorben.
— Der Telephonverkehr zwischen Holland und Amerika, der Holland »ach England durch Kabel, von England nach Amerika "ohtlos stattfindel, wnrde feierlich eröffnet.
DerWiderhallderStresemann-Rede
Berlin, 31. Januar. Die heute vormittag aus Paris vorliegenden Presseäutzerunge» zur Stresemannrede ent- sprechen der parteipolitischen Einstellung der Blätter. Freundlich ist die Aufnahme im „Oeuvre". Das radikale Blatt nennt die Rede die einfache Analyse einer Politik, die fortgesetzt beeinflußt sei von den Interessen des deutschen Volkes, aber deshalb in keiner Weise die Interessen der anderen Völker störe. Alles das, was Stresemann suche, sei nur mit einer Linksmehrheit zu erhalten. Mit einer Rechtsmehrheit in Deutschland oder in Frankreich würden die Rheinlandverhandlungen ein baldiges Ende nehmen, wenn sie sich anbahnen sollten. Wenn 1935 die von Muffo- lini angekündigte Schicksalsstunde schlage, müsse Frankreich seine Soldaten vom Rhein zurückziehen und würde von Deutschland nur eine leichtbegreifliche Erbitterung als Ge- genleistung erhalten.
Ablehnend äußert sich die Rechtspresse. „Echo de Paris" schreibt, die Rede bedeute das Ende der langen Zurückhal. tung,. die der Chef der deutschen Außenpolitik seit Oktober 1926 sich aufzuerlegen Klugheit und Tatkraft besessen habe. Deutschland müsse noch bis 1935 den Beweis für eine innere Erneuerung fortsetzen.
Der „Gaulois" stellt die Frage, ob Frankreich den Sperling in der Hand für die Taube auf dem Dache fahren lassen wolle. Der „Figaro" meint in scharfen Tonen, jetzt, da Deutschland stärker sei, scheine Stresemann vollkommen Deutschlands Niederlage vergessen zu haben und daß die Rheinlandbesatzung eine Garantie für die von Deutschland nicht bezahlten Reparanonen sei.
In den Berliner Telegrammen der englischen Blatter wird vor allem Stresemanns Erklärung, daß die Nichträumung des Rheinlandes zugleich eine Mißachtung der englischen Locarnogarantie in sich schließe, stark be- achtet. „Daily Telegraph" äußert vorsichtig: Stresemanns Andeutungen, daß Frankreichs Wunsch nach größerer Sicherheit gehe, cjg ihm von Großbritannien und Deutschland mit den Locarnoverträgen gewährt wir», eine Beleidigung; für beide sei, wären sicherlich geschickt. Stresemanns Worte, daß die britische Erklärung der Fortdauer der Rbeinland- besahung entgegen sei, verlören die Tatsache aus den Au- gen, daß die englische Regierung notwendigerweise die Aufgabe habe. Frankreich zu dem Gedanken einer baldigen Räumung zu bekehren, was aber entschieden sehr mühselig wäre.
Mitfekhaste Kohlengasvergiftunge».
Berlin, 1. Februar. In einer Großdampfbäckerei im Osten Berlins erkrankten elf Arbeiter und Arbeiterinnen unter geheimnisvollen Bergiftungserscheinungen. Ein Arzt stellte Vergiftung durch Kohlenoxydgase fest. Zwei Personen, die tmrb die Gaseinwirkung besonders schwer mitgenommen ivaren, wurden in die Charite übergeführt. Die übrigen neun Erkrankten sonnten nach ärztlicher Behandlung in ihre Wohnungen entlassen werden. Nach den bisherigen Feststellungei» scheinen die Kohlenoxydgast dem jedenfalls schadhaften Back, efen entströmt zu sein.
Die Lombardhausaffäre.
Breslau, 1. Februar. Der Berliner Millioncnfkanixü des Allgemeinen Lombard- und Lagerhauses zieht auch nach Bres- lan und der Provinz Schlesien seine Kreise. Wie die „Bres- lauer Neuesten Nachrichten" melden, sind 300 000 Mark durch die schlesische Filiale bei dem Berliner Haupthaus investiert worden. Unter den Gläubigern befinden sich viele kleine Leute, die durch ba§ Versprechen einer Verzinsung von monatlich
3 Prozent Gelder hergegeben haben.
Millionenunterschlagungen eines Nachlatzpflegers?
Berlin, 1. Februar.. Bei der Staatsanivaltschaft bei Landgerichts I lverden zurzeit schwere Anschuldigungen nach- geprüst, die gegen einen Nachlaßpfleger erhoben worden sind, der früher Bürovorsteher in einem Berliner Amtsgericht war. Es handelt sich vor allem um drei Fälle, in denen der Pfleger aus den von ihm verwalteten Nachlässen große Suumwn, in einem Falle zwei Millionen, unterschlagen haben soll.
Gegen eine Zerschlagung Preußens in selbständige Verwaltungsbezirke wandte sich der preußische Innenminister Greszinski in einer Rede, die er im.<>mshaltsausschuß des preußischen Landtags hielt. Er sei für seine Person Umtarier, im Augenblick aber sehe er keine Möglichkeit der Verwirklichung des Einheitsstaates. Das habe auch die Länder- konferenz gezeigt. Mit aller Entschiedenheit seien die Vorschläge abzulehnen, die den Einheitsstaat dadurch zu verwirklichen suchen, daß sie Preußen in eine Reihe von selbständigen Verwaltungsbezirken zerschlagen wollen. Zur Frage der Verwaltungsreform führte der Minister weiter aus, daß er die Kritik an der Zahl der Parlamente und Parlamentarier nicht mitmache, zumal Parlamente immer und besonders in erregten Zeiten Ventile für die Bevölkerung seien. Die durch den Abbau d« Parlamente zu erzielenden Ersparnisse seien minimal.
7* Weimarer Koalition m Hessen. Die sozialdemokratische Fraktion des hessischen Landtags hat beschlossen, die Verhandlungen zur Regierungsbildung nur noch auf der Basis.der alten Weimarer Koalition mit dem Zentrum und den Demo traten weiterzuführen. Damit ist die Entscheidung über die Neubildung der Regierung in Hessen gefallen.
WWMWehWenMn^
Die Verhandlungen mit Litauen und Polen
(Von unserm Berliner Mitarbeiter.)
. Die deutsch-litauischen Verhandlungen, die in diesen Tagen in Berlin zwischen dem litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras und dem deutschen Außenminister Dr. Stresemann geführt worden sind, haben, wie bereits gemeldet, zu einem Ergebnis geführt, das zu der Hoffnung berechtigt, daß die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen jetzt als ge- klärt angesehen werden können. Besonderes Interesse beansprucht in dem Gesamtergebnis der vereinbarte Schieos- gerichts- und Vergleichsvertrag, dessen Bedeutung darin liegt, daß, wie mit anderen Ländern, nunmehr auch mit Litauen ein Verfahren zur friedlichen Beilegung nahezu aller irgendwie denkbaren juristischen und politischen Streitfragen festgelegt worden ist. Für den noch ausstebenden deutschlitauischen Handelsvertrag ist es von Wichtigkeit, daß in den Berliner Verhandlungen eine Reihe von wichtigen Vorfragen grundsätzlich geklärt werden konnte. Die Vereinbarungen über die beiderseitigen Interessen im M c- melgebiet berechtigen zu der Hoffnung, daß die deutsche Bevölkerung im Memelgebiet in Zukunft weniger Anlaß zu Beschwerden haben wird als bisher.
Nachdem die Verhandlungen mit Litauen also zu einem befriedigenden Abschluß gekommen sind, stehen die Wirtschaftsverhandlungen zwischen Deutschland und Polen im Mittelpunkt des Interesses. Verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die jahrelang äußerst gespannten deutsch polnischen Beziehungen, die durch den Zollkrieg und durch die gegen die deutschen Minderheiten gerichteten Maßnahmen untergeorbneter Behörden immer wieder verschärft worden sind, jetzt allmählich doch in eine vcrständigungs- willigere Atmosphäre überzugehen scheinen. In diesen Tagen haben in Warschau Besprechungen zwischen deut- K en und pvliüscheü Wirtschastssübrern ftattgefuiibci’, die den Zweck hatten, die wirtschaftlichen Verhältnisse eines jeden Landes dem anderen klarzulegen. Aebnlicke Konferenzen .haben ja auch seinerzeit in Paris stattgefunden, als es sich darum handelte, den durch Krieg und Versailler Vertrag zerstörten Wirtschaflsfriedcn zwischen Deutschland und seinem westlichen Nachbarn wiederherzustellen. Daß diese Methode richtig war, hat der Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages gezeigt. Es ist selbstverständlich, daß die privaten Besprechungen in Warschau nickt den amtlichen Verbandlungen, die im Auftrage der Re'cksregie- rung Reichsminister a. D. Hermes führt, vorgreifen dürfen.
Was nun den Stand der offiziellen Handelsvertrags- verhandlungen angebt, so ist man sich in maßgebenden politi- sehen Kreisen vollkommen klar darüber, daß dem Abschluß des deutsch-polnischen Handelsvertrages noch große Schwierigkeiten gegenübersieben. Eine nicht geringe Beunruhigung hatte eine von Polen angekündigte Verordnung bervorge- rufen, die für die wichtigsten Einfuhrwaren eine amtliche Beglaubigung der Faktur durch die polnischen Konsulate vorsehen sollte. Der Arsprungszeugniszwang stellt im internationalen Handelsverkehr ein beliebtes Druckmittel dar, um die Einfuhr auch ohne erhöhte Zölle zu unterbinden oder zu erschweren. Die halbamtliche Ankündigung dieser Verordnung hatte in deutschen Wirtschaftskrisen schwere Besorgnisse erregt, über die auch die verantwortlichen Stellen in Warschau unterrichtet worden sind. Erfreulicherweise hat man sich jetzt in Warschau — wie man hier annimmt, auf direktes Eingreifen des polnischen Außenministers bin — in letzter Stunde noch entschlossen, diese Verordnung nicht in Kraft zu setzen.
Außerordentlich störend für den Verlauf der Warschauer Besprechungen wirkt eine politische Verordnung der Warschauer Regierung, die den Behörden gestattet, innerhalb 30 Kilometer von der Staatsgrenze Ausländern in Polen de» Bodenkauf und die Niederlassung zu verbieten. Diese Berdrdnung würde, wenn sie zur Durchführung käme, eine Einschränkung der Niederlassung reichsdeutscher Kaufleute, Techniker oder Arbeiter erlauben. Sie ist deshalb geeignet, die schwebenden Handesvertragsverhandlungen, in denen die Niederlassungsfrage ja eine große Rolle spielt, außerordentlich zu erschweren. Wie verlautet, soll diese Verordnung ohne Kenntnis des polnischen Außenministeriums erlassen worden sein. Es ist selbstverständlich, daß von deutscher Seite alles versucht wird, die Durchführung der Verordnung zu verhindern. Die Reise des Polenrefe-' renten im Auswärtigen Amt, Gebeimrat Z e ch l i n, nach Warschau hängt sicher mit dieser Angelegenheit zusammen. Nach den Mitteilungen des Warschauer halbamtlichen Organs „ G l o s P r a w d y " ist auch in dieser Frage mit einer Einigung zu rechnen. Daß man auf deutscher Seite mit einem gewissen Optimismus dem weiteren Verlauf her deutsch-polnischen Verhandlungen entgegensiebt, beweist die Aeußerung des Reichswirtschaftsministers Dr. Curtius, der am Montag im Hausbalts-Ausschuß des Reichstages ausgeführt hat, daß die Handelsvertragsverbandlungen mit Polen gegenwärtig nicht ungünstig stehen.